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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wette aktuell

Steigende Gewitter- und Unwettergefahr in dieser Woche!


Während es heute eine überwiegend ruhige Zweiteilung beim Wetter
gibt, tut sich spätestens ab Donnerstagabend einiges, denn von Westen
könnten wieder turbulente Tage auf uns zukommen. Was uns genau
erwartet, soll heute Thema des Tages sein.



Ein lockerer Blick auf das kombinierte Radar- und Satellitenbild
offenbart bereits, dass wir es mit dem Einfluss zweier Drucksysteme
über Deutschland zu tun haben. Einerseits befindet sich die
Nordhälfte noch immer im Einfluss des umfangreichen Hochs STEFFEN,
das mit seinem Schwerpunkt über Skandinavien liegt und von einem
Höhenrücken gestützt wird. Andererseits hat sich die von Süden
kommende Warmfront eines Tiefs namens QUIRIA mit Kern über
Westfrankreich langsam bis zur Landesmitte voran gearbeitet. An ihr
sind wiederholt leichte bis mäßige Regenfälle zu erwarten, die recht
großflächig das noch immer ersehnte Nass von oben bringen. Vereinzelt
sind auch schauerartige bzw. gewittrige Verstärkungen mit von der
Partie.

Apropos Gewitter: Diese kann es heute auf der Rückseite der
Warmfront, also über dem äußersten Süden, ebenfalls geben. Meist ist
dann Starkregen um 15 bis 20 l/qm in kurzer Zeit das bestimmende
Warnelement, kleiner Hagel und stürmische Böen sind aber auch nicht
ausgeschlossen. Ansonsten regnet es nachts über der Mitte
gebietsweise weiter, sodass hier regional über 10 l/qm zusammenkommen
können.

Am morgigen Mittwoch schwächt sich die Warmfront von QUIRIA über der
Landesmitte immer weiter ab und kommt durch STEFFENs Bollwerk kaum
noch nach Norden voran, sondern zieht eher ostwärts ab. Es bleibt
längere Zeit stark bewölkt bis bedeckt mit letzten Tropfen, sodass in
der Mitte häufig nur 20 bis 22 Grad zu erwarten sind, im Südwesten
sind dagegen schon wieder 29 Grad drin. Prinzipiell sind im
Tagesverlauf, vor allem abends, über dem Westen und dem Süden auch
Gewitterzutaten wie Feuchte und Labilität ausreichend vorhanden, es
mangelt aber am "Zündfunken", nämlich der Hebung, da ein schwacher
Keil aus der Höhe wetterwirksam ist. Also ist es unklar bis sehr
unwahrscheinlich, ob bzw. dass sich Gewitter entwickeln.
Das sieht am kommenden Donnerstag gänzlich anders aus: Auf QUIRIAs
Vorderseite wird eine zunehmend warme bis heiße und mit ausreichend
Feuchtigkeit angereicherte Luft nach Deutschland transportiert. Diese
ist in der ersten Tageshälfte vom Hochdruckeinfluss weiter
nordöstlich "gedeckelt". Somit steht erstmal recht viel Sonnenschein
bei Höchstwerten von 27 bis 30 Grad über der Mitte und dem Norden und
bis zu 33, ganz vielleicht knapp 34 Grad im Südwesten an.

Die angekündigte Spannung entlädt sich dann abends von Westen her mit
Übergreifen der Kaltfront. Hier stimmen im Verlauf sämtliche
Gewitterzutaten wie Feuchte, Labilität, Hebung und Windscherung,
sodass zunächst einzelne, später immer mehr werdende und teils
heftige Gewitter das Abendwetter im Westen prägen werden.
Diese können sowohl beim Starkregen, als auch bei Sturm und Hagel
unwetterartig ausfallen. Denkbar ist, dass sich abends ein größeres
Gewittersystem bildet, das dann nach Nordosten zieht, bevor nachts
weitere Schauer und heftige Gewitter auf die Landesmitte übergreifen
könnten.

