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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wissenschaft kompakt
Geschichte der Meteorologie - Teil 22: Meteorologische Polarforschung
sowie Erkundung des tropischen Afrikas im 19. Jahrhundert
Im heutigen Thema des Tages werden Persönlichkeiten vorgestellt, die
als Polarforscher zu signifikanten Beiträgen zur Meteorologie kamen
oder sich für einen intensiven Austausch polarmeteorologischer Daten
eingesetzt haben. Abgerundet wird dieses Thema durch ein Forscherteam
aus dem tropischen zentralen Afrika, einem weiteren "weißen Fleck"
auf der meteorologischen "Datenlandkarte" des 19. Jahrhunderts.
Meteorologische Daten aus gängigen Gebieten wurden im 19. Jahrhundert
in immer größerer Anzahl besonders zum Ende recht regelmäßig erhoben.
Bedingt durch einen herausfordernden erschwerten Zugang gab es nur
vereinzelt meteorologische Daten aus Polargebieten und auch aus
Teilen der Tropen. Dieses Thema des Tages widmet sich
Persönlichkeiten, die als Entdecker die meteorologische Welt der
Polargebiete zugänglich gemacht haben oder sich intensiv um Austausch
dieser Daten bemüht haben. Darüber hinaus wird ein Forscherteam mit
wichtigen Beiträgen zur Meteorologie der Tropen des zentralen Afrikas
vorgestellt.
Der britische Polarforscher und Konteradmiral John Franklin
(1786-1847) stellte während seiner ersten Arktisreise von 1819 bis
1822 fest, dass "das Auftreten von Polarlichtern nicht bis zum Pol
hin zunimmt". Später wurde die Existenz eines Rings um den Magnetpol,
in welchem Polarlichter am häufigsten auftreten, bestätigt. Heute
weiß man, dass ein Ring maximaler Häufigkeit auf der Nordhalbkugel je
nach Längengrad ungefähr im Breitengradband von 60?70 Grad N liegt.
Weiter nördlich nimmt die Häufigkeit von Polarlichtern ab, wie
Franklin beobachtet hatte. Während seiner zweiten Arktisexpedition
von 1825 bis 1827 erkundete er auf dem Landweg Teile des heutigen
westlichen Nordwestterritoriums und führte meteorologische
Beobachtungen in Fort Franklin (heute Deline) am Großen Bärensee
(Sahtu) durch. Von seiner dritten und letzten Expedition in die
Arktis, die der Erforschung der Nordwestpassage dienen sollte, kehrte
niemand zurück.
Der britische Seefahrer und Naturforscher William Scoresby
(1789-1857) unternahm im frühen 19. Jahrhundert regelmäßig
Expeditionen in die nördlichen Gewässer. Angeregt durch den Austausch
mit Wissenschaftlern seiner Zeit führte er Beobachtungen zur
Meerestemperatur, zu meteorologischen Phänomenen, zur atmosphärischen
Lichtbrechung, zur Meereisbedeckung und zu Schneekristallen durch.
1815 legte Scoresby die bis dahin umfassendste Beschreibung des
Meereises vor, der Eisformen, seiner Entstehung und der Rolle, die
der Salzgehalts des Meerwassers dabei spielt, der Eisbewegung und
saisonaler Änderungen. Die Vorstellung, dass es ein offenes Polarmeer
gab, war zu seiner Zeit noch weit verbreitet, doch Scoresby wies sie
zurück. Stattdessen vermutete er, dass es alle zehn oder zwanzig
Jahre zu eisfreien Bedingungen kommen könnte, nachdem er 1817 vor der
Ostküste Grönlands zwischen 74 Grad und 80 Grad nördlicher Breite
deutlich weniger Eis als üblich angetroffen hatte. Er kartierte zudem
die Küste Ostgrönlands. 1820 veröffentlichte er mit dem Werk "An
Account of the Arctic Regions" eine der historisch bedeutendsten
wissenschaftlichen Interpretationen und Dokumentationen von
Eiskristallen. Scoresby stellte als einer der Ersten eine direkte
Verbindung zwischen der äußeren Form eines Eiskristalls und den
vorherrschenden Wetterbedingungen (wie Temperatur, Luftdruck und
Wind) her. Er interpretierte die Geometrie der Kristalle als
"Gradmesser" für die atmosphärischen Zustände in den Wolken. Er
unterteilte die von ihm beobachteten Kristalle in fünf
Hauptkategorien (darunter dünne Plättchen, lange Nadeln und komplexe
Pyramidenstrukturen). Diese strukturierte Erfassung war ein direkter
Vorläufer moderner Klassifikationssysteme. Obwohl er die hexagonale
Grundstruktur von Schnee korrekt erkannte, dokumentierte er 1820
erstmals eine seltene dreieckige Kristallform. Diese Interpretation
einer dreizähligen Symmetrie bei Eiskristallen erstaunte die
Fachwelt, da das Molekülgitter von Eis grundsätzlich hexagonal ist.
