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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wissenschaft kompakt
Geschichte der Meteorologie - Teil 13: Etablierung nationaler
meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (a)
Ab etwa 1800 setzten in den verschiedenen Staaten meteorologische
Entwicklungen hin zu nationalen meteorologischen Diensten ein.
Schwerpunkt dieser Abhandlung bilden Länder vorwiegend im westlichen
und nördlichen Europa.
Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die
Entwicklung bis um das Jahr 1800 beschrieben. In diesem Teil der
Serie zur Geschichte der Meteorologie wird die Gründung und
Etablierung nationaler meteorologischer Institute, die als Vorläufer
nationaler Wetterdienste gelten, im westlichen europäischen Raum
beleuchtet. Abweichend von den bisherigen Folgen erfolgt die
Gliederung hier nach Nationen. Entwicklungen im östlichen und
südlichen europäischen Raum sowie außerhalb Europas und in Richtung
internationaler Institutionen werden in weiteren separaten Teilen der
Serie behandelt.
Ende des 18. Jahrhunderts setzte sich die Erkenntnis durch, dass ein
internationales meteorologisches Messnetz an Wetterstationen
eingerichtet werden sollte. Erste Versuche hierzu waren die
Bemühungen der "Academia del Cimento" in Florenz 1654,
durchschlagende Ergebnisse brachte die Societas Meteologica Palatina
ab 1780 zustande. Diese Gesellschaft organisierte als erste die
Durchführung und Veröffentlichung weltweiter Wetterbeobachtungen.
Im Zuge sozialer Umwälzungen in Frankreich durch die und im Nachgang
der Französischen Revolution 1789 gleichzeitig auftretenden
Missernten legte die neue Regierung den Fokus auf die Landwirtschaft
und die diese beeinflussende Meteorologie. Zu Beginn des 19.
Jahrhunderts waren zahlreiche meteorologische Stationen in den Rahmen
wissenschaftlicher Gesellschaften oder universitärer Schulen
eingebunden, die unabhängig voneinander arbeiteten. 1854 wurde ein
Messnetz zur Niederschlagsmessung eingeführt, mit dem Hochwasser an
Flüssen, besonders an der Seine, prognostiziert werden sollte. 1854
zeigte der französische Mathematiker und Astronom Urbain Le Verrier
(1811-1877), dass ein Sturm über dem Schwarzen Meer über Europa
verfolgt werden konnte, dieser hätte bei Nutzung von Telegraphen
vorhergesagt werden können. Dies führte zur Gründung eines
meteorologischer Dienstes am zentralen Observatorium Paris 1855. Le
Verrier wurde zu dessen Direktor bestellt. Nur drei Tage nach der
Gründung des meteorologischen Dienstes präsentierte er die erste
Wetterkarte Frankreichs. Die Koordination der meteorologischen
Messungen war für ihn mit Schwierigkeiten verbunden. 1857 wurden
erstmals meteorologische Beobachtungen in tabellarischer Form
veröffentlicht. 1863 wurde erstmals in einer Karte eine barometrische
Analyse des Vortags publiziert. Diese Karten wurden nachfolgend an
Häfen verteilt. Von 1864 bis 1877 wurden 58
Wetterbeobachtungsstationen in reguläre Schulen eingebunden. Um
Hagelschäden einzugrenzen, wurde 1865 mit dem Studium von
Gewitterwolken begonnen. Beobachter waren angehalten, aufgetretene
Schäden mit den beobachteten Gewitterwolken in Zusammenhang zu
bringen. Dies führte zur Analyse einer Schadenslinie, jenem Weg,
welchen ein Gewitter zurücklegte. 1870 wurde das gemessene
Regenwasser untersucht, um Rückschlüsse auf die chemische
Zusammensetzung der Atmosphäre zu gewinnen. 1878 wurde das Zentrale
Meteorologische Büro in Frankreich gegründet. Dieses sollte die
Wetterbeobachtungsstationen neu organisieren, Warnhinweise für Häfen
und Landwirte ausgeben und Studien zu Bewegungen in der Atmosphäre
durchführen. Erster Direktor wurde der französische Physiker und
Meteorologe Eleuthere Mascart (1837-1908). Er führte einen Warndienst
sowie eine klimatologische Abteilung ein und vergrößerte das Messnetz
auf 160 Stationen, darunter Regional- und Bergstationen. 1898 wurde
der erste französische Wetterballon gestartet. 1921 wurde das
Zentrale Meteorologische Büro in ein Nationales Meteorologisches Amt
aufgewertet. 1922 wurden täglich meteorologische Berichte ausgegeben.
Im Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland wurden im 19.
