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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wetter aktuell

Wie das Wetter die Waldbrandgefahr bestimmt



Am vergangenen Wochenende und damit zum Höhepunkt der historischen
Hitzewelle im Juni 2026 kam es in vielen Regionen Deutschlands zu
Waldbränden. Das heutige Thema des Tages gibt einen Überblick über
das Waldbrandrisiko anhand der Wetterentwicklung zum Wochenbeginn, im
Kontext des vom DWD zur Verfügung gestellten Waldbrandgefahrenindex.



Wer in den letzten Tagen Zeitung gelesen oder Nachrichten geschaut
hat, dem dürften die gehäuften Meldungen über Waldbrände in
verschiedenen Regionen der Bundesrepublik aufgefallen sein. So brach
am Samstagnachmittag am Rotenfels bei Bad Münster am Stein-Ebernburg
in Rheinland-Pfalz ein Feuer aus, in einem Gebiet in dem schon
häufiger alte Kampfmittel gefunden wurden - derartige Munition führte
dann auch zu diversen Explosionen in dem vom Waldbrand betroffenen
Gebiet. In der Gohrischheide im Landkreis Meißen an der Landesgrenze
von Sachsen zu Brandenburg breitete sich ebenfalls am
Samstagnachmittag ein Waldbrand aus, auch hier mit erschwerten
Löschbedingungen durch Munitionsbelastung. Weitere Brände gab es
beispielsweise in den Landkreisen Stendal und Harz in Sachsen-Anhalt
sowie in der Oberpfalz.

Ein Blick auf die Deutschland-Karte des Waldbrandgefahrenindex des
DWD zeigt, dass am Sonntag für weite Teile Deutschlands die
zweithöchste Gefahrenstufe bestand, im Osten und Süden Deutschlands
sogar gebietsweise die höchste Warnstufe. Am Samstag hatte sich
bereits ein ähnliches Bild ergeben, was nicht verwundern dürfte, da
wir uns am Wochenende mitten im Höhepunkt der historischen Hitzewelle
befanden. So wurden am Samstag verbreitet Tageshöchsttemperaturen
zwischen 37 und 41 °C gemessen (41,5 °C in Möckern-Drewitz in
Sachsen-Anhalt), erwähnungswürdig niedriger blieb es nur an der Küste
und in Hochlagen, wobei selbst auf Helgoland 30,4 °C und auf dem
Brocken in 1135 m Höhe 29,3 °C gemessen wurden. Etwas niedriger
blieben die Temperaturen ebenfalls im Nordwesten, wo hereinziehende
hohe Bewölkung von Gewittern aus den Niederlanden sowie die teils
schweren Gewitter im Nordosten Deutschlands die Einstrahlung
dämpften. Am Sonntag hatte sich der Hochdruckschwerpunkt des
Hitzedoms noch weiter in den Osten verlagert, der Tageshöchstwert von
41,7 °C wurde in Neißemünde-Coschen an der polnischen Grenze
gemessen, während im Nordwesten niedrigere Temperaturen um 32 °C dazu
beitrugen, dass hier verbreitet nur die Waldbrand-Gefahrenstufe 3
(mittlere Gefahr) herrschte. Ein weiterer Faktor für Letzteres war
die Verteilung der Luftfeuchtigkeit. So wurden in besagter Region
insbesondere am Samstag nicht nur die höchsten Taupunkte als
absolutes Feuchtigkeitsmaß gemessen, sondern es herrschte auch
aufgrund der weniger heißen Temperaturen die höchste relative
Luftfeuchte. Hinzu kam insbesondere im Norden noch der gefallene
Niederschlag aus der Schwergewitterlage in der Nacht vom Samstag auf
den Sonntag. Hier sei erwähnt, dass mitunter eben jene hohe
Luftfeuchtigkeit am Sonntag dazu beitrug, dass auch im Nordwesten,
trotz der vergleichsweise niedrigen Temperaturen, verbreitet vor sehr
starker Wärmebelastung gewarnt wurde.

