|
Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
|
Wetter aktuell
Hoch WINFRIED bestimmt das Wetter - Umstellung zum Wochenende
Ein stabiles Hochdruckgebiet sorgt bis zum 1. Mai für viel Sonne und
steigende Temperaturen in Deutschland. Zum Wochenende hin verlagert
sich das Hoch nach Osten - wärmere und feuchtere Luft bringt dann ein
zunehmendes Risiko für Schauer und Gewitter.
Ein großräumiges Hochdruckgebiet namens WINFRIED prägt derzeit das
Wetter in weiten Teilen Europas. Es erstreckt sich von den Britischen
Inseln über Deutschland bis nach Osteuropa und bleibt auch bis
einschließlich Freitag, den 1. Mai, bestimmend. Im weiteren Verlauf
verlagert sich das Zentrum des Hochs schrittweise nach Osteuropa.
Dadurch geraten die Tiefdruckgebiete über Westeuropa zunehmend in die
Lage, sich Deutschland anzunähern. Gleichzeitig dreht die Strömung
auf südliche Richtungen, sodass neben wärmerer auch feuchterer Luft
herangeführt wird. In der Folge nimmt die Neigung zu Schauern und
Gewittern allmählich zu.
Am heutigen Mittwoch präsentiert sich der Himmel in weiten Teilen
Deutschlands wolkenlos. Lediglich am Alpenrand halten sich kompaktere
Wolkenfelder, aus denen vereinzelt Schauer fallen können. Diese
stehen im Zusammenhang mit der Warmfront eines Tiefs über Spanien
(ZUHAL), die jedoch durch das blockierende Hoch WINFRIED kaum nach
Norden vorankommt. Bei reichlich Sonnenschein steigen die
Temperaturen auf 15 bis 23 Grad. Dennoch fühlt es sich verbreitet
etwas kühler an, was auf einen teils kräftigen Ostwind zurückzuführen
ist. Vor allem in exponierten Lagen sowie in den Hochlagen treten
starke bis stürmische Böen auf. Die sehr trockene Luft begünstigt
zudem eine deutliche nächtliche Auskühlung. Entsprechend sinken die
Temperaturen in den Frühstunden insbesondere in der Osthälfte häufig
in den Frostbereich, während es im Westen meist frostfrei bleibt.
Am Donnerstag liegt der Schwerpunkt des Hochs über Dänemark und dem
Nordosten Deutschlands. Unter anhaltendem Hochdruckeinfluss scheint
nahezu überall die Sonne, und die Temperaturen erreichen 16 bis 23
Grad. In der Mitte und im Süden bleibt der Ostwind weiterhin spürbar.
In der Nacht zum Freitag lässt die Frostgefahr im Osten nach und
tritt nur noch vereinzelt auf.
Am Freitag, dem 1. Mai, behauptet sich Hoch WINFRIED weiterhin über
Deutschland und hält störende Tiefdruckgebiete fern. Der Wind
schwächt sich deutlich ab und dreht auf südöstliche Richtungen.
Gleichzeitig steigen die Temperaturen weiter an: Im Westen werden
verbreitet mehr als 25 Grad erreicht, womit dort ein Sommertag
vorliegt. Auch in den übrigen Regionen wird es mit Höchstwerten
zwischen 20 und 24 Grad angenehm warm. Insgesamt herrschen damit sehr
günstige Bedingungen für Aktivitäten im Freien.
Zum Wochenende zeichnet sich jedoch eine Umstellung der Wetterlage
ab. Wie bereits angedeutet, verlagert sich das Hoch weiter nach
Osten, sodass aus südlichen Richtungen zunehmend warme und feuchtere
Luft nach Deutschland gelangt. Gleichzeitig nähern sich
Tiefdruckgebiete von Westen. Am Samstag überwiegt in großen Teilen
des Landes noch freundliches und sommerlich warmes Wetter mit
Höchstwerten bis 28 Grad. In der Westhälfte nimmt jedoch die
Bewölkung im Tagesverlauf zu, und am Abend ist im äußersten Westen
mit ersten Gewittern zu rechnen. Am Sonntag setzt sich die
unbeständigere Witterung weiter durch: Es überwiegen die Wolken, und
im Tagesverlauf entwickeln sich örtlich Schauer und Gewitter. Trotz
zunehmender Bewölkung bleibt es mit 20 bis 24 Grad, im Osten lokal
bis 27 Grad, weiterhin warm.
Dipl. Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
|
|
Wissenschaft kompakt
Einheitenchaos - Teil 3: Niederschlag
Schwacher Niesel, stundenlange Wassermassen oder doch nur ein kurzer
Schauer. In welchen Einheiten der Regen gemessen wird, soll im
heutigen Thema des Tages geklärt werden.