Moderne Physiker bestätigten später, dass unter bestimmten
Wachstumsdynamiken tatsächlich stabile dreieckige Plättchen
entstehen. Scoresby zeichnete die Kristalle unter dem Mikroskop. Um
die Schmelze zu verhindern, entwickelte er eine hocheffiziente
Methode: Er skizzierte oft nur ein exaktes Segment (ein Sechstel) des
Kristalls und rekonstruierte die perfekt symmetrische Gesamtform in
seinen Reinzeichnungen. Seine 151 detaillierten Illustrationen galten
über Jahrzehnte als die genauesten wissenschaftlichen Abbildungen von
Schneekristallen weltweit.
Der französische Seefahrer, Polarforscher und Marinekommandant Jules
Dumont d'Urville (1790-1842) war ein bedeutender Entdecker der Südsee
und der Antarktis. Seine erste große Reise unternahm er als Leutnant
an Bord des Schiffes "Coquille" bei einer Weltumsegelung von 1822 bis
1825. Kurz nach der Rückkehr von dieser Reise schlugen er und
Kommandant Louis-Isidore Duperrey (1786-1865), ein französischer
Seefahrer und Kartograph, dem Minister für Marineangelegenheiten eine
weitere Expedition vor. Sie verfolgten ehrgeizige wissenschaftliche
Ziele (darunter Untersuchungen zum Erdmagnetismus und zur
Meteorologie, hydrographische Vermessungen, Kartographie,
Ethnographie, Zoologie und Botanik). Der Vorschlag wurde angenommen,
und von 1826 bis 1829 umrundete die "Coquille", nun umbenannt in
"Astrolabe", unter dem Kommando von Dumont d'Urville erneut den
Globus. Diese Expedition lieferte eine Fülle von hydrographischen,
navigatorischen, zoologischen, botanischen und meteorologischen
Informationen. Dumont d'Urville sollte noch eine weitere
Entdeckungsreise an Bord der "Astrolabe" leiten (diesmal jedoch in
Begleitung eines zweiten Schiffes, der "Zelee"). Die Reise dauerte
von 1837 bis 1840 und führte sowohl in die Südsee als auch in die
Antarktis. Im Jahr 1840 erreichten seine Schiffe die Nähe des
südlichen Magnetpols, unweit eines Abschnitts der antarktischen
Küste, den er zu Ehren seiner Frau Adelieland (Terre Adelie), nannte.
Dort befindet sich heute die nach ihm benannte Forschungsstation
(Dumont-d'Urville-Station).