Jahrhundert zunächst nur unkoordinierte individuelle
Wetterbeobachtungen durchgeführt. 1840 untersuchte die
Statistik-Abteilung einen Zusammenhang zwischen sozialen Faktoren,
hier besonders die Anzahl von Todesfällen und meteorologischen
Phänomenen. Dies veranlasste den britischen Meteorologen und
Aeronauten James Glaisher (1809-1903) von der Abteilung für
Erdmagnetismus und Meteorologie des Observatoriums Greenwich, die
Beobachtungen der Wetterstationen zu koordinieren. So entstand 1845
ein Messnetz aus neun Stationen, 1875 war das Messnetz auf 50
Stationen angewachsen. 1848 wurden erstmals in der Londoner Zeitung
"Daily News" Wetterbeobachtungen in verschiedenen britischen Städten
veröffentlicht. 1850 wurde die British Meteorological Society ins
Leben gerufen. Der erste offizielle meteorologische Dienst wurde 1854
als "Meteorologische Abteilung im Handelsministerium" in Westminster
gegründet. Hauptaufgabe war das Sammeln, die Verifikation und die
Analyse meteorologischer Beobachtungsdaten von Schiffen und von
Küstenstationen. 1861 wurden Wettervorhersagen an Zeitungen
veröffentlicht. Im selben Jahr begann der erste Direktor der
meteorologischen Abteilung, der britische Marineoffizier und
Meteorologe Robert FitzRoy (1805-1865), Sturmereignisse zu
untersuchen. Dabei fertigte er Karten an, die er zunächst als
"synoptische Karten" bezeichnete. Der Begriff leitet sich vom
griechischen Wort "synoptikos" ab, was so viel wie "einen Überblick
gebend" bedeutet. Auf diesen Karten waren Sturmzentren und
umströmende Luftbewegungen verzeichnet. Nach seinem Tod endeten die
Wettervorhersagen und ein Ständiger Ausschuss führte den Dienst
weiter. 1867 wurde ein Wetterdienst gegründet, welcher vom
Handelsministerium getrennt war. Dieser Dienst umfasste Abteilungen
für Seewetterkunde, meteorologische Telegraphenberichte und
Agrarmeteorologie. Erster Direktor wurde der irische Meteorologe
Robert Henry Scott (1833-1916). Zwischen 1867 und 1874 wurden Marine-
und Handelsschiffe mit Barometern, Hygrometern und Thermometern
ausgestattet. Damit konnten meteorologische Beobachtungen aus allen
Weltmeeren von Grönland bis Australien gewonnen werden, was zur
Optimierung von Routen in der Seeschifffahrt führte. Beobachtungen an
Land wurden ab 1868 an mehreren Hauptobservatorien durchgeführt,
unter anderem Kew (London), Falmouth (Cornwall), Stonyhurst
(Nordengland), Aberdeen, Glasgow (beide Schottland) und Armagh
(Nordirland). Die meteorologische Gesellschaft (heute Royal
Meteorological Society) koordinierte die Sammlung der
meteorologischen Daten. Diese waren maßgeblich für die spätere
Theorie der Bildung der Kaltfront der Bergener Schule in Norwegen.
Ein Hauptaugenmerk des meteorologischen Dienstes war die
Sturmvorhersage für die Seeschifffahrt. Eine erste Sturmwarnung wurde
1868 veröffentlicht. Diese Prognosen existieren bis heute und sind
unter dem Namen Shipping Forecast (Seewetterdienst) bekannt.
Wetterprognosen wurden wieder ab 1879 erstellt. Erwähnenswert ist,
dass Niederschlagsmessungen unabhängig davon durch die 1859
gegründete "British Rainfall Organization" durchgeführt wurden. Deren
Messnetz wuchs zwischen 1862 und 1903 von 453 auf 4200 Stationen.
1911 wurden erstmals im Seewetterdienst Vorhersagegebiete als
Seegebiete definiert. 1919 wurde die Niederschlagsmessung in den
britischen Wetterdienst integriert.
In Belgien waren die wichtigsten meteorologischen Aktivitäten am
Königlichen Astronomischen Observatorium in Brüssel konzentriert.
Dessen Direktor, der belgische Astronom und Statistiker Adolphe
Quetelet (1796-1874) stellte 1823 fest, dass es unmöglich sei,
astronomische Beobachtungen ohne Kenntnisse der Struktur von Erde und
Atmosphäre zu analysieren. 1833 starteten dort meteorologische
Messungen und 1839 folgten phänologische Beobachtungen. Quetelet
versuchte, statistische Erkenntnisse auf den Gebieten der
Meteorologie und des Erdmagnetismus anzuwenden. Er veröffentlichte
zwischen 1845 und 1857 eine ausführliche Monographie zum Klima von
Belgien. Sein Nachfolger, der belgische Astronom, Geograph und
Biologe Jean-Charles Houzeau (1820-1888) gründete 1878 ein Messnetz
aus meteorologischen und klimatologischen Stationen, welches
regelmäßige Beobachtungsdaten hoher Qualität lieferte. 1898 begann
der meteorologische Dienst des Brüsseler Observatoriums als eigene
Institution zu arbeiten. Erster Direktor war der belgische Astronom
und Meteorologe Albert Lancaster (1849-1908).
Unter Leitung des niederländischen Wissenschaftlers Christoph Buys
Ballot (1817-1890) starteten nach dem Bau eines kleinen
meteorologischen Observatoriums auf der Bastion Sonnenborgh in
Utrecht 1847 meteorologische Messungen im Staatsgebiet der
Niederlande. Dieses Observatorium wurde 1854 zum
Königlich-Niederländischen Meteorologischen Institut (KNMI), dessen
Direktor Ballot bis zu seinem Lebensende blieb. 1854 startete ein
kleines Messnetz mit vier Stationen in Utrecht, Groningen, Gelder und
Vlissingen mit je drei täglichen Wetterbeobachtungen, das schnell
ausgebaut wurde. Durch diese Beobachtungen erkannte man den
Zusammenhang zwischen Luftdruck und Windrichtung, wodurch Ballot 1857
das Barische Windgesetz (Gesetz von Buys-Ballot) formulieren konnte.
