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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wissenschaft kompakt

Sicher auf dem Eis?!


Auf einem zugefrorenen See zu laufen oder mit Schlittschuhen
darüberzugleiten, ist ein besonderes Erlebnis und eröffnet ungewohnte
Perspektiven. Doch oft ist unklar, ob die Eisdecke tatsächlich trägt.
Dieser Beitrag gibt einen Überblick darüber, wie Eis entsteht, wovon
seine Tragfähigkeit abhängt und worauf unbedingt zu achten ist.


In den vergangenen Tagen häuften sich die Meldungen von zugefrorenen
Eisflächen. Insbesondere aus dem Süden und Osten des Landes tauchten
zahlreiche Bilder von Menschenmassen auf zugefrorenen Gewässern auf.
Sogar der Landwehrkanal in Berlin war mit einer Eisschicht bedeckt
und wurde als Flaniermeile genutzt. Die Gefahr, ins Eis einzubrechen,
wird dabei häufig unterschätzt. Nun steigen die Temperaturen an, das
Eis wird dünner und verändert seine Struktur. Beim Betreten der
Eisfläche kann akute Lebensgefahr bestehen!

Doch ab wann ist es möglich, Schlittschuh zu laufen oder ein
zugefrorenes Gewässer gefahrlos zu betreten?

Zunächst benötigt ein See Zeit, um ausreichend abzukühlen. Solange
sich im Wasser noch Schichten mit Temperaturen über 4 Grad Celsius
befinden, steigen diese aufgrund der Dichteanomalie des Wassers nach
oben und verdrängen kälteres Wasser von der Oberfläche nach unten.
Deshalb zeigen viele Seen zu Beginn des Winters selbst nach mehreren
Tagen Dauerfrost noch keine Eisbildung. Häufig dauert es bis in den
Januar hinein, bis größere Seen vom Ufer her zuzufrieren beginnen.

Erst wenn das Wasser im gesamten See auf etwa 4 Grad Celsius
abgekühlt ist, kommt die thermische Durchmischung zum Erliegen. Das
kalte Oberflächenwasser bleibt dann oben, kann weiter auskühlen und
bei anhaltendem Frost gefrieren. Je länger und intensiver der Frost
wirkt, desto stärker wächst die Eisdecke an. Grundsätzlich gilt: Je
weiter der Winter fortgeschritten ist, desto größer ist die Chance,
dass ein See zufriert.

In der Praxis hängt die Eisbildung jedoch von weiteren Faktoren ab:
Tiefe des Sees: Tiefe Seen besitzen einen größeren Vorrat an wärmerem
Tiefenwasser, was das Zufrieren verzögert.
Wind: Wind fördert die Durchmischung. Bei flachen Seen beschleunigt
er die Abkühlung, bei tiefen Seen kann er sie verzögern.
Grundwasserzufluss: Grundwasser ist meist wärmer als 4 Grad Celsius.
Starker Zufluss verzögert die Eisbildung und führt zu Bereichen mit
dünnerem Eis. Baggerseen oder Tagebaurestlöcher frieren daher oft
spät oder gar nicht zu.
Witterung: Fällt kurz nach der Eisbildung Schnee, wirkt dieser
isolierend und bremst das weitere Anwachsen der Eisdecke.
Weitere Einflüsse: Zuflüsse warmer Abwässer, aufsteigende Faulgase
oder Luft, salzhaltiges oder verunreinigtes Wasser schwächen die
Eisbildung zusätzlich.

Wochenlanger Dauerfrost kann nahezu jedes Gewässer mit einer
tragfähigen Eisdecke überziehen. Solche Bedingungen sind in
Mitteleuropa jedoch selten. Günstig wäre eine stabile Hochdrucklage
über Skandinavien oder Westrussland, die sehr kalte, trockene Luft
nach Deutschland lenkt. Hält diese Lage mindestens eine Woche an und
war der Boden zuvor bereits vorgekühlt, können auch größere Seen
zufrieren. Nach einem milden Winter reicht eine kurze Frostperiode
meist nicht aus. In der vergangenen Woche floss arktische Kaltluft
aus nördlichen Breiten nach Deutschland. Diese sorgte in den Nächten
für strengen Frost mit Temperaturen gebietsweise unter -10 Grad
Celsius und selbst tagsüber stieg das Thermometer teilweise nicht in
den positiven Bereich an. So konnten insbesondere in den östlichen
Landesteilen diverse Gewässer zufrieren.

Die Qualität des Eises
Die Tragfähigkeit hängt nicht nur von der Dicke, sondern entscheidend
von der Eisqualität ab. Optimal ist eine Eisbildung bei ruhigem
Hochdruckwetter, ohne Niederschlag und bei wenig Wind. Dann entsteht
sogenanntes "schwarzes Eis". Dieses ist glatt, homogen und nahezu
frei von Lufteinschlüssen. Es ist besonders tragfähig.
Deutlich häufiger entsteht jedoch "weißes Eis". Dieses bildet sich,
wenn Schnee auf das Eis fällt und durch Tauwetter, Regen oder
aufsteigendes Wasser zu Schneematsch wird, der anschließend wieder
gefriert. Weißes Eis enthält viele Lufteinschlüsse, ist inhomogen und
deutlich weniger belastbar. Seine Tragfähigkeit kann im Vergleich zu
gleich dickem schwarzem Eis um den Faktor zehn geringer sein.

