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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wissenschaft kompakt

Ozeanische Strömungen



Ozeanströmungen spielen für das weltweite Klima eine bedeutende
Rolle. Für Europa ist dabei besonders der Golfstrom zu nennen, da er
warme Wassermassen herbeischafft. Er ist aber nur ein kleiner Teil
eines weltumspannenden Strömungssystems.



Luftströme in der Atmosphäre sind Alltag für uns Meteorologen im
Vorhersagedienst. Auch in den Themen des Tages wird des Öfteren
beispielsweise eine kalte Nordströmung oder eine feuchtwarme
Südwestströmung erwähnt. Heute wollen wir ein Stockwerk tiefer gehen
und uns die Ozeane anschauen.


Auch im Meerwasser gibt es Mechanismen, die der Atmosphäre ähneln.
Die grundlegenden physikalischen Prinzipien und
(Bewegungs-)Gleichungen sind sogar dieselben. Wie die Luft in der
Atmosphäre hat kaltes Wasser eine höhere Dichte als warmes Wasser und
sinkt somit in größere Tiefen hinab. Der ein oder andere hat hier
bestimmt gestutzt - und das zurecht. Denn es gibt einen kleinen aber
feinen Unterschied. Wasser weist im Temperaturbereich von +4 bis 0 °C
eine Dichteanomalie auf. Das heißt in diesem Intervall ist die
Dichteänderung genau umgekehrt: 0 °C kaltes Wasser ist leichter als
+4 °C "warmes" Wasser.

Im Gegensatz zu Luft muss für Wasser nicht nur die Temperatur,
sondern zusätzlich der Salzgehalt (auch Salinität genannt)
berücksichtigt werden. Hier gilt: Je salziger das Wasser ist, desto
höher ist die Dichte. Durch diese beiden Bausteine wird eine
weltumspannende Zirkulation in den Tiefen der Ozeane in Gang gesetzt,
die thermohaline Zirkulation genannt wird.

In Abbildung 1 ist der Kreislauf skizziert. Beginnen wir an den
Punkten, die mit "deep water formation" (deutsch:
Tiefenwasserbildung) gekennzeichnet sind. Diese liegen einerseits auf
hohen geographischen Breiten in der Nähe der Antarktis und der
Arktis. Dort kühlt das Wasser an der Meeresoberfläche ab. Wie oben
beschrieben, steigt dadurch die Dichte. Gleichzeitig finden dort noch
andere Prozesse statt. Teile des Meerwassers gefrieren und bilden
Eis, zusätzlich spielt die Wasserverdunstung auch eine Rolle. In
beiden Prozessen bleibt das Salz im Meer "übrig", dadurch steigt der
Salzgehalt und somit auch die Dichte. In Abbildung 2 ist die
Verteilung der Dichte an der Meeresoberfläche dargestellt. Die
angesprochenen Regionen stechen durch ihre rot eingefärbten Werte
hervor.

Das kalte und salzige Meerwasser sinkt nun in die tieferen
Ozeanschichten. In diesen Tiefen wird es dann auf verschiedenen Wegen
in fast alle sieben Weltmeere transportiert (blaue Linien). Nach und
nach mischt es sich mit wärmeren Wassermassen und steigt langsam an
die Oberfläche. Das passiert vor allem im Pazifischen und im
Indischen Ozean. Von dort tritt es seinen Rückweg an (rote Linien).
Der uns wohl bekannteste Zweig dieses Systems ist der Golfstrom, der
warmes Wasser von der Karibik in Richtung Europa bringt und dadurch
das Klima in Nordwesteuropa milder gestaltet. Aber auch der
Agulhasstrom an der Südspitze Afrikas oder der Kuroshio bei Japan
gehören zu diesem System dazu.

Stellen wir uns vor wir würden uns heute ein Wasserpaket "aussuchen"
und es nachverfolgen. Um diese Weltreise zu durchlaufen würde ein
Menschenleben nicht ansatzweise ausreichen. Über 1000 Jahre ist das
Wasser quer durch die Ozeane unterwegs, bevor es wieder am
Ausgangspunkt angelangt.

Doch auch diese Zirkulation ist äußeren Einflüssen unterworfen. Die
IPCC-Berichte sammeln eine immense Menge an Informationen und
wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Klimaveränderungen. Im letzten
Bericht ({Link 1}) aus dem Jahr 2021 wird beschrieben, dass die
globale Erwärmung in Folge des Klimawandels es sehr wahrscheinlich
macht, dass sich der nordatlantische Teil der Zirkulation in diesem
Jahrhundert verlangsamen wird. Ein Grund dafür ist, dass die
Eisschmelze Frischwasser in die Bereiche führt, in denen das Wasser
absinkt. Das wirkt dem Dichteanstieg entgegen und verlangsamt das
System. Die Stärke dieser Abschwächung ist dabei jedoch sehr
ungewiss. Ein plötzlicher Kollaps der Zirkulation tritt jedoch mit
mittlerer Konfidenz nicht ein. Der komplette Stopp der
Warmwasserzufuhr und ein Katastrophenszenario wie es beispielsweise
im Film "The Day After Tomorrow" thematisiert wird, ist also nicht
wahrscheinlich. Trotzdem ist das Klima schützenswert, denn die
Vorgänge sind komplex und mögliche Folgen oft schwer zu durchschauen.


