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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wissenschaft kompakt

Geschichte der Meteorologie - Teil 21: Meteorologie im 19.
Jahrhundert (b)


Im heutigen Thema des Tages widmen wir uns weiterhin
wissenschaftlichen Erkenntnissen des 19. Jahrhunderts. Dabei werden
Persönlichkeiten vorgestellt, die wesentliche Beiträge zur
Meteorologie als Wissenschaft selbst vorangetrieben haben.


Im 19. Jahrhundert fanden in der Wissenschaft der Meteorologie viele
Entwicklungen statt. In diesem Thema des Tages werden Wissenschaftler
vorgestellt, die durch Grundlagenforschung, Konzepte zu bedeutenden
Theorien oder der Entwicklung von Wetterkarten Bekanntheit erlangten.


Der preußische Theologe und Meteorologe Karl Ludwig Gronau
(1742-1826) begann in seiner Jugend, Wetterbeobachtungen
aufzuzeichnen. Von 1756 bis 1826, also über eine Zeitdauer von 70
Jahren, führte er mit Thermometer und Barometer in Berlin regelmäßig
Wetterbeobachtungen durch und zeichnete diese auf. Aus eigenen
Analysen über die arktische Meereisbedeckung, die für Walfang und
Robbenjagd bedeutend war, beschrieb Gronau 1811 die Zusammenhänge
zwischen außergewöhnlichen Wintern in Grönland und Deutschland für
weite Zeiträume des 18. Jahrhunderts.

Der Physiker, Meteorologe und Astronom Heinrich Wilhelm Brandes
(1777-1834), der aus der hamburgischen Exklave Amt Ritzebüttel an der
Elbmündung stammte, fertigte 1816, nach anderen Quellen 1820, mit
Wetterdaten aus 1783 die erste Wetterkarte an. Damit gilt er als
Begründer der Synoptischen Meteorologie. Er schrieb außerdem eine
beachtliche Zahl an Lehrbüchern zur Mathematik.

Der US-amerikanische Meteorologe James Pollard Espy (1785-1860)
begann, beeindruckt von meteorologischen Schriften unter anderem von
Dalton (siehe Teil 11 der Serie zur Geschichte der Meteorologie),
eigene Experimente durchzuführen und Theorien zu entwickeln. 1830
erklärte er, dass aufsteigende Luft sich durch Expansion abkühlt.
Espy widmete sich ab etwa diesem Jahr hauptsächlich der Meteorologie:
beispielsweise der Entstehung von Regen, Wirbelstürmen, Polarlicht
oder Gezeiten. Er untersuchte bekannte Phänomene wie die
Wolkenbildung an Bergketten und erklärte sie anhand seiner Theorien.
1834 konnte er ein Netz von Stationen zur Sturmbeobachtung aufbauen.
Erste Beschreibungen von Stürmen sorgten dafür, dass der US-Staat
Pennsylvania 4000 US-Dollar zur Verfügung stellte, um in jedem County
einen Mann mit Barometer, Thermometer und Niederschlagsmesser
auszustatten. Espy war einer der ersten, der den Telegraphen für die
Sammlung meteorologischer Beobachtungen nutzte. 1838 forderte Espy
den Kongress auf, einen nationalen Wetterservice einzuführen ? es war
das erste Mal, dass die Meteorologie in den Aufzeichnungen des
Kongresses auftaucht. 1843 wurde er vom US-amerikanischen
Kriegsministerium eingestellt, um seine meteorologischen Forschungen
fortzuführen. Dabei erstellte er die erste Serie von Wetterkarten für
die Vereinigten Staaten. Espy gelang es 1843, erstmals die
Thermodynamik der Wolkenbildung weitgehend korrekt zu beschreiben,
indem er die Rolle der latenten Wärme bei der Kondensation
(Kondensationsenthalpie) einbezog, lange bevor die Thermodynamik in
der Meteorologie Berücksichtigung fand. Er entwickelte eine Theorie
der Konvektion und die erste Beschreibung des Land-See-Windsystems.
Er forschte auch zu Ursachen der Tornados.

