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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wissenschaft kompakt

Bunte Satellitenbilder



Wir betreiben noch einmal Werbung für die frei verfügbaren
Satellitenprodukte auf dem EUMETSAT Portal, heute thematisch
eingebettet in Wolken- und Tropopausenhöhen.



Vorweg ein kurzes Update zum Thema des Tages von vergangener Woche
Freitag, dem 20.02.2026: Wirklich klar erscheint die Luft über
Suriname im aktuellen Satellitenbild von MTG-I1 (offizieller
Betriebsname auch Meteosat-12) nicht, bei beständigem Ostwind
zwischen etwa 850 und 500 hPa wurde der Sahara-Staub tatsächlich bis
nach Südamerika transportiert. Warum in diesem Höhenbereich? Darunter
wird der Staub tendenziell ausgewaschen, darüber dreht der Wind auf
West. Soviel nur kurz dazu. Wir bleiben thematisch bei
Satellitenbildern, dieses Mal betrachten wir ein hergeleitetes
Produkt aus den Messungen des Meteosat Second Generation (MSG)
Satelliten Meteosat-10, und zwar?

?die bunteste aller Darstellungen: Abbildung 2 zeigt eine Bildfolge
von MSG Messungen, interpretiert als geometrische Höhe der
Wolkenobergrenze, also wie hoch die Wolken im beobachteten Bereich
des geostationären Satelliten Meteosat-10 reichen. Hierfür wird die
spektrale Strahlungsdichte bei 10,3 µm im thermischen
Infrarot-Fenster der Atmosphäre gemessen, also die von Ozean,
Landoberfläche und Wolken emittierte Wärmestrahlung. Mithilfe des
planckschen Strahlungsgesetzes wird aus der gemessenen spektralen
Strahlungsdichte die sogenannte Helligkeitstemperatur (brightness
temperature) bestimmt, die bei optisch dicken Wolken näherungsweise
der Temperatur der Wolkenoberkante entspricht. Anhand vertikaler
Temperaturprofile der Atmosphäre aus numerischen Wettermodellen wird
diese Temperatur anschließend einer geometrischen Höhe zugeordnet.

Warum nun ist die Darstellung so farbenfroh? Weil einiges an
Höhenbereichen abgedeckt werden muss; eine hochreichende Wolke in den
mittleren Breiten soll sich dort farblich von tiefen und mittelhohen
Wolken abheben, jedoch auch von hohen Wolken in den Tropen, wo 11 km
Wolkenoberkante nicht gerade hochreichend ist.

Mit einem Vergleich unterschiedlicher Breitengrade gegen Ende der
Animation in Abbildung 2 lässt sich das veranschaulichen:
Tiefdruckgebiet Barbara westlich von Neufundland ist erkennbar an den
sich gegen den Uhrzeigersinn eindrehenden Wolkenbändern. Dort finden
sich die höchsten Wolkenoberkanten bei etwa 11 km Höhe in orangenen
Farbtönen im Bereich der Kaltfront ? dem vertikalen T-Strich im
geschwungenen Schreibschrift-T der Wolkenbänder (nicht unbedingt
gleichzusetzen mit der T-Bone Struktur die Melvyn Shapiro und Daniel
Keyser in ihrer Beschreibung von speziellen Zyklonen-Lebenszyklen
geprägt haben).

In den Tropen wiederum sind orangene und rote Farbtöne für
Wolkenhöhen um 12 km verbreitet vertreten, aber auch graue Farbtöne
für hochreichende Konvektion bis 16 km (Farbskala oben links in
Abbildung 2) finden sich in der Innertropischen Konvergenzzone.

Abbildung 3 zeigt zur weiteren Veranschaulichung zwei
Modell-Vertikalprofile der Temperatur aus dem europäischen IFS
Modell, links für gestern Nachmittag im Bereich besagter Kaltfront
über dem Nordatlantik, und rechts für den Südosten Kameruns. Die
Tropopause, jene Grenzschicht welche den Übergang von der Troposphäre
zur Stratosphäre markiert, liegt in dem Profil über dem Nordatlantik
bei etwa 200 hPa (11 km), in dem tropischen Profil hingegen näher bei
125 hPa. Wie hoch das in Kilometern ist, können Sie unter der
Näherung für die exponentielle Druckabnahme mit der Höhe abschätzen,
welche besagt, dass sich der Luftdruck alle 5.5 km etwa halbiert
(1000 hPa am Boden, 500 hPa in 5.5 km Höhe?). Die Tropopause markiert
aufgrund der dort beginnenden Temperaturzunahme die maximal
erreichbare Höhe der aufgrund von Auftriebskräften nach oben
wachsenden Wolken. Manch eine besonders schwungvolle Wolke mag auch
über das Ziel hinaus schießen und wellenartige Dichteschwingungen
auslösen ? vor allem bei sommerlicher Konvektion lohnt sich hier ein
Blick auf das frei verfügbare EUMETSAT MSG Produkt "Rapidly
Developing Thunderstorms", also schnell wachsende Gewitterzellen, mit
Informationen über das Maß an Überschießen über die Tropopause,
verfügbar durch Anklicken der einzelnen Zellen!

