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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wetter aktuell
Von Trockenheit und rekordniedrigen Wasserständen
Zur Halbzeit des Sommers ziehen wir eine hydrologische
Zwischenbilanz. Vor allem im Südwesten Deutschlands gibt es ein
großes Niederschlagsdefizit. An den Pegeln von Rhein und Donau wurden
für Juli so niedrige Abflüsse registriert wie noch nie.
Die erste Hälfte des meteorologischen Sommers 2026 ist Geschichte.
Nicht nur die Hitze, sondern auch die bisherige Niederschlagsbilanz
sind eine Betrachtung wert. Mehrere ? besonders im Südwesten des
Landes ausgeprägte Hitzewellen und teils schwere Gewitter zeichneten
das Bild des bisherigen Sommers. Überregionale
Niederschlagsereignisse waren die Ausnahme. Ein Blick auf die Karte
des bisherigen Niederschlags seit dem 1. Juni (Abb. 1) zeigt die
Regionen, in denen bisher kaum Regen fiel. Dies sind vor allem
Gebiete im Südwesten und Osten des Landes. Gebietsweise fielen dort
erst 30 bis 50 mm. Besonders nasse Regionen waren der Alpenrand und
dessen Vorland mit örtlich mehr als 250 mm sowie die Gebiete nahe der
Nordsee und im Dreiländereck Schleswig-Holstein, Niedersachsen und
Sachsen-Anhalt mit gebietsweise nahe 200 mm. Grundsätzlich fallen auf
kleinem Raum teils große Unterschiede in der Bilanz auf. Diese sind
auf kleinräumige, aber kräftige Schauer und Gewitter zurückzuführen.
So fielen zum Beispiel in Bleckede-Walmsburg im Wendland gestern
Abend fast 70 mm in zwei Stunden, an Nachbarstationen dagegen nicht
mal 10 mm.
Um den gefallenen Niederschlag in ein klimatologisches Bild zu
rücken, ist es sinnvoll, den gefallenen Niederschlag mit dem
Niederschlag im langjährigen Mittel zu vergleichen. Dazu zeigt Abb. 2
die relative Niederschlagssumme in Prozent zum langjährigen Mittel.
100 Prozent bedeuten dabei, dass im betrachteten Zeitraum genauso
viel Niederschlag gefallen ist wie im Klimamittel. Auch auf dieser
Karte fallen große Regionen des Ostens und Südwestens als deutlich
trockener als üblich auf. Die 30 bis 50 mm entsprechen etwa 20 bis 50
Prozent der üblichen Menge. Besonders nass zeigen sich neben lokalen
Maxima im Süden vor allem Teile des Nordwestens und Nordens.
Auffällig ist der Süden Bayerns: Absolut noch die nasseste Region
Deutschlands ist es dort im Vergleich zum Mittel dennoch zu trocken
gewesen. Es wurden nur 50 bis 90 Prozent des Solls erreicht.
Neben den Auswirkungen auf die Vegetation und damit auch die
Landwirtschaft zeigt sich die Trockenheit in den großen Flüssen des
Landes. Entlang des gesamten Rheins auf deutscher Seite gab es noch
nie so niedrige Abflüsse im Juli seit 1900. Abseits des Hochrheins
liegen die Pegel um mehr als 10 Prozent unter dem vorherigen Rekord.
Auch an der Donau liegen die neuen Rekorde oft mehr als 10 Prozent
unterhalb der bisherigen Julirekorde. Die Auswirkungen auf die
Schifffahrt sind immens. Verantwortlich für die Rekordpegel sind
nicht nur die geringen Niederschläge der vergangenen Wochen. Auch der
Frühling war bereits verbreitet deutlich trockener als üblich und in
Bayern der trockenste seit Aufzeichnungsbeginn vor mehr als 140
Jahren. Die hohen Temperaturen sorgten zudem für eine sehr hohe
Verdunstung, ein großer Teil des Niederschlags erreichte also gar
nicht erst die Flüsse. Ein weiterer Faktor für Donau und Rhein ist
die Schneedecke in den Nordalpen, die im Frühling und Sommer schmilzt
und die entwässernden Flüsse speist. Auch hier waren die Vorzeichen
ungünstig: Der zweittrockenste Winter seit 1991 in den Nordalpen und
ein trockener und warmer Frühling sorgten frühzeitig für ein
Schmelzen des Schnees. Auch diese Wasserquelle ist somit weitgehend
versiegt.