Bei Reisen durch Neuengland nach dem verheerenden Sturm "Great
September Gale" 1821 bemerkte der US-amerikanische Unternehmer und
Naturforscher William Charles Redfield (1798-1857) anhand
umgestürzter Bäume in Connecticut, dass der Wind im Osten der Region
aus Südosten, weiter westlich jedoch aus Nordwesten geweht hatte.
Seine Erkenntnisse veröffentlichte er im Jahr 1831 im American
Journal of Science and Arts. Er stellte fest, dass Stürme keine
geradlinigen Luftströme, sondern rotierende Wirbel sind, die sich
gleichzeitig als Ganzes vorwärtsbewegen, während die Winde im Kreis
um das Zentrum herumwirbeln. Redfield erkannte als einer der Ersten,
dass Hurrikane in den Tropen entstehen und auf ihrem Weg nach Norden
eine charakteristische Kurve nach Osten beschreiben.

Der preußische Physiker und Meteorologe Ludwig Friedrich Kämtz
(1801-1867) aus Pommern gilt als einer der Begründer der modernen
Meteorologie. Er schlug 1840 vor, den Begriff "Cumulustratus" aus der
Wolkenklassifikation von Howard (siehe Teil 12 der Serie zur
Geschichte der Meteorologie) durch "Stratocumulus" zu ersetzen. Mit
Stratocumulus bezeichnete Kämtz eine überwiegend abgelöste, niedrig
liegende Wolkengattung mit begrenzter Konvektion. Dieser Begriff ist
bis heute in Gebrauch. Sein 1831 erschienenes Lehrbuch der
Meteorologie wurde ein Grundlagenwerk für die Wetterforschung. Ab
1832 führte er in den Alpen Untersuchungen an Gletschern durch.
Spätere Forschungsarbeiten befassten sich mit Fragen des
Erdmagnetismus.

Der US-amerikanische Diplomat und Philologe George Perkins Marsh
(1801-1882) vertrat die Ansicht, dass Menschen die Umwelt, die ihnen
Lebensgrundlage bietet, beeinflussen können und dass einige dieser
Auswirkungen negativ sind. Seine Ideen zum Klima waren ihrer Zeit
weit voraus. Er war ein Verfechter dessen, was man heute als
"nachhaltige Entwicklung" bezeichnen würde. Marsh setzte sich mit
Konzepten auseinander, die man heute als städtischen
Wärmeinseleffekt, Treibhauseffekt und Klimawandel benennen würde.
Außerdem war ihm der Wert der Wälder für das Klimasystem klar
bewusst. Äußerungen von Marsh beinhalten auch erste Formulierungen
der Begriffe "Bodendegradation" und "Desertifikation"
(Wüstenbildung). Marsh veröffentlichte seine Ideen 1864 in seinem
Buch "Man and Nature: Physical Geography as Modified by Human
Action".

Der preußische Physiker und Meteorologe Heinrich Wilhelm Dove
(1803-1879) aus Schlesien gilt als Begründer der heutigen
Wissenschaft der Meteorologie und der Wettervorhersage. 1828 stellte
Dove fest, dass sich tropische Wirbelstürme auf der Nordhalbkugel
gegen den Uhrzeigersinn drehen, auf der Südhemisphäre hingegen im
Uhrzeigersinn. Das von ihm aufgestellte und nach ihm benannte Gesetz
der Drehung der Winde, das sogenannte Dovesche Gesetz, galt lange
Zeit als allgemeine Windtheorie. Es beschreibt das Rechtdrehen des
Windes beim Durchzug eines Tiefdruckgebietes. Buys Ballot formulierte
1860 das allgemeinere Barische Windgesetz, welches das Dovesche
Winddrehungsgesetz ablöste (siehe Teil 20 der Serie zur Geschichte
der Meteorologie). Dove übernahm 1849 die Leitung des Preußischen
Meteorologischen Instituts in Berlin.

