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Thema des Tages
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Wissenschaft kompakt
Geschichte der Meteorologie - Teil 23: Meteorologie im 19.
Jahrhundert (c)
Der Schwerpunkt des heutigen Thema des Tages liegt bei
Persönlichkeiten aus dem Bereich der Meteorologie, die im 19.
Jahrhundert interessante Forschungsarbeiten erzielten. Die
Meteorologie war zu dieser Zeit eine aufstrebende Wissenschaft, so
dass es viele erwähnenswerte Forscher mit wichtigen Beiträgen aus
dieser Zeit gibt.
Wir beginnen mit einem Wissenschaftler aus Asien, der besonders
prägend für die Meteorologie auf dem indischen Subkontinent war.
Nachfolgend werden Forscher aus Europa und Amerika vorgestellt.
Der indische Mathematiker Radhanath Sikdar (1813-1870) aus Bengalen
war von 1852 bis 1862 Leiter der Wetterwarte in Kalkutta (Kolkata).
Seine erste Aufgabe bestand darin, eine Tabelle zur Umrechnung
barometrischer Beobachtungen auf eine Standardtemperatur von 32 Grad
F zu erstellen. Dazu entwickelte er die erforderliche Formel,
basierend auf der bekannten thermischen Ausdehnung und Kontraktion
der Messingskala des Barometers und des Quecksilbers selbst in
Abhängigkeit von der Temperatur. Dies war notwendig, um den Vergleich
von bei unterschiedlichen Temperaturen gemessenen Druckwerten zu
ermöglichen. Vor 1852 hatte das Observatorium nur unregelmäßige
Beobachtungen durchgeführt. Sikdar richtete umgehend ein Programm
regelmäßiger stündlicher Wetterbeobachtungen ein, welches die
Anwendung der notwendigen Korrekturen hinsichtlich der
Instrumentenleistung umfasste. Er wurde 1853 Mitglied der Asiatic
Society of Bengal und hatte bereits (ab Dezember 1852) die
regelmäßige Veröffentlichung der stündlichen Beobachtungen seines
Observatoriums sowie verschiedener Tages- und Monatsmittelwerte in
den "Proceedings and Journal" der Gesellschaft veranlasst. Dieses
Veröffentlichungsprogramm wurde bis 1877 fortgesetzt. Darüber hinaus
gelang ihm, in Dienste der Großen Trigonometrischen Vermessung
stehend, 1852 per Triangulation auch die erste Höhenbestimmung von
Peak XV im Himalaya. Er stellte fest, dass dieser wahrscheinlich der
höchste Berg der Welt sei (später nach dem Leiter der Großen
Trigonometrischen Vermessung Mount Everest genannt).
Der französische Meteorologe Emilien Renou (1815-1902) widmete sich
zunächst der Geologie und der Geographie in den nordafrikanischen
Regionen Algerien und Marokko. 1852 gründete mit Charles Joseph
Sainte-Claire Deville (1814?1876) die Societe Meteorologique de
France, deren Sekretär er in insgesamt elf Jahren war. Dabei hatte er
viermal das einjährige Amt des Präsidenten inne. Er führte 1855 die
Kategorien Altocumulus und Altostratus in die Wolkenklassifikation
nach Howard (siehe Teil 12 der Serie zur Geschichte der Meteorologie)
ein und etablierte damit das mittlere Wolkenstockwerk. Ab 1872 war er
bis zu seinem Tod Direktor im Parc Saint-Maur, von wo aus
meteorologische Untersuchungen angestellt wurden, die insbesondere
das Klima von Paris betrafen. In seinen Arbeiten über das Klima von
Paris diagnostizierte er unter anderem die urbane Wärme-Insel.
Der US-amerikanische Meteorologe William Ferrel (1817-1891) wuchs in
ärmlichen Verhältnissen auf und eignete sich sein ganzes Wissen als
Autodidakt an. Um das Jahr 1850 stieß er zufällig auf eine Abhandlung
über die Gezeiten und entdeckte, dass Laplace (siehe Teil 11 der
Serie zur Geschichte der Meteorologie) in seiner berühmten Abhandlung
zur Himmelsmechanik ein Fehler unterlaufen sein müsse: die Wirkung
von Sonne und Mond auf die Tiden auf der Erde muss die Erddrehung
langsam abbremsen. Laplace hatte den Effekt der Reibung nicht
berücksichtigt. 1856 erschien sein Artikel "An essay on the winds and
currents of the ocean", in dem er als Erster eine plausible Erklärung
für die Windzirkulation in den mittleren Breiten der Erde vorlegte
(planetarische oder planetare Zirkulation). 1858 veröffentlichte er
den Artikel "The influence of the Earth's rotation upon the relative
motion of bodies near its surface". Er stellte hierin fest, dass ein
Gegenstand, der sich auf der Erde bewegt, infolge der Erddrehung auf
der Nordhalbkugel nach rechts und auf der Südhemisphäre nach links
abgelenkt wird. Nahezu gleichzeitig und unabhängig davon gelang dies
auch Buys Ballot (siehe Teil 20 der Serie zur Geschichte der
Meteorologie) mit dem Barischen Windgesetz. Er veröffentlichte noch
weitere Arbeiten zur Meteorologie und zur Hydrodynamik.
Der preußisch-US-amerikanische Meteorologe Heinrich Wilhelm Blasius
oder William Blasius (1818-1899) stellte 1852 als Erster eine Theorie
über die Genese der Stürme ("New theory of storms") auf, die bis
heute vollständig den Grundanschauungen der Vertreter der
Polarfronttheorie entspricht und in wesentlichen Punkten die Lehre
von Dove (siehe Teil 21 der Serie zur Geschichte der Meteorologie)
ergänzte. Er fand jedoch wenig Unterstützer, weil er seine eigene
Terminologie schuf und es versäumte, seine Theorien zu begründen.
Seine Thesen gerieten bald weitgehend in Vergessenheit.