Die Berechnung des Waldbrandgefahrenindex (WBI), welcher fortlaufend
weiterentwickelt wird, ist komplexer als die einheitliche Abschätzung
über Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag. Eine einfließende
Größe ist zum Beispiel das Gewicht der brennbaren Biomasse, welche
abhängt von der Feuchte der Schicht aus Blatt- und Nadelresten am
Waldboden, der Bodenfeuchte in Abhängigkeit von der Wald- und
Bodenart und dem Blattflächenindex als Maß dafür wie dicht die
Vegetation mit Blättern bedeckt ist. Über diese Größen wird eine
Bilanz für die dreidimensionale Verteilung von Wasser und Ein- und
Ausstrahlung errechnet, quasi ein Mikroklima des Waldes. Des Weiteren
wird die Laufgeschwindigkeit einer potenziellen Feuerfront mit
einbezogen, wobei die Windgeschwindigkeit maßgeblich mit einfließt.
Letzten Endes wird der WBI anhand von stündlichen Messwerten von
Temperatur, relativer Feuchte, Windgeschwindigkeit, Niederschlagsrate
sowie der lang- und kurzwelligen Strahlung berechnet. Die Karten und
Tabellen auf dem DWD Portal werden dann als maximale Gefahrenstufe
für den jeweiligen Tag herausgegeben, welche generell aufgrund des
Tagesgangs von Temperatur und relativer Feuchte am Nachmittag zu
erwarten ist.

Der Blick auf die Verteilung des Waldbrandgefahrenindex als
Vorhersage ausgehend vom gestrigen Sonntag zeigt eindrücklich, dass
mit dem heutigen Montag das Ende der Hitzewelle eingeläutet wurde und
dass wechselhafteres Wetter bevorsteht. Die am heutigen Montag
erwarteten Maximaltemperaturen liegen verbreitet zwischen 25 und 28
Grad, an der Küste darunter, nur im äußersten Südosten wird bei
Temperaturen über 30 Grad weiterhin vor starker Wärmebelastung
gewarnt. Da trotz der vergleichsweise niedrigen Temperaturen
weiterhin sehr viel Wasser in der Luft enthalten ist, liegt die
relative Feuchte recht hoch, was für das schwülwarme Wetterempfinden
verantwortlich ist - insbesondere in Gewitternähe. Stichwort
Gewitter: Ein weiterer Faktor für das verbreitete Herunterstufen des
Waldbrandgefahrenindex - vor allem im Süden und Osten von der
höchsten auf die niedrigste Warnstufe - sind die bereits gefallenen
und noch erwarteten Niederschläge in den kommenden Tagen. In der
vergangenen Nacht und am heutigen Montag sind in einem breiten
Streifen quer über Deutschland verbreitet zwischen 5 und 20 mm
zusammengekommen, teils auch deutlich darüber - entsprechend der
andauernden Schwergewitterlage. Außen vor sind dabei bisher noch der
Nordwesten sowie der äußerste Osten und Südosten, was sich auch im
Waldbrandgefahrenindex abbildet. Am Dienstag und Mittwoch werden im
Westen die höchsten Temperaturen erwartet - vom Oberrhein bis nach
Rheinland-Pfalz und Südhessen teils über 30 Grad. Außerdem steht im
Westen kaum Niederschlag an. Im Süden und Osten hingegen werden ab
Dienstagabend erneut schwere Gewitter erwartet, die sich im Verlauf
der Nacht voraussichtlich zu größeren Gewitter-Clustern
zusammenschließen und potenziell mit extrem heftigem Starkregen über
40 mm in kurzer Zeit aufwarten. Auch der Mittwoch gestaltet sich
insbesondere in der Südhälfte der Republik äußerst wechselhaft mit
verbreitet auftretenden Gewittern sowie Dauerregen vor allem im
Alpenvorland. Und am Donnerstag geht es wechselhaft weiter, wenn die
Kaltfront eines Tiefs über der Nordsee Deutschland überquert. Soweit
dieser Rück- und Ausblick auf den Zusammenhang zwischen Wetter und
Waldbrandrisiko.


Dipl.-Met. Thorsten Kaluza

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.06.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuel

l

Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher ? Eine erste vorläufige
Bilanz




Im heutigen Tagesthema wird eine erste Zwischenbilanz der
historischen Hitzewelle in Deutschland und Europa gezogen.



Die in einigen Regionen nun schon seit dem 18.06.2026 anhaltende
Hitzewelle kann ohne Umschweife als historisch eingestuft werden.
Noch nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat es in
Deutschland, aber auch in vielen Teilen von Europa, eine solch lange
und intensive Hitzewelle so früh im Sommer gegeben. Heute nun ist der
letzte Tag dieses Extremereignisses. Zeit eine erste Bilanz zu
ziehen.



