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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wissenschaft kompakt
Wintersport - Schnee von gestern?
Bei den aktuellen Temperaturen mit lokal Höchstwerten um 20 Grad und
seit Tagen anhaltendem Tauwetter in den Mittelgebirgen und den Alpen
haben sich die Winterportmöglichkeit seit dem Wochenende rasch
verschlechtert. Wie sich die Schneeverhältnisse und
Wintersportmöglichkeiten in Zukunft ändern könnten wird heute mit
einem kleinen Gastbeitrag aus dem Geschäftsbereich Klima und Umwelt
beleuchtet.
In den vergangenen Monaten türmte sich der Schnee ausgerechnet in
Regionen, die im Winter sonst eher grün glänzen.
Verkehrsbehinderungen inklusive. In einem breiten Streifen von der
Nordsee über Sachsen-Anhalt bis hinunter ins Erzgebirge lag
Anfang/Mitte Januar mehr Schnee als in vielen Tallagen der west- und
süddeutschen Mittelgebirge. Selbst in Hamburg wurden Schlitten und
Skier wieder aus dem Keller geholt.
Was Verkehrsteilnehmer und -betreiber zur Verzweiflung treibt, ist
für Wintersportregionen ein Lebenselixier. Schneebedingungen und
Schneesicherheit sind aus touristischer Sicht nach wie vor
entscheidend. Dass der Klimawandel die Temperaturen steigen lässt,
die Nullgradgrenze in die Höhe schiebt und den Regenanteil am
Winterniederschlag zulasten des Schnees erhöht, zeigt sich seit drei
Jahrzehnten klar in den Messreihen des Deutschen Wetterdienstes
(DWD). Die Zahl der Schneedeckentage (Tage mit einer Schneedecke von
mindestens 1 cm) gemittelt über Deutschland ist über die letzten 70
Jahre um mehr als 50 % zurückgegangen. Beschneiungsanlagen konnten
diese Entwicklung in einigen Regionen zwar abfedern, aber nicht
vollständig ausgleichen.
Wie sich die Bedingungen für Naturschnee und technische Beschneiung
in den kommenden 30 Jahren - dem üblichen wirtschaftlichen
Planungshorizont - entwickeln könnten, wurde Ende letzten Jahres in
einer gemeinsamen Studie der Geosphere Austria, dem nationalen
Wetterdienst Österreichs, und dem Deutschen Wetterdienst (DWD) für
das Allgäu untersucht. Grundlage waren historische Beobachtungsdaten,
mehrere Klimaprojektionen es DWD für die zukünftige Klimaentwicklung
sowie das Schneedeckenmodell des österreichischen Wetterdienstes ?
ein wissenschaftlich solider Werkzeugkasten.
Für den Zeitraum 2025 bis 2054 projizieren die Modelle einen
Temperaturanstieg im Winter von rund +1 °C gegenüber 1991 bis 2020.
Das führt zu einem Rückgang der Tage mit Naturschneedecke von
mindestens 10 cm Höhe um durchschnittlich 10 bis 25 Prozent - die
stärkere Ausprägung in Tallagen und bei einem Szenario ohne globalen
Klimaschutz. Ein Beispiel: In Nesselwang reduziert sich die Zahl der
Tage mit mindestens 10 cm Naturschnee von heute etwa 80 auf 70 im Tal
(ca. 900 m über NN) und von 125 auf 110 im Mittelstationsbereich (ca.
1200 m über NN).
Ähnlich rückläufig - um bis zu 25 Prozent - sind die potenziellen
Beschneistunden, also jene Stunden pro Monat, in denen Temperatur und
Luftfeuchte eine technische Beschneiung erlauben. Besonders wichtig
sind sie im Dezember, wenn die Pisten für die Saison vorbereitet
werden müssen. Je nach Wetterlage kann noch bis Februar nachbeschneit
werden.
Für die Allgäuer Auftraggeber der Studie kamen diese Ergebnisse nicht
überraschend. Die vergangenen 30 Jahre haben gezeigt, dass
Wintersport bis ins Tal längst nicht mehr jeden Winter möglich ist.
Gleichzeitig hat sich die Beschneiungstechnik weiterentwickelt:
Kunstschnee lässt sich heute auch unter weniger idealen Bedingungen
erzeugen.
Insgesamt zeigt die Studie, dass im Allgäu auch in den kommenden 30
Jahren relativ gute Wintersportbedingungen zu erwarten sind - vor
allem in mittleren und höheren Lagen. Welche Konsequenzen sich in der
zweiten Hälfte des Jahrhunderts ergeben, wenn die Erwärmung weiter
voranschreitet, wird man zu gegebener Zeit neu bewerten müssen.
Ob Wintersport in anderen Regionen Deutschlands langfristig sinnvoll
bleibt, hängt stark von der Höhenlage und der jeweiligen Perspektive
ab. Die "Schneezuverlässigkeit" in den Mittelgebirgen hat im
Vergleich zu den schneereichen 1960er bis 1980er Jahren deutlich
nachgelassen - auch wenn es weiterhin einzelne schneereiche Winter
geben kann. So sank die Zahl der Tage mit mindestens 10 cm Schneehöhe
an der Wasserkuppe in der Rhön in den vergangenen 70 Jahren um rund
15 Prozent, im Ortsbereich von Willingen im Sauerland sogar um 30 bis
35 Prozent.
Das verlangt künftig mehr Flexibilität - von den Wintersportregionen
ebenso wie von den Gästen. Und langfristig könnte der Schnee von
heute tatsächlich zum sprichwörtlichen Schnee von gestern werden.