Der britische Ingenieur Thomas Stevenson (1818-1887) aus Schottland
erfand die Wetterhütte oder Thermometerhütte, die im Englischen als
"Stevenson screen" bekannt wurde. Die Erfindung wurde 1864
veröffentlicht. Diese Wetterhütte ist im Wesentlichen ein belüfteter
Kasten, der die Messgeräte umschließt. Diese sind vor direkter
Sonneneinstrahlung geschützt, während gleichzeitig die Luft
ungehindert um sie herum zirkulieren kann. Das charakteristischste
Merkmal dieser Wetterhütte sind seine mit Lamellen versehenen
Seitenwände. Die Lamellen sind so geneigt, dass sie das Innere des
Kastens beschatten, während gleichzeitig die Zwischenräume zwischen
den Lamellen die Luftzirkulation durch den Schutz ermöglichen. Der
Schutz ist weiß lackiert, da eine dunkle Farbe dazu führen würde,
dass der Schutz Sonnenenergie absorbiert und sich dadurch erwärmt und
durch eine solche Erwärmung die Messgeräte Werte anzeigen, die nicht
repräsentativ für die Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind. Diese
Wetterhütte enthält in der Regel mindestens ein Trockenthermometer
zur Messung der Lufttemperatur und ein Feuchtthermometer zur Messung
der Luftfeuchtigkeit. Oft sind auch Thermometer für Höchst- und
Tiefsttemperaturen enthalten, und es können zudem Aufzeichnungsgeräte
für Temperatur und Luftfeuchtigkeit vorhanden sein.
Der französische Physiker, Erfinder und Meteorologe Hippolyte
Marie-Davy (1822-1911) untersuchte rotierende Tiefdruckgebiete. Er
erkannte, dass mitteleuropäische Stürme und Sturmtiefs, von ihm als
"bourrasques" bezeichnet, im Kern dieselbe physikalische, rotierende
Struktur besitzen wie tropische Zyklonen. Um seine Theorie zu
beweisen und Zyklone sichtbar zu machen, führte er als einer der
Ersten tägliche synoptische Wetterkarten ein, die Linien gleichen
Luftdrucks (Isobaren) zeigten. Im September 1863 veröffentlichte er
im offiziellen Bulletin die erste überlieferte Wetterkarte dieser Art
in Frankreich. Marie-Davys Zyklonentheorie und seine herausragende
Arbeit mit Isobaren-Wetterkarten erlaubten es dem Pariser
Observatorium erstmals, heranziehende Stürme telegraphisch an die
französischen Seehäfen zu melden und so den modernen Sturmwarndienst
im Atlantik zu begründen. Seine Erkenntnisse wurden im Werk
"Meteorologie, les mouvements de l'atmosphere et des mers" (übersetzt
"Meteorologie, Bewegungen in der Atmosphäre und in den Meeren") 1866
publiziert. Marie-Davy war darüber hinaus auch auf dem Gebiet der
Elektrochemie tätig, er erfand die nach ihm benannte
Marie-Davy-Batterie.
Der britische Naturforscher und Schriftsteller Sir Francis Galton
(1822-1911) war in vielen verschiedenen Disziplinen wie Geographie,
Afrikaforschung und der Vererbungslehre tätig, er prägte dort den
Begriff Eugenik. Im Bereich der wissenschaftlichen Meteorologie war
Galton der Erste, der die Antizyklone, das Hochdruckgebiet, im
Gegensatz zur Zyklone, dem Tiefdruckgebiet, identifizierte. Er führte
die Verwendung von Karten ein, auf denen Gebiete mit ähnlichem
Luftdruck dargestellt wurden, die moderne Wetterkarte. Sein Buch
"Meteorographica" von 1863 war der erste systematische Versuch,
Wetterdaten auf kontinentaler Ebene zu sammeln, graphisch
darzustellen und zu interpretieren. Es wurde so zu einem
grundlegenden Werk der modernen wissenschaftlichen Meteorologie.
Seine Aktivitäten im Bereich der Datenerfassung und Datendarstellung,
sowohl hier als auch für die Geographische Gesellschaft und deren
Suche nach der Nilquelle, führten ihn schließlich zu den
statistischen Innovationen, die für seine quantitative Erforschung
der Vererbung erforderlich waren. Galton erstellte die erste
Wetterkarte, die in der Zeitung "The Times" veröffentlicht wurde (am
1. April 1875; sie zeigte die synoptische Situation des Vortags, des
31. März 1875). Wetterkarten entwickelten sich in der Folge weltweit
zu einem festen Bestandteil von Zeitungen.
Der französische Medizinier und Chemiker Paul-Jean Coulier
(1824-1890) bewies als Erster experimentell, dass Staubpartikel in
der Luft zwingend notwendig sind, damit Wasserdampf zu Wolken oder
Nebel kondensieren kann. Coulier goss in seinem Flaschenexperiment
1875 eine kleine Menge warmes Wasser in eine Glasflasche, sodass die
Luft darin mit Wasserdampf gesättigt war. Nach Erhöhung des Drucks in
der Flasche und anschließender schlagartiger Entweichung dessen
(adiabatische Expansion), kühlte sich die Luft ab und es bildete sich
augenblicklich ein künstlicher, dichter Nebel (eine Miniaturwolke) im
Gefäß. Als Coulier das Experiment wiederholte, die einströmende Luft
jedoch zuvor gründlich durch Baumwolle filterte, geschah etwas
Überraschendes: Trotz der schnellen Druckentlastung und Abkühlung
blieb die Luft absolut klar, es bildete sich kein Nebel. Er folgerte
korrekt, dass nicht die Luft oder der Wasserdampf allein für die
Wolkenbildung verantwortlich sind, sondern winzige, unsichtbare
Schwebeteilchen (Staub) in der normalen Umgebungsluft. Der
Wasserdampf benötigt diese festen Oberflächen, um sich daran
anzuheften und Tröpfchen zu bilden. Couliers Entdeckung wurde in
einer pharmazeutischen Fachzeitschrift (Journal de Pharmacie et de
Chimie) veröffentlicht und blieb in meteorologischen Kreisen
weitgehend unbeachtet.
