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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wetter aktuell

Blick in die Karwoche



Das heutige Thema des Tages wirft einen Blick auf die erwartete
Wetterentwicklung der bevorstehenden Karwoche.



Die Karwoche ist im christlichen Kirchenjahr die letzte Woche vor
Ostern, wobei die Silbe "kar" laut wikipedia aus dem althochdeutschen
abgeleitet wird und soviel wie "Klage", Kummer" oder "Trauer"
bedeutet. Die Karwoche beginnt traditionell mit dem heutigen
Palmsonntag und dauert bis zum Karsamstag, der manchmal
fälschlicherweise als Ostersamstag bezeichnet wird.

Diese Genauigkeit soll an dieser Stelle nur zeigen, dass der Autor
sich darüber im Klaren ist, dass die Überschrift "Blick in die
Karwoche" nicht ganz sauber ausformuliert wurde. Denn genauer
betrachtet werden soll in diesem Thema des Tages das Zeitfenster vom
morgigen Montag (30.03.) bis zum Mittwoch (01.04.).

Die Bodendruckverteilung sowie die erwartete Lage der Fronten am
Montagmittag ist in Abbildung 1 dargestellt. Der langgestreckte und
wie ein Sprungseil durchhängende Frontenzug von Tief ODILE hat zu
diesem Zeitpunkt von Nordwesten her schon große Teile Deutschlands
überquert, während ODILE selbst über der Norwegischen See ihre Kreise
zieht. Auf der Rückseite der Front dreht der Wind nicht nur auf
Nordwest, er frischt auch merklich auf, was Sturmböen an den Küsten -
speziell an der Nordsee, aber auch in den Hochlagen erwarten lässt.

Bezüglich der Sturmböen ist es damit aber nicht getan, denn auch in
kräftigen Schauern und kurzen Gewittern, die recht verbreitet
auftreten können, kommt die eine oder andere Sturmböe "um die Ecke".
Das Ganze ist, auch wenn es noch Ende März ist, ein schönes Beispiel
für Aprilwetter. Die charakteristischen Eigenschaften von Aprilwetter
sollen morgen an dieser Stelle beleuchtet werden, daher dazu hier und
jetzt nichts Tiefschürfendes. Außer der Prognose, dass das
Aprilwetter auch am Dienstag anhält - wenn auch in abgeschwächter
Form. Es wird dann nicht mehr so verbreitet "schauern" und
"gewittern", insbesondere im Norden kommt häufiger mal die Sonne raus
und im Vergleich zum morgigen Montag ist auch der Wind nicht mehr
ganz so ruppig unterwegs. Letzteres ist schon ein Hinweis darauf,
dass zum Mittwoch hin der Druck steigt und sich das Wetter beruhigt.
Und in der Folge lassen auch die Niederschläge an den Alpen nach.

Beim Blick auf die Niederschläge zeigt sich die in der kommenden
Nacht einfließende subpolare Kaltluft recht schneeaffin. Natürlich
liegt die Schneefallgrenze je nach Region, Niederschlagsintensität,
Tageszeit und Wind (Stichwort: Durchmischung) unterschiedlich hoch.
Grob kann man aber anpeilen, dass oberhalb von 600 bis 800 m wohl
eine oder mehrere Schneefallwarnungen fällig werden.

Die Abbildung 2 zeigt die akkumulierten Schneehöhen bis in die Nacht
zum Donnerstag, links nach dem europäischen Modell IFS, rechts nach
dem DWD-Modell ICON-EU. Auf den ersten Blick scheinen die Grafiken
recht unterschiedlich, was auch den Einheiten und der Farbgebung
geschuldet ist. Die Einheiten können aber tatsächlich 1:1 umgerechnet
werden, und auch die unterschiedliche Farbgebung kann nicht darüber
hinwegtäuschen, dass bei genauerem Hinsehen die Diskrepanzen nicht so
hoch sind. So entspricht der Farbübergang von grün zu orange bei IFS
(links) der von rot zu violett bei ICON-EU (rechts). Und der besagte
Übergang liegt bei beiden Modellen am Alpenrand. Auch wenn beide
Darstellungen ein mögliches teilweises Abschmelzen der Schneedecke
mit der Zeit nicht berücksichtigen und der überwiegend nasse Schnee
sich nicht so stark akkumuliert wie trockener Schnee, so können in
den Alpen doch 20 bis 40 cm Neuschnee zusammenkommen. Auch in
exponierten Mittelgebirgslagen sind hohe einstellige oder niedrige
zweistellige Neuschneehöhen erreichbar. Manch einer oder eine mag
schon keinen Schnee mehr sehen, andere freuen sich über eine -
zumindest regionale - Verlängerung des Winters.

Unabhängig von Freud und Leid des teils winterlichen Wetters gilt es
aber vor allem auch in den Nächten aufzupassen. Mit der
Wetterberuhigung zur Wochenmitte breitet sich der Frost wieder vom
Süden bis in die Mitte, teils auch bis in den Norden aus. Da heißt es
nicht nur Vorsicht im Straßenverkehr, sondern auch nachts
empfindliche Pflanzen zu schützen.

Der scheue Blick auf die zweite Wochenhälfte und die Osterfeiertage
offenbart, dass nach derzeitigem Stand der Modelle in der zweiten
Wochenhälfte die Kaltluft allmählich ausgeräumt wird. An den
Osterfeiertagen könnten die Höchstwerte am Oberrhein dann schon
wieder an der 20°C-Marke kratzen.

