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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Der Boden vergisst nicht


Wie steht es nach den trockenen Jahren 2018 und 2019 aktuell um
unsere Böden? Gerade in der Osthälfte Deutschlands ist der Zustand
teilweise immer noch verheerend.

"Doch Haus Mormont vergisst nicht. Der Norden vergisst nicht. Wir
kennen keinen König außer den König des Nordens dessen Name Stark
ist. [?]" Es sind unter anderem Gänsehautmomente wie diese, als die
gerade einmal 10-jährige Lady Mormont John Schnee die Treue schwört,
die die Fantasyserie "Game of Thrones" für viele Fans so
unnachahmlich macht. Bezogen auf die äußerst trockenen Jahre 2018 und
2019 hierzulande, in denen vor allem im Osten nur rund zwei Drittel
(je nach Region etwa 400 mm) des sonst üblichen Jahresniederschlags
gefallen sind, müsste man eher formulieren: Der Osten vergisst nicht
- oder besser, um politischen Missverständnissen vorzubeugen - der
Boden vergisst nicht.

Doch warum eigentlich? In der Bodenkunde (Fachausdruck: Pedologie)
unterteilt man das komplette Bodenprofil in mehrere Bereiche
(Horizonte). Die oberste und fruchtbarste Schicht ist der sogenannte
Ober- oder Mutterboden, der hierzulande etwa bis in eine Tiefe von 20
bis 30 cm reicht. Neben den mineralischen Hauptbestandteilen
(Feinsand, Schluff und Ton) enthält er, im Gegensatz zu tiefer
liegenden Bodenhorizonten, einen hohen Anteil an Nährstoffen
(insbesondere Stickstoff) und organischer Substanz (Humus) sowie eine
große Menge an Bodenlebewesen (Mikroorganismen). Der Oberboden
reagiert vergleichsweise schnell auf kurzfristige
Niederschlagsereignisse und hatte sich insbesondere dank des
überdurchschnittlich nassen Oktobers letzten Jahres (in Hannover
beispielsweise fielen mit über 100 mm mehr als das Doppelte des sonst
üblichen Monatsniederschlags) rasch von der sommerlichen Dürre
erholt.

Für die darunterliegenden Schichten (mineralischer Unterboden), der
sich bis knapp 1 Meter Tiefe anschließt und hauptsächlich aus
verwittertem Gestein und ausgewaschenen Mineralien besteht, gilt das
nicht mehr unbedingt. Erst recht nicht für das sich tiefer
anschließende Ausgangsgestein, bis an deren Obergrenze der Großteil
der Pflanzen wurzelt. Auf den vom Helmholtz-Zentrum für
Umweltforschung veröffentlichten Darstellungen (UFZ-Dürremonitor)
sieht die Lage für den Gesamtboden (bis in Tiefen von ca. 1,8 Metern)
in weiten Teilen des Landes immer noch dramatisch aus. So dominieren
vor allem in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Ostbayern
weiterhin tiefrote Farben, die von einer außergewöhnlichen Dürre
zeugen. Doch damit nicht genug: Durch die erneute Niederschlagsarmut
der letzten Wochen, bei der seit Jahresbeginn gerade in
Süddeutschland, aber auch in der Lausitz kaum 10 bis 20 Liter pro
Quadratmeter gefallen sind (teils deutlich darunter, siehe Grafik),
leiden sogar die Oberböden schon wieder unter einer beginnenden
Dürre. Lediglich im Südwesten und nördlich des Nord-Ostsee-Kanals ist
die Situation einigermaßen entspannt.

Neben der Niederschlagssumme spielt auch das Speichervermögen der
Böden eine wichtige Rolle. Gerade von der Lüneburger Heide bis zur
Oder und Neiße sind häufig leichte Sandböden anzutreffen. In den
luftigen Zwischenräumen der lockeren Sandkörner kann das Wasser zwar
schnell eindringen, genauso schnell aber auch versickern oder
verdunsten. Im Gegensatz dazu können schwere Lehmböden das Wasser
viel besser speichern.

