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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wissenschaft kompakt
Von Labilität und Feuchte
In der Gewittervorhersage spielen neben CAPE und der Scherung noch
zwei weitere Begriffe eine große Rolle: Einerseits die Labilität und
andererseits der Feuchtegehalt. Um diese Aspekte soll es im heutigen
Thema des Tages gehen.
In vorausgegangenen Themen des Tages vom 01. und 15.07. wurden
bereits wichtige Faktoren (CAPE und Scherung) für die
Gewittervorhersage betrachtet. Heute wird diese Liste durch die
Feuchte und die Labilität ergänzt.
Beim Begriff der "Feuchte" denkt der kosmetisch umtriebige Leser
vielleicht intuitiv an Feuchtigkeitscremes oder -sprays. Eventuell
verbindet damit manch anderer zu seinem Leidwesen Wasserrohrbrüche
und die damit einhergehende Bekämpfung der Feuchtigkeit in Wänden.
Eine ähnlich an den Haaren herbeigezogene Einleitung hinsichtlich des
Begriffes der Labilität aus dem Alltag ist dem Verfasser leider nicht
gelungen, daher gehen wir nun schnell zum meteorologischen Teil über.
Beginnen wir mit der Feuchte. Diese bezieht sich auf den
Wasserdampfgehalt der Luft. Insbesondere das Maß "PPW" (potential
precipitable water, deutsch: niederschlagbares Wasser) spielt eine
bedeutende Rolle zur Einschätzung der Gewitterstärke. Betrachten wir
ein Quadratmeter große Fläche, so gibt der PPW-Wert an, wie viel
Wasser sich in der gesamten darüberliegenden Luftsäule befindet. Die
übliche Einheit ist Kilogramm (oder Liter) pro m², also Masse des
Wassers, die über einer bestimmten Fläche am Boden vorhanden ist.
Diese Zahl beschreibt das theoretische Maximum an Regen, der aus
dieser Luftsäule herausgequetscht werden kann. Nun wäre es natürlich
verlockend den Schluss zu ziehen, dass das eins-zu-eins auch dem
Starkregenpotential eines Gewitters entspricht. Doch leider ist es
nicht ganz so einfach. Hierbei muss nämlich zum Beispiel noch in
Betracht gezogen werden, dass Gewitter eine gewisse
Zuggeschwindigkeit haben. Ziehen sie also schnell, ist es kaum
vorstellbar, dass das gesamte Wasser an einem Ort herunterkommt.
Kommt dagegen eine Gewitterzelle nur langsam voran, ist das Potential
deutlich größer. Wenn man nun noch in Betracht zieht, dass mehrere
Gewitterzellen über einen Ort ziehen können oder eine Zelle lange
über derselben Stelle überlebt und dabei immer frischen "Nachschub"
von feuchter Luft bekommt, ist der Schluss klar, dass das PPW
lediglich ein Richtwert für die Einschätzung sein kann.
Kommen wir nun zum zweiten Begriff. In der Meteorologie versteht man
unter der Labilität die Neigung der atmosphärischen Schichtung,
aufsteigende Luftbewegungen (Konvektion) zuzulassen oder zu
unterdrücken. Um dies zu verdeutlichen betrachten wir ein
aufsteigendes Luftpaket. Durch das Aufsteigen dehnt es sich aus und
kühlt dabei ab. Ist es trocken (genauer: nicht gesättigt) so liegt
die Abkühlungsrate bei etwa 1 Kelvin pro 100 Metern. Falls Sättigung
schon eingesetzt hat (also zum Beispiel in einer Wolke) liegt die
Rate bei etwa 0,65 Kelvin pro 100 Metern. In letzterem Fall wirkt dem
Abkühlungsprozess entgegen, dass Energie bei der Kondensation von
Wasser frei wird. Diese charakteristischen Abkühlungsraten werden
auch trockenadiabatischer beziehungsweise feuchtadiabatischer
Temperaturgradient genannt. Sie ergeben sich aus dem ersten Hauptsatz
der Thermodynamik und einigen Annahmen bzw. Vereinfachungen.
Mit diesem Hintergrundwissen können wir uns nun überlegen, wie die
Atmosphäre geschichtet sein muss, damit sie stabil bzw. instabil ist.