Durch verschiedene Kolonien besonders in Südostasien bestand reges
Interesse, meteorologische Beobachtungen auf Schiffen durchzuführen.
Ab 1856 wurden maritim-meteorologische Karten publiziert. Ballot
ergänzte sein Messnetz um internationale Stationen und unterstützte
die Einrichtung von Forschungsstationen rund um die Polarregionen im
Rahmen eines Polarjahres. Ballot gilt als Begründer der Meteorologie
in den Niederlanden und Initiator der internationalen Klimaforschung.
Unter der Leitung des niederländischen Meteorologen Maurits Snellen
(1840-1907) wurde 1897 das KNMI an seinen heutigen Standort in De
Bilt verlegt.
Die Bildung eines meteorologischen Netzwerkes in den deutschen
Staaten wurde durch die politische Zersplitterung im 19. Jahrhundert
stark erschwert und unterblieb daher.
Der preußische Meteorologe, Geograph und Statistiker Wilhelm Mahlmann
(1812-1848) organisierte 1846 ein vorläufiges, 35 Stationen
umfassendes meteorologisches Beobachtungsnetz in Preußen. 1847 wurde
das Königlich Preußische Meteorologische Institut (PMI) als Abteilung
des Preußischen Statistischen Instituts gegründet, welches als
meteorologische Zentralstelle des Beobachtungsmessnetzes diente. Die
wesentlichen wissenschaftlichen Aktivitäten wurden von dem
preußischen Geographen Alexander von Humboldt (1769-1859)
koordiniert. Der Schwerpunkt der Forschung lag auf der
Agrarmeteorologie. 1849 wurde der Physiker und Meteorologe Heinrich
Wilhelm Dove (1803-1879) aus Schlesien Institutsdirektor. Dove
stellte das nach ihm benannte Gesetz der Drehung der Winde auf und
gilt als Begründer der heutigen Wissenschaft der Meteorologie und der
Wettervorhersage. Er veröffentlichte 1828 Wetterkarten, die
Windbewegungen an stürmischen Tagen zwischen 1821 und 1823 zeigen.
1865 wurde in Berlin eine "Zentralstelle für Sturmwarnungen"
eingerichtet. Eine intensivere Mitwirkung des Preußischen
Meteorologischen Instituts an der internationalen Entwicklung kam
erst wieder unter dem Meteorologen und Klimatologen Gustav Hellmann
(1854-1939) aus Schlesien, der von 1882 bis 1885 als Interimsleiter
eingesetzt war, sowie dem bayerischen Physiker und Meteorologen
Wilhelm von Bezold (1837-1907), der von 1885 bis 1907 im Deutschen
Reich ordentlicher Leiter des Instituts war, zustande. 1891 wurde das
Observatorium in Potsdam fertiggestellt. Erdmagnetmessungen starteten
1890, meteorologische Messungen folgten ab 1893. Erster Direktor
wurde der preußische Meteorologe Adolf Sprung (1848-1909).
1867 wurde in Hamburg durch den Mathematiker und Ozeanographen
Wilhelm von Freeden (1822-1894) aus Ostfriesland die Norddeutsche
Seewarte gegründet. Sie und ihr Nachfolger, die 1875 gegründete
Deutsche Seewarte, war eine Zentralanstalt zur Förderung der
maritimen Meteorologie im Deutschen Reich. Erster Direktor wurde der
aus der bayerischen Pfalz stammende Geophysiker und Polarforscher
Georg von Neumayer (1826-1909). Der Deutschen Seewarte oblag der 1875
neu geschaffene Seewetterdienst, den der russisch-deutsche Geograph
und Meteorologe Wladimir Köppen (1846-1940) leitete. Die Deutsche
Seewarte koordinierte die Forschung der maritimen Meteorologie sowie
die Sammlung von Beobachtungen über physikalische Verhältnisse des
Meeres und die meteorologischen Erscheinungen auf hoher See, die in
Schiffsjournalen (Logbücher) durch die Schiffskapitäne erfasst
wurden. Die Prüfung meteorologischer Messinstrumente sowie
Chronometer und ab 1906 die Bearbeitung der Küstenmeteorologie und
des Sturmwarnungswesens waren ebenfalls wesentliche Arbeitsinhalte
der Deutschen Seewarte. Dazu wurden Zweigniederlassungen,
Nebenstellen und Überseestationen aufgebaut. Ab 1876 wurden tägliche
Wetterkarten veröffentlicht. Die Deutsche Seewarte gilt als Vorgänger
des Deutschen Wetterdienstes.