Wenn der Himmel grau und dunkel ist und der Regen vom Himmel fällt,
vermissen die einen den Sonnenschein, die anderen genießen den
beruhigenden und stimmungsvollen Klang des prasselnden Regens.
Nachdem die Einheiten für die Temperatur und den Wind näher
betrachtet worden sind, wenden wir uns heute dem Niederschlag zu.
Beim Niederschlag kommt es einerseits darauf an, welche Menge fällt
und andererseits über welche Zeitspanne hinweg. Die Regenmenge kann
in Liter pro Quadratmeter (L/m²) gemessen werden. Es wird also der
Regen, der auf eine 1x1 m große Fläche fällt, angegeben. Da ein Liter
Wasser das Volumen von einem Kubikdezimeter hat, ist die Einheit
Millimeter (pro Quadratmeter) genau gleichbedeutend mit L/m². Um eine
Vorstellung für die Mengen zu bekommen: Wenn ein voller,
haushaltsüblichen Eimer Wasser über Sie ausgegossen wird, entspricht
das beispielsweise 10 Litern. Nach solch einem unfreiwilligen Bad
wären Sie klatschnass. Würde diese Menge jedoch nicht in wenigen
Sekunden, sondern über mehrere Stunden oder gar Tage fallen, so würde
es sich nicht mehr so unangenehm anfühlen. Die
Niederschlagsintensität, also die Regenmenge pro Zeit, ist das
Stichwort. Eine grobe Kategorisierung der Niederschlagsintensitäten
ist im DWD-Lexikon nachzulesen. Hier zu finden ist beispielsweise,
dass selbst starker Sprühregen nur wenige Zehntel L/m² innerhalb
einer Stunde bringt. Von starkem Regen hingegen wird ab etwa 10 mm
pro Stunde gesprochen, von einem starken Regenschauer ab 1,7 L/m² in
10 Minuten.
Für höhere und potentiell gefährliche Mengen sind die vom DWD
konzipierten Regenwarnungen gedacht (siehe dazu die offiziellen
Warnkriterien auf unserer DWD-Internetseite). Dabei wird generell
zwischen Starkregen (ein- bis sechsstündig) und Dauerregen (>12
Stunden) unterschieden. Dementsprechend wird die Schwelle für
markanten Starkregen bereits bei 15 L/m² (innerhalb einer Stunde)
erreicht, für Dauerregen dagegen ist eine Menge von 25 L/m²
(innerhalb von 12 Stunden) notwendig. Die höchste Warnstufe (violett)
beginnt bei 40 L/m² in einer Stunde bzw. 70 L/m² in 12 Stunden. Bei
diesen Mengen muss mit erheblichen Gefährdungen wie zum Beispiel
Überflutungen von Straßen, Unterführungen oder Kellern, mit
Aquaplaning oder auch mit Erdrutschen gerechnet werden.
Nun gibt es natürlich nicht nur flüssigen Niederschlag, sondern auch
festen wie Schnee. Als grobe Richtwerte bringt leichter Schneefall
etwa 1 mm, starker Schneefall mehr als 5 mm in einer Stunde.
Offizielle Schneefallwarnungen betrachten die Neuschneemenge
innerhalb von 6 bis 72 Stunden. Die sechsstündigen Schwellenwerte
beginnen bei 5 cm für leichten Schneefall und bei 20 cm für extrem
starken Schneefall.
Was das aktuelle Wetter angeht, so sind wir von solchen Regen- und
Schneemengen weit entfernt. Das ausgeprägte Bodenhochdruckgebiet
WINFRIED über den Britischen Inseln und Skandinavien, wie auch ein
Höhenrücken über dem Atlantik, führen derzeit dazu, dass
Tiefdrucksysteme Mangelware sind und Deutschland kaum Niederschlag
abbekommt. In Abbildung 1 ist in der linken Karte zur
Veranschaulichung der Gesamtniederschlag bis Sonntag 8 Uhr des
deutschen ICON6-Modells dargestellt. Wunderbar zu sehen ist, wie der
Niederschlag einen großen Bogen um die Bundesrepublik macht und kaum
ein Tropfen fällt. Was Landwirte und Gärtner betrübt, freut so
manchen Sonnenliebhaber. Jedoch sind die Unsicherheiten in der
Vorhersage für das kommende Wochenende noch recht groß. So sagt das
europäische Modell (Abb. 1 rechts) am Samstag Schauer im Westen und
Nordwesten vorher. Es gibt also einen kleinen Licht- (oder eher
Regen-?) Blick für alle, die ein wenig mehr Abwechslung im
Wettergeschehen herbeisehnen.
M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
|
|