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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wetter aktuell

Warum Tallagen besonders frostgefährdet sind



In der Nacht zum Freitag gab es an einigen Orten erneut Bodenfröste,
vor allem in Tälern im Süden Deutschlands. An diesen Stationen fielen
die Temperaturen in Bodennähe unter 0 Grad Celsius. Doch warum sind
besonders diese Tallagen frostgefährdet?



Hierfür ist es wichtig zwischen Luftfrost und Bodenfrost zu
unterscheiden. Von Luftfrost spricht man, wenn die Temperatur in 2
Meter Höhe über Grund unter den Gefrierpunkt fällt. Damit Bodenfrost
auftritt, muss sich die Luft in einer Höhe von 5 Zentimeter über
Grund auf unter 0 Grad Celsius abkühlen, dabei kann die Temperatur
auf einer Höhe 2 Meter über Grund gemessen durchaus über dem
Gefrierpunkt liegen. Dies passiert in Herbstnächten dann, wenn drei
Faktoren erfüllt sind: wenig Bewölkung, eine geringe Luftfeuchte und
möglichst niedrige Windgeschwindigkeiten.
In der Nacht gibt die Erdoberfläche langwellige Wärmestrahlung an die
Atmosphäre ab und kühlt dadurch aus. Die bodennahe Luft wird dabei
ebenfalls abgekühlt, sodass ihre Temperatur sinkt. Bei einem
wolkenfreien Himmel kann diese Strahlung ungehindert ausstrahlen. Bei
starker Bewölkung würde diese Strahlung an der Wolkenunterseite
reflektiert werden und als sogenannte Gegenstrahlung wieder zurück
zur Erdoberfläche gelangen und schwächt die Abkühlung der
Erdoberfläche ab.
Auch die relative Luftfeuchte spielt eine Rolle. Wenn abkühlende Luft
viel Wasser enthält, also eine hohe Luftfeuchte aufweist, beginnt
dieses Wasser mit sinkenden Temperaturen zu kondensieren. Es wird
also flüssig. Bei dem Phasenübergang von gasförmig zu flüssig wird
aber viel Energie, die sogenannte latente Energie, freigesetzt. Diese
war zuvor im Wasserdampf gespeichert und sorgt, wenn sie freigesetzt
wird, für eine Erwärmung der Umgebungsluft (mehr dazu beim Thema des
Tages vom 22.09.2026). Somit verhindert Nebelbildung eine starke
Abkühlung.
Zuletzt braucht man noch geringe Windgeschwindigkeiten, damit keine
Durchmischung der Luftschichten stattfindet. Kalte Luft hat eine
höhere Dichte als warme Luft, sie ist also schwerer und sammelt sich
in Bodennähe. Würde nun ein starker Wind wehen, würde dieser die
kalte Bodenschicht mit den darüberliegenden wärmeren Schichten
vermischen. Zudem wird durch die Reibung zusätzliche Wärmeenergie
freigesetzt. Beide diese Faktoren verhindern eine starke Auskühlung,
aber genau diese benötigt man ja für das Auftreten von Bodenfrost.
Nun ist zwar klar wie es zu den niedrigen Temperaturen und damit zum
Bodenfrost kommt, aber warum sind dann Tallagen besonders häufig
davon betroffen?