In Bayern hatte der bayerische Naturforscher Gabriel Knogler
(1759-1838) ab 1798 die Leitung des meteorologischen Observatoriums
und die erste Professur für Meteorologie an der Kurfürstlichen
Baier'schen Landesuniversität zu Landshut inne. Er gab 1802 das erste
deutsche meteorologische Lehrbuch "Die Meteorologie" heraus. 1879
wurde die Königlich Bayerische Meteorologische Centralstation in
München gegründet. Im selben Jahr begannen meteorologische Messungen.
1882 gab es in Bayern 45 Wetterstationen. 1883 richtete der
bayerische Meteorologe Fritz Erk (1857-1909) eine meteorologische
Bergstation auf dem Wendelstein ein. 1893 wurde er Direktor der
Centralstation. 1900 richtete er auch die Wetterwarte auf der
Zugspitze ein. 1910 übernahm der deutsche Physiker, Meteorologe und
Klimatologe August Schmauß (1877-1954) die Leitung der Centralstation
von Erk. 1917 wurde die Centralstation in Bayerische
Landeswetterwarte umbenannt.
Auch in anderen damaligen deutschen Ländern wurden Wetterstationen
eingerichtet. 1882 gab es beispielsweise in Württemberg 24 und in
Baden 16 meteorologische Stationen.
Für die Einrichtung eines Wetterdienstes in Norwegen spielte der
große Bedarf an Wetterberichten für die riesigen Fischereiflotten und
Handelsschiffe eine entscheidende Rolle. Der Leiter des
Telegraphendienstes, der norwegische Regierungsbeamte Carsten Tank
Nielsen (1818-1892), stattete 1860 fünf seiner Stationen mit
meteorologischen Instrumenten aus. Von diesen Stationen aus wurden
Berichte per Telegraph nach Christiania (dem heutigen Oslo) und an
das Pariser Observatorium gesendet, das zu dieser Zeit begann,
regelmäßige Wettervorhersagen zu erstellen. Der Wetterbeobachter an
der Sternwarte in Christiania war 1864 der norwegische Meteorologe
und Ozeanograph Henrik Mohn (1835-1916). Er sandte der
Polytechnischen Gesellschaft einen Bericht mit dem Titel "Moderne
Meteorologie und Wettervorhersage". Daraufhin begannen Vorbereitungen
zur Gründung eines Departments für Meteorologie an der Universität
Christiania. Das Meteorologische Institut wurde 1866 gegründet und
Mohn wurde zum ersten Direktor bestellt. Er erhöhte rasch die Anzahl
der Wetterstationen. Die dort gesammelten Daten erlaubten
klimatologische Studien, die Mohn als "Klimaatlas für Norwegen" 1916
publizierte. Mohn gilt als Begründer der Meteorologie und
Ozeanographie in Norwegen. 1870 wurde der "Sturmatlas des
Norwegischen Meteorologischen Institutes" veröffentlicht. Das
meteorologische Observatorium in Christiania wurde 1906 eröffnet.
Neben anderen Messungen wurden dort auch Messungen der
atmosphärischen Elektrizität durchgeführt. Um den Zustand der
Atmosphäre in verschiedenen Höhen zu untersuchen, wurden 1909 in
Christiania Messungen mit Versuchsballons aufgenommen.
Erste meteorologische Messungen in Schweden wurden 1722 am
Observatorium in Uppsala durchgeführt. Diese Daten wurden erst 1855
veröffentlicht. Das erste meteorologische Netzwerk wurde auf
Initiative des schwedischen Physikers und Meteorologen Erik Edlund
(1819-1888) innerhalb der Schwedischen Akademie der Wissenschaften
1856 bis 1858 eingerichtet. Die Akademie gründete 1873 das Zentrale
Meteorologische Institut (Meteorologiska Centralanstalt) in
Stockholm. Erster Direktor wurde Edlund. Das Messnetz bestand 1879
aus 32 Wetterstationen. Die Schwedische Gesellschaft für
Landwirtschaft gründete 1876 ein Niederschlagsmessnetz mit über 200
Stationen. Der Direktor des Observatoriums in Uppsala, der
schwedische Meteorologe Hugo Hildebrand Hildebrandsson (1838-1925),
hat hierzu einen besonderen Beitrag geleistet. Zu den Messungen und
Beobachtungen gehörten: Gewitterwolken, Hagelschäden, nächtliche
Herbst- und Frühlingsfröste sowie das Auftauen und Zufrieren vieler
Flüsse und Seen in Schweden. Insbesondere wurden erstmals
Mikroklimamessungen der Lufttemperatur in verschiedenen Höhen über
dem Boden durchgeführt. Die Bewegungen von Cirrus-Wolken wurden
beobachtet. Hildebrandsson organisierte solche Wolkenbewegungen an 21
Stationen, um die Luftströmungen in der Höhe zu untersuchen.
Hildebrandsson war maßgeblich an der Klassifizierung Wolken beteiligt
und gilt als Entdecker der Southern Oscillation, da ihm erstmals
Zusammenhänge der Luftdruckschwankungen zwischen Sydney und Buenos
Aires aufgefallen waren. 1878 wurde in Stockholm eine kleine
Abteilung für nautische Meteorologie (Nautisk Meteorologiska Buran)
gegründet. Die Messungen wurden auf einer kleinen Anzahl von Schiffen
während der Fahrt über den Atlantik durchgeführt. 1880 wurden die
ersten Wettervorhersagen veröffentlicht. 1908 wurde ein
hydrographischer Dienst gegründet, der insbesondere im Bereich der
Niederschläge und der Schneebedeckung eng mit dem Zentralen
Meteorologischen Institut kooperierte.
