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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wetter aktuell
Des einen Freud?
Das heutige Thema des Tages beschäftigt sich mit den Auswirkungen der
aktuellen Wetterlagen auf Skandinavien.
Eitel Sonnenschein - das gilt in den kommenden Tagen zumindest im
Südwesten bzw. in der Südwesthälfte. Und auch in Richtung Nordosten
ist das Wetter ja keinesfalls schlecht - nur vielleicht ein bisschen
weniger gut mit ein paar mehr Wolken und eventuell ein paar (aber
wirklich nur ein paar) Tropfen.
Das Hoch ZENO, welches für das teils hochsommerliche Wetter mit
Temperaturen von bis zu 34°C im Südwesten verantwortlich ist und
schon Morgen von dem nicht weniger sommerlich gestimmten Hoch
ALEXANDER abgelöst wird, macht sich dabei nicht nur am Boden
bemerkbar. Vielmehr handelt es sich um ein sogenanntes
"hochreichendes" Hoch, das auch in höheren Luftschichten zu erkennen
ist.
In Abbildung 1 zeigen die Linien das Geopotential in etwa 5,5 km
Höhe. Beim Geopotential handelt es sich in gewisser Weise um den
Druck in höheren Luftschichten. Das mit ZENO bzw. ALEXANDER
korrespondierende Höhenhoch ist über Nordfrankreich, etwas nördlich
der Loire, gut auszumachen. Zwischen diesem Höhenhoch und einem
Höhentief südwestlich von Island liegen die Linien gleichen
Geopotentials, die Isohypsen, relativ dicht gedrängt. Das führt in
der Folge zur Ausbildung eines Starkwindbandes, auch Jet genannt.
Auch dieser Jet ist in der Karte (Pastelltöne) dargestellt,
allerdings in einer höher gelegenen Luftschicht (in etwa 9 km Höhe).
Unabhängig von der Höhe erkennt man, dass sowohl die Drängungszone
der Isohypsen als auch der Jet sich leicht wellend vom mittleren
Nordatlantik bis nach Skandinavien erstrecken. Dieser Bereich, die
sogenannte Frontalzone, macht also einen weiten Bogen um Mittel- und
Westeuropa.
Damit steuert sie aber - nicht nur aktuell, sondern auch über die
kommenden Tage hinweg - feuchte Nordatlantikluft nach Skandinavien
und damit zuallererst nach Norwegen. Dort trifft die Luft auf das
Skandinavische Gebirge und wird gehoben, was einiges an Regen zur
Folge hat. Die akkumulierten Regenmengen bis zum Dienstagabend können
Abbildung 2 (links) entnommen werden. Wie an einer Perlenkette reihen
sich die Regionen mit den intensivsten Regenfällen von Süd-Südwest
nach Nord-Nordost orientiert im Weststau der Skanden aneinander. In
der Spitze fallen bis zu 100 l/m2 in nur etwa dreieinhalb Tagen. Die
Norweger sind diesbezüglich zwar Kummer gewöhnt, aber man kann schon
sagen, dass dort das Pfingstfest eher verregnet sein wird. In
meteorologischen Zusammenhängen gedacht gilt hier sehr
offensichtlich: Des einen Freud ist des anderen Leid.
Aber: Gilt das mit dem "Verregnetsein" in Norwegen überall? Nicht
ganz. Denn die Überströmung des Gebirges sorgt auf der
Windschattenseite für föhnige Aufheiterungen. Je nach Wetterlage und
Anströmung können sich solche Aufheiterungen sogar im Nordosten
Deutschlands bemerkbar machen. Das ist aktuell zwar nicht der Fall,
aber für den Großraum Oslo sagen die Modelle nur geringe Regenmengen
vorher (ebenfalls Abbildung 2 links).
Der Föhn mischt sich darüber hinaus auch in die zu erwartenden
Höchsttemperaturen ein. (Wer sein Wissen über Föhn auffrischen
möchte, kann dies z. B. in einem Thema des Tages meines Kollegen
Tobias Reinartz aus dem letzten Jahr tun:
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2025/10/28.html). In der
aktuellen Situation bringt der Föhn vor allem dem Südosten Norwegens
und der Südhälfte Schwedens Temperaturen, die verbreitet zwischen 20
und 25°C liegen (Abbildung 2, rechts). Dem gegenüber kommen die
Temperaturen im Dauerregen entlang der norwegischen Küste überhaupt
nicht "aus dem Quark". Dort sind 10 bis 15°C das Höchste der Gefühle.
Zum Ende unserer Betrachtungen wollen wir den Blick nochmal auf die
Abbildung 1 lenken. Denn auch in das Gebiet mit hohem Geopotential,
welches sich von Südwesteuropa nach West- und Mitteleuropa erstreckt,
hat sich ein kleines Höhentief "reingeschummelt". Es kreist vor der
Nordküste Portugals und sorgt im nordwestlichen Bereich der
Iberischen Halbinsel (Galicien und Nordportugal) für etwas Regen
(Abbildung 3).
Die Situation dort unterscheidet sich von der in Norwegen aber in
mindestens zwei Punkten sehr wesentlich. Erstens sind die
Niederschlagsmengen geringer, was selbst dann gilt, wenn die hier
angegebenen Mengen eventuelle lokale Spitzenwerte nicht korrekt
wiedergeben. Und zweitens fällt der Regen in Spanien bei sommerlichen
30°C und nicht bei eher herbstlichen 10 bis 15°C.
Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wissenschaft Kompakt
Hoch "Zeno" sorgt für niedrigen Meeresspiegel?!
Beeinflusst der Luftdruck den Meeresspiegel? Sorgt hoher Luftdruck
wirklich für einen niedrigeren Wasserstand?