Der britische Marineoffizier, Meteorologe und Politiker Robert
FitzRoy (1805-1865) befehligte die HMS Beagle auf ihrer zweiten
Vermessungsexpedition von 1831 bis 1836, bei der das Schiff die Welt
umsegelte. Sein Interesse an der Meteorologie wuchs aufgrund der
Wetterbedingungen, denen die Beagle ausgesetzt war. Insbesondere ein
"Pampero" (starke Südwinde, begleitet von einem starken
Temperaturabfall) vor der südamerikanischen Küste hätte sein Schiff
beinahe zum Sinken gebracht. Dieser Vorfall sollte FitzRoy für den
Rest seines Lebens begleiten. Sein 1839 veröffentlichter Bericht über
die Expedition enthält zahlreiche Hinweise auf das Wetter. Mit
Unterstützung von Sir Francis Beaufort befehligte FitzRoy die HMS
Beagle auch auf ihrer dritten Vermessungsreise, während der er die
Beaufort-Windskala für Windbeobachtungen verwendete. Zwischen 1843
und 1845 diente er als Gouverneur von Neuseeland. FitzRoy schied 1850
aus der Marine aus und widmete sich fortan dem Studium der
Meteorologie. Im Jahr 1854 verfasste er eine Abhandlung, in der er
die Ideen von Maury (siehe unten) zur internationalen Zusammenarbeit
bei der Erfassung von Wetterdaten unterstützte. Darin bezog sich
FitzRoy auf Wetterkarten, die einen "synoptischen" Überblick über das
Wetter geben würden (eine Übersicht über das Wetter in einem großen
Gebiet zu einem bestimmten Zeitpunkt), und prägte damit einen
Begriff, der unter Meteorologen bis heute weit verbreitet ist. Im
Jahr 1854 beschloss die britische Krone, eine Behörde zu gründen, die
die Erhebung und Auswertung von Wetterdaten auf See beaufsichtigen
sollte, und auf Empfehlung des Präsidenten der Royal Society wurde
FitzRoy zum meteorologischen Statistiker der Wetterbehörde des Board
of Trade (dem Vorläufer des heutigen britischen Wetterdienstes)
ernannt. Er verfügte über drei Mitarbeiter. Sofort lud er die
Kapitäne von Schiffen ein, an einem Programm zur Wetterbeobachtung
auf See mitzuwirken. Zu diesem Zweck verlieh das Board
Beobachtungsinstrumente an die Royal Navy und an Kapitäne der
Handelsmarine, und bis Mai 1855 waren etwa fünfzig Handelsschiffe und
dreißig Schiffe der Royal Navy mit den erforderlichen Instrumenten
ausgestattet worden. Anfangs befasste sich die Arbeit der Abteilung
ausschließlich mit maritimen Wetterdaten. FitzRoy entwarf ein
robustes, praktisches und kostengünstiges Barometer und sorgte dafür,
dass es in jedem Hafen zur Verfügung stand. Es sollte von Seeleuten
vor dem Auslaufen auf See konsultiert werden, und tatsächlich sind
die steinernen Sockel für diese Barometer noch heute in vielen
Fischereihäfen zu sehen. 1858 verfasste er ein Handbuch mit
Vorhersageregeln, die auf dem Verhalten des Barometers basierten.
FitzRoy entwarf zudem sein eigenes Wetterdarstellungssystem in Form
von Diagrammen, die er "Windsterne" (heute "Windrosen") nannte und
die die durchschnittliche Verteilung von Windgeschwindigkeit und
-richtung um einen 16-Punkte-Kompass herum zeigten. Diese Diagramme
wurden in den Windkarten des Board of Trade für bestimmte
Meeresgebiete für jedes Quartal des Jahres veröffentlicht. Im Oktober
1859 versenkte ein schwerer Sturm vor den Britischen Inseln das
Schiff "Royal Charter". Mehr als 450 Menschen kamen ums Leben.
FitzRoy hatte sich bereits mit dem Wetter über Land beschäftigt,
obwohl sein Auftrag eigentlich nur darin bestand, das Wetter auf See
zu untersuchen. Er war der Überzeugung, dass Stürme mithilfe
synoptischer Wetterkarten visualisiert werden könnten und dass man
anhand dieser Karten das Wetter "vorhersagen" könne. FitzRoy war der
Erste, der den Begriff "Wettervorhersagen" nutzte. FitzRoy stellte
diese Ideen 1860 in einer Abhandlung offiziell vor. Infolge des
Sturms beschloss die britische Krone, Sturmgläser an kleine
Fischergemeinden rund um die Britischen Inseln zu verteilen. Diese
Instrumente wurden als "FitzRoys Sturmbarometer" bekannt. Darüber
hinaus erhielten FitzRoy und die Meteorologische Behörde im Juni 1860
die Genehmigung, einen maritimen Sturmwarndienst einzurichten. Ein
Großteil der benötigten Wetterdaten sollte von
Wetterbeobachtungsstationen an Land stammen: Auf den Britischen
Inseln wurden bald 15 solcher Stationen eingerichtet. Sie verfügten
über Barometer und andere Wetterinstrumente. Ihre Beobachtungen
wurden zu festgelegten Zeiten durchgeführt und über ein bestehendes
elektrisches Telegraphensystem nach London telegraphiert. FitzRoy
konnte zudem per Telegraph Beobachtungen von sechs Standorten auf dem
europäischen Festland erhalten. Die ersten Sturmwarnungen für die See
im Rahmen des neuen Systems wurden am 6. Februar 1861 ausgegeben. Sie
wurden an etwa 50 Orte telegraphiert (im folgenden Jahr stieg diese
Zahl auf 130). Die Warnungen wurden zudem mithilfe eines neuartigen
Signalsystems aus hochgezogenen Warenkegeln und Trommeln in den
wichtigsten Häfen ausgegeben, wenn ein Sturm vorhergesagt wurde. Die
Signale blieben aus jeder Blickrichtung gleich. Nachts wurden drei
Lichter verwendet, um die Dreiecke zu kennzeichnen, und vier, um die
Trommeln zu kennzeichnen. Viele Eigner von Fischereiflotten lehnten
die Sturmwarnungen ab, da Fischereifahrzeuge unter deren Geltung den
Hafen nicht verlassen durften. Infolgedessen wurden die Warnungen
kurz nach FitzRoys Tod wieder abgeschafft, doch die aktiven Fischer
reagierten verärgert, da für sie klar war, dass das System viele
Leben gerettet hatte. Dies führte zur Wiedereinführung des
Sturmwarnsystems. Aufgrund des Erfolgs des maritimen Sturmwarnsystems
wurde FitzRoy zu einer Art nationaler Berühmtheit und wurde in den
Zeitungen als "Clerk of the Weather" (Wetterbeamter) bezeichnet. 1863
veröffentlichte FitzRoy "The Weather Book: a Manual of Practical
Meteorology". Dieses Werk enthielt einige der frühen Wetterkarten,
die vom Meteorologischen Dienst erstellt worden waren. FitzRoy
erklärte, dass "dieses populäre Werk eher für viele als für wenige
bestimmt ist, in der aufrichtigen Hoffnung, dass es im täglichen
Leben von Nutzen sein möge". Die Belastung durch die Leitung des
Meteorologischen Dienstes und die Aufrechterhaltung des
Sturmwarnsystems erwies sich offenbar als zu groß für FitzRoy; am 30.
April 1865 nahm er sich das Leben. Seine unermüdliche Arbeit hatte
jedoch Früchte getragen. FitzRoy gilt bis heute als "Vater" des
britischen Wetterdienstes.