Der britisch-australische Geodät George Goyder (1826-1898) wurde 1856
zum stellvertretenden Generalvermesser in der Kolonie Südaustralien
und 1861 dort zum Generalvermesser ernannt. Australien ist ein
weitgehend trockenes Land. Die Niederschlagsmengen schwanken stark,
und es kommt zu Dürren. In der regenreichen Zeit der 1850er und
frühen 1860er Jahre wurden in Südaustralien immer weiter nördlich von
der Küste neue Farmen gegründet. Ein trockenes Jahr im Jahr 1864
brachte eine Katastrophe mit sich: Ernten verdorrten, Vieh verendete
und Farmen wurden aufgegeben. Goyder wurde beauftragt, festzustellen,
wo die Ernten ausfielen und wo nicht. Im Jahr 1865 legte er die
"Goyder-Niederschlagslinie" oder einfach "Goyder-Linie" fest: die
Linie, an der der durchschnittliche jährliche Niederschlag etwa 300
mm (bzw. Liter pro Quadratmeter) betrug (einige Quellen sprechen von
einer Grenze von 250 mm). Er empfahl, nördlich dieser Linie, wo die
Bedingungen im Durchschnitt zu trocken waren, keinen Versuch zu
unternehmen, Getreide anzubauen. Selbst Schafzucht und
Weidewirtschaft wären in diesen Gebieten riskant. Seine Empfehlung
wurde von einigen Australiern verspottet, doch nachfolgende Dürren
bewiesen, dass sie tatsächlich durchaus vernünftig war. Die Linie
wurde als Richtwert dafür akzeptiert, wie weit landeinwärts die
Landwirtschaft über einen Zeitraum hinweg, der sowohl trockene als
auch feuchte Phasen umfassen konnte, eine vernünftige Aussicht auf
Erfolg hatte. Die Goyder-Linie ist auch an der natürlichen Vegetation
der Region erkennbar: Nördlich davon überwiegt der Salzstrauch. In
einigen Gebieten ist sie dort noch heute durch Gedenktafeln
gekennzeichnet. Goyder legte später eine ähnliche Linie im heutigen
Northern Territory in Australien fest.
Der britische Meteorologie Alexander Buchan (1829-1907) aus
Schottland erlangte durch seine konvektive Zyklonentheorie
Bekanntheit. Buchan argumentierte, dass lokale Erwärmung die Luft
expandieren und an Dichte verlieren lässt. Diese leichtere, warme
Luft steigt säulenartig nach oben (Konvektion). An der Oberfläche
entsteht dadurch ein relatives Vakuum, ein Tiefdruckgebiet. Der
entscheidende Durchbruch seiner Theorie war die Verknüpfung der
Mechanik mit der Feuchtigkeitsphysik. Wenn die feuchte Luft aufsteigt
und abkühlt, kondensiert der Wasserdampf zu Wolken und Regen. Bei
dieser Kondensation wird latente Wärme (Kondensationswärme) an die
Umgebung abgegeben. Diese Wärme heizt die Luft im Zentrum der Zyklone
weiter auf, verstärkt den thermischen Auftrieb und hält den "Motor"
des Sturms am Laufen. Durch den anhaltenden Druckabfall im Zentrum
wird kältere, dichtere Luft aus der Umgebung radial und spiralförmig
angesaugt (was die typische zyklonale Windzirkulation füttert).
Buchan war der Erste, dem es 1868 gelang, den exakten Zugweg eines
Sturms von Nordamerika über den Atlantik bis nach Europa lückenlos
anhand von Luftdruck- und Isobarenkarten nachzuzeichnen. Er bewies
damit, dass die wandernden Wirbelstürme der gemäßigten Breiten
physikalisch nach denselben konvektiven Gesetzen funktionieren wie
tropische Hurrikane.
Der peruanische Marineoffizier und Politiker Camilo Carrillo
(1830-1901) verfasste 1892 den ersten offiziellen wissenschaftlichen
Bericht über das Phänomen "El Nino". Vor der Geographischen
Gesellschaft von Lima hielt er einen wegweisenden Vortrag, in dem er
das jahrhundertealte Wissen der peruanischen Fischer wissenschaftlich
dokumentierte. Carrillo hielt schriftlich fest, dass die Fischer nahe
Paita im Norden Perus eine periodisch auftretende, ungewöhnlich warme
Meeresströmung "El Nino" nannten. Da diese Erwärmung meist um die
Weihnachtszeit ihren Höhepunkt erreichte, benannten die Fischer sie
nach dem Christkind. Er beschrieb, dass die warme Strömung die
typischen Kaltwasserfische wie Sardellen vertrieb und die Fischerei
zum Erliegen brachte. Gleichzeitig führte sie in den sonst extrem
trockenen Küstenwüsten zu heftigen Regenfällen, die von den
Landwirten für die Agrarwirtschaft genutzt wurden. Durch Carrillos
Bericht gelangte der Begriff "El Nino" von der mündlichen
Überlieferung lokaler Fischer in die internationale Wissenschaft, wo
er später als weltweites Klimaphänomen erforscht wurde.
Der französische Ingenieur Gustave Eiffel (1832-1923) errichtete
Brücken und andere Großbauwerke. Er entwarf den großen Turm aus
Eisen, der von 1887 bis 1889 in Paris gebaut wurde und seinen Namen
erhielt und seinerzeit das höchste Bauwerk der Welt war. Der Turm
fand sofort praktische Verwendung als riesiger Rundfunkmast, und
Eiffel nutzte ihn zudem für Experimente zur Windwiderstandsfähigkeit
und Aerodynamik. Eiffel ließ an verschiedenen Stellen im Turm
meteorologische Instrumente anbringen, und 1889 ermächtigte er das
Zentrale Meteorologische Büro Paris, auf der Turmspitze in 300 m Höhe
über dem Boden eine Wetterstation einzurichten. Eiffel entwarf
Gehäuse für seine Thermometer und andere Instrumente, die diese
schützten und gleichzeitig einen freien Luftstrom um sie herum
ermöglichten. Außerdem baute er ein privates
Wetterbeobachtungsnetzwerk mit 25 Stationen auf (darunter eine in
Algier). Die von ihm gesammelten Daten wurden in Wetteratlanten
zusammengefasst, die von 1903 bis 1912 veröffentlicht wurden. Der
Eiffelturm wurde zudem genutzt, um atmosphärische elektrische
Messungen auf verschiedenen Höhen bis hinauf zur Spitze
durchzuführen, die wiederum zur Untersuchung der vertikalen Profile
der Rauchpartikelkonzentration in der Grenzschicht dienten. Dies war
eine der frühesten Untersuchungen zur Luftverschmutzung in Paris.