Dipl.-Met. Martin Jonas

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.03.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuell

Wie weit fortgeschritten ist die Vegetation?



Der Beginn des Jahres war bis Mitte Februar zu kalt. Danach folgte
eine langanhaltende Hochdruckwetterlage mit für die Jahreszeit
ungewöhnlich hohen Temperaturen. Diese hatte nachhaltigen Einfluss
auf die Vegetationsentwicklung. Doch wie weit ist die Natur in diesem
Jahr voraus?



Um die Frage zu klären, inwiefern die warme Witterungsphase Anfang
März die Vegetation vorangetrieben hat, widmen wir uns zunächst einem
Teilbereich der Meteorologie: der Phänologie. Diese beschäftigt sich
mit den jährlich wiederkehrenden, vom Wetter abhängigen Wachstums-
und Entwicklungsstadien von Pflanzen. Solche Entwicklungsphasen
werden von zahlreichen ehrenamtlichen Beobachtern erfasst und in
einem phänologischen Kalender festgehalten. Dabei dienen bestimmte
Zeigerpflanzen als Orientierung: So gilt die Blüte der Forsythie
beispielsweise als typisches Merkmal für den Beginn des
Erstfrühlings.
Die Ergebnisse dieser Beobachtungen lassen sich anschaulich in Form
einer phänologische Uhr darstellen. Diese zeigt den Verlauf der
Natur im Jahreskreis anhand der verschiedenen phänologischen
Jahreszeiten. Der äußere Kreis stellt den langjährigen Durchschnitt
dar und zeigt, wann bestimmte Entwicklungsphasen normalerweise
eintreten. Der innere Kreis bildet dagegen den tatsächlichen Verlauf
eines konkreten Jahres ab. Durch den Vergleich beider Kreise lässt
sich leicht erkennen, ob die Vegetation durch Kälteperioden verzögert
oder durch milde Witterung beschleunigt wurde.
Die phänologische Uhr hilft auf diese Weise, die Auswirkungen
ungewöhnlicher Wetterereignisse, wie etwa verspätete Kälte im
Spätwinter, sichtbar zu machen und deren Einfluss auf das
Pflanzenwachstum besser zu verstehen.
Man erkennt, dass die Haselblüte, die den Beginn des Vorfrühlings
markiert, dieses Jahr im Mittel zwei Tage vor dem vieljährigen Mittel
stattfand. Aufgrund der warmen Witterung wurde die Vegetation
deutlich vorangetrieben, sodass die Forsythienblüte dort, wo sie
bereits eingesetzt hat, im Mittel 8 Tage früher begann.
Da der Vegetationszustand jedoch maßgeblich von der Temperatur
abhängt, soll hier ein anderer Ansatz gewählt werden. Die sogenannte
Grünlandtemperatursumme ist eine spezielle Wärmesumme, die verwendet
wird, um den nachhaltigen Vegetationsbeginn zu bestimmen. Zur
Berechnung der Grünlandtemperatursumme werden alle positiven
Tagesmitteltemperaturen seit Jahresbeginn addiert. Diese werden
allerdings nach Monaten gewichtet. Das heißt, im Januar wird das
Tagesmittel mit dem Faktor 0,5 multipliziert, im Februar mit 0,75 und
ab März geht der volle Wert ein. Erreicht die Grünlandtemperatursumme
die Grenze von über 200 Grad, gilt der nachhaltige Vegetationsbeginn
als erreicht. In Mitteleuropa wird damit der Termin für das Einsetzen
der Feldarbeit bestimmt. Man spricht dann auch vom Beginn des
agrarmeteorologischen Frühlings, der häufig mit dem Beginn der
Forsythienblüte zusammenfällt.
Die beigefügte Grafik zeigt die Entwicklung der
Grünlandtemperatursumme im Frühjahr der vergangenen 38 Jahre in
Frankfurt am Main. Die rote Kurve markiert den Mittelwert. Im Mittel
werden 200 Grad am 11. März erreicht. In den meisten anderen Regionen
Deutschlands ist es kühler, sodass dieses Datum entsprechend später
liegt. Extrem hohe Werte traten beispielsweise in den Jahren 1994,
2007 und 2024 auf, als die Ergrünung bereits Ende Februar einsetzte.
In den kalten Frühjahren 1996, 2006 und 2013 wurde die 200-Grad-Marke
dagegen erst Anfang April erreicht.
In diesem Jahr (grüne Linie) lag die Grünlandtemperatur aufgrund des
kalten Winters zunächst im unteren Drittel, holte aber ab Mitte
Februar deutlich auf, stieg bis ins obere Drittel und sorgte dafür,
dass die Vegetation zumindest in den wärmer gelegenen Regionen
Deutschlands in diesem Jahr ziemlich früh nachhaltig einsetzte (in
Frankfurt am 7. März). Derzeit ist die Vegetation in Frankfurt etwa
eine Woche voraus, was auch zu den Beobachtungen der phänologischen
Uhr passt. Der derzeitige Kaltlufteinbruch mit Nachtfrösten und
Schnee im Bergland, der noch bis Ostern anhält, bremst die
Vegetationsentwicklung allerdings deutlich aus. Dadurch schrumpft der
derzeitige Vorsprung von etwa einer Woche und wir nähern uns wieder
etwas dem Mittelwert.


Dipl.-Met. Christian Herold

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.03.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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