|
Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
|
Wetter aktuell
LEONIE - Die Schnee- und Eisbringerin!
Tief LEONIE sorgte und sorgt für turbulentes Winterwetter zum
Wochenbeginn. Mehr dazu im heutigen Thema des Tages.
Zum Teil hochwinterlich präsentiert sich der heutige Wochenstart!
Tief LEONIE, das sich heute Vormittag über dem Osten Deutschlands
befindet, brachte seit gestern Nachmittag beziehungsweise in der
vergangenen Nacht in einem breiten Streifen vom Süden bis in den
Norden verbreitet 5 bis 15 cm, im Süden lokal bis zu 30 cm Neuschnee
- zumeist innerhalb von 12 Stunden. Während dort die
Verkehrsteilnehmer mit den zum Teil tief eingeschneiten Straßen und
Wegen zu kämpfen hatten (und haben), war es im Osten und Nordosten
das Glatteis, das zu erheblichen Beeinträchtigungen geführt hat.
Zwischen Ostsachsen und Mecklenburg-Vorpommern fielen bis heute früh
verbreitet 5 bis 10 l/qm Regen innerhalb von 6 bis 12 Stunden auf die
gefrorenen Böden.
LEONIE zieht im Tagesverlauf ganz langsam und unter Abschwächung
ost-nordostwärts und erreicht Dienstagfrüh Polen. Bis dahin werden
weitere Schneefälle gegen den Uhrzeigersinn um den Tiefkern
herumgeführt. Davon betroffen sind grob gesprochen die Regionen vom
Norden bis zur bayerischen Donau, wo sich durchaus noch einmal der
ein oder andere Zentimeter Neuschnee ansammelt.
Das meiste fällt voraussichtlich in einem Streifen vom Spessart bis
in den Bayerischen Wald sowie in Ostholstein, wo bis in die Nacht zum
Dienstag durchaus nochmals bis zu 10 cm, lokal vielleicht auch noch
etwas mehr an Neuschnee innerhalb von 12 Stunden zu erwarten ist. Im
Norden ist der Schnee zudem recht nass, sodass es gerade in
Ostholstein örtlich zu Schneebruch kommen kann.
So gut wie gar nichts mitbekommen von Schnee und Glatteis (oder
höchstens durch die Medien) hat man dagegen vor allem westlich des
Rheins, wo LEONIEs Niederschläge nicht ankamen.
In der Nacht zum Dienstag klingt der Schneefall allmählich ab, sodass
der Dienstag selbst erst einmal recht ruhig startet. Wer nun aber auf
anhaltenden, trockenen und vielleicht sogar sonnigen
Hochdruckeinfluss hofft, bei dem sich das hauseigene Winterwonderland
(zumindest da, wo Schnee liegt) genießen lässt, wird herbe
enttäuscht. Denn der Blick geht schon wieder gen Atlantik, wo ein
großräumiger Tiefdruckkomplex rund um die Tiefs MARILU und NORMA
auszumachen ist. NORMA schickt uns im Lauf der zweiten Tageshälfte
einen Ausläufer zu uns, der mit feuchtmilder Luft Regenfälle von
Südwesten her auf Deutschland übergreifen lässt. Während diese im
Westen und Südwesten zunächst meist unproblematisch sein dürften,
wird es abends mit Vorankommen in die mittleren Landesteile
interessant. Vor allem im Mittelgebirgsraum droht dann erneut
Glatteis durch gefrierenden Regen.
Mit Übergreifen der Niederschläge auf die Nordosthälfte in der Nacht
zum Mittwoch gehen sie in Schnee über. Ähnliches wird im Laufe des
Mittwochs auch wieder in Teilen Süddeutschlands der Fall sein.
Kurzum: Spätestens ab der Nacht zum Mittwoch wird es wieder bunt auf
den Radarbildern, die einen "wilden" Mix aus Schneefall, Schneeregen,
Regen und gefrierendem Regen zeigen werden. Und daran ändert sich
wohl auch den Rest der Woche über nichts.
Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
|
|
Wissenschaft kompakt
Februar 1956 - Ein Leben wie im Eisschrank
Vor 70 Jahren suchte Deutschland eine extreme Kältewelle heim, die
fast den gesamten Februar 1956 andauerte. Im heutigen Thema des Tages
blicken wir auf diese historische Wetterlage zurück.
Der diesjährige Winter war bisher kälter als die der vergangenen
Jahre und zumindest in der Nordhälfte und im Osten gab es regional
auch schon jede Menge Schnee. Dabei verlief der Januar bisher dennoch
"nur" durchschnittlich, verglichen mit der Periode 1991-2020. Wem
dies schon kalt vorkam, wird staunen, was sich vor 70 Jahren
ereignete. Im Februar 1956 suchte eine extreme Kältewelle Deutschland
und weite Teile Europas heim. Die Durchschnittstemperatur lag damals
in Deutschland mit -9,6°C unglaubliche 10 Grad unter dem langjährigen
Mittel von 1961-1990 und 11,1 Grad unter dem von 1991-2020. Ähnlich
kalt war es zuvor auch schon im Februar 1929, welche die beiden
kältesten Monate seit Messbeginn in Deutschland darstellen.
Ältere Bürger werden sich sicher noch an diese Kältewelle aus
Kindheitstagen oder ihrer Jugend erinnern. Damit auch die jüngeren
unter uns eine Vorstellung davon bekommen, wie extrem diese
Kälteperiode war, vergleichen wir den Februar 1956 zunächst mit
kalten Monaten aus der jüngeren Vergangenheit. Der letzte
deutschlandweit kalte Februar ereignete sich im Jahr 2012, als bei
eisigen Temperaturen zahlreiche Flüsse zu Eis erstarrten. Damals lag
die durchschnittliche Februartemperatur allerdings gerade einmal bei
-2,5°C, also rund 7 Grad über der von Februar 1956. Auch die kalten
Monate Januar und Dezember 2010 waren mit -3,2 und -4,5°C deutlich
weniger eisig als dieser Ausnahmemonat.
Um in Deutschland derart kalte Temperaturen zu erreichen, müssen
viele Faktoren gleichzeitig zusammenspielen. Zum einen muss ein
andauerndes Hoch über dem Atlantik Tiefdruckgebieten den Weg zu uns
versperren, welche normalerweise von Westen feuchte und milde Luft im
Gepäck haben. Zum anderen müssen sowohl Hochdruckgebiete über
Skandinavien oder Nordosteuropa im Zusammenspiel mit tiefem Luftdruck
im Mittelmeerraum mit einer östlichen bis nordöstlichen Strömung
sibirische Kaltluft nach Deutschland transportieren. Außerdem kann
eine Schneedecke die nächtliche Abkühlung in sternenklaren Nächten
unterstützen. Diese Bedingungen waren 1956 gegeben.
Bereits Ende Januar nahm die extreme Kälteperiode ihren Anfang. Zum
Monatswechsel lag ein kräftiges Hoch über Skandinavien und ein Tief
über dem zentralen Mittelmeer. Zuvor konnte sich über Sibirien ein
massiver Kaltluftkörper bilden, der mit einer strammen Ostströmung
nach Deutschland gelangte, ohne sich deutlich zu erwärmen. Dadurch
verharrten die Temperaturen selbst tagsüber verbreitet bei -15°C, in
der östlichen Mitte stieg die Temperatur teils nicht über -20°C. Im
oberfränkischen Hof betrug die Höchsttemperatur unglaubliche -21,2°C.
Zu dieser Zeit lagen im Flachland nur wenige Zentimeter Schnee, in
Teilen Ostdeutschlands war es sogar schneefrei. Daher schlugen die
bitterkalten Nächte von vielfach -20, in der Mitte und im Süden
örtlich sogar bis -30°C, stellenweise als verheerende Kahlfröste
besonders schlimm zu. Im Erzgebirge sank in Marienberg die Temperatur
auf -35,5°C.