M.Sc. Fabian Chow

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.03.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wissenschaft kompakt

Gewitter und Saharastaub


Aktuell sorgt Saharastaub teils für eine deutliche Eintrübung des
Himmels. Diese Staubpartikel können das Wettergeschehen maßgeblich
beeinflussen. Können sie auch Gewitter verstärken?


Hoch KONRAD und sein Mitspieler JANNIS bestimmen das Wettergeschehen
in weiten Teilen von Mitteleuropa. Auf der Rückseite des Hochs werden
dabei sehr milde Luftmassen nach Deutschland geführt. Gleichzeitig
beeinflusst ein Höhentief den südwestlichen Mittelmeerraum sowie
Teile Nordafrikas. Dort kommt es über Nordafrika und der Sahara zu
Schauern und Gewittern, wodurch Saharastaub aufgewirbelt und weit
nach Norden bis nach Mitteleuropa transportiert wird.
Trotz Hochdruckeinfluss präsentiert sich der Himmel am heutigen
Sonntag daher vielerorts nicht völlig klar. Sichtbar wird der
Saharastaub durch eine milchig-weiße bis leicht gelbliche Einfärbung
des Himmels. Diese entsteht durch die Streuung des Sonnenlichts an
den Staubpartikeln in der Atmosphäre.
Die Staubaerosole wirken zudem als Eiskeime und können dadurch die
Wolkenbildung beeinflussen. Bei solchen Wetterlagen bilden sich daher
häufig hohe Schleierwolken, die die Sonneneinstrahlung dämpfen.
Dadurch kann auch die Temperaturentwicklung etwas geringer ausfallen
als ursprünglich prognostiziert.
Doch welchen Einfluss haben solche Staubausbrüche auf die
Gewitterbildung?

Gelangen größere Mengen Saharastaub in höhere Schichten der
Troposphäre, kann dies die atmosphärische Stabilität verändern.
Staubpartikel absorbieren einen Teil der kurzwelligen einfallenden
Sonnenstrahlung, wodurch sich in der Höhe eine relativ warme
Luftschicht bildet. Diese wirkt wie eine Art Deckel und kann die
Entwicklung von Schauern und Gewittern zunächst hemmen.
Gleichzeitig agieren Staubpartikel jedoch auch als Kondensations- und
Eiskeime. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass
Hagelereignisse bei erhöhter Staubbelastung über Mitteleuropa
häufiger auftreten können. In den untersuchten Fällen lag die
Staubkonzentration an Tagen mit Hagel im Durchschnitt etwa 1,8-mal
höher als an Tagen ohne Hagel.
Durch die erhöhte Anzahl an Aerosolen in der Troposphäre verzögert
sich häufig der Niederschlagsbeginn. Dadurch können sich mehr
unterkühlte Wassertröpfchen bilden - ein entscheidender Prozess für
die Entstehung von Hagel.
Allerdings zeigt sich dieser Effekt vor allem bei moderaten
Staubmengen. Bei sehr hohen Staubkonzentrationen überwiegt die
stabilisierende Wirkung der erwärmten Luftschicht. In diesem Fall
werden Aufwinde abgeschwächt und die Entwicklung kräftiger Gewitter
kann teilweise unterdrückt werden.
Betrachtet man verschiedene Gewittertypen, zeigt sich ein
differenziertes Bild: Schwache Einzelzellengewitter werden durch
Saharastaub häufig eher gehemmt. Multi- und Superzellengewitter
können hingegen unter bestimmten Bedingungen sogar begünstigt werden.
Durch die größere Anzahl an Aerosolen entstehen mehr unterkühlte
Wassertröpfchen und der Niederschlagsbeginn verzögert sich. Dies kann
langlebige Gewitterzellen fördern.
Zudem kann bei solchen Gewittern auch eine erhöhte Blitzaktivität
auftreten. Durch die größere Anzahl an Eispartikeln in der
Gewitterwolke kommt es verstärkt zu Ladungstrennungen - ein wichtiger
Prozess für die Blitzentstehung. Besonders Wolkenblitze können
dadurch häufiger auftreten.
Aktuell ist vor allem im Südwesten des Landes eine erhöhte
Staubkonzentration erkennbar. Dazu sind bereits Morgen über dem
südwestlichen Bergland einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen. Am
Dienstag und vor allem am Mittwoch treten dann voraussichtlich etwas
häufiger Gewitter auf. Da es sich dabei meist um schwache
Einzelzellengewitter handeln dürfte, könnte die erhöhte Konzentration
an Saharastaub in der Troposphäre einen hemmenden Einfluss auf deren
Entwicklung nehmen.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.03.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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