Das liegt vor allem an ihrer Topographie, also ihrer Lage im Gelände.
Wie bereits beschrieben hat kalte Luft eine geringere Dichte als
warme Luft und sammelt sich in Bodennähe. Wenn sich nun Kaltluft in
der Bodenschicht der umliegenden Hänge eines Tals bildet, fließt
diese, angetrieben durch die Schwerkraft den Hang hinunter und
sammelt sich im Tal. Dies wir auch gravitative Dichteströmung
genannt.
Das Tal bildet die Kaltluft also nicht selbst, sondern wirkt viel
mehr als Sammelbecken für die Kaltluft der umliegenden Hänge. Die
kalte Luft sammelt sich also an der tiefsten Stelle im Gelände und
sorgt dort für besonders niedrige Temperaturen.
Damit es bereits im frühen Herbst zu Bodenfrost kommt, müssen all
diese Faktoren erfüllt sein. So kann es vorkommen, dass an einer
Station Temperaturen unter 0 Grad Celsius und Bodenfrost auftreten,
während wenige Kilometer weiter Plusgrade gemessen werden. Denn
bereits kleine Unterschiede in der Topographie, der Bewölkung, der
Windgeschwindigkeit oder der Luftfeuchtigkeit können dabei einen
deutlichen Einfluss auf die Temperatur in Bodennähe haben.
In der Nacht zum Freitag lässt sich gut der Unterschied der
Temperatur in 5 Zentimeter und 2 Meter Messhöhe und der Einfluss der
Bewölkung erkennen. An nahezu allen Stationen ohne Bewölkung wurde in
5 Zentimeter eine niedrigere Temperatur gemessen als in 2 Meter Höhe.
Die Bodenschicht konnte hier also stärker auskühlen. Im Nordosten
unter der Bewölkung dagegen, liegen die Temperaturen zum einen
deutlich höher als im restlichen Bundesgebiet, zum anderen sind kaum
Unterschiede zwischen den Höhen feststellbar.
An den Stationen in Gießen-Wettenberg (203 m) und am Hoherodskopf
(740 m) zeigt sich, dass in der Höheren Lage die Temperaturen nie
unter 3 Grad gefallen sind, während an der Messtation auf 203 m die
Temperaturen auf 0 Grad gefallen sind
Wenn all die hier beschriebenen Bedingungen erfüllt sind, entsteht
aber nicht nur Bodenfrost, sondern auch eine sogenannte
Bodeninversion. Unter einer Inversion versteht man in der
Meteorologie eine Umkehr des Temperaturverlaufs mit der Höhe.
Normalerweise nimmt die Lufttemperatur mit der Höhe ab. Bei einer
Inversion dagegen steigt die Temperatur mit der Höhe an. Um eine
Bodeninversion handelt es sich dann, wenn sich die Bodennahe
Luftschicht durch Ausstrahlung abkühlt und dadurch unter wärmeren
Schichten liegt. Die Bodeninversion kann man besonders gut durch
Radiosondenaufstiege erkennen, da hier die Temperatur mit steigender
Höhe gemessen wird.
Auch in der nächsten Nacht kann aufgrund des Hochdruckeinflusses und
der damit verbundenen trockenen Luft, niedrigen Windgeschwindigkeiten
und geringer Bewölkung das Phänomen Bodenfrost in Tallagen und
Inversionsbildung beobachtet werden.