Derzeit verlagert Hoch "Zeno" seinen Schwerpunkt nach Mitteleuropa.
Dabei kann im Zentrum der Luftdruck auf über 1030 Hektopascal (kurz:
hPa) ansteigen, was für die Jahreszeit nicht alltäglich ist. Aber was
bedeutet diese Angabe in Hektopascal eigentlich?
Luft besitzt ein Gewicht, auch wenn wir uns dessen in unserem
täglichen Leben nicht allzu häufig bewusst sind. Vielleicht ist der
einen oder dem anderen bei einer Bergtour schon aufgefallen, dass die
Luft mit zunehmender Höhe "dünn" wird. Damit ist der mit der Höhe
abnehmende Luftdruck gemeint. Die Luftmoleküle liegen dann etwas
weiter auseinander. Und obwohl sich der prozentuale Anteil an
Sauerstoff in der Luft nicht ändert, nehmen wir mit jedem Atemzug
weniger Sauerstoff auf als im Flachland. Entsprechend bekommt man das
Gefühl, das Atmen auf dem Berg fällt schwerer.
Die Luft der Erdatmosphäre besitzt also eine eigene Masse. Insgesamt
wiegt sie rund 5 Trillionen Kilogramm, ausgeschrieben also eine 5 mit
18 Nullen. Über jedem Quadratmeter der Erde befinden sich umgerechnet
etwas mehr als 10000 kg bzw. 10 Tonnen Luft, die dort Druck ausüben.
Ganz schön viel, oder? Damit wir dabei nicht kollabieren und weiter
atmen können, sind unsere Körper an diesen Druck angepasst. Wir
empfinden ihn als "normal".
Druck beschreibt eine Kraft pro Fläche. Diese kann in der Einheit
"Bar" oder "Hektopascal" angegeben werden. Der Luftdruck der
Atmosphäre ist dabei nichts anderes als die Kraft, die durch die
Gewichtskraft der Luftsäule und die Bewegung der Luftmoleküle auf
eine Fläche wirkt. Dieser beträgt bei Standardbedingungen (15 °C
Lufttemperatur am Boden und trockenen Verhältnissen) auf Meereshöhe
1013,25 hPa oder 1013,25 Millibar. Das entspricht dem Druck einer
Wassersäule von etwas mehr als 10 Metern Höhe.
Auch der Meeresspiegel reagiert auf Veränderungen des Luftdrucks.
Diese Änderungen bezeichnet man als "invers-barometrischen Effekt".
Invers wird er genannt, weil höherer Luftdruck die Wasseroberfläche
nach unten drückt. Herrscht dagegen niedriger Luftdruck, lastet
weniger Gewicht auf dem Wasser, sodass sich der Meeresspiegel quasi
anhebt.
Ein Blick auf die heutige Bodendruckverteilung zeigt über
Mitteleuropa sowie im Bereich der Nord- und Ostsee hohen Luftdruck
mit Werten über 1028 hPa (in Abbildung 2 orange dargestellt), der auf
den Meeresspiegel drückt. Auf dem Nordatlantik liegt hingegen ein
Tief mit einem Kerndruck unter 988 hPa (in Abbildung 2 blau
gekennzeichnet), der Druck fällt dort geringer aus. Dabei ergibt sich
ein Unterschied von etwa 40 hPa, was dem Druck einer Wassersäule von
40 Zentimetern entspricht. Als grobe Faustregel kann man sagen, dass
1 hPa die Wassersäule um 1 Zentimeter verändert.
In der Realität wird der Effekt meist nur in tieferen, offenen Meeren
deutlich messbar, wo das Wasser frei ausweichen kann. In flachen
Nebenmeeren oder Buchten werden die Pegelschwankungen jedoch häufig
von anderen Faktoren wie Wellen, Gezeiten und der Wirkung des Windes
überlagert, weshalb der Effekt dort nur bedingt zu beobachten ist.
In der Ostsee drücken Stürme mit westlichen Winden das Wasser nach
Osten, wodurch es im Finnischen Meerbusen zu Hochwasser und an der
deutschen Ostseeküste zu Niedrigwasser kommt, obwohl das Zentrum des
Tiefs beispielsweise über Dänemark liegt.
Die Kombination aus tiefem Luftdruck und länger anhaltenden, auf die
Küste gerichteten Winden kann durchaus gefährliche Auswirkungen
haben. Im Jahr 2024 sorgte eine anhaltende Nordostlage bei tiefem
Luftdruck für Hochwasser an der deutschen Ostseeküste, da das
Ostseewasser großflächig nach Südwesten gedrückt wurde. Anfang 2026
führte anhaltender Ostwind sogar zu historischem Niedrigwasser im
Norden und Osten der Ostsee (siehe Thema des Tages vom 14.02.2026).
Im Februar 2026 kam es in der Adria von Italien bis Montenegro durch
die Kombination aus tiefem Luftdruck und anhaltendem Wind zu einem
starken Anstieg des Meeresspiegels. Dabei wurden die höchsten
Wasserstände seit Beginn der instrumentellen Pegelmessungen
verzeichnet. In mehreren Küstenorten kam es zu Überflutungen, da das
Wasser ins Landesinnere gedrückt wurde.
Hier zeigt sich also, wie eng Atmosphäre und Ozean miteinander
gekoppelt sind. Schon vergleichsweise kleine Druckunterschiede können
den Meeresspiegel spürbar verändern. Kommen dann noch weitere
Faktoren wie Wind und regionale Gegebenheiten hinzu, verstärken sich
diese Effekte schnell. Aus wenigen Hektopascal werden an der Küste
mitunter Zentimeter, die darüber entscheiden, ob Wasser bleibt, wo es
ist, oder ob es neue Wege ins Landesinnere findet.
M.Sc.-Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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