Der dänische Bibliothekar, Kunsthistoriker und Amateur-Meteorologe
Philip Weilbach (1834-1900) schlug 1880 dem Ständigen Ausschuss der
Internationalen Meteorologischen Organisation (IMO), einem Vorläufer
der heutigen Weltorganisation für Meteorologie (WMO), die Bezeichnung
eines neuen, frei konvektiven, vertikalen oder mehrstufigen
Wolkentyps vor, nämlich "Cumulonimbus" (aufgetürmte Regenwolke), was
vom Ausschuss angenommen wurde. Dieser würde sich von Cumulus und
Nimbus unterscheiden und wäre an seiner oft sehr komplexen Struktur
sowie an seiner Fähigkeit, Gewitter zu erzeugen, zu erkennen. Mit
dieser Ergänzung wurde ein Kanon von zehn troposphärischen
Wolkengattungen festgelegt, der offiziell und allgemein anerkannt
wurde.
Der norwegische Meteorologe und Ozeanograph Henrik Mohn (1835-1916)
wurde 1866 zum ersten Professor für Meteorologie am neu
eingerichteten Institut für Meteorologie an der Universität
Christiania (Oslo) berufen. 1870 veröffentlichte er einen Sturmatlas,
1872 das Werk "Om Vind og Veir. Meteorologiens Hovedresultater"
(übersetzt "Grundzüge der Meteorologie. Die Lehre von Wind und Wetter
nach den neuesten Forschungen gemeinfasslich dargestellt"). Bei der
Eruption des isländischen Vulkans Askja Ende März 1875 wurden
gewaltige Mengen feiner Vulkanasche in die Atmosphäre geschleudert.
Die Aschewolke zog über das Europäische Nordmeer direkt nach
Skandinavien, wo es in weiten Teilen Norwegens und Schwedens zu
spürbarem Ascheregen kam. Mohn nutzte das meteorologische
Stationsnetz, um die genauen Zeitpunkte und Orte des Aschefalls
systematisch zu erfassen. 1877 veröffentlichte er eine
meteorologische Karte unter dem Titel "Askeregnen" (norwegisch für
"Der Ascheregen"). Mohn bewies als einer der ersten Wissenschaftler
weltweit, dass vulkanische Partikel durch atmosphärische Strömungen
über große Entfernungen hinweg transportiert werden können. Seine
präzisen meteorologischen Analysen halfen dabei zu verstehen, wie
Höhenwinde, die oberen Luftströmungen, Partikel rund um den Globus
tragen. Diese Erkenntnisse bilden bis heute die Grundlage für moderne
Schadstoffausbreitungsmodelle, wie sie etwa bei Vulkanausbrüchen für
die Luftfahrtsicherheit genutzt werden. Mohn leitete zusammen mit dem
norwegischen Zoologen Georg Ossian Sars (1837-1927) die Norwegische
Nordmeerexpedition mit dem Dampfschiff "Voeringen" zwischen 1876 und
1878, auf der neben ozeanographischen Messungen meteorologische
Beobachtungen durchgeführt und die Wanderungsbewegungen von Fischen
untersucht wurden. Mohn gewann neue Einblicke in die Dynamik der
Wechselwirkung zwischen Ozean und Atmosphäre. Das half ihm bei der
Entwicklung seiner Zyklonentheorie. Als einer der Ersten verstand er
die Beziehung zwischen der Dichteverteilung des Meerwassers, den
Meeresströmungen und der Erdrotation. Bereits 1880 erklärte Mohn die
Bildung von Tiefenwasser im Europäischen Nordmeer. Mohn war 1879
Gründungsmitglied der Internationalen Polarkommission und sorgte
dafür, dass Norwegen eines der ersten Länder war, die die
Finanzierung einer Forschungsstation (Bossekop, heute ein Stadtteil
von Alta in Nordnorwegen) für das Erste Internationale Polarjahr von
1882/83 zusicherten. Mohn leistete in den 1890er Jahren Pionierarbeit
bei der Erforschung von Wolken in der Stratosphäre. Er gilt als der
Erste, der die schillernden polaren Stratosphärenwolken (PSC)
wissenschaftlich untersuchte und gab ihnen im Jahr 1893 den
treffenden Namen Perlmuttwolken (norwegisch: perlemorskyer). Mohn
veröffentlichte 1893 eine umfassende Arbeit über diese "irisierenden
Wolken". Er beschrieb fasziniert ihre einzigartigen optischen Effekte
und leuchtenden Farben, die nach Sonnenuntergang am Polarhimmel
sichtbar werden. Mohn erkannte sofort, dass sich diese Wolken weit
oberhalb der normalen Wetterschicht befinden mussten. Allerdings
überschätzte er ihre Höhe massiv und berechnete sie auf über 100
Kilometer. Rund 40 Jahre später fand man heraus, dass sie real in der
unteren Stratosphäre in 20 bis 30 km Höhe liegen. Mohn sah in den
polaren Stratosphärenwolken vor allem ein faszinierendes optisches
Naturphänomen. Heute weiß die moderne Atmosphärenphysik, dass diese
stratosphärischen Wolken eine Schlüsselrolle beim Ozonabbau spielen:
An der Oberfläche ihrer Eiskristalle, die oft aus Salpeter- und
Schwefelsäure bestehen, werden harmlose Chlorverbindungen in
hochreaktive Gase umgewandelt, die unter Sonneneinstrahlung das
Ozonloch über den Polarregionen aufreißen. Mohn gilt als Begründer
der Meteorologie und Ozeanographie in Norwegen.
Der bayerische Physiker und Meteorologe Wilhelm von Bezold
(1837-1907) wurde 1878 zum Direktor der Bayerischen Meteorologischen
Zentralstation in München ernannt. Ab 1879 gab er ein
meteorologisches Jahrbuch und ab 1881 einen täglichen Wetterbericht
der Zentralstation heraus. 1885 wechselte er als Direktor des
Meteorologischen Instituts an die Universität Berlin, wo er bis 1907
tätig war. Er machte sich um den Aufbau des Netzes meteorologischer
Stationen in Preußen und Bayern verdient. Maßgeblich auf seine
Initiative hin wurden die Höhenwetterstationen auf dem Brocken und
nachfolgend auf dem höchsten preußischen Berg, der Schneekoppe im
Riesengebirge in Schlesien, geschaffen. Letztere nahm ihren
Messbetrieb im Juni 1900 auf. Von Bezold führte viele Untersuchungen
auf dem Gebiet der Elektrizitätslehre durch sowie über physiologische
Optik. Seine meteorologischen Arbeiten betreffen die Dämmerung, die
Lehre vom Gewitter, den Erdmagnetismus und die Thermodynamik der
Erdatmosphäre. Er führte 1888 in der Arbeit "Zur Thermodynamik der
Atmosphäre" den Begriff der potentiellen Temperatur, einer
thermodynamischen Zustandsgröße, ein. Die potentielle Temperatur ist
die Temperatur, die ein Luftpaket annehmen würde, wenn man es
trockenadiabatisch (also ohne Wärmeaustausch mit der Umgebung) von
seinem aktuellen Druckniveau auf einen festgelegten Referenzdruck
bringt (in der Meteorologie standardmäßig 1000 hPa, was in etwa dem
Luftdruck auf Meereshöhe entspricht). Da Luft beim Absinken
komprimiert wird und sich erwärmt bzw. beim Aufsteigen expandiert und
abkühlt, macht die potentielle Temperatur Luftmassen auf
unterschiedlichen Höhen thermodynamisch direkt miteinander
vergleichbar. Vor von Bezolds Arbeit war es extrem schwer zu
bestimmen, ob eine Luftschichtung stabil oder instabil ist, da die
Temperatur mit der Höhe naturgemäß abnimmt. Mithilfe der potentiellen
Temperatur lässt sich die atmosphärische Stabilität sofort ablesen.