Dipl.-Met. (FH) Lothar Bock
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wissenschaft kompakt
Bunte Satellitenbilder
Wir betreiben noch einmal Werbung für die frei verfügbaren
Satellitenprodukte auf dem EUMETSAT Portal, heute thematisch
eingebettet in Wolken- und Tropopausenhöhen.
Vorweg ein kurzes Update zum Thema des Tages von vergangener Woche
Freitag, dem 20.02.2026: Wirklich klar erscheint die Luft über
Suriname im aktuellen Satellitenbild von MTG-I1 (offizieller
Betriebsname auch Meteosat-12) nicht, bei beständigem Ostwind
zwischen etwa 850 und 500 hPa wurde der Sahara-Staub tatsächlich bis
nach Südamerika transportiert. Warum in diesem Höhenbereich? Darunter
wird der Staub tendenziell ausgewaschen, darüber dreht der Wind auf
West. Soviel nur kurz dazu. Wir bleiben thematisch bei
Satellitenbildern, dieses Mal betrachten wir ein hergeleitetes
Produkt aus den Messungen des Meteosat Second Generation (MSG)
Satelliten Meteosat-10, und zwar?
?die bunteste aller Darstellungen: Abbildung 2 zeigt eine Bildfolge
von MSG Messungen, interpretiert als geometrische Höhe der
Wolkenobergrenze, also wie hoch die Wolken im beobachteten Bereich
des geostationären Satelliten Meteosat-10 reichen. Hierfür wird die
spektrale Strahlungsdichte bei 10,3 µm im thermischen
Infrarot-Fenster der Atmosphäre gemessen, also die von Ozean,
Landoberfläche und Wolken emittierte Wärmestrahlung. Mithilfe des
planckschen Strahlungsgesetzes wird aus der gemessenen spektralen
Strahlungsdichte die sogenannte Helligkeitstemperatur (brightness
temperature) bestimmt, die bei optisch dicken Wolken näherungsweise
der Temperatur der Wolkenoberkante entspricht. Anhand vertikaler
Temperaturprofile der Atmosphäre aus numerischen Wettermodellen wird
diese Temperatur anschließend einer geometrischen Höhe zugeordnet.
Warum nun ist die Darstellung so farbenfroh? Weil einiges an
Höhenbereichen abgedeckt werden muss; eine hochreichende Wolke in den
mittleren Breiten soll sich dort farblich von tiefen und mittelhohen
Wolken abheben, jedoch auch von hohen Wolken in den Tropen, wo 11 km
Wolkenoberkante nicht gerade hochreichend ist.
Mit einem Vergleich unterschiedlicher Breitengrade gegen Ende der
Animation in Abbildung 2 lässt sich das veranschaulichen:
Tiefdruckgebiet Barbara westlich von Neufundland ist erkennbar an den
sich gegen den Uhrzeigersinn eindrehenden Wolkenbändern. Dort finden
sich die höchsten Wolkenoberkanten bei etwa 11 km Höhe in orangenen
Farbtönen im Bereich der Kaltfront ? dem vertikalen T-Strich im
geschwungenen Schreibschrift-T der Wolkenbänder (nicht unbedingt
gleichzusetzen mit der T-Bone Struktur die Melvyn Shapiro und Daniel
Keyser in ihrer Beschreibung von speziellen Zyklonen-Lebenszyklen
geprägt haben).
In den Tropen wiederum sind orangene und rote Farbtöne für
Wolkenhöhen um 12 km verbreitet vertreten, aber auch graue Farbtöne
für hochreichende Konvektion bis 16 km (Farbskala oben links in
Abbildung 2) finden sich in der Innertropischen Konvergenzzone.
Abbildung 3 zeigt zur weiteren Veranschaulichung zwei
Modell-Vertikalprofile der Temperatur aus dem europäischen IFS
Modell, links für gestern Nachmittag im Bereich besagter Kaltfront
über dem Nordatlantik, und rechts für den Südosten Kameruns. Die
Tropopause, jene Grenzschicht welche den Übergang von der Troposphäre
zur Stratosphäre markiert, liegt in dem Profil über dem Nordatlantik
bei etwa 200 hPa (11 km), in dem tropischen Profil hingegen näher bei
125 hPa. Wie hoch das in Kilometern ist, können Sie unter der
Näherung für die exponentielle Druckabnahme mit der Höhe abschätzen,
welche besagt, dass sich der Luftdruck alle 5.5 km etwa halbiert
(1000 hPa am Boden, 500 hPa in 5.5 km Höhe?). Die Tropopause markiert
aufgrund der dort beginnenden Temperaturzunahme die maximal
erreichbare Höhe der aufgrund von Auftriebskräften nach oben
wachsenden Wolken. Manch eine besonders schwungvolle Wolke mag auch
über das Ziel hinaus schießen und wellenartige Dichteschwingungen
auslösen ? vor allem bei sommerlicher Konvektion lohnt sich hier ein
Blick auf das frei verfügbare EUMETSAT MSG Produkt "Rapidly
Developing Thunderstorms", also schnell wachsende Gewitterzellen, mit
Informationen über das Maß an Überschießen über die Tropopause,
verfügbar durch Anklicken der einzelnen Zellen!
Die beiden Beispiel-Temperaturprofile in Abbildung 3 fügen sich recht
gut in die Klimatologie der von der Weltorganisation für Meteorologie
(WMO) definierten "Lapse Rate Tropopause" (LRT, die
Temperaturgradient-Tropopause). Die Definition der Tropopause,
alternative Möglichkeiten sie zu definieren, und ihre Eigenschaften
werden wir uns in einem der kommenden Themen des Tages anschauen.
Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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