Besucher: 1053



Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wetter aktuell

Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern


Teils schwere Gewitter mit heftigem Starkregen und großem Hagel haben
am gestrigen Montag über Teilen Norddeutschlands für schwere Schäden
gesorgt. Auch heute sind erneut unwetterartige Gewitter möglich - wo
und wie stark, soll daher das Thema des Tages sein.


Schwere Gewitter, darunter zeitweise auch rotierende Superzellen,
haben am gestrigen Montagabend bis in die Nacht zum Dienstag hinein
für Chaos in Norddeutschland gesorgt, bei dem auch die Region
Hannover stark betroffen war. Innerhalb kürzester Zeit fielen um und
über 25 l/m², was zu größeren Überflutungen führte. Andernorts sorgte
Hagel mit 3-5 cm Durchmesser für Schäden an Vegetation, Autos und der
Infrastruktur.

Nach den Unwettern ist jedoch vor den neuen Unwettern, denn an der
Großwetterlage hat sich bis heute wenig geändert. Beim Blick auf die
Bodenwetterkarte fällt das großräumige Hoch LAURENT über dem
Nordwesten Europas auf, das bis nach Deutschland ragt. Auf der
anderen Seite steht schwacher Tiefdruckeinfluss über Frankreich
entgegen, was aber insgesamt nur zu schwachen Luftdruckgegensätzen
führt.

Spannender ist dagegen ein Blick in rund 5,5 km Höhe: Hier sieht man
ein umher waberndes Höhentief, dessen Zugbahn von den Modellen nur
schwer erfasst werden kann. Es ist ein bisschen wie mit dem Fettauge
in der Suppe: Es ist da, aber kleinste Impulse reichen für eine
unvorhergesehene Verlagerung. Ebenso könnte man dieses Gebilde auch
einfach als Höhenei bezeichnen.

Dieses Höhentief war es gestern und ist es federführend auch heute,
das die notwendige Hebung erzeugt, die zwingend für hochreichende
Konvektion erforderlich ist. "Garniert" wird diese Gemengelage mit
CAPE-Werten (siehe hierzu das Thema des Tages vom 01.07.2026 (LINK
1)) von rund 1.000 bis lokal 2.000 J/kg, die vor allem vom südlichen
Niedersachsen bis zu den Alpen überregional zu finden sind. Die
größte Feuchte jedoch liegt von der östlichen Mitte bis in den Süden
vor, hier erreichen die Werte des niederschlagbaren Wassers bis zu
35-37 mm.

Fehlt zu guter Letzt noch das "i-Tüpfelchen", nämlich die
Windscherung, also die Änderung des Windes mit der Höhe in Richtung
und Geschwindigkeit. Hier wird deutlich, dass die besten
Scherungsbedingungen vor allem von Hessen/Thüringen bis nach Franken,
teils aber auch weiter südlich zu finden sind. Gegen Abend verstärkt
sich diese mit einer zunehmenden Nordostströmung sogar noch etwas und
erreicht Werte bis 25 m/s.

Ergo kommt auch die Modellwelt zu dem Schluss, dass heute mit
hochreichender, schwerer Konvektion sprich (unwetterartigen)
Gewittern gerechnet werden muss. Diese bilden sich bereits ab dem
frühen Nachmittag zunächst bevorzugt in bergigen Lagen der Mitte, um
dann nach Lesart der deutschen Modellkette rund um ICON-D2 und
ICON-RUC mehr und mehr in den Osten und Süden zu ziehen. Einzelne
"Nachzügler" sind aber spätabends noch immer über der Mitte möglich.


Bei den Begleiterscheinungen steht heute vor allem der Starkregen im
Fokus, der lokal bis zu 40 l/m², strichweise sogar zwischen 40 und 60
l/m² erreichen kann. Dazu kommen Sturmböen oder schwere Sturmböen
zwischen 70 und lokal um 100 km/h. Vor allem im Initiierungsprozess
eines Gewitters kann auch größerer Hagel über 3 cm dabei sein, später
ist mit größeren Hagelansammlungen zu rechnen.

Am morgigen Mittwoch beruhigt sich das Wetter zwar über der
Landesmitte, dem Süden drohen vor allem nachmittags und abends
abermals starke Gewitter bis hin zu ausgewachsenen Unwettern. Mehr
dazu im Laufe des Mittwochs.

M.Sc.-Met. Oliver Reuter

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.07.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuell

Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?