Der russische Mediziner, Anatom, Zoologe und Naturforscher Karl Ernst
von Baer (1792-1876), ein Deutsch-Balte aus dem Gouvernement Estland,
führte meteorologische und klimatologische Untersuchungen durch und
leistete bedeutende Beiträge zum Verständnis des Klimas in den
russischen Polarregionen. Sein Interesse an der Arktis zeigte sich
bereits während seiner Studienzeit an der Kaiserlichen Universität
Dorpat (Tartu) von 1810 bis 1814. Während seines Aufenthalts in
Königsberg in den 1820er Jahren konzentrierte er sich auf seine
primären biologischen Forschungen, beschäftigte sich aber auch mit
Meteorologie und mathematischen Methoden und wurde unter anderem von
Alexander von Humboldt (siehe Teil 12 der Serie zur Geschichte der
Meteorologie) beeinflusst. Von Humboldt war tatsächlich vom Zaren
nach Russland eingeladen worden und unternahm 1829 eine
wissenschaftliche Expedition nach Sibirien. Nach seiner Rückkehr nach
St. Petersburg schlug er die Schaffung eines russischen Netzwerks von
magnetischen und meteorologischen Beobachtungsstationen vor. Von Baer
ließ sich von dieser Idee inspirieren und zog 1834 nach Russland,
gerade rechtzeitig, um 1835 die Gründung des ersten russischen
Beobachtungsnetzes mit neun Stationen mitzuerleben. Anschließend
begann er mit der systematischen Sammlung russischer meteorologischer
Daten aus verschiedenen anderen Quellen. Er gehörte zudem zu den
Ersten, die die Meteorologie als eigenständiges wissenschaftliches
Fachgebiet populär machten, und verfasste den ersten russischen
Zeitungsartikel, der sich auf populärwissenschaftliche Weise mit der
Meteorologie befasste. Von Baer nutzte die von ihm gesammelten
russischen Wetterdaten, um Rückschlüsse auf das Klima zu ziehen. Er
brachte das Vorkommen des Permafrosts in Sibirien mit dem russischen
Kontinentalklima in Verbindung. Er veröffentlichte eine Reihe von
fortlaufenden meteorologischen Beobachtungen, die von 1832 bis 1835
auf Nowaja Semlja durchgeführt worden waren, und berechnete daraus
die mittleren Tages-, Monats- und Jahrestemperaturen. Seine
Vergleiche dieser Daten mit denen anderer arktischer Regionen ließen
ihn zu dem Schluss kommen, dass die durchschnittliche
Jahrestemperatur auf Nowaja Semlja niedriger war als die in Jakutsk,
Spitzbergen und den Küstengebieten Grönlands und Labradors. Von Baer
konnte sogar feststellen, dass die Durchschnittstemperatur auf der
Ostseite von Nowaja Semlja etwa ein Grad kälter war als auf der
Westseite. Er führte diesen Unterschied auf die Gebirgskette zurück,
die das Gebiet in zwei Hälften teilt und dazu neigt, die kalte Luft
im Osten daran zu hindern, weiter nach Westen vorzudringen. Er
stellte außerdem fest, dass der März der kälteste Monat auf Nowaja
Semlja war, während der August der wärmste war, und brachte die
Höchsttemperaturen im August mit dem Vorhandensein der Karasee in
Verbindung, die im August in der Regel eisfrei ist. Von Baer war der
Erste, der russische meteorologische Daten auf die Landwirtschaft
anwandte.
Der britische Seefahrer und Entdecker John Biscoe (1794-1843)
umrundete im April 1832 als dritter Mensch die Antarktis. Nach dieser
Reise teilte er dem Hydrographen der Admiralität in London mit, dass
es sich bei den von ihm gesichteten Landzungen um die eines
Kontinents (Antarktika) handelte. Was das Wetter betraf, mit dem er
konfrontiert war, wies er darauf hin, dass künftige Seefahrer damit
rechnen sollten, dass die vorherrschenden Winde in den sehr hohen
antarktischen Breiten von Osten nach Westen wehen (und nicht in der
Richtung von Westen nach Osten, wie es im weiter nördlich gelegenen
Breitengradgürtel der "Roaring Forties" der Fall ist).
