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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wissenschaft kompakt
Flugwettervorhersagen: Der GAFOR
In der Fliegerei gibt es verschiedenste Produkte, aus denen sich die
Wetterbedingungen und Wetterprognosen ableiten lassen. Ein solches
Produkt ist der sogenannte GAFOR, der heute als Teil einer Reihe von
Vorhersageprodukten vorgestellt werden soll.
Charlie (C), Oscar (O), Delta (D), Mike (M), X-Ray (X): Was unter
anderem klingt wie die Aneinanderreihung unterschiedlicher
englischsprachiger Namen ist in Wahrheit eine codierte Form der
Flugwettervorhersage, nämlich der sogenannte GAFOR. Das bedeutet,
dass sich hinter den dafür stehenden Buchstabenkürzeln C, O, D, M und
X meteorologische Bedingungen verbergen, anhand derer eine Pilotin
oder ein Pilot Entscheidungen treffen kann, ob das Flugwetter
ausreichend gut genug in einem bestimmten Gebiet ist, um ein
Flugvorhaben durchzuführen. GAFOR steht dabei für General Aviation
Forecast und ist eine Wettervorhersage für den Sichtflug der
Allgemeinen Luftfahrt, also nicht die Verkehrsluftfahrt.
Der GAFOR ist in Deutschland schon seit vielen Jahrzehnten ein fester
Bestandteil der Flugwettervorhersage und wird im Sommerhalbjahr
fünfmal am Tag, im Winterhalbjahr viermal am Tag, für jeweils 6
Stunden durch die Luftfahrtberatungszentralen West, Nord, Ost, Süd
und die Flugwetterzentrale Frankfurt ausgegeben.
Für diese Art der Flugwettervorhersage wurde Deutschland in insgesamt
73 einzelne Gebiete mit den Nummern von 00 bis 84 gegliedert, welche
meistens zusammenhängende Naturräume wie die Rhön (Nr. 47),
Mittelfranken (Nr. 56) aber auch das eher kleine Neuwieder Becken
(Nr. 38) sind. Für jedes dieser Gebiete wird nun für einen Zeitraum
von je 2 Stunden vorhergesagt, welche Sichtweite in Kilometern und
welche Wolkenuntergrenze in hft über der jeweiligen Bezugshöhe
(Achtung, für jedes Gebiet individuell festgelegt!) vorherrschend
ist. Hinzu kommen Angaben zu unterschiedlichen Wettererscheinungen,
wie etwa vereinzelt auftretende Gewitter (ISOL TSRA) oder häufig
auftretender Nebel (FRQ FG).
Alles zusammen ergibt dann einen nach einem bestimmten Schema
festgelegten Code mit einer Farbe, was von Blau für C, Grün für O,
Gelb für D, Orange für M bis Rot für X reicht.
Damit wird schon beim Blick auf die Deutschlandkarte mit seinen
GAFOR-Gebieten rasch klar, welche Bereiche fliegbar sind und wo ein
Flugvorhaben der Allgemeinen Luftfahrt besser entfällt.
Die Wetterbedingungen in diesen Gebieten sind immer mit bestimmten
Spannen versehen und nicht auf einen einzelnen Wert festgelegt. So
beträgt die Bodensicht bei Charlie (C = clear) mindestens 10 km oder
mehr und die Hauptwolkenuntergrenze liegt bei mehr als 5000 ft (50
hft) über der Bezugshöhe. Bei Oscar (O = open) muss die
Hauptwolkenuntergrenze bei mindestens 2000 ft und die Sichtweite bei
mindestens 8 km liegen.
Bei Delta (D = difficult) werden die Bedingungen schon schwieriger
für Flugvorhaben, hier sind für eine solche Einstufung
Hauptwolkenuntergrenzen zwischen 1000 und 2000 ft bei einer
Sichtweite von 5-8 km vonnöten. Bei Mike (M = marginal) ist die
Hauptwolkenuntergrenze nur noch bei 500 bis 1000 ft über der
Bezugshöhe und die Bodensicht bei 1,5 bis 5 km.
Bei X-Ray (closed) sind die Werte der Hauptwolkenuntergrenze und der
Sicht noch unter denen von Mike, was einen sicheren Flug eigentlich
ausschließt. Bei Delta und Mike können noch Zahlen von 1 bis 8
angehangen werden, was aufzeigt, welche Bedingung zur jeweiligen
Klassifikation führte.