Bei einer stabilen Atmosphäre nimmt die potentielle Temperatur mit
der Höhe zu (die Luft wehrt sich gegen Vertikalbewegungen). Bei einer
labilen oder instabilen Atmosphäre nimmt die potentielle Temperatur
mit der Höhe ab (es kommt zu starker Konvektion, z. B.
Gewitterbildung). Bei einer neutralen Atmosphäre bleibt die
potentielle Temperatur mit der Höhe gleich (trockenadiabatische
Schichtung).
Die Serie Geschichte der Meteorologie wird fortgesetzt. Der nächste
Teil wird Persönlichkeiten vorstellen, die Beiträge zur Chemie und
auf dem Gebiet der Messtechnik im 19. Jahrhundert leisteten, die für
die Meteorologie bedeutsam waren.
Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wissenschaft kompakt
Geschichte der Meteorologie - Teil 24: Meteorologie im 19.
Jahrhundert (d)
Das aktuelle Thema des Tages beleuchtet Entwicklungen in der Chemie,
Messtechnik und Mathematik im 19. Jahrhundert, die der Meteorologie
nutzten. In der Atmosphärenchemie erscheint die erste Frau auf dem
Gebiet der Grundlagenforschung in der Meteorologie. Mit dem
Arithmometer wird eine Rechenmaschine entwickelt, welche als
Vorläufermodell des Computers gilt.
Das heutige Thema des Tages stellt Personen vor, die
Grundlagenforschung in den Bereichen Chemie, Messtechnik und
Mathematik im 19. Jahrhundert betrieben haben, die die Wissenschaft
der Meteorologie in hohem Umfang nutzte und nutzt. Im Bereich der
Atmosphärenchemie tritt die erste Frau auf dem Gebiet der
Grundlagenforschung in der Meteorologie auf. Im Bereich der
Messtechnik bzw. Technik erscheint mit dem Arithmometer ein
Vorläufermodell des Computers. Beginnen wir mit dem Bereich der
Chemie.
Der württembergisch-schweizerische Chemiker und Physiker Christian
Friedrich Schönbein (1799-1868) war zunächst im Bereich Pharmazie
tätig, ehe er sich der Chemie widmete. Bei Experimenten mit
elektrischen Funken Ende der 1830er Jahre nahm Schönbein einen
stechenden Geruch wahr und erkannte, dass es sich um den Geruch
handelte, der oft nach einem starken Blitzschlag auftritt. 1839
gelang es ihm, das Gas zu isolieren, und er nannte es Ozon,
abgeleitet vom griechischen "ozein" (riechen). Aus diesem Grund wird
Schönbein die Entdeckung des Ozons zugeschrieben. Er beschrieb diese
Entdeckung in einem Brief mit dem Titel "Untersuchungen über die
Natur des Geruchs bei bestimmten chemischen Reaktionen", den er 1840
der Academie des Sciences in Paris vorlegte. Neben der Entdeckung des
Ozon gelang ihm auch die Entdeckung der Schießbaumwolle. Er prägte
den Begriff der Geochemie und befasste sich mit biologischen
Fragestellungen zum Blut.
Die US-amerikanische Erfinderin und Forscherin auf dem Gebiet der
Atmosphärenchemie Eunice Newton Foote (1819-1888) gilt heute als
Entdeckerin des Treibhauseffekts. 1856 wies sie experimentell nach,
dass eine höhere Konzentration von Kohlenstoffdioxid in der
Atmosphäre zu einer signifikanten Erwärmung führt. In ihrem Heimlabor
führte Foote ein für die damalige Zeit geniales Experiment durch: Sie
füllte Glaszylinder mit verschiedenen Gasen, darunter gewöhnliche
Luft, Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid. Sie platzierte die Zylinder
mit Thermometern in der Sonne und im Schatten, um die
Temperaturveränderung zu messen. Der mit Kohlendioxid gefüllte
Zylinder heizte sich weitaus stärker auf als die anderen und kühlte
zudem wesentlich langsamer ab. Daraus folgerte sie in ihrer Arbeit
"Circumstances Affecting the Heat of the Sun's Rays" als erster
Mensch überhaupt, dass eine Atmosphäre aus diesem Gas unserer Erde
eine hohe Temperatur verleihen würde. Ihre Forschungsarbeit wurde
1856 auf der Jahrestagung der American Association for the
Advancement of Science (AAAS) verlesen. Frauen durften zu dieser Zeit
zwar Mitglieder der AAAS sein, aber es war nicht üblich, dass sie
ihre Forschungsarbeiten selbst vortrugen. Ihre Arbeit wurde von dem
Physiker und Mitbegründer der Smithsonian Institution, Henry (siehe
Teil 19 der Serie zur Geschichte der Meteorologie), vorgetragen.
Foote gilt als die erste Frau auf dem Gebiet der Grundlagenforschung
in der Meteorologie.
Der polnische Chemiker und Physiker Zygmunt Wroblewski (1845-1888)
aus dem damaligen russischen Grodno (heute Weißrussland bzw. Belarus)
befasste sich zunächst mit physikalischen Theorien, ehe er zur Chemie
gelangte. Zusammen mit dem polnischen Chemiker, Mathematiker und
Physiker Karol Olszewski (1846-1915) aus dem damals österreichischen
Galizien gelang Wroblewski erstmals die statische Verflüssigung
(Kondensation) von Sauerstoff und Stickstoff. Zunächst konnten beide
Forscher im April 1883 erstmals Sauerstoff bei einer kritischen
Temperatur von etwa -136 Grad C und unter hohem Druck in eine ruhige,
durchsichtige Flüssigkeit überführen. Nur wenig später glückte ihnen
derselbe Durchbruch mit Stickstoff.