In der Skizze befindet sich auf der x-Achse die Temperatur und auf
der y-Achse die Höhe. Die gleichmäßigen Linien von rechts unten nach
links oben stellen die Adiabaten dar. Die durchgezogene Linie mit den
unterschiedlichen Neigungen zeigt die verschiedenen Möglichkeiten,
wie sich die Temperatur der umgebenden Atmosphäre ändern kann.
Beginnen wir also von ganz unten. Luft vom Boden hat eine bestimmte
Temperatur und ändert seine Temperatur so, dass sie der Adiabate
folgt. Die Umgebungstemperatur befindet sich jedoch "links" davon.
Das heißt, die aufsteigende Luft ist im Vergleich zur Umgebungsluft
wärmer und wird dadurch weiter zum Aufsteigen animiert. Das Gegenteil
ist der Fall im darüberliegenden Abschnitt. Dort bleibt die
Umgebungsluft mit der Höhe gleich warm. Die aufsteigende Luft kühlt
sich trotzdem ab und wird somit zum Absinken gezwungen. Die oberen
zwei Abschnitte zeigen ebenfalls zwei stabile Zustände. Der
indifferente Fall ist ein Spezialfall, denn hier nimmt die
Umgebungstemperatur genauso schnell mit der Höhe ab wie beim
Aufsteigen. Das bedeutet, dass es keine Tendenz zum weiteren
Aufsteigen, aber auch nicht zum erneuten Absinken gibt.
Die Gewitterprognose hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab.
Fehlt die Labilität, so wird die Konvektion von der Atmosphäre
gehemmt. Fehlt die Feuchte oder CAPE, so fehlt die Energie für das
Gewitter. Fehlt die Scherung, so fallen sich entwickelnde Gewitter
schnell wieder in sich zusammen. Erst wenn alles zusammenpasst,
können daraus mächtige Systeme entstehen und beeindruckende Formen
annehmen. Und ist das etwa nicht faszinierend?
M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wissenschaft kompakt
Höhepunkt der Perseiden
In der kommenden Nacht zum Donnerstag wird der Höhepunkt der
Perseiden erreicht. In diesem Jahr herrschen optimale Bedingungen zum
Beobachten der Sternschnuppen.
Neben der partiellen Sonnenfinsternis, die am heutigen Mittwochabend
kurz nach 20 Uhr (MESZ) über Deutschland ihr Maximum erreicht (siehe
Thema des Tages vom Vortag), gibt es in der kommenden Nacht gleich
das nächste Himmelsspektakel zu bestaunen ? das Maximum der
diesjährigen Perseiden. Obwohl die Bedingungen in diesem Jahr
besonders gut sind, fristen die Perseiden medial gegenüber der
allgegenwärtigen Sonnenfinsternis fast ein Schattendasein. Im
heutigen Thema des Tages erklären wir ein paar Hintergründe zu den
Perseiden und geben eine Prognose zu den Beobachtungsbedingungen.
Bei den Perseiden (volkstümlich auch Laurentiustränen genannt)
handelt es sich um den bekanntesten jährlich wiederkehrenden
Meteorregen, der in der Zeit vom 17. Juli bis zum 24. August am
Himmel zu beobachten ist. In der Nacht zum 13. August schickt er ein
deutliches Maximum an Sternschnuppen zu uns. Noch mehr Sternschnuppen
erzeugen allerdings die Geminiden und die Quadrantiden im Dezember
und Januar, die aber aufgrund der kalten Jahreszeit nicht so viele
Menschen zum Beobachten nach draußen locken.
Ihren Namen verdanken die Perseiden dem Sternbild Perseus. Die
Sternschnuppen scheinen diesem Sternbild zu entspringen, da sie sich
vom Perseus im Zentrum strahlenförmig nach außen bewegen. In
Wirklichkeit finden die Sternschnuppen aber ihren Ursprung in der
unmittelbaren Erdumgebung. Auf ihrer Bahn um die Sonne kreuzt die
Erde jedes Jahr im Sommer eine Teilchenwolke, die der Komet
109R/Swift-Tuttle auf seiner Bahn um die Sonne zurückließ. Dabei
handelt es sich um winzigen kosmischen Staub, dessen Teilchen nur
eine Größe von wenigen Millimetern besitzen. Diese treffen mit einer
Geschwindigkeit von etwa 60 Kilometern pro Sekunde (entspricht ca.