Der spanische Mediziner Francisco Fernandez Navarrete (1680-1742)
schlug 1737 vor, ein meteorologisches Beobachtungsnetz in Spanien zu
errichten. Beobachtungsberichte sollten an die Königliche Akademie
für Medizin in Madrid gesendet werden. Es gingen nur wenige Berichte
ein. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts nahmen astronomische und
meteorologische Aspekte beim Militär und in der Marine Spaniens einen
höheren Stellenwert ein. Der Seefahrer Alessandro Malaspina di
Mulazzo (1754-1809) aus der Toskana und der Generalkapitän der
dortigen Marine, der spanische Marineoffizier Pedro Fitz-James Stuart
(1720-1791), legten 1790 einen Vorschlag zur Einrichtung eines
Netzwerks von Wetterbeobachtungsstationen vor. In diesem wurden nur
Wetterbeobachtungen von 1814 bis 1834 zusammengetragen und keine
Messungen, was den wissenschaftlichen Wert schmälerte. 1847 wurde das
Astronomische Observatorium Madrid fertiggestellt, welches als
meteorologisches Zentrum für Spanien galt. 1850 wurde ein Messnetz
mit 23 Wetterstationen eingerichtet, deren Organisationsgrad ab 1858
durch die Junta de Estadistica, die Statistische Kommission,
verbessert wurden. 1874 begannen systematische Wetterbeobachtungen
und Messungen auf Schiffen.
In Portugal wurden zwischen November 1724 und Januar 1725 erstmals
täglich mit Instrumenten gemessene Wetterdaten in Lissabon durch den
portugiesischen Mediziner Diogo Nunes Ribeiro (1668-1744)
aufgezeichnet. Am 19. November 1724 traf ein schwerer Sturm Lissabon,
was in den Aufzeichnungen mit einem Druckfall des Barometers von 37
hPa in 26 Stunden ablesbar war. Aus Funchal auf Madeira liegen
Aufzeichnungen von Temperatur, Luftdruck und Niederschlag zwischen
1749 und 1753 vor, die der englische Mediziner Thomas Heberden
(1703-1769) durchführte. 1853 wurde das erste Meteorologische und
Geophysikalische Observatorium an der Polytechnischen Schule auf
Vorschlag des portugiesischen Mathematikers Guilherme Pegado
(1803-1885) gegründet, der dann zum ersten Direktor bestellt wurde.
Er schlug die Etablierung eines Messnetzes vor und 1854 starteten
systematische Messungen. 1856 wurde das Observatorium in den heute
noch bekannten Namen Observatorium des Institutes Dom Luis umbenannt.
Neben meteorologischen Beobachtungsreihen war Pegado auch an
Messungen des Erdmagnetismus und atmosphärischer Elektrizität
interessiert. 1865 wurden Wetterstationen auf den Azoren und auf
Madeira eröffnet. Ab 1865 wurden Wettervorhersagen für Portugal
erstellt, ab 1882 wurden Analysekarten veröffentlicht, die die
Wettersituation darstellten. Verbindungen zu meteorologischen
Beobachtungen durch Stationen in Kolonien wie Macau und Angola waren
mit Schwierigkeiten verbunden. Schwerpunkte meteorologischer
Forschung verlagerten sich zum Atlantik. 1901 begann ein unabhängiger
meteorologischer Dienst auf den Azoren. Nach Eingliederung der
Polytechnischen Schule in die Fakultät für Naturwissenschaften der
Universität Lissabon war das nun bezeichnete Zentrale Meteorologische
Observatorium für den nationalen Klimadient verantwortlich. 1937
wurde der portugiesische Physiker Herculano Amorim Ferreira
(1895-1974) von den Azoren zum Direktor des Observatoriums bestellt.
Er erweiterte die meteorologischen Aufgaben des Observatoriums. 1946
wurde der nationale meteorologische Wetterdienst gegründet, dessen
erster Direktor Ferreira wurde.
Über frühe meteorologische Messungen in Dänemark liegen nur wenige
Erkenntnisse vor. 1742 wurde die Königliche Dänische Akademie der
Wissenschaften gegründet, die kurz darauf erste meteorologische
Messungen am Rundetaarn-Observatorium in Kopenhagen veranlasste.