Die beiden Beispiel-Temperaturprofile in Abbildung 3 fügen sich recht
gut in die Klimatologie der von der Weltorganisation für Meteorologie
(WMO) definierten "Lapse Rate Tropopause" (LRT, die
Temperaturgradient-Tropopause). Die Definition der Tropopause,
alternative Möglichkeiten sie zu definieren, und ihre Eigenschaften
werden wir uns in einem der kommenden Themen des Tages anschauen.


Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.02.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wissenschaft kompakt

Von Tauwetter und Schneeschmelze



Letzte Woche war noch Winterwetter vorherrschend mit frostigen
Temperaturen und Neuschnee. An diesem Wochenende drehte sich das
Blatt rasant und frühlingshaftes Wetter mit milderen Temperaturen
erhielt Einzug. Dies führte am Wochenende und auch noch zum
Wochenstart zu teils markantem Tauwetter.



Das Auftreten von markanten Tauwetterlagen zu dieser Jahreszeit ist
ein typisches zentrales Element der winterlichen und frühjährlichen
Hydrologie in Mitteleuropa. Solche Ereignisse können erhebliche
Auswirkungen auf Abflussregime, Hochwassergefahr, Bodenfeuchte und
Infrastruktur haben. Dabei gibt es einen entscheidenden Unterschied
zwischen schmelzen und tauen. Schmilzt der Schnee nur, liegt der
Taupunkt noch unter 0 Grad, die Feuchttemperatur und Lufttemperatur
aber im positiven Bereich. Der Schnee geht dabei von der festen in
den flüssigen und gasförmigen Zustand. Der Tauprozess ist um einiges
effektiver. Temperaturen und Taupunkt liegen dabei im positiven
Bereich und der Schnee geht hauptsächlich in den flüssigen Zustand
über. Um die Entstehung von markantem Tauwetter zu verstehen, müssen
sowohl meteorologische Prozesse als auch Eigenschaften der
Schneedecke - insbesondere ihr Wasseräquivalent - betrachtet werden.
Grundvoraussetzung für intensives Tauwetter ist zunächst eine
ausreichend mächtige Schneedecke. Während in den Gebirgsräumen (vor
allem inneralpin) in den letzten Tagen und Wochen noch einiges an
Altschnee vorhanden war, kam am Donnerstag und Freitag vergangener
Woche noch etwas Neuschnee sogar bis ins Flachland dazu. Der Schnee
und die Schneedichte unterliegt im Laufe des Winters ständigen
Umwandlungsprozessen: Neuschnee mit geringer Dichte (oft 50-150
kg/m³) setzt sich durch Druck und Temperaturgradienten, Kristalle
metamorphosieren, und die Dichte kann auf 300-500 kg/m³ oder mehr
ansteigen. Entscheidend für das spätere Abflussgeschehen ist daher
nicht nur die Schneehöhe, sondern vor allem das sogenannte
Wasseräquivalent der Schneedecke.
Das Wasseräquivalent beschreibt jene Wassermenge, die frei würde,
wenn die gesamte Schneedecke vollständig taut. Es wird meist in
Millimetern angegeben und entspricht damit direkt einer
Niederschlagshöhe. Eine 50 cm hohe Schneedecke kann - je nach Dichte
- beispielsweise nur 50 mm oder aber über 200 mm Wasseräquivalent
enthalten. Für die Hochwasservorhersage ist diese Größe daher
wesentlich aussagekräftiger als die reine Schneehöhe. Besonders
kritisch sind daher Situationen, in denen sich über Wochen hinweg ein
hohes Wasseräquivalent aufgebaut hat und anschließend rasch
einsetzendes Tauwetter eintritt.
Meteorologisch wird markantes Tauwetter häufig durch großräumige
Zirkulationsänderungen ausgelöst. Typisch ist das Vordringen milder,
feuchter Luftmassen aus südwestlichen Richtungen im Zusammenhang mit
Tiefdruckgebieten über dem Nordatlantik oder Westeuropa. Die
ausgeprägte West- oder Südwestlage der letzten Tage führte dazu, dass
deutlich wärmere Luft herangeführt wurde und die Temperaturen auch in
höheren Lagen deutlich über 0 °C stiegen.
Neben der Lufttemperatur spielen weitere Energieflüsse eine
entscheidende Rolle. Die Schneeschmelze setzt ein, wenn die
Energiebilanz an der Schneeoberfläche positiv wird. Dazu tragen
mehrere Komponenten bei. Zum einen die sensible oder auch fühlbare