Der aus der bayerischen Pfalz stammende Geophysiker und Polarforscher
Georg von Neumayer (1826-1909) kam 1852 nach Australien, wo er von
der Bedeutung der Meteorologie überzeugt wurde. Er kehrte 1854 nach
Bayern zurück, um die notwendigen Instrumente für die Einrichtung
einer Beobachtungsstation in Melbourne zu beschaffen, dem "Flagstaff
Observatory for Geophysics, Magnetism and Nautical Science". Außerdem
richtete er eine Reihe von Beobachtungsstationen in ganz Victoria im
Süden Australiens ein, vor allem an Leuchttürmen. Am 1. März 1858
begann am Flagstaff-Observatorium ein regelmäßiges Programm
meteorologischer und nautischer Beobachtungen, und wenige Wochen
später fügte von Neumayer regelmäßige Beobachtungen der
atmosphärischen Elektrizität und der Veränderungen der magnetischen
Elemente hinzu. 1860 veröffentlichte er seine "Ergebnisse der
magnetischen, nautischen und meteorologischen Beobachtungen von März
1858 bis Februar 1859", und 1864 erschienen seine "Ergebnisse der
meteorologischen Beobachtungen 1859-1862 und der nautischen
Beobachtungen 1858-1862". Diese resultierten auch aus
Forschungsexpeditionen und Vermessungen im Inneren des australischen
Kontinents, an denen von Neumayer teilnahm. Dabei bestieg er auch den
höchsten australischen Berg auf dem kontinentalen Festland, Mount
Kosciuszko. Er kehrte 1864 nach Deutschland zurück. Im Jahr 1867
veröffentlichte er seine "Erörterung der am Flagstaff-Observatorium
durchgeführten meteorologischen und magnetischen Beobachtungen".
In den 1870er Jahren lernte von Neumayer den aus dem Großherzogtum
Hessen stammenden Marineoffizier und Polarforscher Carl Weyprecht
(1838-1881), der 1873 als Mitleiter einer Expedition die Inselgruppe
Franz-Josef-Land entdeckte, kennen und ließ sich von dessen Idee
inspirieren, dass Polarforschung eher von der Wissenschaft als vom
Nationalismus geleitet werden sollte. 1879 legten die beiden Männer
dem 2. Internationalen Meteorologischen Kongress in Rom einen
Vorschlag für ein internationales Polarforschungsprogramm vor, in
dessen Rahmen an einer Reihe von Spezialstationen in der Arktis und
Antarktis regelmäßig gleichzeitige meteorologische und magnetische
Beobachtungen durchgeführt werden sollten. In der Folge wurde noch im
selben Jahr die Internationale Polarkommission gegründet, deren
Aufgabe es war, einen detaillierten Forschungsplan auszuarbeiten. Von
Neumayer und Weyprecht fungierten als gemeinsame Vorsitzende der
Kommission. Auf ihrer dritten Sitzung in Sankt Petersburg, ebenfalls
im Jahr 1881, legten von Neumayer und Heinrich von Wild (1833-1902),
Schweizer Meteorologe und Physiker sowie Nachfolger von Weyprecht,
das internationale Programm für meteorologische und magnetische
Beobachtungen in den Polarregionen fest, die im Zeitraum vom 1.
August 1882 bis zum 31. August 1883 durchgeführt werden sollten.
Dieses Programm wurde als das Erste Internationales Polarjahr
bekannt. Von Neumayer war von 1875 bis 1903 Direktor der
Norddeutschen Seewarte in Hamburg. Er entwickelte in dieser Zeit eine
neue Methode zur Erkundung der Meeresströmungen. Tausende gut
verschlossener Flaschen wurden ins Meer geworfen und gingen als
Flaschenpost auf Reisen. Die Finder wurden in einer detaillierten
Anleitung gebeten, den Fundort an die Norddeutsche Seewarte zu
melden. Außerdem organisierte von Neumayer das Antarktisjahr 1901.
Nach ihm ist die deutsche Forschungsstation in der Antarktis benannt
(derzeit Neumayer-Station III).
Der aus Böhmen stammende österreichische Offizier, Polarforscher und
Kartograph Julius von Payer (1841-1915) nahm 1869/1870 an der zweiten
deutschen Nordpolarexpedition in die Ostgrönlandsee sowie 1871
gemeinsam mit Weyprecht (siehe oben) an der vorbereitenden
österreichisch-ungarischen Expedition nach Nowaja Semlja teil.