Eine markante Hitzewelle beeinflusst in dieser Woche vor allem die
Südwesthälfte des Landes. Im Verlauf der Woche steigt jedoch das
Schauer- und Gewitterrisiko an. Wird damit auch die Hitze verdrängt?



Viel Sonne und hochsommerliche Temperaturen - so präsentierte sich
der gestrige Sonntag in weiten Teilen Deutschlands. Verbreitet lagen
die Temperaturen am Nachmittag bei um oder über 30 Grad. Damit
herrschte wieder einmal bestes Badewetter. Auch die dritte Juliwoche
startet vor allem in der Südwesthälfte des Landes hochsommerlich heiß
und sonnig.

Grund dafür ist Hoch LAURENT, dessen Einflussbereich sich bis nach
Mitteleuropa erstreckt. Somit dominiert auch am heutigen Montag
erneut häufig die Sonne. Ganz störungsfrei verläuft der Tag jedoch
nicht überall. Ein Blick auf die Höhenwetterkarte zeigt über
Norddeutschland ein kleines Höhentief. Dadurch wird die Luftmasse
dort im Tagesverlauf leicht instabil, sodass vereinzelte aber teils
kräftige Schauer und Gewitter möglich sind. Am wahrscheinlichsten ist
dies von Nordrhein-Westfalen bis nach Schleswig-Holstein. Lokal eng
begrenzt ist bei diesen Gewittern heftiger Starkregen möglich.

In der Nacht auf Dienstag und am Dienstag macht sich dann zusätzlich
im Süden eine schwach ausgeprägte Tiefdruckrinne bemerkbar. Damit
sind bereits in der Nacht im äußersten Süden gewittrige Regenfälle
möglich. Im Norden und der Mitte sind ebenfalls weiterhin vereinzelte
Gewitter möglich. Tagsüber entwickeln sich dann im Süden und der
Mitte des Landes in der zunehmend schwülheißen Luftmasse vornehmlich
über dem Bergland teils kräftige Schauer und Gewitter. Dabei besteht
lokal Unwettergefahr durch heftigen Starkregen! Im Norden ist die
Gewitterneigung aufgrund einer vergleichsweisen recht trockenen
Luftmasse deutlich geringer. Vereinzelte Entwicklungen können aber
auch hier nicht ausgeschlossen werden.

Die Höchsttemperaturen erreichen am Dienstag in der Südwesthälfte 30
bis 35 Grad. Aufgrund der höheren Luftfeuchtigkeit wird die Hitze
allerdings noch belastender empfunden. Nach Osten hin fallen die
Temperaturen etwas niedriger aus, dennoch wird es auch dort
verbreitet hochsommerlich warm bis heiß.

Am Mittwoch setzt sich von Nordwesten her wieder häufiger die Sonne
durch. Im Süden und Osten treten in der weiterhin schwülwarmen bis
heißen Luftmasse erneut Schauer und Gewitter auf. Gleichzeitig gehen
die Temperaturen in der Südwesthälfte etwas zurück. Mit der Zufuhr
trockenerer Luft aus Nordwesten nimmt dort zudem die Wärmebelastung
voraussichtlich etwas ab.

Am Donnerstag verlagert sich der Schwerpunkt des Höhentiefs etwas
nach Nordwesten. Gleichzeitig nimmt es Verbindung auf mit einem
Höhentrog über Westeuropa. Damit gelangen in den Südwesten erneut
wieder etwas heißere Luftmassen, sodass dort am Donnerstag wiederholt
Höchstwerte von bis zu 34 Grad erreicht werden können.

Am Freitag und zum Wochenende hin verlagert sich der Höhentrog nach
Mitteleuropa. Damit nimmt nicht nur die Schauer und Gewittergefahr
deutlich zu, sondern es gehen auch die Temperaturen sukzessive
zurück. Wie stark die Abkühlung ausfällt ist allerdings noch mit
einigen Unsicherheiten verbunden. Während einige Modellösungen einen
deutlichen Rückgang der Temperatur sehen, zeigen andere lediglich
eine moderate Abkühlung. Entscheidend ist dabei die genau Lage und
Ausdehnung des Höhentrogs über Mitteleuropa. Eines zeichnet sich
jedoch bereits jetzt deutlich ab: Die langanhaltende, teils auch
große Hitze im Südwesten des Landes ist ab dem kommenden Wochenende
erst einmal vorbei!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.07.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





Private Wetterstation Altenmarkt a. d Alz - Alle Angaben ohne Gewähr - (c) Matthias Schwanter   -   Seitengeneration erfolgte in 0.0762 Sekunden.