Wärme genannt. Dies impliziert die direkte Änderung der Temperatur
durch Zufuhr von warmer Luft. Im Gegensatz dazu gibt es noch die
latente (verborgene) Wärme. Diese entsteht durch Wärmefreisetzung bei
Kondensation von Wasserdampf auf der kalten Schneedecke. Dieser
Effekt ist bei feucht-milder Luft nicht zu unterschätzen. Des
Weiteren kann sich die Strahlungsbilanz positiv auf die Temperatur
der Schneedecke auswirken. Durch direkte oder, was in den letzten
Tagen eher der Fall war, diffuse Einstrahlung erwärmt sich die
Oberfläche. Gleichzeitig sorgte die geschlossene Wolkendecke nachts
für langwellige Gegenstrahlung und damit verringerte Auskühlung. Ein
am Wochenende entscheidender Faktor für die Schneeschmelze war und
ist immer noch der zusätzliche Eintrag von relativ warmem Regen.
Dieser sorgt nicht nur zusätzlich für Wasser, sondern durch die
relativ gesehen hohen Temperaturen des Regenwassers erhöht sich die
Temperatur der zu schmelzenden Schneedecke umso schneller.
Gerade die Kombination aus milden Temperaturen und kräftigem Regen
führte zu einer markanten und noch weiter anhaltenden Tauwetterlage.
Seit Samstag und anhaltend bis Montagmittag muss in den
Mittelgebirgen und den Alpen mit Abflussmengen zwischen 40 und 80
l/m² in 60 Stunden gerechnet werden. (Die Schwellen für markantes
Tauwetter liegen bei 40 mm in 48 Stunden bzw. 60 l/m² in 72 Stunden.
Starkes Tauwetter (Unwetter!) tritt bei mehr als 60 l/m² in 48
Stunden bzw. über 90 l/m² in 72 Stunden auf). Dabei wird das
Schmelzwasser zum Niederschlag hinzuaddiert - abzüglich Verdunstungs-
und Speicherverluste.
Ein weiterer Aspekt ist die räumliche und zeitliche Gleichzeitigkeit
der Schneeschmelze. In Gebirgsregionen setzt die Schneeschmelze
normalerweise höhenabhängig gestaffelt ein: Zunächst in Tallagen,
später in mittleren Höhen und schließlich im Hochgebirge. Markantes
Tauwetter zeichnet sich jedoch oft dadurch aus, dass die
Nullgradgrenze rasch auf große Höhen ansteigt, wie es am gestrigen
Samstag oder bereits schon in der Nacht zum Samstag geschehen ist.
Die Nullgradgrenze stieg von 600-1000 m auf 1800 - 2500 m innerhalb
von 24 Stunden. Dadurch beginnen weite Teile eines Einzugsgebietes
nahezu gleichzeitig zu schmelzen bzw. tauen. Diese Synchronisierung
verstärkt die Abflussspitzen in Flüssen und Bächen. In gesättigten
Böden oder bei gefrorenem Untergrund kann die Hochwassergefahr
aufgrund geringer Speicherkapazität zudem erheblich steigen.
Das Wasseräquivalent der Schneedecke wird heute durch verschiedene
Methoden erfasst. Klassisch erfolgen Schneebohrungen und Wägungen im
Gelände. Ergänzend kommen automatische Schneewaagen,
Ultraschallsensoren zur Schneehöhenmessung in Kombination mit
Dichtemodellen sowie Fernerkundungsverfahren zum Einsatz. In
hydrologischen Modellen wird das Wasseräquivalent als zentrale
Zustandsgröße geführt. Es erlaubt die Simulation, wie viel Wasser bei
bestimmten Temperatur- und Niederschlagsszenarien freigesetzt wird.
Zusammenfassend entsteht markantes Tauwetter durch das Zusammenspiel
einer energiereichen Atmosphäre mit einer schneereichen
Ausgangssituation. Entscheidend ist dabei nicht allein die sichtbare
Schneehöhe, sondern vor allem das in der Schneedecke gespeicherte
Wasseräquivalent. Es bestimmt maßgeblich, welches Abflusspotenzial
bei einsetzender Schmelze mobilisiert werden kann. Erst durch die
Kombination aus meteorologischer Analyse und quantitativer Erfassung
des Wasseräquivalents lässt sich das Risiko intensiver Abfluss- und
Hochwasserereignisse realistisch einschätzen.
Aktuelle Informationen zur Abflussmenge, Pegelständen und
Hochwassergefahren findet man in den jeweiligen Informationssystemen
der Hochwasserzentralen der Bundesländer oder im Naturgefahrenportal.


MSc Sonja Hansen

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.02.2026

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