Großwetterlage

Hitzewellen gibt es immer wieder und es lässt sich dabei häufig die
gleiche Konstellation in der Atmosphäre ausmachen. Verantwortlich ist
in den meisten Fällen eine sogenannte Omegalage mit einem in allen
Luftschichten sehr kräftigem Hochdruckgebiet über den betroffenen
Regionen, flankiert von tiefem Luftdruck westlich und östlich davon.
Eine solche Großwetterlage ist dafür bekannt recht stabil und lang
anhaltend zu sein. Auch das ist typisch für Hitzewellen, die sich
allmählich aufbauen.

Der Grund dafür ist, dass die Luft in Hochdruckgebieten absinkt und
sich dabei erwärmt. Hält dieser Prozess längere Zeit an, kann sich
eine sehr intensive Hitzewelle aufbauen. Schon im Vormonat gab es
eine ähnliche Konstellation bei der ebenso historischen
Mai-Hitzewelle.



Spitzenwerte

Die Hitzewelle in Deutschland erreicht seinen Höhepunkt an diesem
Wochenende, und die Temperatur zeigt Spitzenwerte ungekannten
Ausmaßes. An 252 Wetterstationen wurde ein neuer Allzeithöchstwert
gemessen. Dort war es also seit Aufzeichnungsbeginn noch nie so warm.
Dabei sind auch Wetterstationen mit sehr langen Messreihen (z.B.:
Jena Sternwarte mit 39.2 Grad, Aufzeichnungsbeginn 1824). An
insgesamt 46 Stationen in elf Bundesländern wurde die Temperaturmarke
von 40 Grad erreicht oder übertroffen. Selbst auf Deutschlands
einziger Hochseeinsel Helgoland, wurde die 30 Grad Marke knapp
geknackt und damit erstmals ein Hitzetag (>30 Grad) seit
Aufzeichnungsbeginn gemessen.


Der höchste Messwert wurde in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt am
gestrigen Samstag mit 41.5°C gemessen. Gefolgt von Seehausen
(Sachsen-Anhalt), Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) und
Saarbrücken-Burbach (Saarland) mit jeweils 41.4°C. Es ist nicht
ausgeschlossen, dass dieser Wert heute nochmal übertroffen wird.
Auch bei den Minimumtemperaturen gab es in der vergangenen Nacht neue
Höchstwerte. Die bisher wärmste Nacht wurde vom 12. auf den 13.
August 2003 auf dem Weinbiet in der Pfalz mit 27.2 Grad gemessen.
Dieser Wert wurde nun in Kubschütz im Kreis Bautzen (Ostsachsen)
deutlich übertroffen dort ging die Temperatur zwischen 20 Uhr am
Vorabend und 8 Uhr am heutigen Morgen, nicht unter 29.4 Grad zurück.

Es ist zu beachten, dass die Messwerte vorläufig sind und sich diese
nach einer vom DWD durchgeführten zeitnahen Qualitätsprüfung nochmals
ändern können.



Zeitraum und Andauer

Die heißeste Zeit des Jahres sind üblicherweise die ?Hundstage? Ende
Juli bzw. Anfang August. Daher überrascht es auch nicht, dass viele
der bisherigen Höchstwerte aus diesen beiden Monaten stammen.

Der Juni, der in der ersten Monatshälfte sogar leicht
unterdurchschnittlich verlaufen ist, hat nie zuvor eine solche
Hitzewelle hervorgebracht.

In einigen Regionen dauert die Hitzewelle seit dem 18.06.2026 und
damit seit insgesamt elf Tagen, an. Es gibt viele Kennzahlen, die
dies eindrücklich zeigen. So wurden bei der Anzahl an Sehr Heißen
Tagen (Maximum über 35 Grad) neue Spitzenwerte aufgestellt. Bisher
lag Sondershausen im Jahr 1947 ganz vorne, mit insgesamt sieben
Tagen. Nun gibt es in Kitzingen (Bayern) oder auch in
Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) eine neue höchste Anzahl von
elf.

Außerdem wurde zuvor noch nie in einem Juni ein Höchstwert von mehr
als 40 Grad gemessen (alter Spitzenwert in Bernburg an der Saale am
30.06.2019 mit 39.6 Grad)

Auch bei den Nachttemperaturen wurde eine neue Höchstzahl an
Tropennächten (Minimum >20 Grad) für einen Junimonat registriert.
Nimmt man die Prognose für die Nacht auf Montag mit hinzu, könnte es
beispielsweise in Mainz-Lerchenberg am ZDF-Studio insgesamt 11
Tropennächte geben. Der bisherige Höchstwert wurde in Freiburg im
Jahr 2003 mit acht gemessen.