Erste systematische meteorologische Beobachtungen liegen für
Kopenhagen ab 1768 vor. Der dänische Physiker und Chemiker und
Naturphilosoph Hans Christian Oersted (1777-1851) schlug 1820 vor,
dass systematische Beobachtungen meteorologischer Bedingungen in
Dänemark durchgeführt werden sollten. Doch erst nach einem berühmten
Ereignis während des Krimkriegs 1854, als ein Sturm die
englisch-französische Flotte überraschte (siehe auch im Abschnitt zu
Frankreich oben), kam Bewegung in die Sache. Auf Initiative des
dänischen Physikers und Ingenieurs Ludwig August Colding (1815-1888)
wurde 1872 das Dänische Meteorologische Institut gegründet. Colding
forschte besonders zur Wärmelehre, er veröffentlichte auch ein Werk
über tropische Zyklonen. Das Institut hatte unter seinem ersten
Leiter, dem dänischen Meteorologen Niels Hoffmeyer (1836-1884),
anfangs vier Mitarbeiter und sollte Beobachtungsdaten beschaffen,
diese an die Öffentlichkeit verbreiten und die Meteorologie
wissenschaftlich weiterentwickeln. Hoffmeyer erwarb sich wesentliche
Verdienste durch die Zusammenstellung synoptischer Wetterkarten und
durch die Untersuchung der Einwirkung und Verteilung von Land und
Wasser auf Temperatur und Luftdruck an skandinavischen Küsten. 1873
wurden erstmals meteorologische Messungen auf Bornholm und 1874 auf
Jütland durchgeführt. Auf den Färöer-Inseln wurde eine Wetterstation
in Torshavn 1873 in Betrieb genommen. Seit dieser Zeit liegen
Temperaturdaten vor, Niederschlagsdaten folgen ab 1890. Auf Grönland
wurde die erste Wetterstation in Godthaab (Nuuk) 1784 errichtet. 1807
folgten weitere in Jakobshavn (Ilulissat) in West- und Julianehaab
(Qaqortoq) in Südgrönland. Die erste Wetterstation in
Nordwestgrönland startete 1873 in Upernarvik mit Messungen. Aus
Ostgrönland liegen seit 1895 durch die Wetterstation Ammassalik
(Tasiilaq) Messdaten vor. Nordgrönland folgte erst 1948 mit einer
Wetterstation in Pituffik.
Island gehörte lange Zeit zu Dänemark. Im 17. und 18. Jahrhundert war
es nur wenigen Isländern vergönnt, eine naturwissenschaftliche
akademische Ausbildung in Kopenhagen zu erlangen. Die Royal Society
in London schickte 1664 ein Thermometer nach Island. Nur in einem
Brief aus dieser Zeit wurde es erwähnt und somit ist unklar,
inwieweit es eingesetzt wurde. Ungünstige Wetterbedingungen und
Meereisverhältnisse führten wiederholt zu Hungerkatastrophen auf
Island. Die ersten Wetterbeobachtungen führte der dänische Jurist
Niels Horrebow (1712-1760) während eines Islandaufenthaltes von
August 1749 bis zum Juli 1751 in Bessastadhir durch. Horrebow
veröffentlichte das Werk "Tilforladelige efterretninger om Island"
(Die Naturgeschichte von Island). 1779 errichtete die Königlich
Dänische Akademie der Wissenschaften ein erstes meteorologisches und
astronomisches Observatorium in Lambhus nahe Reykjavik. Daneben gab
es meteorologische Messungen durch Privatpersonen, beispielsweise
durch den isländischen Schriftsteller und Distriktverwalter Magnus
Ketilsson (1732-1803) zwischen 1779 und 1802 in Budhardalur sowie den
isländischen Mediziner und Naturforscher Sveinn Palsson (1762-1840)
zwischen 1798 und 1812 im Süden Islands. Palsson veröffentlichte ein
grundlegendes Werk zur isländischen Glaziologie und Vulkanologie.
1807 wurde eine Wetterstation im Norden Islands in Akureyri eröffnet
und eine siebenjährige Messreihe begann. Der isländische Mediziner
Jon Thorsteinsson Thorstensen (1794-1855) führte 1820 bis 1854 in
Zusammenarbeit mit der Königlich Dänischen Akademie der
Wissenschaften meteorologische Messungen in Reykjavik durch. Der
isländische Handels- und Heimatwissenschaftler Arni Olafsson
Thorlacius (1802-1891) führte von 1845 bis 1891 Messungen von
Temperatur, Luftdruck und Niederschlag in Stykkisholmur durch, was
den Beginn systematischer Messungen in Island markierte. 1920, zwei
Jahre nach der Unabhängigkeit Islands, wurde Vedhurstofa Islands, der
Isländische Meteorologische Dienst, gegründet. Erster Direktor wurde
der isländische Physiker und Meteorologe Thorkell Thorkelsson
(1876-1961).
Im nächsten Teil dieser Serie wird dieselbe Entwicklung im östlichen
und südlichen Teil Europas beleuchtet.
Dipl.-Met Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wetter aktuell
Starke Bodentrockenheit
Seit Monaten geringe Niederschläge und hohe Verdunstung durch
sonnenscheinreiche und heiße Perioden ließen die Böden ungewöhnlich
stark austrocknen. Als Folge davon nimmt die Bodenfeuchte in diesem
Jahr bisher einen ähnlichen Verlauf wie in den Dürrejahren 2018 und
2022, wobei der Schwerpunkt der aktuellen Trockenheit in der
Südhälfte Deutschlands liegt.