216.000 km/h) auf die Erde und dringen in die Erdatmosphäre ein. In
einer Höhe von 60 bis 80 Kilometern bringen sie so die Luftmoleküle
zum Leuchten, was man am Boden als Sternschnuppe beobachten kann. Es
leuchten also nicht die verglühenden Staubteilchen selbst, sondern
die ionisierte Luft um die Teilchen herum.
Der Meteorstrom ist von 22 Uhr abends bis 4 Uhr morgens gut zu
beobachten, wobei die beste Beobachtungszeit in Mitteleuropa etwa von
2 bis 3 Uhr ist, wenn das Sternbild Perseus hoch am Himmel steht.
Allerdings sollte man nicht direkt zum Perseus blicken, sondern 20
bis 40° abseits des Sternbilds, um die langen Sternschnuppenschweife
zu sehen. Dabei sollte man einen Beobachtungsort mit wenig
künstlichen Lichtquellen in der Umgebung suchen, denn mit zunehmender
Lichtverschmutzung kann man nur noch die leuchtstärksten
Sternschnuppen sehen. In den Medien wird oft von bis zu hundert
Sternschnuppen pro Stunde gesprochen. Dieser Wert ist allerdings viel
zu hoch gegriffen und nur unter optimalen Bedingungen zu erreichen,
z.B. im Hochgebirge oder in besonders trockenen Wüsten. Am Rand einer
Kleinstadt sinkt die Anzahl sichtbarer Sternschnuppen auf 10-15 pro
Stunde, in der hellen Innenstadt auf 3-5. In ländlichen Regionen
fernab von Ortschaften kann man hingegen mit bloßem Auge etwa 60-70
Sternschnuppen pro Stunde sehen. Aber auch Bewohner in
Ballungszentren müssen nicht auf Sternschnuppen verzichten. Begeben
Sie sich in einen größeren Stadtpark ohne größere Lichtquellen oder
an den Stadtrand, so haben Sie die Chance, dutzende Sternschnuppen
pro Stunde zu sehen. Wem in der kommenden Nacht die Zeit zum
Sternschnuppen Zählen fehlt, hat auch in den darauffolgenden Nächten
noch einmal die Möglichkeit. Unter guten Sichtbedingungen sind dann
auch noch meist 10-30 Sternschnuppen pro Stunde zu sehen.
Stellt sich nun noch die Frage nach den Bedingungen für das
Beobachten der Sternschnuppen. Astronomisch gesehen ist
hervorzugheben, dass der Höhepunkt der Perseiden in diesem Jahr
zufällig auf den Neumond trifft. Somit bleibt die störende
Lichtquelle durch den Mond komplett aus. Auch die Wetterbedingungen
sind nahezu perfekt. In den meisten Landesteilen ist es wolkenlos.
Allenfalls im Norden und Nordosten zeigen sich ein paar
Schleierwolken am Himmel, die den direkten Blick auf den
Sternenhimmel und somit auch auf die Perseiden zeitweise
beeinträchtigen. Dennoch gibt es auch dort Chancen auf
Sternschnuppen. Eine niedrige Luftfeuchtigkeit sorgt zudem für eine
klare Sicht.
Allerdings wird die Nacht gebietsweise recht frisch, insbesondere in
der Nordosthälfte Deutschlands. Um Mitternacht lässt es sich im
Westen und Südwesten bei knapp über 20 Grad noch recht gut ohne Jacke
draußen aushalten. In den östlichen Landesteilen wird bis dahin die
Temperatur aber oft schon auf etwa 15 Grad abgekühlt sein. Zur besten
Beobachtungszeit um 3 Uhr (MESZ) wird die Temperatur auch im Westen
unter 20 Grad liegen, im Osten wird es mit meist nur um oder knapp
über 10 Grad ziemlich kühl. Neben gut geputzten Brillengläsern sollte
man dort also auch an eine ausreichend warme Jacke denken.
Dr. rer. nat. Markus Übel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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