Anschließend war er von 1872 bis 1874 gemeinsam mit Weyprecht als
Leiter der österreichisch-ungarischen Nordpol-Expedition tätig, in
deren Verlauf die Inselgruppe Franz-Josef-Land entdeckt wurden.
Während dieser Expeditionen wurden magnetische Messungen und
Beobachtungen von Polarlichtern durchgeführt. Zudem wurden
Lufttemperaturmessungen vorgenommen und im Winter das Wachstum des
Meereises untersucht. Die wissenschaftlichen Ergebnisse der
Expedition von 1869/1870 wurden 1874 in Leipzig veröffentlicht. 1876
publizierte von Payer das Werk "Die österreichisch-ungarische
Nordpol-Expedition in den Jahren 1872?1874". Auch dieses Buch bezog
sich auf die Expedition von 1869/1870.
Der US-amerikanische Polarforscher und Offizier Adolphus Greely
(1844-1935) leitete die Lady-Franklin-Bay-Expedition, die Teil des
US-amerikanischen Beitrags zum Ersten Internationalen Polarjahr war.
Die Expedition erreichte im August 1881 Discovery Harbour an der
Nordostküste von Ellesmere Island. Das dort errichtete Lager wurde
als Fort Conger bekannt. Über einen Zeitraum von fast zwei Jahren
wurde ein wissenschaftliches Programm mit regelmäßigen
meteorologischen und magnetischen Beobachtungen und solchen zu
Polarlichtern durchgeführt. Die meteorologischen Beobachtungen
umfassten stündliche Aufzeichnungen von Luftdruck, Lufttemperatur und
Taupunkt, Windgeschwindigkeit und -richtung, Art, Ausmaß und Bewegung
der Wolken, Wetterlage sowie Polarlichter (sofern vorhanden). Der
Wetterschirm (1,2 m im Quadrat und 2,1 m hoch) stand etwa 40 m
nordöstlich der Hütte; Anemometer und Windfahne waren auf dem Dach
der Hütte angebracht, und das Barometer befand sich im Inneren der
Hütte. Die Meerwassertemperatur wurde am 1., 11. und 21. jedes Monats
gemessen, und gleichzeitig wurde die Eisdicke erfasst. Die Aurora
wurde im Durchschnitt etwa zweimal pro Woche beobachtet, war jedoch
selten so hell oder farbenprächtig wie weiter südlich. Im August 1883
war die Expedition gezwungen, auf eigene Faust nach Süden
aufzubrechen, da keine Versorgungsschiffe eingetroffen waren. Sie
erreichten Pim Island in der Nähe von Cape Sabine an der Ostküste von
Ellesmere Island, wo sie einen verheerenden Winter verbrachten. 19
der 25 Expeditionsteilnehmer starben, die meisten von ihnen an
Hunger. Die überlebenden Männer, darunter auch Greely, wurden
schließlich im Juni 1884 gerettet. Alle wissenschaftlichen
Aufzeichnungen der Expedition konnten gesichert werden.
Der US-amerikanische Ingenieur und Polarforscher Robert Edwin Peary
(1856-1920) erlangte als Entdecker der Nordpolregion Berühmtheit.
1886 führte er eine erste Erkundungsreise nach Grönland durch. In den
1890er Jahren unternahm er zwei weitere Reisen nach Grönland,
kartographierte die Nordküste, deren Region namens "Peary Land"
später nach ihm benannt wurde, und sammelte Daten zu den
meteorologischen Verhältnissen und Meeresströmungen des Arktischen
Ozeans im nördlichen Grönlandgebiet. Er leistete zudem einen Beitrag
zur wissenschaftlichen Erforschung der arktischen Regionen in den
Bereichen Hydrographie, Geologie, Geographie, Kartographie, Botanik
und Zoologie. Außerdem beschäftigte er sich mit der Ethnographie der
Inuit-Völker. Während einer seiner Grönland-Expeditionen stellte
Peary fest: "Wenn wir bergauf mit dem Schlitten fahren, treffen wir
Tag und Nacht auf einen Gegenwind mäßiger Stärke." Diese abwärts
strömenden Winde werden heute als katabatische Winde bezeichnet. Zu
Pearys Zeiten waren sie noch unbekannt, doch spätere Untersuchungen
sollten zeigen, dass sie tatsächlich charakteristisch für Hänge sind,
die von Eiskappen wie denen in Grönland und der Antarktis abfallen.