Der US-amerikanische Marineoffizier, Ozeanograph und Hydrograph
Matthew Fontaine Maury (1806-1873) wird als "Vater der modernen
Ozeanographie und Marine-Meteorologie" bezeichnet. Als junger
Marineoffizier in den 1820er und 1830er Jahren beschäftigte er sich
mit Navigation, Meteorologie, Winden und Meeresströmungen. Im Jahr
1842 wurde er der erste Leiter des "Navy's Depot of Charts and
Instruments" (aus dem später das US Naval Observatory hervorging),
eine Position, die er bis 1861 innehatte. Am Observatorium widmete
sich Maury der Auswertung Tausender alter Logbücher und Seekarten der
US-Marine, aus denen er Informationen über Winde und Strömungen in
allen Ozeanen und zu allen Jahreszeiten extrahierte. Ab etwa 1847 und
fortlaufend in den 1850er Jahren veröffentlichte er seine Ergebnisse
in einer Reihe von Werken unter dem Sammeltitel "Wind and Current
Charts". Er war gewissermaßen ein Unternehmer und verteilte seine
Karten und Bücher kostenlos an Seefahrer, allerdings nur unter der
Bedingung, dass diese sich im Gegenzug bereit erklärten, ihm ihre
Beobachtungen zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise erweiterte er
seinen Datenbestand erheblich. Sein 1861 erschienenes Buch "Physical
Geography of the Seas and Its Meteorology" wurde zu einem
Standardwerk. 1851 nahm Maury einen Vorschlag der britischen Royal
Engineers bezüglich einer möglichen Zusammenarbeit mit den
Vereinigten Staaten bei meteorologischen Messungen begeistert auf und
schlug vor, eine internationale Konferenz abzuhalten, deren Ziel die
Festlegung von Standards für Beobachtungen sowohl an Land als auch
auf See sein sollte. Der US-Kongress zeigte kein Interesse daran,
Wetterbeobachtungen an Land zu finanzieren. Die Europäer
argumentierten, dass sie bei der Wetterbeobachtung an Land bereits in
gewissem Maße zusammenarbeiteten, waren sich jedoch einig, dass im
maritimen Bereich noch viel zu tun sei. Maury passte seinen Vorschlag
daher an, um den Schwerpunkt auf internationale Standards und den
Austausch von maritimen meteorologischen Beobachtungen zu legen. Die
daraus resultierende Konferenz, bekannt als die Internationale
Marinekonferenz, fand 1853 in Brüssel unter dem Vorsitz des Direktors
der Königlichen Sternwarte Belgiens statt. Maury war jedoch ein
zentraler Teilnehmer; ein Großteil der Arbeit der Konferenz basierte
auf seinen detaillierten Vorschlägen. Die Delegierten einigten sich
auf ein Standardformular, mit dem Seeleute Wetter- und Meeresdaten
erfassen sollten. Dies war ein großer Fortschritt für die
internationale Meeresmeteorologie. Maury setzte sich in den
Vereinigten Staaten weiterhin intensiv dafür ein, die Behörden von
der Notwendigkeit einer amerikanischen Beteiligung an einem System
der internationalen Zusammenarbeit und der Festlegung von Standards
für landgestützte meteorologische Beobachtungen zu überzeugen. Dieses
Ziel wurde jedoch zu seinen Lebzeiten nicht erreicht.

