Besucher: 839



Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wissenschaft kompakt

Februar 1956 - Ein Leben wie im Eisschrank



Vor 70 Jahren suchte Deutschland eine extreme Kältewelle heim, die
fast den gesamten Februar 1956 andauerte. Im heutigen Thema des Tages
blicken wir auf diese historische Wetterlage zurück.



Der diesjährige Winter war bisher kälter als die der vergangenen
Jahre und zumindest in der Nordhälfte und im Osten gab es regional
auch schon jede Menge Schnee. Dabei verlief der Januar bisher dennoch
"nur" durchschnittlich, verglichen mit der Periode 1991-2020. Wem
dies schon kalt vorkam, wird staunen, was sich vor 70 Jahren
ereignete. Im Februar 1956 suchte eine extreme Kältewelle Deutschland
und weite Teile Europas heim. Die Durchschnittstemperatur lag damals
in Deutschland mit -9,6°C unglaubliche 10 Grad unter dem langjährigen
Mittel von 1961-1990 und 11,1 Grad unter dem von 1991-2020. Ähnlich
kalt war es zuvor auch schon im Februar 1929, welche die beiden
kältesten Monate seit Messbeginn in Deutschland darstellen.

Ältere Bürger werden sich sicher noch an diese Kältewelle aus
Kindheitstagen oder ihrer Jugend erinnern. Damit auch die jüngeren
unter uns eine Vorstellung davon bekommen, wie extrem diese
Kälteperiode war, vergleichen wir den Februar 1956 zunächst mit
kalten Monaten aus der jüngeren Vergangenheit. Der letzte
deutschlandweit kalte Februar ereignete sich im Jahr 2012, als bei
eisigen Temperaturen zahlreiche Flüsse zu Eis erstarrten. Damals lag
die durchschnittliche Februartemperatur allerdings gerade einmal bei
-2,5°C, also rund 7 Grad über der von Februar 1956. Auch die kalten
Monate Januar und Dezember 2010 waren mit -3,2 und -4,5°C deutlich
weniger eisig als dieser Ausnahmemonat.

Um in Deutschland derart kalte Temperaturen zu erreichen, müssen
viele Faktoren gleichzeitig zusammenspielen. Zum einen muss ein
andauerndes Hoch über dem Atlantik Tiefdruckgebieten den Weg zu uns
versperren, welche normalerweise von Westen feuchte und milde Luft im
Gepäck haben. Zum anderen müssen sowohl Hochdruckgebiete über
Skandinavien oder Nordosteuropa im Zusammenspiel mit tiefem Luftdruck
im Mittelmeerraum mit einer östlichen bis nordöstlichen Strömung
sibirische Kaltluft nach Deutschland transportieren. Außerdem kann
eine Schneedecke die nächtliche Abkühlung in sternenklaren Nächten
unterstützen. Diese Bedingungen waren 1956 gegeben.

Bereits Ende Januar nahm die extreme Kälteperiode ihren Anfang. Zum
Monatswechsel lag ein kräftiges Hoch über Skandinavien und ein Tief
über dem zentralen Mittelmeer. Zuvor konnte sich über Sibirien ein
massiver Kaltluftkörper bilden, der mit einer strammen Ostströmung
nach Deutschland gelangte, ohne sich deutlich zu erwärmen. Dadurch
verharrten die Temperaturen selbst tagsüber verbreitet bei -15°C, in
der östlichen Mitte stieg die Temperatur teils nicht über -20°C. Im
oberfränkischen Hof betrug die Höchsttemperatur unglaubliche -21,2°C.
Zu dieser Zeit lagen im Flachland nur wenige Zentimeter Schnee, in
Teilen Ostdeutschlands war es sogar schneefrei. Daher schlugen die
bitterkalten Nächte von vielfach -20, in der Mitte und im Süden
örtlich sogar bis -30°C, stellenweise als verheerende Kahlfröste
besonders schlimm zu. Im Erzgebirge sank in Marienberg die Temperatur
auf -35,5°C.

Ab dem 3. Februar sickerte im Nordwesten vorübergehend etwas mildere
Luft ein, sodass die Temperaturen dort tagsüber knapp über den
Gefrierpunkt stiegen, im Süden blieb es weiterhin frostig. Schon in
den Folgetagen baute sich über dem Atlantik ein neues Hochdruckgebiet
auf, das bis ins Nordmeer und nach Westsibirien vordrang. An dessen
Ostflanke zog am 8. Februar ein kleines Schneetief von Norden kommend
über die Osthälfte Deutschlands und lud dort verbreitet satte 10 bis
20 cm Schnee ab.