Im Folgenden werden bedeutende Entwicklungen auf dem Gebiet der
Messtechnik bzw. Technik beschrieben.
Der französische Erfinder und Unternehmer Charles Xavier Thomas oder
Charles Xavier Thomas de Colmar (1785-1870) erlangte historische
Bedeutung durch die Entwicklung des Arithmometers, der ersten
kommerziell erfolgreichen und in Serie produzierten mechanischen
Rechenmaschine der Welt. Thomas war französischer Armee-Zahlmeister
sowie ein erfolgreicher Versicherungsunternehmer. Er benötigte das
Gerät als zuverlässiges Hilfsmittel für umfangreiche kaufmännische
und administrative Berechnungen. Er erhielt 1820 das Patent für das
Arithmometer. Die Funktionsweise basiert auf dem Prinzip der
Staffelwalze und beherrscht alle vier Grundrechenarten (Addition,
Subtraktion, Multiplikation und Division). Ab etwa 1851 wurde das
Arithmometer in Paris in Serie gebaut. Bis etwa 1870 wurden rund
1.000 Stück gefertigt. Die Produktion lief (unter Nachfolgern) bis
ca. 1914 weiter. Das Arithmometer prägte über Jahrzehnte hinweg die
europäische Rechenmaschinenindustrie und diente als Vorbild für
spätere mechanische Rechenmaschinen. Es gilt als Vorläufer des
Computers. In der Meteorologie spielte das Arithmometer im 19. und
frühen 20. Jahrhundert eine entscheidende Rolle: Es wurde für die
aufwendigen mathematischen Berechnungen von Wetterdaten genutzt.
Bevor es elektronische Computer gab, mussten Meteorologen riesige
Tabellen mit Luftdruck-, Temperatur- und Windmessungen von Hand oder
mithilfe solcher mechanischer Rechenmaschinen auswerten, um
statistische Klimawerte zu ermitteln und erste theoretische Modelle
zur Wettervorhersage zu berechnen.
Der französische Physiker Antoine Cesar Becquerel (1788-1878)
beschäftigte sich mit Thermoelektrizität und baute ein elektrisches
Thermometer, mit dem er die Körpertemperatur von Tieren, die
Bodentemperatur in verschiedenen Tiefen und die Lufttemperatur in
verschiedenen Höhen maß. Neben seiner Grundlagenforschung in der
Elektrochemie interessierte er sich allgemein für Fragen der
Meteorologie, des Klimas und der Landwirtschaft.
Der britische Mathematiker, Philosoph, Erfinder und Ökonom Charles
Babbage (1791-1871) gilt weltweit als der "Vater des Computers", da
er die grundlegenden Konzepte für die ersten mechanischen,
programmierbaren Rechenmaschinen entwickelte. Seine Visionen nahmen
die logische Struktur moderner Computer um mehr als ein Jahrhundert
vorweg. Ab 1822 entwarf Babbage mit der Differenzmaschine (Difference
Engine) eine mechanische Rechenmaschine, um fehlerfreie astronomische
und mathematische Tabellen zu berechnen. Ein Prototyp wurde teilweise
gebaut, das Gesamtprojekt scheiterte jedoch an Geldmangel und
Fertigungsproblemen. Die Differenzmaschine nutzt die Methode der
finiten Differenzen. Dadurch können Funktionswerte komplexer Polynome
allein durch wiederholte Additionen berechnet werden, was menschliche
Rechenfehler bei Drucktabellen verhindern sollte. Sie bestand aus
tausenden feinmechanischen Zahnrädern, Achsen und Hebeln aus Messing
und Stahl, ganz ohne Elektronik. Babbage kritisierte in den 1830er
Jahren die mangelnde Qualität und Disziplin bei wissenschaftlichen
Messungen, unter anderem in der damals aufstrebenden Meteorologie. Er
half mit, Strukturen für bessere Datenstandards zu schaffen. Ab 1837
konzipierte Babbage in Zusammenarbeit mit Ada Lovelace (siehe unten)
mit der analytischen Maschine (Analytical Engine) einen
dampfbetriebenen, universellen mechanischen Computer. Dieser sollte
über eine Zentraleinheit (Rechenwerk bzw. "Mill"), einen Speicher
("Store"), eine Eingabe über Lochkarten sowie einen Drucker verfügen
? exakt die Kernkomponenten heutiger Computer. Sie wurde zu seinen
Lebzeiten nie vollendet. 1843 bauten der schwedische Verleger Georg
Scheutz (1785-1873) und sein Sohn, der schwedische Ingenieur Edvard
Scheutz (1821-1881), in Stockholm den ersten mechanischen Computer
nach den Ideen von Babbage. Im gleichen Jahr entwickelte Lovelace
(siehe unten) eine Methode zur Programmierung von Computern nach dem
Babbage-System und schrieb damit das erste Computerprogramm.
Der irische Astronom Thomas Romney Robinson (1792-1882) war von 1823
bis zu seinem Tod Direktor der Sternwarte von Armagh. Die Sternwarte
führte seit 1784 auch meteorologische Messungen durch. Das
Wetterbeobachtungsprogramm wird bis heute fortgeführt, und die
gesamte Datenreihe stellt die längste ununterbrochene meteorologische
Beobachtungsreihe in Irland dar. Obwohl er in erster Linie Astronom
war, interessierte sich Robinson auch für andere Bereiche der
Wissenschaft. In der Meteorologie konzentrierte er sich auf
Windmessungen. Robinson erkannte, dass er die frühen Konstruktionen
verschiedener Windmesser verbessern konnte, und erfand das erste
Schalenkreuz-Anemometer, dessen Grundkonstruktion noch heute bei
einigen modernen Anemometern zum Einsatz kommt. Robinsons Instrument,
das er 1846 fertig stellte, bestand aus vier halbkugelförmigen
Schalen, die an horizontalen Armen befestigt waren, welche wiederum
an einer vertikalen Welle angebracht waren. Robinson ging davon aus,
dass sich die Schalen seines Anemometers mit einem Drittel der
Windgeschwindigkeit bewegten, doch dies stellte sich später als
falsch heraus. Viel später, in den 1920er Jahren, stellten Forscher
fest, dass ein Anemometer mit nur drei Schalen gegenüber der
Ausführung mit vier Schalen mehrere Vorteile hatte. Robinson
installierte sein Anemometer bereits 1846 auf dem Dach des
Armagh-Observatoriums. Im Jahr 1847 schloss er eine
Uhrwerkvorrichtung an das Gerät an, damit es eine kontinuierliche
Aufzeichnung der Windverhältnisse liefern konnte. Im Jahr 1867 wählte
das Board of Trade Armagh als eines von sieben neuen erstklassigen
meteorologischen Observatorien auf den Britischen Inseln aus.