Der französische Botaniker und Mediziner Charles Martins (1806-1889)
nahm an verschiedenen Expeditionsreisen teil und veröffentlichte
neben Werken zur Botanik auch solche zur Glaziologie und
Meteorologie. Er war Gründer der Annuaire meteorologique de France,
einem wissenschaftlichen Sammelwerk, in welchem Wetterbeobachtungen
und Klimadaten aus Frankreich gesammelt und ausgewertet wurden.
Martins veröffentlichte Beobachtungskriterien zur Erfassung von
Wirbelwinden in den Annalen der Physik, die als eine Art Checkliste
zur Dokumentation von Tornados angesehen werden kann.

Der US-amerikanische Mathematiker und Meteorologe James Henry Coffin
(1806-1873) wurde durch die Erstellung der weltweit umfassendsten
Windkarten und Strömungsanalysen Mitte des 19. Jahrhunderts berühmt.
Seine Arbeit legte das mathematisch-empirische Fundament für das
Verständnis der globalen atmosphärischen Zirkulation. In
Zusammenarbeit mit der Smithsonian Institution analysierte Coffin
über Jahre hinweg Daten von Hunderten Wetterstationen (überwiegend in
Amerika und Europa, weniger in Asien und Afrika) und
Schiffstagebüchern. Er veröffentlichte seine Ergebnisse in zwei
Werken "Winds of the Northern Hemisphere" und "The Winds of the
Globe", mit großen, detaillierten lithographischen Windkarten, die
erstmals präzise die vorherrschenden Windströmungen abbildeten. Für
die erste Veröffentlichung wurden 2821 Wetterdaten von 579
Wetterstationen ausgewertet, für die zweite über 18.500 Wetterdaten
von 3223 Wetterstationen.

