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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wissenschaft kompakt

Der Geist in der Kasseopeia


Ein geheimnisvoller Nebel im Sternbild Kassiopeia, aufgenommen mit
einem Amateurteleskop südlich von Frankfurt. Doch nicht nur ein
wolkenfreier Himmel ist Voraussetzung für solche Astrofotografien.
Auch die Beschaffenheit der Atmosphäre spielt eine entscheidende
Rolle.


In der ersten Oktoberhälfte dominierten außergewöhnlich
langanhaltende Hochdruckwetterlagen, die vielerorts noch nicht von
Hochnebel geprägt waren. Das sorgte nicht nur für ein Plus bei der
Sonnenscheindauer, sondern bescherte uns auch zahlreiche klare Nächte
mit häufig trockener Luft. Die inzwischen wieder längeren Nächte
boten damit ideale Bedingungen für die Astrofotografie. Das folgende
Bild entstand mit einem Amateurgerät südlich von Frankfurt. Es zeigt
den sogenannten ?Geist der Kassiopeia? (IC 59/IC 63).

Die beiden Nebel befinden sich im Sternbild Kassiopeia, das aufgrund
seiner charakteristischen Form auch als Himmels-W bekannt ist. Ihren
Namen verdanken sie ihrem geisterhaften Aussehen. Sie bestehen aus
interstellarem Gas und Staub, die vom hellen Stern Gamma Cassiopeiae
angestrahlt werden. Dieser befindet sich nur wenige Lichtjahre von
den Nebeln entfernt. Während IC 59 überwiegend das Licht des Sterns
reflektiert und dadurch bläulich erscheint, handelt es sich bei IC 63
sowohl um einen Reflexions- als auch um einen Emissionsnebel. Hier
wird zusätzlich Wasserstoff durch die intensive UV-Strahlung des
Sterns ionisiert und zum Leuchten angeregt. Das dabei entstehende
H-alpha-Licht sorgt für die charakteristische rötliche Färbung. Die
gesamte Nebelregion ist etwa 500 bis 600 Lichtjahre von uns entfernt.


Für die Aufnahme kam ein 10-Zoll-Newton-Teleskop auf einer
sogenannten parallaktischen Montierung zum Einsatz. Diese gleicht die
scheinbare Bewegung der Sterne aus, sodass auch lange
Belichtungszeiten möglich sind. Als Kamera diente eine speziell
gekühlte Astrokamera, die das Bildrauschen reduziert.

Voraussetzung für ein solches Foto ist allerdings nicht allein ein
wolkenfreier Himmel. Auf seinem Weg durch die Atmosphäre wird das
Sternenlicht durch verschiedene Einflüsse abgeschwächt und verändert.
Dabei spielen insbesondere die Lichtverschmutzung, die Transparenz
der Atmosphäre und die Luftunruhe eine wichtige Rolle.
Der wohl größte Störfaktor bei der Astrofotografie ist die
Lichtverschmutzung. Durch künstliche Beleuchtung wird die Nacht
zunehmend zum Tag. Das Licht wird an Luftmolekülen und Aerosolen in
der Atmosphäre gestreut und hellt dadurch den Nachthimmel auf. Bei
einem dunklen Himmel lassen sich mit bloßem Auge tausende Sterne
erkennen und sogar die Milchstraße beobachten. In größeren Städten
sind dagegen häufig nur noch die hellsten Sterne sichtbar. Viele
Menschen, die in Ballungsräumen aufgewachsen sind, haben die
Milchstraße deshalb noch nie mit eigenen Augen gesehen.

Da unser Foto im lichtverschmutzten Rhein-Main-Gebiet entstanden ist,
droht der lichtschwache Nebel im aufgehellten Nachthimmel zu
verschwinden. Abhilfe schafft eine lange Gesamtbelichtungszeit: Dazu
werden zahlreiche Einzelaufnahmen angefertigt und anschließend zu
einem Bild zusammengerechnet. In diesem Fall wurden etwa 480
Einzelbilder mit jeweils 100 Sekunden Belichtungszeit aufgenommen.
Für den roten Anteil des Nebels kam zusätzlich ein spezieller
Linienfilter zum Einsatz, der vor allem das Licht des ionisierten
Wasserstoffs durchlässt und einen Großteil des störenden Stadtlichts
unterdrückt. Dafür wurden weitere rund zehn Stunden belichtet.
Insgesamt ergibt sich so eine Belichtungszeit von mehr als 23
Stunden.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Transparenz der Atmosphäre. Bei
hoher Luftfeuchtigkeit können sich Dunst oder Nebel bilden, die das
Sternenlicht streuen und den Kontrast verringern. Auch Aerosole und
feine Schwebeteilchen in der Luft können die Sicht auf lichtschwache
Objekte beeinträchtigen. Besonders günstige Bedingungen herrschen
daher bei einer möglichst klaren, aerosolarmen und trockenen
Luftmasse. Nicht zuletzt deshalb befinden sich viele große
astronomische Observatorien in trockenen Regionen, beispielsweise in
Wüstengebieten.