Ab dem 9. Februar kam, verursacht durch ein Hoch über Großbritannien
und der Nordsee, zusammen mit einem weiteren kräftigen Hoch über dem
Nordpolarmeer und einem Tief über dem zentralen Mittelmeer, eine
kräftige Nordostströmung in Gang, die erneut extrem kalte Luft nach
Deutschland führte. Außer im Nordwesten sank die Temperatur über der
Schneedecke verbreitet auf -20 bis -30°C. Schon in der Nacht zum 9.
Februar fiel die Temperatur in Görlitz in der Lausitz auf -30,8°C und
kam tagsüber nicht über -21,3°C hinaus. Der Höhepunkt dieser
Kältewelle war in der Nacht zum und am 10. Februar erreicht. Vor
allem in Sachsen und Bayern sanken die Temperaturen verbreitet auf
-25 bis -35°C. In Waldsassen (Oberpfalz) stürzte die Temperatur sogar
auf -36,3°C, in Wasserburg am Inn waren es -35,1°C. Auch tagsüber
blieb es bitterkalt. In der Südosthälfte lagen die Höchsttemperaturen
unter -10, am Alpenrand sogar unter -20°C. Im Oberallgäu betrug die
Höchsttemperatur in Oy-Mittelberg kaum vorstellbare -24,0°C, in Bad
Kohlgrub nahe Garmisch-Partenkirchen wurden maximal -23,8°C gemessen.
Damit war es dort ganztags kälter als in einem gewöhnlichen
Eisschrank.

Zwischen dem 13. und 16. Februar kreisten mehrere kleine Tiefs über
Mitteleuropa und brachten nun auch dem Westen Deutschlands eine
ordentliche Packung Schnee (20 bis 40 cm Neuschnee im Flachland).
Somit lag nun mit Ausnahme des Nordwestens fast flächendeckend im
Tiefland eine 15 bis 30, gebietsweise sogar 50 cm mächtige
Schneedecke. Zu allem Überfluss erneuerte sich danach nochmals die
Ostströmung und es dominierte in weiten Teilen Europas
Hochdruckeinfluss. Dauerfrost um -5°C, teils auch um -10°C, und
eisige Nächte von -10 bis unter -20°C waren die Folge. Im
Brandenburgischen Wustrau-Ziehtenhorst wurden in der Nacht zum 24.
Februar nochmals -30°C erreicht. Bis zum 27. Februar sank die
Temperatur in den Nächten gebietsweise unter -20°C.

Dennoch begann ab dem 25. Februar von Westen her eine leichte
Milderung und erste Wetterstationen meldeten positive Temperaturen.
Zum Monatsende stellte sich die Wetterlage grundlegend um. Mit einer
sich formierenden Westströmung wurde mildere Meeresluft herangeführt
und es setzte allmählich Tauwetter ein.

Die verheerende Kälteperiode ließ die meisten großen Flüsse
Deutschlands zufrieren. Selbst der Rhein erstarrte an vielen Stellen
zu Eis. In Mainz und weiter südlich konnte man auf den Eisschollen
des Rheins spazieren gehen und bei Bingen bildete sich ein Eisstau.


Dass wir nochmals einen ähnlich kalten Wintermonat wie vor 70 Jahren
erleben werden, ist im Zuge des Klimawandels sehr unwahrscheinlich
geworden, kann aber nicht völlig ausgeschlossen werden. Bei ähnlichen
Wetterkonstellationen wie damals kann es nach wie vor in Mitteleuropa
extreme Kältewellen geben. In der vorindustriellen Zeit lag die
Wiederkehrzeit solcher Kältewellen bei 50 bis 100 Jahren,
mittlerweile dürfte sie jedoch deutlich höher liegen.


Dr. rer. nat. Markus Übel

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.01.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuell

Der Winter hat sein Pulver noch nicht verschossen!



Seit dem Jahreswechsel ist der Winter samt aller möglicher
Wettererscheinungen fester Bestandteil unserer Berichterstattung.
Daran ändert sich bis Monatsende nichts. Wir müssen uns auf Glätte,
Frost, Schnee und Glatteis einstellen.



Tiefausläufer brachten und bringen feuchte Luft zu uns. Aus Osten
strömt kalte Luft ins Land, aus Westen und Süden wird hingegen
mildere Luft advehiert. Diese milde Luft macht sich nicht wirklich am
Boden bemerkbar, sie ist eher "höhenaktiv". Bedeutet: Der fallende
Niederschlag schmilzt in einer gewissen Höhe und wird zu Regen.
Dieser fällt dann in relativ kalte Luft am Boden, wo die
Belagstemperatur von Straßen und Wegen teils unter 0 Grad liegt. Im
Ergebnis friert der Regen auf Belägen und es bildet sich Glatteis.
Das ist je nach Niederschlagsmenge recht dick oder auch mal dünner
und damit unterschiedlich glatt.