Der schweizerisch-US-amerikanische Naturforscher Louis Agassiz
(1807-1873) befasste sich unter anderem mit Paläontologie, Biologie,
Glaziologie und Geologie. Insbesondere leistete er Pionierarbeit beim
Nachweis der Existenz von Eiszeiten. Agassiz veröffentlichte 1837 am
Lyceum Neuenburg (Neuchâtel) die These, dass Eis einst weite Teile
Europas, Asiens und Nordamerikas bedeckt habe. Durch umfangreiche
Feldforschung versuchte er, eine wissenschaftliche Grundlage für die
Theorie zu schaffen, doch in Europa stieß sie auf eine frostige
Resonanz. 1846 zog er in die Vereinigten Staaten, wo er Professor an
der Harvard-Universität wurde. In den USA fand die Theorie zwar eine
gewisse Akzeptanz, doch Agassiz gelang es nicht, ihre größte Schwäche
zu überwinden: das Fehlen einer Erklärung dafür, was eine Eiszeit
auslösen könnte. Nach seinem Tod im Jahr 1873 geriet die Theorie in
Vergessenheit.

Der US-amerikanische Mathematiker, Meteorologe und Astronom Elias
Loomis (1811-1889) war zunächst überwiegend mit der Mathematik und
der Astronomie beschäftigt und hielt ab 1837 Vorlesungen über
Naturphilosophie am Western Reserve College in Hudson (Ohio). Er ließ
dort das nach ihm benannte astronomische Loomis-Observatorium
errichten, das 1838 eröffnet wurde. Loomis war auch auf dem Gebiet
der Meteorologie tätig. 1842 veröffentlichte Loomis eine
bahnbrechende Studie, in der er einen Sturm analysierte, der im
Dezember 1836 den Osten der Vereinigten Staaten heimgesucht hatte. Er
sammelte Daten von Dutzenden unabhängigen Beobachtern und erstellte
die ersten modernen synoptischen Wetterkarten. Er entwickelte eine
atmosphärische Karte, auf der Orte mit gleichem Luftdruck miteinander
verbunden waren, in dem er Isobaren einführte. Damit konnte er das
Zentrum des Sturmtiefs darstellen. Er kartierte Windrichtungen und
Temperaturen gleichzeitig und deckte dabei eine hochgradig
organisierte Struktur auf, statt eines zufälligen Chaos. Anhand
seiner Karten veranschaulichte Loomis, dass der Sturm ein Schauplatz
des Aufeinandertreffens zweier unterschiedlicher Luftströmungen war:
Ein Strom warmer, feuchter Luft, der aus Süden bzw. Südosten (vom
Golf von Mexiko) kam sowie ein plötzlicher, heftiger Ansturm kalter,
trockener Luft, der aus Nordwesten hereinbrach. Er beobachtete, dass
dort, wo diese beiden unterschiedlichen Luftmassen aufeinandertrafen,
eine scharfe Grenzlinie bestand. Die schwere, kalte Luft drängte sich
unter die leichtere, warme Luft und hob diese rasch in die obere
Atmosphäre empor. Loomis folgerte zutreffend, dass dieser plötzliche
Aufwärtstransport warmer Luft dazu führte, dass sie sich abkühlte,
kondensierte und die intensive Niederschlagsfront des Sturms
erzeugte, womit er die Mechanismen einer Kaltfront präzise beschrieb.
Loomis ist der erste bekannte Mensch, der versucht hat, eine Theorie
zu Frontalzonen zu entwickeln. Loomis stellte die These auf, dass
jenseits der Oberflächengrenze eine starke Luftströmung in der oberen
Troposphäre, die von Westen nach Osten über die Vereinigten Staaten
wehte, als treibende Kraft für diese großen Stürme fungierte. Diese
Erkenntnis war eine der frühesten konzeptionellen Vorhersagen zum
Jetstream, der untrennbar mit der Entstehung von Frontalzonen
verbunden ist. Loomis veröffentliche zahlreiche Bücher, vor allem zur
Mathematik. 1868 erschien sein Werk "Teatrise on Meteorology".