Der britische Mathematiker und Astronom Sir George Biddell Airy
(1801-1892) erweiterte das wissenschaftliche Spektrum des
Greenwich-Observatoriums, indem er innerhalb des Observatoriums eine
Abteilung für Magnetismus und Meteorologie unter der Leitung von
James Glaisher (siehe Teil 18 der Serie zur Geschichte der
Meteorologie) einrichtete. Airy wollte nicht nur die Temperatur
ermitteln und deren Auswirkungen auf astronomische Beobachtungen
untersuchen, sondern auch ein allgemeineres Programm für
meteorologische Untersuchungen aufstellen. Unter Airys Vorgänger
waren am Observatorium bereits einige magnetische und meteorologische
Messungen durchgeführt worden, doch Airy führte systematische
tägliche Messungen der Temperatur und anderer Variablen ein. Airy
experimentierte zudem mit Barometern und Barometerskalen. Als
Ergebnis dieser Arbeit wurde von der Firma Short and Mason ein
Barometer hergestellt, das als "Airys Höhenbarometer" bekannt ist und
eine von ihm entworfene Skala ("Airys Höhenskala") enthielt. Airy war
an der Festlegung des Greenwich-Meridians als Basislängengrad
beteiligt, von dem aus andere Längengrade gemessen werden. Die
Zeitzone in Greenwich, ursprünglich als Greenwich Mean Time (GMT)
bezeichnet und heute als UTC (Universal Time, Coordinated) bekannt,
ist eine Standardzeit, die als internationale Referenz dient. In der
Meteorologie werden synoptische Beobachtungen um 00 UTC, 06 UTC, 12
UTC und 18 UTC an allen Beobachtungsstationen weltweit durchgeführt,
unabhängig von der Ortszeit.
Der französische Ingenieur, Physiker und Erfinder Lucien Vidie oder
Lucien Vidi (1805-1866) folgte zunächst seiner Leidenschaft für
Dampfmaschinen und Druckmessungen. Seine bedeutendste Leistung ist
die Erfindung des Aneroidbarometers 1843, mit der er die
meteorologische Messtechnik revolutionierte. Durch seine Erfindung
konnten Luftdruckmessungen erstmals ohne die Nutzung gefährlicher und
unhandlicher Quecksilbersäulen durchgeführt werden. Vidie entwickelte
ein mechanisches Messgerät, das auf einer luftdicht verschlossenen,
evakuierten Metallkapsel basiert. Die nach ihm benannten Aneroid-
oder Vidie-Dosen verformen sich minimal, je nachdem, wie stark der
äußere atmosphärische Druck auf sie einwirkt. Ein ausgeklügeltes
System aus Federn und Hebeln überträgt diese feinen Bewegungen der
Kapselwand direkt auf einen Drehzeiger auf der Skala des Geräts. Im
Gegensatz zu den bis dahin üblichen Quecksilberbarometern waren
Vidies Instrumente kompakt, robust und hervorragend zu
transportieren. Sie fanden schnellen Einsatz in der maritimen
Navigation und im Haushaltsbereich.
Der Jesuit, Astronom und Physiker Angelo Secchi (1818-1878) aus dem
Herzogtum Modena erfand den Meteorographen, ein automatisches Gerät
zur Aufzeichnung von Luftdruck, Temperatur, Windrichtung und
-geschwindigkeit sowie Niederschlagsmenge. Secchi erfand die
Secchi-Scheibe, mit der die Wasserdurchsichtigkeit in Ozeanen und
Seen gemessen wird. Er untersuchte das Klima in Rom, die Nordlichter,
die Auswirkungen von Blitzen und die Ursachen von Hagel. Er
interessierte sich für die Beobachtung des Erdmagnetfelds und
gründete 1858 ein magnetisches Observatorium in Rom. 1853 richtete
Secchi das erste geomagnetische Observatorium in Italien ein. Sein
Labor umfasste mehrere Instrumente zur Messung der Stärke und
Richtung des Erdmagnetfelds, anhand derer er berechnen konnte, wie
sich dieses im Laufe der Zeit verändert. Secchi stellte Zusammenhänge
zwischen diesen Schwankungen und verschiedenen Arten von
Sonnenaktivität her. Damit war Secchi einer der ersten
Wissenschaftler, die sich mit Weltraumwetter befassten.
Auch in anderen Bereichen wie der Fehleranalyse und der Statistik gab
es Beiträge zur Meteorologie, die im dritten Abschnitt dieser
Abhandlung kurz vorgestellt werden. Ebenso werden Persönlichkeiten
präsentiert, die die Grundlagen für die in der Meteorologie genutzten
Bewegungsgleichungen legten. Den Abschluss bildet eine Dame, deren
Beitrag zur Meteorologie erst vor kurzem entdeckt und
wissenschaftlich ausgewertet wurde.
Der preußische Astronom Friedrich Wilhelm Bessel (1784-1846) gehörte
zu den Ersten, die erkannten, dass verschiedene Fehlerquellen bei
astronomischen Beobachtungen beseitigt werden mussten, bevor man sich
auf diese Beobachtungen verlassen konnte. So wusste er
beispielsweise, dass atmosphärische Effekte wie die Lichtbrechung
einen erheblichen Einfluss auf seine Beobachtungen haben konnten.