Ab Freitag ist die Großwetterlage zwar weitestgehend ersichtlich, im
Detail aber noch unsicher. Die Kaltfront erreicht zögerlich den
Osten, sodass auch hier heftige Schauer und Gewitter mit
Unwetterpotential drohen. Von Westen kommen im Tagesverlauf aber
weitere Gewitter auf, die möglicherweise erneut ein Unwetterpotential
in einem gut gescherten Umfeld bieten könnten (Achtung: Sturm!). Bei
den Temperaturen kann man auf den Konjunktiv jedoch verzichten: Bei
21 bis 28 Grad, ganz im Osten knapp 30, ist definitiv Schluss.
Zum Wochenende nur ein Satz: Mit einer auflebenden Westdrift wird es
zusehends windiger mit einem Nordwest-Südostgefälle hinsichtlich des
Wettercharakters und mit dem "schlechteren" Ende für die Nordlichter.



M.Sc.-Met. Oliver Reuter

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.08.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wissenschaft kompakt

Vom aktuellen Wetter bis in die nächsten Stunden: SINFONY verbindet
die Stärken von Nowcasting und numerischer Wettervorhersage. So soll
eine möglichst nahtlose Vorhersage entstehen ? insbesondere bei
schnelllebigen Wetterereignissen wie Gewittern und Starkregen.



Vom aktuellen Wetter bis in die nächsten Stunden: SINFONY verbindet
die Stärken von Nowcasting und numerischer Wettervorhersage. So soll
eine möglichst nahtlose Vorhersage entstehen ? insbesondere bei
schnelllebigen Wetterereignissen wie Gewittern und Starkregen.