Die Serie Geschichte der Meteorologie wird fortgesetzt. Der nächste
Teil wird sich mit Entdeckern im 19. Jahrhundert widmen, die aus
unbekannten und wenig bekannten Regionen für ein Gesamtverständnis
wichtige meteorologische Daten zusammentrugen.

(Die Bilder und der Link zum heutigen Thema des Tages finden Sie wie
immer im Internet unter www.dwd.de/tagesthema.)

Dipl.-Met. Markus Eifried

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.10.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuell

Tief Manja: Schnell unterwegs, nicht nur beim Wind, sondern auch in
der Entwicklung


Nach Tief LUISE (international AUSTEN) übernimmt jetzt MANJA
(international BOELO) die Wetterregie über dem Nordostatlantik. Schon
die Tatsache, dass beide auch einen internationalen Namen bekommen
haben, deutet auf eine gewisse Prominenz hin. Tief Manja hat dabei
nicht nur ordentlich Wind im Gepäck, sie war auch in ihrer
Entwicklung auch flott unterwegs - Stichwort "Rapide Zyklogenese".
Diese und weitere Aspekte von MANJA beleuchtet heute das Thema des
Tages.


Wie es um LUISE und MANJA aktuell bestellt ist, sieht man direkt in
der Abbildung 1, einer Satellitenaufnahme vom heutigen Samstagmittag
(24.10.) mit der vom DWD-Modell ICON errechneten
Bodendruckverteilung. MANJA, als großräumige Zyklone westlich von
Schottland zu erkennen, hat LUISE schon jetzt den Rang abgelaufen.
Letztere ist im Grunde nur noch ein kleiner Teil der Zirkulation von
Manja, genauer gesagt ein Bodentrog über Dänemark. Immerhin kann man
noch ein paar Wolkenbänder erkennen, die spiralförmig um LUISE
angeordnet sind.

Eindeutig mehr zu bieten hat diesbezüglich aktuell aber MANJA. Ihr
breiter Wolkenwirbel reicht vom Tiefkern über die Britischen Inseln
bis nach Frankreich, er dehnt sich aber auch in einem weiten Bogen
wieder bis auf den Atlantik aus. Auf ihrer Westflanke zapft MANJA
massiv polare Kaltluft an, diese ist wiederum in Form von Cumuli zu
erkennen, die wie Streusel eines Streuselkuchens (oberer linker
Bildausschnitt) wirken.

Der Kerndruck von MANJA hat dabei ein Niveau von 947 hPa erreicht.
Tatsächlich trauen die Modelle dem Tief auch nicht viel mehr - oder
genauer gesagt nicht viel weniger - zu. Um 15 UTC, was 17 MESZ
entspricht, sollen es etwa 945 hPa sein, anschließend soll der Druck
aber wieder zu steigen beginnen. Die entsprechende Entwicklung des
Drucks vom gestrigen Freitag um 00 UTC bis zum morgigen Sonntag um 06
UTC ist in der Abbildung 2 dargestellt.

Es fällt auf, dass nach einem anfänglich nur sehr zögerlichen
Druckfall in der ersten Hälfte des Freitags der Druckfall in der
zweiten Tageshälfte deutlich zunahm und sich in der Nacht zum Samstag
dann nochmals beschleunigte. Der stärkste Rückgang war dabei zwischen
03 UTC und 06 UTC am heutigen Samstagmorgen zu verzeichnen - mit
bemerkenswerten 11 hPa in nur 3 Stunden! Rückblickend auf die letzten
24 Stunden ist der Druck im Kern von MANJA von etwa 1003 auf 947 hPa
und damit um 56 hPa (!) zurückgegangen, womit das Tief die Kriterien
für eine sogenannte "Rapide Zyklogenese" extrem locker erreicht.
Dafür braucht es (MANJA würde "nur" sagen) einen Druckfall von 24 hPa
in 24 Stunden.