Schon seit März sind die Niederschlagsmengen in fast ganz Deutschland
unterdurchschnittlich. Besonders wenig Niederschlag fiel von der
Pfalz und Rheinhessen bis nach Unterfranken, wo verbreitet weniger
als 150 Liter pro Quadratmeter (l/m²) zusammenkamen. Der Vergleich
zum vieljährigen Mittel 1991 bis 2020 zeigt, dass in den letzten
Monaten besonders in der Südhälfte Deutschlands deutlich weniger
Niederschlag als üblich gefallen ist; im Süden war es gebietsweise
noch nicht einmal die Hälfte des vieljährigen Mittels. Lediglich in
einem Streifen vom Münsterland bis zum Erzgebirge, von
Südniedersachsen bis nach Mecklenburg und im Umfeld der Nordsee
fielen die Regenmengen etwa durchschnittlich aus. Auch das aktuelle,
seit 1. November 2025 laufende hydrologische Jahr zeigt weit
unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen: Der Zeitraum von Anfang
November bis Ende Juli fiel in Deutschland seit 1882 nur zwei Mal
noch trockener aus.
Bereits im Frühjahr sank die Bodenfeuchte im Süden deutlich schneller
als üblich, ab Anfang Mai lag die Bodenfeuchte dort markant unter dem
Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Im Juni dämpfte Regen die Trockenheit
im Süden zunächst leicht, während der extremen Hitzewelle in der
zweiten Junihälfte sank die Bodenfeuchte bei sehr hoher Verdunstung
jedoch schnell wieder. Seit Ende Juni wechseln sich gelegentliche
Schauer und Gewitter mit längeren trockenen Phasen ab, zudem erhöhten
weitere heiße Perioden erneut die Verdunstung. Die generell
ungleichmäßig verteilten Niederschläge summierten sich vor allem vom
Westen bis in die westliche Mitte und den Südwesten hinein auf meist
nur sehr geringe Mengen. Damit verschärfte sich die Trockenheit in
der Südwesthälfte Deutschlands weiter. In der Nordosthälfte liegt die
Bodenfeuchte zwar großteils auch unter den jahreszeitlichen
Mittelwerten, aber es besteht keine ausgeprägte Trockenheit.
Die Bodenfeuchte der oberen 60 Zentimeter lag seit Ende Mai über
Deutschland gemittelt oft nur leicht über jener in den Dürrejahren
2018 und 2022 (Abbildung 4). Im Süden waren die Böden 2026 verbreitet
sogar trockener als in diesen beiden Vergleichsjahren.
Bis vor einigen Wochen hielten sich die Auswirkungen der Trockenheit
auf die Landwirtschaft noch in Grenzen. Getreide und Raps reiften bei
den seit Mitte Juni hohen Temperaturen rasch ab und die Ernte kam
schnell voran. Allerdings führte die extreme Hitze Ende Juni bei Obst
zu ungewöhnlich starken Sonnenbrandschäden, also zu Schäden an den
Früchten durch Überhitzung des Gewebes in der direkten Sonne. Neben
Äpfeln, bei denen sonst Sonnenbrand oft erst später im Jahr ein Thema
ist, waren vor allem Kirschen, Aprikosen, Zwetschgen und Erdbeeren in
starkem Ausmaß betroffen.
Seit etwa Anfang Juli nehmen die Auswirkungen der trockenen Böden
jedoch deutlich zu. Vor allem Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln, die
jetzt und in den kommenden Wochen einen hohen Wasserbedarf haben,
leiden besonders in der Südhälfte Deutschlands zunehmend stark unter
der Trockenheit, es drohen markante Schäden. Auch das Grünland wird
vielerorts dürr, teils ist bereits ein Grünlandschnitt ausgefallen,
was Futterknappheit bei der Viehhaltung verursachen kann. Bei Obst
und jungen Weinreben können derzeit gebietsweise nur mit Bewässerung
große Schäden abgewendet werden. Die Wälder zehren meist noch von
Feuchtigkeit in tieferen Bodenschichten.
Die Anzahl von Tagen mit hoher Waldbrandgefahr, also an denen ein
Waldbrandgefahrenindex von mindestens der Stufe 4 von 5 (hoch)
erreicht wird, ist in diesem Jahr bisher weit überdurchschnittlich.
Bis einschließlich 2. August traten im Deutschlandmittel bereits rund
22 solcher Tage auf, im Mittel 1991 bis 2020 sind es bis zu diesem
Datum nur etwa 10 Tage. Beim Graslandfeuerindex ist dieses Jahr eine
ähnliche Entwicklung zu verzeichnen. Bei diesem Index gab es bis zum
2. August im Deutschlandmittel 33 Tage mit einer Stufe von mindestens
4, im Mittel 1991 bis 2020 sind es lediglich 18 Tage. In den
vergangenen Wochen traten bereits zahlreiche Wald- und Feldbrände
auf.
Die anhaltend trockene Witterung wirkt sich auch auf Flusspegel und
Grundwasserstände aus. Bei Flüssen spielen auch Einzugsgebiete, die
außerhalb Deutschlands liegen, eine wichtige Rolle. Seit Jahresbeginn
waren die Niederschlagsmengen nicht nur in Deutschland, sondern auch
in den benachbarten Ländern außerordentlich niedrig. Der Schwerpunkt
der trockenen Witterung in der ersten Jahreshälfte erstreckte sich
bei europaweiter Betrachtung vom östlichen Frankreich über den
Alpenraum, das östliche Mitteleuropa und das Baltikum bis nach
Skandinavien. Die Oberläufe von Oder, Neiße, Elbe, Salzach, Inn,
Lech, Rhein und Mosel führten in der Konsequenz weniger Wasser als
üblich nach Deutschland. Zudem bewirkten die unterdurchschnittlichen
Schneemengen im vergangenen Winter einen stark verminderten Beitrag
der Schneeschmelze zur Wasserführung einiger Flüsse im Frühjahr.