MSc Sonja Hansen

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.09.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wissenschaft kompakt

Flugwettervorhersagen: Der GAFOR



In der Fliegerei gibt es verschiedenste Produkte, aus denen sich die
Wetterbedingungen und Wetterprognosen ableiten lassen. Ein solches
Produkt ist der sogenannte GAFOR, der heute als Teil einer Reihe von
Vorhersageprodukten vorgestellt werden soll.



Charlie (C), Oscar (O), Delta (D), Mike (M), X-Ray (X): Was unter
anderem klingt wie die Aneinanderreihung unterschiedlicher
englischsprachiger Namen ist in Wahrheit eine codierte Form der
Flugwettervorhersage, nämlich der sogenannte GAFOR. Das bedeutet,
dass sich hinter den dafür stehenden Buchstabenkürzeln C, O, D, M und
X meteorologische Bedingungen verbergen, anhand derer eine Pilotin
oder ein Pilot Entscheidungen treffen kann, ob das Flugwetter
ausreichend gut genug in einem bestimmten Gebiet ist, um ein
Flugvorhaben durchzuführen. GAFOR steht dabei für General Aviation
Forecast und ist eine Wettervorhersage für den Sichtflug der
Allgemeinen Luftfahrt, also nicht die Verkehrsluftfahrt.
Der GAFOR ist in Deutschland schon seit vielen Jahrzehnten ein fester
Bestandteil der Flugwettervorhersage und wird im Sommerhalbjahr
fünfmal am Tag, im Winterhalbjahr viermal am Tag, für jeweils 6
Stunden durch die Luftfahrtberatungszentralen West, Nord, Ost, Süd
und die Flugwetterzentrale Frankfurt ausgegeben.
Für diese Art der Flugwettervorhersage wurde Deutschland in insgesamt
73 einzelne Gebiete mit den Nummern von 00 bis 84 gegliedert, welche
meistens zusammenhängende Naturräume wie die Rhön (Nr. 47),
Mittelfranken (Nr. 56) aber auch das eher kleine Neuwieder Becken
(Nr. 38) sind. Für jedes dieser Gebiete wird nun für einen Zeitraum
von je 2 Stunden vorhergesagt, welche Sichtweite in Kilometern und
welche Wolkenuntergrenze in hft über der jeweiligen Bezugshöhe
(Achtung, für jedes Gebiet individuell festgelegt!) vorherrschend
ist. Hinzu kommen Angaben zu unterschiedlichen Wettererscheinungen,
wie etwa vereinzelt auftretende Gewitter (ISOL TSRA) oder häufig
auftretender Nebel (FRQ FG).
Alles zusammen ergibt dann einen nach einem bestimmten Schema
festgelegten Code mit einer Farbe, was von Blau für C, Grün für O,
Gelb für D, Orange für M bis Rot für X reicht.
Damit wird schon beim Blick auf die Deutschlandkarte mit seinen
GAFOR-Gebieten rasch klar, welche Bereiche fliegbar sind und wo ein
Flugvorhaben der Allgemeinen Luftfahrt besser entfällt.

Die Wetterbedingungen in diesen Gebieten sind immer mit bestimmten
Spannen versehen und nicht auf einen einzelnen Wert festgelegt. So
beträgt die Bodensicht bei Charlie (C = clear) mindestens 10 km oder
mehr und die Hauptwolkenuntergrenze liegt bei mehr als 5000 ft (50
hft) über der Bezugshöhe. Bei Oscar (O = open) muss die
Hauptwolkenuntergrenze bei mindestens 2000 ft und die Sichtweite bei
mindestens 8 km liegen.
Bei Delta (D = difficult) werden die Bedingungen schon schwieriger
für Flugvorhaben, hier sind für eine solche Einstufung
Hauptwolkenuntergrenzen zwischen 1000 und 2000 ft bei einer
Sichtweite von 5-8 km vonnöten. Bei Mike (M = marginal) ist die
Hauptwolkenuntergrenze nur noch bei 500 bis 1000 ft über der
Bezugshöhe und die Bodensicht bei 1,5 bis 5 km.
Bei X-Ray (closed) sind die Werte der Hauptwolkenuntergrenze und der
Sicht noch unter denen von Mike, was einen sicheren Flug eigentlich
ausschließt. Bei Delta und Mike können noch Zahlen von 1 bis 8
angehangen werden, was aufzeigt, welche Bedingung zur jeweiligen
Klassifikation führte.
Blicken wir nun zum Abschluss noch auf eine offizielle
GAFOR-Vorhersage vom 15. September 2026 um 06 Uhr morgens: Es ist gut
zu sehen, wie alle genannten Farben und Codierungen an diesem Tag
vertreten waren, denn in einer recht feuchten Luftmasse bei
Hochdruckeinfluss und zu Beginn des Herbstes konnte sich nachts
häufig Nebel oder tiefer Stratus bilden. Dies führte dazu, dass
einige Gebiete schlechte bis sehr schlechte Flugwetterbedingungen
aufwiesen und auch in den Folgestunden noch aufweisen sollten. Mit
einem Blick wird der geschulten Pilotin oder dem Piloten deutlich,
dass man im Nordosten und Südwesten gutes Flugwetter vorfinden wird,
vor allem über Teilen Bayerns dieses aber sehr schlecht ist.
Und übrigens, so wie in Deutschland beim GAFOR Gebiete codiert
werden, so wird in den durch die Alpen stark gegliederten Ländern
Österreich und der Schweiz eine Vorhersage für festgelegte Flugrouten
nach einem ähnlichen Schema gemacht.
Falls Sie nun neugierig geworden sind, den aktuellen GAFOR des DWD
gibt es hier: GAFOR Deutschland

M.Sc.-Met. Oliver Reuter

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.09.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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