Blicken wir nun zum Abschluss noch auf eine offizielle
GAFOR-Vorhersage vom 15. September 2026 um 06 Uhr morgens: Es ist gut
zu sehen, wie alle genannten Farben und Codierungen an diesem Tag
vertreten waren, denn in einer recht feuchten Luftmasse bei
Hochdruckeinfluss und zu Beginn des Herbstes konnte sich nachts
häufig Nebel oder tiefer Stratus bilden. Dies führte dazu, dass
einige Gebiete schlechte bis sehr schlechte Flugwetterbedingungen
aufwiesen und auch in den Folgestunden noch aufweisen sollten. Mit
einem Blick wird der geschulten Pilotin oder dem Piloten deutlich,
dass man im Nordosten und Südwesten gutes Flugwetter vorfinden wird,
vor allem über Teilen Bayerns dieses aber sehr schlecht ist.
Und übrigens, so wie in Deutschland beim GAFOR Gebiete codiert
werden, so wird in den durch die Alpen stark gegliederten Ländern
Österreich und der Schweiz eine Vorhersage für festgelegte Flugrouten
nach einem ähnlichen Schema gemacht.
Falls Sie nun neugierig geworden sind, den aktuellen GAFOR des DWD
gibt es hier: GAFOR Deutschland
M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wetter aktuell
Die dritte Jahreszeit
Kastanien, rot-orangene Blätter, Wind oder neblige Landschaften:
Diese Phänomene werden mit dem Herbst assoziiert. In der vergangenen
Nacht hat diese Jahreszeit nun auch kalendarisch begonnen.
Im meteorologischen Sinne werden die vier Jahreszeit ganz pragmatisch
in jeweils drei "Monatsbündel" eingeteilt. Demnach endete der Sommer
schon mit dem 01. September.
Kalendarisch ist es nun auch so weit. In der vergangenen Nacht fand
die Tagundnachtgleiche statt. Astronomisch befindet sich die Erde
genau an dem Punkt ihrer Umlaufbahn, an dem die Erdachse senkrecht
zur Ebene mit der Sonne steht. Das Erreichen dieses Punkts, in dem
die Sonne den Himmelsäquator schneidet, ist, wie schon im gestrigen
Thema des Tages erwähnt, in der vergangenen Nacht um 2:04 Uhr der
Fall gewesen. Der Begriff "Tagundnachtgleiche" (bzw. Äquinoktium)
stimmt dabei nicht ganz, denn während eines Tages bewegt sich die
Erde schon wieder ein Stück entlang ihrer Bahn. Dadurch sind Tag und
Nacht nicht exakt gleich lang, sondern nur am wenigsten verschieden
lang.
Auch phänologisch kann ein Blick auf den Herbst geworfen werden. Die
phänologische Uhr basiert auf für die Jahreszeiten charakteristischen
Pflanzen und deren Blühzeiten. Für das aktuelle Jahr zeigen
beispielsweise die (vorläufigen) Daten der Sommer-Linde, dass der
Hochsommer länger dauerte als im vieljährigen Mittel. Der Spätsommer
hingegen währte nur kurz. Der Frühherbst, der mit dem Holunder
verknüpft ist, fing schon am 17.08. an und setzte damit früher ein
als im Mittel.
Und was macht das aktuelle Wetter in Deutschland? Heute Abend und in
der Nacht bringt das Tief CHRISTINA, das nördlich von Deutschland
entlangzieht, im Zusammenspiel mit einem Tief in höheren
Luftschichten, unbeständigeres und windigeres Wetter im Norden und
Osten des Landes. An der Nordsee wird es mit Annäherung des Tiefs
stürmisch. Auch morgen bleibt es im Osten gebietsweise windig mit
schauerartigem Regen und Temperaturen unter 20 Grad. In einigen
Berglagen wird es mitunter stürmisch. Das hört sich nach typischem
Herbstwetter an. Doch das Ende dieses Intermezzos folgt auf den Fuß.
Richten wir den Blick in den Südwesten, so bleibt es dort trocken mit
viel Sonnenschein. Wenden wir uns dem Temperaturtrend zum Wochenende
und der nächsten Woche zu, so löst sich das herbstliche Feeling rasch
in Luft auf. Am Samstag werden im Südwesten über 25 Grad, lokal auch
27 oder sogar 28 Grad erreicht. Am Sonntag und zu Wochenbeginn wird
es nochmal etwas wärmer und sogar die 30 Grad-Marke ist lokal in
Reichweite. Die Hoffnung auf den Herbst ist also nur von kurzer Dauer
und der Spätsommer schlägt mit Macht zurück. Die Rückkehr der dritten
Jahreszeit lässt demnach noch auf sich warten.
M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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