Zusammen mit den sehr geringen Niederschlägen der letzten Monate
führt dies aktuell zu einer extremen Niedrigwasserlage in Flüssen und
im Grundwasser. Nähere Informationen dazu finden sich im neuen
Niedrigwasserinformationssystem (NIWIS, https://niwis-online.de/) der
Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), in das auch Beobachtungsdaten
des DWD einfließen.
Eine Entspannung der Lage ist nicht einmal ansatzweise in Sicht. Für
das kommende Wochenende und die zweite Augustwoche wird überwiegend
trockenes und von Süden her zeitweise heißes bis sehr heißes Wetter
erwartet. Insbesondere am Sonntag und Montag sind zwar vereinzelt
Schauer und Gewitter möglich, flächendeckende Niederschläge deuten
sich aber weiterhin nicht an.
Bis Anfang September zeichnet sich in den Witterungsvorhersagen der
Bodenfeuchte unter Gras eine starke Tendenz zu trockeneren
Bedingungen im Vergleich zum Mittel der vergangenen zwanzig Jahre ab.
Folglich ist davon auszugehen, dass die Auswirkungen auf Natur und
Landwirtschaft in den kommenden Wochen eher noch zunehmen und es
weiterhin Perioden mit hoher Waldbrandgefahr geben wird.
Weiterführende Informationen zur Trockenheit
Attributionsstudie zur Trockenheit in Europa
Die internationale Expertinnen- und Expertengruppe World Weather
Attribution (WWA) hat unter Beteiligung des DWD die Dürre der letzten
3 Monate im westlichen Teil Europas bzw. der letzten 6 bis 12 Monate
im östlichen Teil Europas untersucht. Dabei werden die
Extremereignisse mit Hilfe von Klimamodellen für eine Welt mit und
eine Welt ohne menschengemachten Klimawandel simuliert und die
Ergebnisse verglichen.Ein zentrales Ergebnis der aktuellen Studie
ist, dass die landwirtschaftlichen Dürren in Westeuropa etwa fünfmal,
in Osteuropa sogar elfmal wahrscheinlicher sind als ohne Klimawandel.
Mehr Details dazu unter: https://www.worldweatherattribution.org/increasingly-hot-europe-faces
-more-severe-droughts-and-growing-challenges-for-water-and-land-manag
ement/
Bodenfeuchteviewer
Hier finden sich neben einer interaktiven Bodenfeuchteanwendung
weitere Produkte zur Bodenfeuchte sowie zu Wasserhaushaltsgrößen. Sie
ermöglichen einen Überblick über die aktuelle Situation, etwa bei
Starkregenphasen oder Trockenheit. Zusätzlich werden Klimavorhersagen
für die kommenden Monate angeboten. Zum Bodenfeuchteviewer:
www.dwd.de/bodenfeuchteviewer
Waldbrandgefahren- und Graslandfeuerindex
Der Waldbrandgefahrenindex (WBI) gibt das meteorologische Potential
für die Gefährdung durch Waldbrand in 5 Gefahrenstufen an. Der
Graslandfeuerindex (GLFI) beschreibt die Feuergefährdung von offenem,
nicht abgeschattetem Gelände mit abgestorbener Wildgrasauflage ohne
grünen Unterwuchs, ebenfalls in 5 Gefahrenstufen. Mehr Informationen
dazu: www.dwd.de/waldbrand oder www.dwd.de/landwirtschaft unter
"Gefahrenhinweise"
Klimavorhersagen
Die Klimavorhersagen und die Vorhersagegüte werden für
unterschiedliche Zeit- (Wochen, Jahreszeiten, Jahre) und Raumskalen
(deutsche Regionen, Deutschland, Europa, Welt) konsistent
dargestellt. Die Klimavorhersagen stehen in einer interaktiven Basis-
und in einer Profiversion zur Verfügung. Diese werden ergänzt durch
spezifische Klimavorhersagen. Zu den Klimavorhersagen:
www.dwd.de/klimavorhersagen
Nutzbare Feldkapazität
Die nutzbare Feldkapazität (nFK) gibt das pflanzenverfügbare
Bodenwasser in Prozent an. Bei über 100 % nFK kann der Boden kein
weiteres Wasser dauerhaft gegen die Schwerkraft halten, vorübergehend
kann die nutzbare Feldkapazität bei Niederschlag jedoch über 100 %
steigen. Das überschüssige Wasser versickert in den Untergrund. Bei 0
% nFK können die Pflanzen dem Boden kein weiteres Wasser mehr
entziehen (Welkepunkt), es befindet sich aber noch Restfeuchte im
Boden. Ab etwa 30 % nFK kommt es bei den Pflanzen zu deutlichem
Trockenstress.
Dipl.-Met.Andreas Brömser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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