Großräumigkeit
Nicht nur in Deutschland werden neue Höchst- und höchste
Tiefsttemperaturen erreicht. In vielen Ländern in Europa werden neue
Spitzenwerte vermeldet. Einen nicht vollständigen Überblick gibt die
folgende Tabelle. Da sich die Hitzewelle weiter ostwärts verlagert,
sind heute und zu Beginn der Woche auch in anderen Ländern neue
Höchstwerte zu erwarten.
Nie zuvor hat es in Europa eine vergleichbare Extremlage gegeben.



Der menschengemachte Klimawandel als Ursache

Die oben zitierte Studie ?World Weather Attribution? Team zeigt auch,
dass Temperaturen, wie sie in diesen Tagen gemessen werden, ohne den
menschengemachten Klimawandel nahezu ausgeschlossen sind.
Eine vergleichbare Juni-Hitzewelle wie in diesem Jahr, wäre demnach
im Jahr 1976 um 3.5 Grad kälter gewesen und im Jahr 2003 um etwa 2
Grad kälter gewesen.
Wichtig ist zu verstehen, dass Europa sich doppelt so stark erwärmt,
wie die globale Mitteltemperatur, die immer als Maß des globalen
Klimawandels herangezogen wird. Zudem sind Extremwerte um ein
Vielfaches höher, als die Mittelwerte. Ein Anstieg der globalen
Durchschnittstemperatur um 1.5 K, bedeutet für Europa eine Erwärmung
von etwa 3 K, die neuen Extremwerte können dabei nochmal deutlich
größere Anomalien aufweisen.


Anlässlich des 50ten Jahrestages der historischen Hitzewelle von 1976
hat das Mettoffice eine Studie gemacht, wie die Spitzenwerte von
damals heute und in Zukunft aussehen würden. Die 34 Grad von damals
entsprächen bis 39 Grad im heutigen Klima und würden bis 45 Grad im
Jahr 2056 bedeuten.



Auswirkungen

Die Auswirkungen dieser historischen Hitzewelle sind vielfältig.
Neben der Vielzahl an medizinischen Notfällen und Todesopfern, gibt
es auch ganz konkrete Auswirkungen auf den Alltag eines jeden
Menschen. Um nur zwei Beispiele zu nennen: In Leipzig wurde der
komplette Straßenbahnverkehr eingestellt, weil die Fugenmasse
zwischen Asphalt und Schiene sich verflüssigt hat. Asphaltschäden
gibt es auch auf vielen Autobahnen in Deutschland.
Ein anderes Beispiel ist die Stadt Offenbach, wo aufgrund des großen
Wasserverbrauchs die Förderkapazitäten überschritten werden könnten
und damit ein Engpass droht.

Die Extremhitze hat aber auch weitreichende Auswirkungen auf die
Tier- und Pflanzenwelt. Wenn man mal vom vertrocknenden heimischen
Garten absieht, so gibt es beispielsweise in vielen großen Flüssen
Temperaturwerte um 30 Grad, die das Leben vieler Fische gefährdet.


In den Meeren rund um Europa gibt es große Anomalien der
Wassertemperatur. Im Mittelmeer liegen diese zum Teil bei 7K über den
vieljährigen Mittelwerten, was große Auswirkungen auf das Leben in
den Meeren hat. Die NOAA beobachtet die Meere weltweit und hat die
zweithöchste Stufe bei der ?Marine Heat Watch? für Teile des
Mittelmeeres ausgerufen.


Aussichten

Nach diesen schweißtreibenden Zahlen bleibt festzuhalten, dass es
sich lohnt um jedes Zehntel der Erderwärmung zu kämpfen. Für die
kommenden Tage deutet sich ein Ende der derzeitigen Hitzewelle an. In
vielen Regionen Deutschlands liegen die Höchstwerte dann unter 30
Grad und auch nachts kann man endlich mal wieder durchlüften.

Bleibt zu hoffen, dass die sicher noch folgenden Hitzephasen im Juli
und August nicht ganz so intensiv ausfallen.

Dipl.-Met. Marcus Beyer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.06.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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