Eine unserer Hauptaufgaben im Sommer ist die Warnung vor Gewittern.
Um deren Entwicklung und Zugbahn für die nächsten Stunden möglichst
genau vorherzusagen, stehen unterschiedliche Vorhersageverfahren zur
Verfügung. Für die unmittelbare Zukunft liefert das sogenannte
Nowcasting besonders wertvolle Informationen. Es basiert wesentlich
auf aktuellen Beobachtungen. Dazu gehören Fernerkundungsmessungen wie
Radar, Satellit und Blitzmessungen. Auch Nutzermeldungen,
beispielsweise aus der WarnWetter-App, können zusätzliche
Informationen über das aktuelle Wetter liefern.
Aus diesen Beobachtungen lassen sich die Position, Zugrichtung und
Entwicklung von Niederschlags- und Gewitterzellen kurzfristig relativ
gut abschätzen. Eine wichtige Rolle spielt dabei KONRAD-3D. Das
Verfahren erkennt konvektive Zellen automatisch in den Radardaten und
liefert unter anderem Informationen über deren Position und
Intensität. Aus der bisherigen Bewegung können Vorhersagen über die
weitere Zugbahn einschließlich ihrer Unsicherheit abgeleitet werden.
Mit zunehmender Vorhersagezeit stößt das Nowcasting jedoch an
Grenzen. Gewitterzellen werden nicht einfach nur verlagert, sondern
können sich verstärken, abschwächen, auflösen oder neu entstehen.
Solche Entwicklungen lassen sich nicht allein aus der bisherigen
Bewegung ableiten. Hier kommen numerische Wettervorhersagemodelle
(NWV) ins Spiel. Sie berechnen auf Grundlage der physikalischen
Prozesse in der Atmosphäre deren weitere Entwicklung und können damit
deutlich weiter in die Zukunft blicken. Für die hochaufgelöste
numerische Kurzfristvorhersage wird am DWD unter anderem ICON-D2
eingesetzt.
Damit treffen zwei unterschiedliche Stärken aufeinander: Nowcasting
beschreibt besonders gut, was gerade passiert, während die numerische
Wettervorhersage besser darin ist, zu beschreiben, was daraus
entstehen kann. Allerdings können kleinräumige Strukturen wie
Gewitterzellen in der numerischen Wettervorhersage zu Beginn noch
nicht optimal erfasst werden. Gerade bei schnelllebiger Konvektion
kann es daher zunächst zu Abweichungen bei Position, Struktur und
Intensität kommen.
Bisher entstand dadurch ein Übergang zwischen den beiden
Vorhersagemethoden. Anschaulich lässt sich dies beispielsweise in der
WarnWetter-App beobachten: Geht man mit dem Zeitslider in die
Zukunft, werden Gewitterzellen zunächst auf Grundlage des Nowcastings
ohne Entwicklung weiterverlagert. Später übernimmt die numerische
Wettervorhersage. Zwischen beiden Ansätzen entsteht dabei ein
deutlich sichtbarer Bruch.
Wie diese Verbindung verbessert werden kann, zeigt das folgende
Diagramm.
Das Diagramm stellt vereinfacht dar, wie sich die Qualität
verschiedener Vorhersageverfahren mit zunehmender Vorhersagezeit
verändert. Auf der horizontalen Achse nimmt die Vorhersagezeit von
der unmittelbaren Gegenwart in die Zukunft zu. Die vertikale Achse
beschreibt die Vorhersagequalität: Je höher der Wert, desto besser
die Vorhersage.
Die rote Kurve zeigt die Vorhersagequalität des Nowcastings. Zu
Beginn ist sie besonders hoch, da aktuelle Beobachtungen direkt in
die Vorhersage eingehen. Mit zunehmender Vorhersagezeit nimmt die
Qualität jedoch ab. Die blaue Kurve beschreibt die numerische
Wettervorhersage. Sie startet zunächst auf einem niedrigeren
Qualitätsniveau, gewinnt aber mit zunehmender Vorhersagezeit an
Bedeutung und übertrifft schließlich das Nowcasting.
Genau hier setzt SINFONY, das ?Seamless INtegrated FOrecastiNg
sYstem? an. Die Grundidee besteht darin, die Stärken beider Verfahren
zu verbinden: die hohe Qualität des Nowcastings für die unmittelbare
Zukunft und die physikalisch konsistente Entwicklung der numerischen
Wettervorhersage für die weitere Zukunft.
Dazu werden zunächst beide Seiten verbessert. Im Diagramm ist dies
durch die gestrichelten Linien dargestellt. Das Nowcasting wird unter
anderem durch verbesserte Verfahren wie KONRAD-3D sowie durch eine
höhere Datenqualität und verbessertes Postprocessing
weiterentwickelt.
Auch die numerische Wettervorhersage wird speziell für diesen kurzen
Vorhersagezeitraum verbessert. Mit ICON-RUC wird ein lokales Modell
eingesetzt, das jede Stunde neu gestartet wird. RUC steht dabei für
?Rapid Update Cycle?. Durch die häufigere Aktualisierung steht ein
deutlich aktuellerer Modellzustand zur Verfügung. Zudem wurde das
Modell darauf ausgerichtet, beobachtete Radarstrukturen möglichst
realistisch zu simulieren.
Damit können die Informationen aus beiden Welten miteinander
verbunden werden. Für das Nowcasting werden die Unsicherheiten der
vorhergesagten Zellbewegungen berücksichtigt. Gleichzeitig können auf
das ICON-RUC-Ensemble entsprechende Verfahren angewendet werden,
sodass sich Informationen über mögliche Zellpositionen und
Entwicklungen aus Nowcasting und numerischer Wettervorhersage
kombinieren lassen. Daraus können unter anderem Wahrscheinlichkeiten
für das Auftreten und die weitere Entwicklung konvektiver Zellen
abgeleitet werden.
Das Ergebnis ist unter anderem die Grundidee von KONRAD-3D-SINFONY:
Statt zwischen zwei unterschiedlichen Vorhersagemethoden
umzuschalten, soll eine möglichst nahtlose Vorhersage entstehen, vom
aktuell beobachteten Wetter bis in die weitere Kurzfrist.
SINFONY verbindet damit das Beste aus beiden Welten: die Stärke des
Nowcastings in der unmittelbaren Zukunft mit der Stärke der
numerischen Wettervorhersage beim Blick in die weitere Zukunft.


MDipl.-Met. Christian Herold

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.08.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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