Was müsste zur Linderung geschehen? Es braucht vor allem großflächige
und länger anhaltende Niederschläge, die die Böden nachhaltig
durchfeuchten. Das Defizit beträgt regional akkumuliert aus den
Jahren 2018 und 2019 teilweise schon einen ganzen Jahresniederschlag.
Mehrere (deutlich) zu nasse Monate in Folge würden Abhilfe schaffen.
Der Trend zu stark meridional geprägten Wetterlagen mit nur
vereinzelten, dann aber lokal heftigen Starkregenfällen im
Sommerhalbjahr lässt für die besonders betroffenen Regionen auch 2020
Schlimmes befürchten. Daher sind gerade die nächsten Wochen und
Monate besonders entscheidend, bevor auch die Verdunstung bei höherem
Sonnenstand wieder deutlich an Fahrt aufnimmt. Im seriösen
Betrachtungszeitraum bis zum Monatswechsel (erweiterte Mittelfrist)
stehen die Zeichen leider (mal wieder) auf trocken.

Was wären die Folgen, sollte es auch 2020 so weitergehen? Das ist
selbst für Experten kaum abzuschätzen. Schon jetzt liegen
trockenheitstolerante Kulturen wie Hafer, Hirse und Linsen bei den
Landwirten voll im Trend. Um die hiesigen Waldbestände muss man sich
weiter große Sorgen machen. Jahresringe deuten schon auf länger
anhaltenden Stress der Bäume durch Trockenheit, Krankheit und
Schädlinge hin. Vor allem die Fichte stirbt auf immer größeren
Arealen ab, aber auch Kiefern, Eichen und Buchen geht es schlecht.
Der Waldbesitzerverband plädiert nun für mehr Vielfalt (mehr
Mischwälder) und die Aufforstung durch trockenresistente Arten wie
die nordamerikanische Küstentanne oder die Douglasie. Doch alles
braucht seine Zeit und die Erholung des Waldes wird auch bei einer
feuchteren Witterung nicht von heute auf morgen vonstattengehen. Denn
Bäume haben ähnlich wie die Böden ein langes Gedächtnis.


Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.01.2020

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Was ist los mit dem Winter?


Aktuell lässt die Schneesituation in Deutschland zu wünschen übrig.
Dabei hatte der Winter im letzten Jahr gar keinen schlechten Start
hingelegt. Dazu ein paar Daten und Fakten?

Bereits im gestrigen Thema des Tages wagten wir an dieser Stelle
einen Blick auf die Schneehöhen in Deutschland. Und das mit
ernüchterndem Resultat: Meist findet man den Schnee nur in Lagen
oberhalb von 1000 Metern. Selbst die Wetterstation auf der Zugspitze
meldet aktuell (Stand: 08 Uhr MEZ) lediglich eine Schneehöhe von 160
Zentimetern. Um eine vergleichbare Schneehöhe am 18. Januar auf der
Zugspitze vorzufinden, muss man schon ins Jahr 2014 zurückgehen.
Dabei ist die Zugspitze mit ihren 2962 Metern nicht nur der höchste
Berg, sondern auch der schneereichste Ort Deutschlands, zumindest im
Stationsnetz des Deutschen Wetterdienstes. Da gestaltete sich das
letzte Jahr 2019 Mitte Januar mit 435 Zentimetern deutlich
schneereicher.

Lässt man den Blick nun abseits der Alpen in Deutschland schweifen,
so muss wohl manchem Wintersportbegeisterten das Lachen im Gesicht
gefrieren. Im Erzgebirge meldet die Wetterstation auf dem Fichtelberg
auf 1213 Metern Höhe zurzeit lediglich 14 Zentimeter Schnee. Trotzdem
sind zumindest ein Teil der Lifte im Skigebiet
Fichtelberg-Oberwiesenthal geöffnet und bieten den hart gesottenen
Winterfans eine kurze Abfahrt auf den mit Kunstschnee unterstützen
Pisten. Auch im Schwarzwald muss stellenweise kräftig mit Kunstschnee
nachgeholfen werden. Der Feldberg meldet immerhin 71 Zentimeter auf
1490 Metern. Ähnlich sieht die Situation im Bayerischen Wald rund um
den großen Arber mit einer Schneehöhe von 52 Zentimetern auf 1436
Metern aus. Sonst haben die Liftbetreiber zurzeit nicht einmal
mithilfe von Schneekanonen die Chance auf Wintersporttourismus. In
den deutschen Alpen ist die Schneesituation da schon etwas besser,
allerdings muss man für 50 Zentimeter und mehr schon etwas höher
hinaus. Am Fuße der Zugspitze, in Garmisch-Partenkirchen auf einer
Höhe von etwa 700 Metern, sieht es hingegen schon wieder anders aus.
Der Ort, der unter anderem durch das Neujahrsskispringen, dem zweiten
Event im Rahmen der Vierschanzentournee, bekannt ist, verzeichnet
aktuell exakt 0 Zentimeter.