Später richtete Peary sein Augenmerk auf den Nordpol, den er auf
seiner dritten Nordpol-Expeditionsreise nach eigenen Angaben am 7.
April 1909 endlich erreicht haben wollte. Es gibt jedoch einige
Kontroversen darüber, ob er den Pol tatsächlich erreicht hat oder
nicht. Nichtsdestotrotz stellen seine Leistungen in Grönland,
einschließlich der von seinen Expeditionen durchgeführten
meteorologischen Arbeiten, für sich genommen ein bedeutendes
wissenschaftliches und polarforschungsbezogenes Vermächtnis dar.
Nicht nur von den Polargebieten Arktis und Antarktiks lagen im 19.
Jahrhundert nur wenige meteorologische Daten vor. Auch aus
unzugänglichen Tropen gab es zu dieser Zeit nicht viele
meteorologische Beobachtungen, besonders im Hinblick auf das abseits
der Küsten gelegene Landesinnere des zentralen Afrikas.
Der spanische Afrikaforscher und Entdecker Manuel Iradier oder Manuel
Iradier y Bulfy (1854-1911) aus dem Baskenland interessierte sich
schon in seiner Jugend für die Naturwissenschaften und Geographie.
Bereits im Alter von 14 Jahren gründete er eine Vereinigung zur
Erkundung des zentralen Afrikas, von dem in Europa seinerzeit nur die
Küstenabschnitte bekannt waren. Er unternahm von 1874 bis 1877 eine
Reise nach Spanisch-Äquatorialafrika, auf denen er die Geographie,
Meteorologie, Geologie, Botanik und Ethnographie der spanischen
Kolonie (heute Äquatorialguinea) erforschte. Seine Frau Isabel de
Urquiola (1854-1911) und deren Schwester Juliana de Urquiola
(1856-1880), beide spanische Entdeckerinnen aus dem Baskenland,
begleiteten ihn auf dieser Reise. Dass sich Frauen wissenschaftlichen
Expeditionen anschließen war zu dieser Zeit sehr unüblich. Im Mai
1875 erreichten sie die Insel Elobey Chico im Golf von Guinea (heute
zu Äquatorialguinea), wo sie im Haus des Gouverneurs die
Expeditionsbasis und eine Wetterstation einrichteten. Sie planten,
Beobachtungen zum Wetter und Klima der Region durchzuführen, die für
die spanische Regierung von Nutzen sein könnten. Die Wetterstation
war unter anderem mit Thermometern, einem Verdunstungsglas, einem
Photometer, einem Taukollektor, einem Saussure-Hygrometer, einem
Pluviometer und einem Anemometer ausgestattet (die letzten drei hatte
Iradier selbst gebaut). Das Barometer war leider während der Hinreise
zerstört worden. Iradier und die Schwestern de Urquiola begannen ihr
meteorologisches Beobachtungsprogramm am 1. Juni 1875. Es umfasste
regelmäßige Messungen von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag,
Windgeschwindigkeit und Windrichtung sowie Wolkentyp (achtmal täglich
für die Winde, viermal täglich für die anderen Variablen). Darüber
hinaus wurden die Beginn- und Endzeiten der Tagesniederschläge
aufgezeichnet. Im weiteren Verlauf des Jahres 1875 war Iradier häufig
unterwegs und erkundete das afrikanische Festland jeweils bis zu drei
Monate lang. Während seiner Abwesenheiten führten Isabel und Juliana
de Urquiola alle Wetterbeobachtungen durch. Dies ist das früheste