Eine trockene und transparente Atmosphäre ist allerdings noch keine
Garantie für gute Beobachtungsbedingungen. Gerade bei hohen
Vergrößerungen spielt die sogenannte Luftunruhe eine entscheidende
Rolle. Dabei wird das Licht durch Turbulenzen in der Atmosphäre
ständig unterschiedlich stark gebrochen und abgelenkt. Die Sterne
scheinen dadurch zu funkeln. Im Teleskop beginnt das Bild zu flimmern
und verliert an Schärfe. Astronomen bezeichnen diese Bildunschärfe
als ?Seeing?. Eine Nacht kann somit einen sehr klaren Himmel bieten,
aber aufgrund starker Luftunruhe trotzdem schlechte Bedingungen für
astronomische Beobachtungen aufweisen.

Um die störenden Einflüsse der Erdatmosphäre zu umgehen, wurden
Weltraumteleskope wie das Hubble- und das James-Webb-Weltraumteleskop
außerhalb der Erdatmosphäre stationiert. Sie können das Universum
ohne die durch Wolken, Aerosole und atmosphärische Turbulenzen
verursachten Beeinträchtigungen beobachten.

Zu Zeiten der chemischen Fotografie waren solche Aufnahmen vor allem
großen Observatorien oder wenigen Spezialisten mit entsprechendem
Aufwand vorbehalten. Durch die digitale Fotografie lassen sich heute
auch mit vergleichsweise erschwinglichen Amateurgeräten erstaunliche
Details sichtbar machen. Moderne, zunehmend auch durch künstliche
Intelligenz unterstützte Bildverarbeitungsverfahren ermöglichen es
zudem, Bildrauschen zu reduzieren, Helligkeitsgradienten zu
korrigieren und die Bildschärfe zu verbessern. Selbst die
Auswirkungen des astronomischen Seeings lassen sich durch spezielle
Verfahren teilweise verringern. Die physikalischen Grenzen der
Atmosphäre können sie allerdings nicht vollständig aufheben.

(Das Bild zum heutigen Thema des Tages finden Sie wie immer im
Internet unter www.dwd.de/tagesthema.)

Dipl.-Met. Christian Herold

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.11.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuell

Wasser - Lebensgrundlage und Naturwunder


Der vergangene Sommer hat vielerorts erneut gezeigt, wie kostbar
Wasser ist. Es ist unsere Lebensgrundlage und unverzichtbar für
Mensch, Natur und Umwelt. Doch Wasser ist nicht nur lebensnotwendig,
sondern auch ein erstaunlicher Stoff mit einigen außergewöhnlichen
Eigenschaften.



Wasser ist allgegenwärtig. Rein chemisch betrachtet besteht ein
Wassermolekül aus zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom. Es
ist farb-, geruch- und geschmacklos. Unter Normaldruck gefriert es
bei 0 Grad Celsius und siedet bei 100 Grad Celsius. Das klingt
zunächst wenig spektakulär. Doch physikalisch betrachtet hat Wasser
einiges zu bieten.

Eine Besonderheit fällt sofort ins Auge: Wasser kommt auf der Erde
ganz selbstverständlich in allen drei Aggregatzuständen vor. In der
Atmosphäre befindet es sich als unsichtbarer Wasserdampf, flüssig
begegnet es uns als Regen oder in Ozeanen, Seen und Flüssen. In
gefrorener Form kennen wir es als Eis, Schnee, Hagel, Graupel oder
Reif. Damit prägt Wasser unsere Umwelt auf vielfältige Weise.

Besonders erstaunlich ist die sogenannte Dichteanomalie des Wassers.
Während sich die meisten Stoffe beim Abkühlen zusammenziehen und
dichter werden, verhält sich Wasser unterhalb von etwa 4 Grad Celsius
anders. Seine größte Dichte erreicht es bei dieser Temperatur. Kühlt
es weiter ab, dehnt es sich wieder aus. Beim Gefrieren nimmt sein
Volumen nochmals zu. Deshalb ist Eis leichter als flüssiges Wasser
und schwimmt oben.