Bessel vertraute auf die Qualität der Beobachtungen der britischen
Astronomen James Bradley (1692-1762) und Nevil Maskelyne (1732-1811)
aus Greenwich, da diese in ihren Arbeiten Faktoren analysiert hatten,
die ihre Messungen beeinflussen konnten, darunter die Temperatur und
der Druck der Atmosphäre. Bessel nutzte Bradleys Beobachtungen, um
Brechungstabellen zu erstellen. Bei seinen eigenen Beobachtungen
bemühte sich Bessel, alle Fehlerquellen (optische, mechanische und
meteorologische) zu beseitigen, um Daten zu erhalten, die wesentlich
zuverlässiger waren als jene aus früheren Arbeiten, bei denen die
Fehlerquellen außer Acht gelassen worden waren. Die Methoden der
Fehleranalyse gingen im Nachgang auch in die Meteorologie ein.
Der belgische Astronom und Statistiker Adolphe Quetelet (1796-1874)
gründete 1828 die Königliche Sternwarte von Belgien und wurde deren
erster Direktor. Die Sternwarte sollte zur Basis für seine
umfangreichen magnetischen und meteorologischen Beobachtungen werden.
Er widmete sich der Anwendung statistischer Verfahren auf
meteorologische Daten und beschrieb das Klima Belgiens in seinem Werk
"Sur le Climat de Belgique". Die Königliche Sternwarte war der
Vorläufer des heutigen Königlichen Belgischen Meteorologischen
Instituts, und Quetelet kann als "Vater" des meteorologischen
Dienstes in Belgien angesehen werden. Als Direktor der Königlichen
Sternwarte war Quetelet einer der belgischen Vertreter bei der
Internationalen Konferenz in Brüssel im Jahr 1853 (siehe Teil 17 der
Serie zur Geschichte der Meteorologie). Ziel der Konferenz war die
Schaffung eines einheitlichen internationalen Systems für
meteorologische Beobachtungen auf See. Tatsächlich handelte es sich
hierbei um das früheste formelle Treffen, bei dem eine bedeutende
internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Meteorologie sowohl
geplant als auch umgesetzt wurde. In diesem Sinne kann sie als erste
internationale meteorologische Konferenz angesehen werden. Ihr Erfolg
ebnete den Weg für die Gründung der Internationalen Meteorologischen
Organisation (IMO) 20 Jahre später, der Vorgängerin der
Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Quetelet wurde einstimmig
zum Präsidenten der Internationalen Seekonferenz gewählt. Quetelet
führte auch einige Beobachtungen der Nordlichter (Aurora borealis)
durch, darunter jene, die während des Sonnensturms vom 28. August bis
zum 2. September 1859 auftraten.
Verschiedene Wissenschaftler lieferten das theoretische Fundament der
kontinuumsmechanischen und atmosphärischen Bewegungsgleichungen. Sie
beschreiben die Dynamik von Gasen und Flüssigkeiten (Fluiden), und
zwar vom abstrakten physikalischen Grundgesetz bis hin zur konkreten
Wetter- und Klimamodellierung. Der französische Mathematiker und
Physiker Augustin-Louis Cauchy (1789-1857) lieferte das abstrakte
mechanische Gerüst, die Cauchy-Gleichungen. Diese basieren auf den
Cauchy-Eulerschen Bewegungsgesetzen (zu Euler siehe Teil 9 dieser
Serie zur Geschichte der Meteorologie) und stellen die reinste Form
des zweiten Newtonschen Gesetz (nach dem englischen
Universalgelehrten Isaac Newton (1643-1727)) dar. Diese sind
allgemein gültig, da sie noch keine Annahmen über das konkrete
Material wie Luft oder Wasser machen. Um die abstrakten
Cauchy-Gleichungen nutzbar zu machen, fügten der französische
Mathematiker, Bauingenieur und Physiker Claude Louis Marie Henri
Navier (1785-1836) und der irische Mathematiker und Physiker George
Gabriel Stokes (1819-1903) ein Materialgesetz für Newtonsche Fluide
(wie Luft oder Wasser) hinzu, die als Navier-Stokes-Gleichungen
bekannt sind. Der französische Physiker und Mathematiker Simeon Denis
Poisson (1819-1903) lieferte die thermodynamischen oder
mathematischen Hilfsmittel zum Schließen des Systems. Die
atmosphärischen Bewegungsgleichungen passen das Ganze an unsere
rotierende Erde an, um unter anderem aus diesen Wettervorhersagen zu
ermöglichen.
Der schweizerisch-US-amerikanische Naturforscher und Geograph Arnold
Guyot (1807-1884) kompilierte im Auftrag der Smithsonian Institution
ab den 1850er-Jahren wegweisende meteorologische und physikalische
Datentabellen. Das als Standardwerk etablierte Buch erschien erstmals
1852 unter dem Titel "A Collection of Meteorological Tables, with
other tables useful in practical meteorology". Die umfassende
Sammlung enthält Tabellen zu Luftdruck (barometrische Höhenmessung),
Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeiten sowie
physikalische Umrechnungsformeln für verschiedene Maßeinheiten.
Guyots mathematisch-physikalische Tabellen erlangten weltweite
Verbreitung und bildeten ein wichtiges Fundament für die moderne
Klimatologie und Meteorologie.
Obwohl die britische Mathematikerin Augusta Ada King-Noel, Countess
of Lovelace oder Ada Lovelace (1815-1852) vor allem als Pionierin der
Informatik und erste Programmiererin der Welt bekannt ist, zeigen im
Jahr 2024 in den Archiven der Royal Society entdeckte Briefe eine
weitere Facette ihrer wissenschaftlichen Arbeit. In einer
Korrespondenz aus dem Jahr 1848 mit dem berühmten britischen
Astronomen Sir John Herschel (1792-1871) entwickelte Lovelace
mathematische Ansätze, um den Einfluss von Klimabedingungen auf das
Wachstum von Kulturpflanzen darzustellen. Sie modifizierte dafür
bestehende statistische Methoden und bezog physikalische Größen wie
die Solarkonstante mit ein. Diese mathematischen Modelle flossen
direkt in einen wissenschaftlichen Artikel über Agrarmeteorologie
ein, der formell von ihrem Ehemann, dem britischen Mathematiker
William King-Noel, Earl of Lovelace (1805-1893), veröffentlicht
wurde. Da Frauen der direkte Zugang zu vielen wissenschaftlichen
Institutionen damals verwehrt blieb, war dies ihr Weg, aktiv an der
Forschung teilzuhaben.
Die Serie Geschichte der Meteorologie wird fortgesetzt. Der nächste
Teil wird weitere Persönlichkeiten vorstellen, die Beiträge und
Grundlagenforschung zur Meteorologie im 19. Jahrhundert leisteten.
Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.11.2026
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