Für die Ausbildung eines Tiefs oder dessen Verstärkung kann es viele
Gründe geben, Warmluftadvektion wäre ebenso ein solcher wie eine
divergierende Höhenströmung oder die Advektion, also das Heranführen
von positiver Vorticity (von positiver Wirbelhaftigkeit oder
Wirbelstärke). Und natürlich gerne, wie in der Meteorologie üblich,
auch eine Kombination von mehreren Faktoren. Die Advektion von
Vorticity kann auf jeden Fall ein Starkwindband in der Höhe
übernehmen, der sogenannte Jet. Und so ist es auch bei MANJA der Jet,
der maßgeblichen Einfluss auf die Tiefentwicklung genommen hat.

In Abbildung 3 ist oben jeweils die Ausprägung des Jets in 300 hPa,
also in etwa 9 km Höhe zu erkennen, oben links für den 23.10. um 18
UTC, oben rechts für den 24.10. um 06 UTC. Das Jetmaximum ist im Kern
des Jets in blauen Farben zu erkennen, im Westen befindet sich der
Jeteingang, im Osten der Jetausgang. In der unteren Zeile sind, für
die gleichen Zeitpunkte, jeweils die aktuellen Positionen des Tiefs
im Bodendruckfeld angegeben, die sich auch jeweils in den oberen
Karten wiederfinden (die beiden weißen "T"s). Der Ablauf ist dabei
der folgende: Das Bodentief schiebt sich von Südwesten nach Nordosten
unter dem Jet hindurch, wobei sich in unserem speziellen Fall auch
der Jet nach Süden bewegt. Somit gelangt das Bodentief unter den
linken Jetausgang. Weil dort aber massiv positive Vorticity advehiert
wird, sinkt der Druck sehr schnell, sozusagen rapide. Infolgedessen
ist unter dem linken Jetausgang oftmals eine massive Vertiefung von
Bodentiefs zu beobachten.

Soviel zur Entstehung bzw. der Entwicklung von MANJA. Bezüglich der
erwarteten Windstärken kann hier, sehr grob, mal folgende
Marschrichtung ausgegeben werden. Im Binnenland auch in tiefen Langen
Böen von 50 bis knapp über 70 km/h (Bft 7 bis 8), Im Hochlagen und an
den Küsten Böen von 75 bis 100 km/h (Bft 9 bis 10) und an
ausgewählten Küstenabschnitten (Nordfriesland) sowie auf exponierten
Gipfeln sind es über 100 bis knapp 120 km/h (Bft 11), auf dem Brocken
sogar die Bft 12, was über 120 km/h entspricht (volle Orkanstärke).
Der Südosten kommt bei alldem etwas glimpflicher weg, dort weht der
Wind deutlich schwächer. Und noch als Wiederauffrischung: Da der Wind
von Südwest auf West dreht, wurde gestern schon darauf hingewiesen,
dass in der Deutschen Bucht Sturmflutgefahr herrscht
(www.bsh.de).

Auffällig sind aber auch die mit MANJA verbundenen massiven
Regenfälle. Schon am Abend beginnt es im Westen teils heftig zu
regnen, im Laufe der Nacht und am morgigen Sonntag greifen die
Regenfälle weiter nach Südosten aus. Entsprechende
Dauerregenwarnungen laufen schon, wie sich der Abbildung 4 entnehmen
lässt.

Da bleibt die Hoffnung, dass, wenn der Sonntag schon verbreitet ins
Wasser fällt, das Wasser wenigstens den Flüssen zu Gute kommt. Das
wird auch erwartet, ist von Pegel zu Pegel aber deutlich
unterschiedlich.

Abbildung 5 zeigt für die Rheinpegel in Mainz und in Koblenz nicht
nur den Rückblick auf die vergangenen Tage, sondern auch eine knapp
48-stündige Prognose. Nach dieser soll der Pegel in Koblenz deutlich
kräftiger auf die Regenfälle reagieren, als dies der Pegel in Mainz
tun soll. Ein Grund dürfte sein, dass sich in Koblenz auch die
steigenden Zuflüsse, z. B. von Lahn, Nahe und auch Mosel bemerkbar
machen dürften, die am Pegel in Mainz fehlen bzw. werden sich in
Mainz die weiter Flussauf liegenden Zuflüsse erst mit einiger
Verzögerung bemerkbar machen.


Dipl.-Met. Martin Jonas

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.10.2026

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