Ursache dafür sind die sogenannten Wasserstoffbrückenbindungen
zwischen den Wassermolekülen. Sie sorgen dafür, dass sich die
Moleküle beim Gefrieren in einer lockeren Struktur anordnen. Das ist
für das Leben auf der Erde enorm wichtig: Seen und Teiche frieren von
oben nach unten zu. Darunter bleibt flüssiges Wasser als Lebensraum
für Fische und andere Organismen erhalten.

Auch der sogenannte Mpemba-Effekt sorgt für Erstaunen. Er beschreibt
die Beobachtung, dass heißes Wasser unter bestimmten Bedingungen
schneller gefrieren kann als kälteres Wasser. Das widerspricht
zunächst unserer Intuition. Tatsächlich lässt sich der Effekt nicht
immer beobachten und hängt von verschiedenen Versuchsbedingungen ab.
Wer mehr darüber erfahren möchte, findet einen ausführlichen Artikel
meines Kollegen Sebastian Altnau im "Thema des Tages vom 19. Februar
2021".

Eine weitere Besonderheit ist die hohe spezifische Wärmekapazität von
Wasser. Einfacher ausgedrückt: Wasser kann große Mengen Wärmeenergie
aufnehmen, ohne dass seine Temperatur dabei besonders stark ansteigt.
Um ein Kilogramm Wasser um ein Grad Celsius zu erwärmen, sind rund
4200 Joule Energie erforderlich.

Wie viel das ist, zeigt ein Blick auf den Bodensee. Sein
Wasservolumen beträgt ungefähr 50 Billionen Liter. Um diese
Wassermenge um 10 Grad Celsius zu erwärmen, sind rund 581
Terawattstunden Energie nötig. Zum Vergleich: Der Stromverbrauch in
Deutschland lag 2023 bei etwa 515 Terawattstunden. Die Erwärmung des
Bodensees um 10 Grad würde also mehr Energie erfordern, wie
Deutschland in einem ganzen Jahr an Strom verbraucht.

Diese Wärmespeicherfähigkeit wirkt sich auch auf unser Klima aus:
Meere und große Seen nehmen im Sommer viel Wärme auf und geben sie im
Winter langsam wieder ab. Dadurch wirken sie ausgleichend auf die
Temperaturen ihrer Umgebung. Diese Eigenschaft des Wassers stellt
gleichzeitig den wichtigsten Puffer unseres Planeten gegen die
globale Erwärmung dar.

Wasser besitzt noch viele weitere bemerkenswerte Eigenschaften. Seine
hohe Oberflächenspannung ermöglicht es beispielsweise kleinen
Insekten, über die Wasseroberfläche zu laufen. Beim Schwitzen hilft
uns die Verdunstung von Wasser, überschüssige Körperwärme abzugeben
und unsere Körpertemperatur zu regulieren. Wasser ist also weit mehr
als eine Flüssigkeit, die wir täglich ganz selbstverständlich nutzen.
Seine besonderen Eigenschaften prägen unsere Umwelt, beeinflussen das
Klima und ermöglichen Leben, wie wir es kennen.

Wie kostbar Wasser ist, zeigt sich auch mit Blick auf die aktuelle
Bodenfeuchte. Zwar hat der regenreiche Oktober vor allem im Westen
und Norden Deutschlands die Wasservorräte in den oberen
Bodenschichten spürbar aufgefüllt. Vom Süden über Teile der Mitte bis
in den Osten sind die Böden in 60 Zentimetern Tiefe jedoch vielerorts
weiterhin deutlich trockener als für Anfang November üblich.
Besonders entlang der Donau und im nördlichen Alpenvorland sowie in
Teilen Brandenburgs und Sachsen-Anhalts besteht weiterhin ein
Bodenfeuchtedefizit.

Eine nachhaltige Entspannung ist vorerst nicht in Sicht. In den
kommenden Tagen sorgt Hochdruckeinfluss meist für ruhiges und
trockenes Wetter. Erst zum Wochenende könnte es in der Südwesthälfte
Deutschlands gebietsweise etwas Regen geben. Wenngleich noch einige
Modellunsicherheiten bestehen, dürften die Mengen allerdings gering
bleiben und vielerorts nur wenige Liter pro Quadratmeter erreichen.
Entsprechend wird sich an der teils noch vorherrschenden Trockenheit
in den kommenden Tagen kaum etwas ändern.

M.Sc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.11.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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