Verantwortlich für den aktuellen Zustrom feuchter Luft ist Tief
LEONIE I bei den Britischen Inseln. Sie lenkt feuchte und milde Luft
ins Land, die vor allem im Westen und Nordwesten etwas Regen bringt.
Die kalte Luft aus Osten, herangeführt auf der Rückseite des Hochs
über Russland, setzt sich im Laufe des Nachmittags durch und lässt
den Regen wieder in Schnee übergehen. Es bleibt grundsätzlich glatt,
nur die Gefahr von Glatteis geht zurück.

Nach Süden und Osten hin ist es weitgehend niederschlagsfrei, wenn
auch gebietsweise trüb durch Nebel oder Hochnebel. Nur im Südosten
liegt ebenfalls etwas feuchtere Luft, aus der es stellenweise leicht
nieseln oder sprühen kann. Diese verlagert sich in der Nacht zum
Sonntag ost-nordostwärts und somit raus aus Deutschland. Bis dahin
sind bei leichtem Niederschlag aber auch dort Glätte oder Glatteis
möglich.

Im Laufe des Sonntags macht sich LEONIE II auf den Weg nach Norden
und übernimmt bei uns die Wetterregie. Sie bringt ab den
Nachmittagsstunden dem Süden Schnee und Schneeregen. Im Laufe des
Abends und der Nacht zum Montag ziehen die Niederschläge nordwärts.
An der Ostseite/Vorderseite des Tiefs wird in der Höhe relativ milde
Luft in die östlichsten Regionen Deutschlands geführt. Der Schneefall
kann dort also in Regen oder Schneeregen übergehen. Da die bodennahe
Luft aber weiterhin kalt ist und meist unter 0 Grad liegt, droht
gefrierender Regen und somit Glatteis.

Wann genau und wie genau das Tief zieht, ist derzeit noch ungewiss.
Das Potenzial einer überregionalen Glättelage ist aber gegeben. Sei
es durch Schneefall oder durch Glatteis. Da die Luft reich an Feuchte
ist, werden die Niederschläge teilweise kräftiger ausfallen.

In wenigen Stunden sind 5 Zentimeter Neuschnee wahrscheinlich. Über
die Nacht hinweg kommen verbreitet 5 bis 10 cm Neuschnee zusammen,
regional sind bis Montagvormittag auch bis 15 cm innerhalb von 12
Stunden möglich.

Die Modelle sind sich noch nicht ganz einig, nähern sich aber mehr
und mehr an. Unser Lokalmodell ICON D2 simuliert in der zweiten
Nachthälfte für weite Teile Brandenburgs und die Bundeshauptstadt
gefrierenden Regen. In den frühen Morgenstunden soll dieser aber
nordwärts abziehen und von Schneefall abgelöst werden.

Apropos Norden: Hamburg wird es diesmal nicht so hart treffen wie in
den ersten Tagen des Jahres. Aber an der Ostsee frischt mit
Annäherung von LEONIE II der Nordostwind deutlich auf. In Böen sind
teilweise um 65 km/h möglich. Schnee und Schneeregen fallen also eher
waagerecht und können sich - wie sollte es auch anders sein - an oft
ungünstigen Stellen akkumulieren.

Als Fazit bleibt zu ziehen: Es ist mal wieder eine spannende Lage mit
großem Potential für überregionale Glätte und damit verbunden
weitreichenden Störungen im Straßen- und Schienenverkehr. Und das
Ganze auch noch zur besten Zeit: Montagmorgen!

Wer denkt, dass die letzten Tage des Januars entspannter werden, der
irrt. Es geht mit einem Wechselspiel aus milderer und kälterer Luft
weiter. Die Nächte sind verbreitet frostig, im Osten und Nordosten
ist auch wieder/immer noch Dauerfrost ein Thema. Zudem stehen im
Zustrom zeitweise feuchter Luft Schnee, Regen und damit einhergehend
Glätte auf dem Programm.


Dipl. Met. Jacqueline Kernn

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.01.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





Private Wetterstation Altenmarkt a. d Alz - Alle Angaben ohne Gewähr - (c) Matthias Schwanter   -   Seitengeneration erfolgte in 0.111 Sekunden.