bekannte Beispiel für ein umfangreiches Programm regelmäßiger
Wetterbeobachtungen, dessen Durchführung zum Großteil von Frauen
absolviert wurde. Ihre Wetterbeobachtungen waren zudem die ersten,
die jemals in dieser Region durchgeführt wurden. Aus ihren
Aufzeichnungen geht hervor, dass der November und der Dezember 1875
heißer und regenreicher waren als die heutigen dortigen
klimatologischen Durchschnittswerte. In den Veröffentlichungen, die
auf seinen Expeditionen basieren, widmete Iradier mehr als 100 Seiten
den Tabellen mit den meteorologischen Beobachtungen von der Insel
Elobey Chico sowie persönlichen Schilderungen des Wetters. 1884 brach
Iradier zu einer neuen Expedition in die Gegend auf, wo er sich in
den Jahren 1874 bis 1877 bereits aufgehalten hatte. Noch im selben
Jahr musste er krankheitsbedingt nach Spanien zurückkehren. Nach 1884
versuchte er, einige Erfindungen wie beispielsweise ein automatischer
Wasserzähler und ein typographisches Druckverfahren in die Praxis
umzusetzen.
Die Serie Geschichte der Meteorologie wird fortgesetzt. Der nächste
Teil wird weitere Persönlichkeiten vorstellen, die die Meteorologie
im 19. Jahrhundert als Wissenschaft vorangetrieben haben.
Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wetter aktuell
Wo bewegt sich der Herbst 2026?
Wie sich der Herbst 2026 bisher im Vergleich zu anderen Jahren zeigt,
soll im heutigen Tagesthema näher unter die Lupe genommen werden.
Bisher milder bis sehr milder Herbst
Der Herbst zeigte sich in diesem Jahr bisher von seiner milden Seite.
Betrachtet man den Zeitraum vom 1. September bis zum heutigen Tag,
ergibt sich für das Flächenmittel über ganz Deutschland derzeit eine
Abweichung vom vieljährigen Mittelwert von rund +2,1 K im Vergleich
zu 1961?1990 beziehungsweise +1,7 K im Vergleich zu 1991?2020. Damit
liegt der Herbst aktuell unter den zehn wärmsten Herbstperioden seit
Beginn der Aufzeichnungen.
Im Oktober 2012 bereits regional tiefwinterlich
Entsprechend gab es in Deutschland bisher auch kaum winterliche
Wettererscheinungen. Schnee wurde bislang allenfalls in höheren Lagen
der Mittelgebirge, beispielsweise auf dem Brocken, oder in den Alpen
registriert. In anderen Jahren sah das schon ganz anders aus. So lag
beispielsweise am Morgen des 28. Oktober 2012 bis ins Vorland von
Erzgebirge, Thüringer Wald und Alpen eine Schneedecke. Zudem gab es
landesweit leichte bis mäßige Nachtfröste. Auf dem Fichtelberg lagen
bereits 36 cm, in Neuhaus am Rennweg 23 cm Schnee. Selbst in München
(8 cm) und am Flughafen Erfurt/Weimar (5 cm) gab es eine geschlossene
Schneedecke.
Aktuell ist Deutschland bis in die höheren Berglagen hinein
schneefrei. Man muss schon auf die Zugspitze wandern oder fahren, um
einen Hauch von Winter zu erleben. Ähnlich sieht es bei den
Temperaturen aus: In vielen Regionen gab es bislang noch keinen
Nachtfrost. Im Süden und Osten hat es zumindest regional für wenige
Frosttage gereicht.