Dabei hatte der Winter eigentlich gar keinen schlechten Start
erwischt. Pünktlich zum Beginn des Frühwinters Ende November/Anfang
Dezember des vergangenen Jahres kehrte er zumindest vorübergehend
ein. Polare Kaltluft brachte im Bergland und im Alpenvorland etwas
Neuschnee. Dieser hielt aber nicht lange, denn im Anschluss stellte
sich eine Westwetterlage ein, die für Milderung sorgte. Ab dem 12.
Dezember 2019 gelangte Deutschland erneut auf die kalte Seite der
Frontalzone, die Tiefdruckgebiete zogen dann auf einer südlicheren
Zugbahn. Kräftige Niederschläge verstärkten dabei die Abkühlung,
sodass sich selbst in tieferen Lagen kurzzeitig eine Schneedecke
ausbildete.

Diese kühle Episode wurde am dritten Adventswochenende von einer
Serie schwächerer Stürme beendet. Mit diesen gelangte deutlich
mildere Meeresluft nach Deutschland, wodurch auch in den Gipfellagen
der Mittelgebirge Tauwetter einsetzte. Anschließend kippte die
Strömung auf Südwest und warme Saharaluft wurde herangeführt. Dadurch
kam es bereits im vergangenen Jahr zu einem ungewöhnlich milden
Witterungsabschnitt mit zweistelligen Höchstwerten von teils über 15
Grad Celsius. Darüber hinaus sorgte Föhnsturm an den Alpen mit
Höchstwerten von bis zu 20 Grad Celsius ebenfalls für ein rasches
Abtauen des Schnees.

Diese milde, nicht gerade "schneefreundliche" Witterung sollte sich
auch im neuen Jahr fortsetzen. Aktuell - wir schreiben den 18. Januar
2020 und befinden uns meteorologisch gesehen mitten im Hochwinter -
zeigt die Temperaturabweichung im Vergleich zum klimatologischen
Mittel für die erste Januarhälfte bereits deutlich Werte über 3 Grad
Celsius an, im Norden und Osten liegen wir bei über 5 Grad Celsius.
Allein in der letzten Woche war es bei Tageshöchstwerten von bis zu
16 Grad am Oberrhein ungewöhnlich mild. Man konnte meinen, der
Frühling sei schon in vollem Gange. Dazu gab es in den vergangenen
zwei Wochen vielerorts nur unterdurchschnittlich viel Niederschlag
und der fiel hauptsächlich als Regen.

Dieses Wochenende scheint der "(Schnee-)Bann" aber endlich gebrochen.
Zumindest am Alpenrand werden oberhalb von 800 bis 1000 Metern bis
Montagfrüh zwischen 10 und 20 Zentimeter Neuschnee erwartet. Örtlich
können in den Hochlagen sogar um 30 Zentimeter zusammenkommen. Und
auch in den höheren Mittelgebirgslagen sollte es für eine dünne
Neuschneeauflage reichen. Wem die Schneehöhen in Deutschland nicht
ausreichen, der sollte seinen Blick nach Österreich und in die
Schweiz werfen. Dort liegen aktuell in Gipfellagen meist über 100
Zentimeter. In Südtirol und Kärnten sind es nach heftigen
Schneefällen im November in Gipfellagen immer noch teils deutlich
über 200 Zentimeter. Das sollte doch das Wintersportlerherz
höherschlagen lassen.

MSc.-Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.01.2020

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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