Für ein Ende der Trockenheit bräuchte es großflächige und länger
anhaltende Niederschläge. Diese Niederschläge sind allerdings nicht
in Sicht. Abb. 3 zeigt die simulierten Niederschläge der kommenden
sieben Tage bis zum Samstag, den 25.07.2026. Sowohl das Modell des
Deutschen Wetterdienstes ICON als auch das Modell des Europäischen
Zentrums für Mittelfristvorhersage EZMW zeigen in der Fläche keine
großen Niederschläge. Am meisten Regen soll demnach am Alpenrand
sowie an Nord- und Ostsee fallen. In weiten Bereichen sollen weniger
als 20, häufig sogar nicht mal 10 mm fallen. Dies deckt nicht einmal
die Verdunstung in diesem Zeitraum. Die Pegelstände der Flüsse werden
demnach weiter auf sehr niedrigen Werten verharren.
M.Sc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wetter aktuell
Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?
"Die Gewitter ziehen immer an mir vorbei!". So oder so ähnlich
beklagen sich Gewitter- und Gartenfans, wenn mal wieder ein Gewitter
nicht seine Blitze oder dringend benötigtes Wasser an Ort und Stelle
abgeladen hat. Richtig ist es aber meistens nicht.
In den vergangenen Tagen und bis zum Wochenende haben wir es mal
wieder mit teils kräftigen Gewittern zu tun. Und wie so häufig
verteilen sich die Gewitter nicht gleichmäßig über das Land. Einzelne
Regionen bekommen kräftige Gewitter, in den anderen passiert fast gar
nichts. Manchmal gibt es selbst auf wenigen Kilometern räumlicher
Distanz sehr große Unterschiede. Manch ein Gewitter- oder Gartenfan
bejammert dabei gerne, dass es an seinem Standort nie ?kracht? oder
der Garten wieder einmal nicht gewässert wird. Aber stimmt das auch?
Gewitterverteilung über Deutschland
In Deutschland gibt es durchaus Gebiete, wo bevorzugt Gewitter
vorkommen. Dazu zählen alle Gebirgsregionen. Dort werden die
Luftmassen bei der Anströmung durch das Gebirge zwangsweise gehoben
und die in Gewitterwolken immer vorhandene Aufwärtsbewegung auf diese
Weise verstärkt.
Das lässt sich im Sommer gut beobachten, wenn über den Bergen bereits
Quellwolken zu sehen sind, es ringsum aber noch wolkenfrei ist. Da es
im Süden Deutschlands mehr Berge gibt als im Norden, sind die
Gewitter dort auch zahlreicher. Zusätzlich kommen im Süden
Deutschlands häufiger feuchte und warme Luftmassen von Süden her an,
die den Norden teilweise gar nicht erst erreichen oder nur in
abgeschwächter Form. Damit wird die Entstehung von Gewittern im Süden
zusätzlich begünstigt. Gleichwohl kommen aber überall in Deutschland
Gewitter vor.
Der "Kulisseneffekt"
Der Eindruck, dass Gewitter an einem bestimmten Standort scheinbar
immer vorbeiziehen, lässt sich in den allermeisten Fällen gut
erklären. Verantwortlich dafür ist der sogenannte ?Kulisseneffekt?.
Der ?Kulisseneffekt? entsteht, wenn rings um einen Beobachtungsort
herum mächtige Schauer- und Gewitterwolken zu sehen sind. Diese in
mittleren Breiten bis etwa 12 km hohen Wolken lassen sich bis zu
einer Entfernung von 50 km und mehr beobachten. Die
Wahrscheinlichkeit, an einem Gewittertag um sich herum Gewitterwolken
zu sehen, ist damit sehr hoch. Die Gewitterzellen selber bzw. dessen
Kerne sind jedoch oft nur sehr klein, was gut im Regenradar zu
erkennen ist. Damit ist aber auch die Wahrscheinlichkeit, von dem
Gewitter getroffen zu werden, relativ klein. Es entsteht der
Eindruck, die Gewitter würden vorbeiziehen, wenn man wieder mal nicht
getroffen wurde.
Ausnahme Lee von Gebirgszügen
In einigen Regionen kann der ?Kulisseneffekt? in bestimmten
Wettersituationen aber nicht als Erklärung für vorbeiziehende
Gewitter herhalten. Damit sind Standorte im Lee eines Gebirges
gemeint.
Schon kleinere Gebirgszüge können dabei als sogenannte
?Wetterscheide? fungieren. Bei entsprechender Anströmung teilen sich
die Gewitter gerne an dem Gebirge und ziehen anschließend an dem
Beobachtungsstandort vorbei. Das kann man sich wie bei einem Fluss
vorstellen, wo ein aus dem Wasser ragender Stein die Wassermassen
umlenkt. Hinter dem Stein ist die Strömung nur schwach, während
abseits davon das Wasser mitgerissen wird. Der gleiche Standort kann
bei anderer Anströmung natürlich trotzdem von einem Gewitter
getroffen werden.
Dass die Gewitter also immer vorbeiziehen, ist eher ein subjektives
Empfinden. Beim nächsten Gewitter knallt es dann vielleicht heftig.
Dipl. Met Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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