2003 als Extrembeispiel für eine frühe Kaltphase
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass in manchen Jahren
frostempfindliche Pflanzen wie die Kapuzinerkresse zu diesem
Zeitpunkt längst aus den Gärten verschwunden waren. Ein Beispiel ist
das Jahr 2003 mit einem der kältesten Oktobermonate seit Beginn der
Aufzeichnungen. Damals war es nahezu überall in Deutschland in
mindestens einer Nacht frostig. Oft wurden sogar 10 bis 15
Frostnächte registriert. Auf dem Fichtelberg waren es 24, in Neuhaus
am Rennweg 18 Frostnächte. In München und Erfurt kam man auf 9
beziehungsweise 11 Nächte. Zusammengefasst war das Jahr 2003 in der
Nordosthälfte Deutschlands das frostreichste Jahr seit
Aufzeichnungsbeginn.
Ganz anders zeigt sich der Oktober 2022 mit einer Abweichung noch
oben von 3,5 K im Vergleich zu 1961 bis 1990 (bzw. 3,1 K im Vergleich
zu 1991-2020)
Entwicklung des Zeitpunktes für den ersten Nachtfrost der
Wintersaison
Ein Blick auf die Langzeitstatistik zeigt, dass sich der Zeitpunkt
des ersten Frostes im Jahr in einigen Regionen immer weiter nach
hinten verschiebt. Betrachtet man beispielsweise Frankfurt am Main,
trat der erste Nachtfrost im Mittel der Jahre 1961 bis 1990 häufig
bereits am 20. Oktober auf. Im Zeitraum von 1991 bis 2020 war es
dagegen erst der 1. November. Betrachtet man nur die letzten 15
Jahre, fällt der mittlere Termin sogar auf den 5. November. Den
bisher spätesten ersten Frost gab es am 26. November 2022. Am
frühesten war das Jahr 1979 mit dem 16. September dran. Im
vergangenen Jahr 2025 trat der erste Nachtfrost am 17. November auf.
Dieser Trend lässt sich allerdings nicht auf alle Regionen
Deutschlands übertragen, wie der Blick auf einige andere
Wetterstationen zeigt. In Essen und Oberstdorf lässt sich kein
eindeutiger Trend ausmachen. Bei den Mittelwerten lag der Zeitraum
1991?2020 sogar etwas früher. Die Verschiebung nach hinten ist vor
allem in tieferen Lagen im Süden und Südwesten deutlich erkennbar,
wie auch das Beispiel der Station München Stadt zeigt.
Wie geht es weiter mit dem Herbst 2026
Schauen wir auf die weiteren Aussichten, so gestaltet sich das Wetter
unter Hochdruckeinfluss in den kommenden Tagen ruhig. In einigen
Regionen bleibt es ganztägig neblig-trüb. Frostige Nächte sind am
ehesten im Alpenvorland oder im höheren Bergland zu erwarten. In den
Hochlagen der südöstlichen Mittelgebirge und der Alpen ist für das
kommende Wochenende sogar etwas Schnee vorhergesagt.
Für große Teile des Landes sind ein Wintereinbruch und frostige
Nächte vorerst aber weiterhin nicht in Sicht. So wird auch der
Flughafen Frankfurt zunächst weiter auf seinen ersten Frost des
Winterhalbjahres 2026/27 warten müssen.
Sollten Sie den Eindruck haben, dass sich Gewitter im Allgemeinen und
Tornados im Speziellen in diesem Jahr zurückhalten, dann liegen Sie
nicht falsch. Langanhaltende Hochdruck- und Dürrephasen prägen den
Sommer 2026 in vielen Landesteilen.
Entsprechend liegt die Zahl der bisher in Deutschland bestätigten
Tornados derzeit bei nur 13 Fällen. Ruft man sich die
durchschnittliche jährliche Zahl von 49 bestätigten Tornados in
Deutschland in Erinnerung, so gibt es noch reichlich Luft nach oben.
Auch der August und der September gehören zu den Monaten, in denen
häufiger Tornados auftreten. Zudem kann es sein, dass einzelne
Verdachtsfälle später noch bestätigt werden. Trotzdem deuten die
aktuellen Zahlen stark darauf hin, dass es 2026 eine deutlich
unterdurchschnittliche Tornadosaison geben wird.
Dipl.-Met. Marus Beyer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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