Ab dem 3. Februar sickerte im Nordwesten vorübergehend etwas mildere
Luft ein, sodass die Temperaturen dort tagsüber knapp über den
Gefrierpunkt stiegen, im Süden blieb es weiterhin frostig. Schon in
den Folgetagen baute sich über dem Atlantik ein neues Hochdruckgebiet
auf, das bis ins Nordmeer und nach Westsibirien vordrang. An dessen
Ostflanke zog am 8. Februar ein kleines Schneetief von Norden kommend
über die Osthälfte Deutschlands und lud dort verbreitet satte 10 bis
20 cm Schnee ab.
Ab dem 9. Februar kam, verursacht durch ein Hoch über Großbritannien
und der Nordsee, zusammen mit einem weiteren kräftigen Hoch über dem
Nordpolarmeer und einem Tief über dem zentralen Mittelmeer, eine
kräftige Nordostströmung in Gang, die erneut extrem kalte Luft nach
Deutschland führte. Außer im Nordwesten sank die Temperatur über der
Schneedecke verbreitet auf -20 bis -30°C. Schon in der Nacht zum 9.
Februar fiel die Temperatur in Görlitz in der Lausitz auf -30,8°C und
kam tagsüber nicht über -21,3°C hinaus. Der Höhepunkt dieser
Kältewelle war in der Nacht zum und am 10. Februar erreicht. Vor
allem in Sachsen und Bayern sanken die Temperaturen verbreitet auf
-25 bis -35°C. In Waldsassen (Oberpfalz) stürzte die Temperatur sogar
auf -36,3°C, in Wasserburg am Inn waren es -35,1°C. Auch tagsüber
blieb es bitterkalt. In der Südosthälfte lagen die Höchsttemperaturen
unter -10, am Alpenrand sogar unter -20°C. Im Oberallgäu betrug die
Höchsttemperatur in Oy-Mittelberg kaum vorstellbare -24,0°C, in Bad
Kohlgrub nahe Garmisch-Partenkirchen wurden maximal -23,8°C gemessen.
Damit war es dort ganztags kälter als in einem gewöhnlichen
Eisschrank.
Zwischen dem 13. und 16. Februar kreisten mehrere kleine Tiefs über
Mitteleuropa und brachten nun auch dem Westen Deutschlands eine
ordentliche Packung Schnee (20 bis 40 cm Neuschnee im Flachland).
Somit lag nun mit Ausnahme des Nordwestens fast flächendeckend im
Tiefland eine 15 bis 30, gebietsweise sogar 50 cm mächtige
Schneedecke. Zu allem Überfluss erneuerte sich danach nochmals die
Ostströmung und es dominierte in weiten Teilen Europas
Hochdruckeinfluss. Dauerfrost um -5°C, teils auch um -10°C, und
eisige Nächte von -10 bis unter -20°C waren die Folge. Im
Brandenburgischen Wustrau-Ziehtenhorst wurden in der Nacht zum 24.
Februar nochmals -30°C erreicht. Bis zum 27. Februar sank die
Temperatur in den Nächten gebietsweise unter -20°C.
Dennoch begann ab dem 25. Februar von Westen her eine leichte
Milderung und erste Wetterstationen meldeten positive Temperaturen.
Zum Monatsende stellte sich die Wetterlage grundlegend um. Mit einer
sich formierenden Westströmung wurde mildere Meeresluft herangeführt
und es setzte allmählich Tauwetter ein.
Die verheerende Kälteperiode ließ die meisten großen Flüsse
Deutschlands zufrieren. Selbst der Rhein erstarrte an vielen Stellen
zu Eis. In Mainz und weiter südlich konnte man auf den Eisschollen
des Rheins spazieren gehen und bei Bingen bildete sich ein Eisstau.
Dass wir nochmals einen ähnlich kalten Wintermonat wie vor 70 Jahren
erleben werden, ist im Zuge des Klimawandels sehr unwahrscheinlich
geworden, kann aber nicht völlig ausgeschlossen werden. Bei ähnlichen
Wetterkonstellationen wie damals kann es nach wie vor in Mitteleuropa
extreme Kältewellen geben. In der vorindustriellen Zeit lag die
Wiederkehrzeit solcher Kältewellen bei 50 bis 100 Jahren,
mittlerweile dürfte sie jedoch deutlich höher liegen.
Dr. rer. nat. Markus Übel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
|
|