Tragfähigkeit und Sicherheitsregeln
Für schwarzes Eis gilt folgende Faustformel,
wobei h die Eisdicke in Zentimetern ist. (Anm.: Faustformel nur
online zu sehen.)

Theoretisch kann bereits 5 Zentimeter (kurz: cm) dickes Eis einen
einzelnen Menschen tragen. Da jedoch selten homogenes schwarzes Eis
vorliegt und die Eisdicke innerhalb eines Gewässers stark variiert,
gelten deutlich strengere Sicherheitsrichtlinien. Die Deutsche
Lebens-Rettungs-Gesellschaft empfiehlt:

Stehende Gewässer: Betreten erst ab mindestens 15 cm Eisdicke
Fließende Gewässer: Betreten erst ab mindestens 20 cm Eisdicke
Besondere Vorsicht ist geboten unter Brücken, in der Nähe von Zu- und
Abflüssen, bei Schilf, starkem Grundwasserzutritt oder aufsteigenden
Gasen - dort ist das Eis oft deutlich dünner.

Flache Gewässer wie Dorfteiche oder überflutete Wiesen frieren
schneller zu und sind für erste Erfahrungen meist weniger gefährlich.
Tiefe Gewässer erfordern konsequent die Einhaltung der genannten
Mindestdicken. Bei überwiegend weißem Eis oder hoher Belastung durch
Schnee oder viele Personen sollte die Eisdicke 20 cm nicht
unterschreiten. Informationen zur Begehbarkeit können bei den
Kommunen eingeholt werden.

Risse und Überlastung
Eis reagiert empfindlich auf Temperaturänderungen. Bei sinkenden
Temperaturen zieht sich die Eisdecke zusammen, bei Erwärmung dehnt
sie sich aus. Dabei entstehen Risse, die meist wieder zufrieren,
solange der Frost anhält. Gefährlich wird es bei Überlastung: Senkt
sich das Eis stark ab, entstehen zunächst Risse an der Unterseite,
dann an der Oberfläche - ein Einbruch steht unmittelbar bevor.
Bewegte Lasten sind dabei weniger gefährlich als stehende.

Im Frühjahr verliert das Eis dann rasch an Stabilität. Zunehmende
Sonneneinstrahlung macht es morsch und brüchig, Schollen lösen sich.
Spätestens dann ist das Betreten nicht mehr verantwortbar.

Verhalten bei Gefahr auf dem Eis
Gerät man auf dem Eis in eine gefährliche Situation, rät die Deutsche
Lebens-Rettungs-Gesellschaft dazu, Ruhe zu bewahren und laut um Hilfe
zu rufen. Knackt oder knistert das Eis, sollte man sich sofort flach
hinlegen, um das Gewicht zu verteilen, und sich langsam in Bauchlage
in Richtung Ufer zurückbewegen. Bei einem Eiseinbruch wird das dünne
Eis vorsichtig zur tragfähigen Fläche hin weggeschlagen, anschließend
zieht man sich bäuchlings auf das Eis und entfernt sich kriechend vom
Gefahrenbereich.

Bei einem Einbruch ist umgehend der Notruf 112 abzusetzen.
Rettungsversuche sind extrem gefährlich und sollten möglichst den
Einsatzkräften von Feuerwehr und DLRG überlassen werden. Muss dennoch
geholfen werden, ist größte Vorsicht geboten: Nur kriechend nähern,
Abstand halten, Hilfsmittel nutzen (z. B. Jacke, Schal, Ast) und
niemals die Hand reichen.

In vielen Regionen Deutschlands gilt das Zufrieren größerer Gewässer
als besonderes Ereignis. Bleibt zu hoffen, dass Vernunft stets
Vorrang vor Leichtsinn hat - damit das Naturerlebnis nicht zur Gefahr
wird.

MSc.-Met. Sebastian Schappert zusammen
mit Dipl.-Meteorologe (FH) Jens Oehmichen

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.01.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuell


Mildes Zwischenspiel ohne Winterrückkehr



Eine westliche bis südwestliche Strömung sorgt für milde Temperaturen
und meist ruhiges Wetter. Nachtfrost nimmt später wieder zu, Schnee
bleibt jedoch aus


Über dem Nordatlantik sind aktuell mehrere Tiefdruckgebiete aktiv,
die für leicht wechselhaftes Wetter in Deutschland sorgen. Mit einer
west- bis südwestlichen Strömung hat sich milde Meeresluft im
gesamten Land durchgesetzt, und selbst der Osten taut langsam auf. Am
deutlichsten macht sich die milde Witterung jedoch in der Westhälfte
bemerkbar.

Am heutigen Mittwoch bringen die Ausläufer des Tiefs HILTRUD regional
Niederschläge. Im Süden bleibt es dagegen sehr wahrscheinlich
trocken, und zwischendurch zeigt sich sogar die Sonne. Lediglich an
der unteren Donau hält sich ganztägig dichter Nebel mit trübem
Wetter. Auch im Nordwesten und Norden lockert die Bewölkung zeitweise
auf, dort bleibt es überwiegend trocken. Die Temperaturen steigen auf
6 bis 14 Grad, im Südosten und Osten werden 2 bis 8 Grad erreicht. In
der Nacht zum Donnerstag ist die Frostgefahr insgesamt gering. Nur
bei längerem Aufklaren im Süden und im äußersten Norden kann es zu
leichtem Frost kommen, dort besteht stellenweise Glättegefahr.
Ansonsten bleibt das Risiko gering.

Der Donnerstag beginnt vielerorts grau und trüb, zeitweise fällt
etwas Regen oder Sprühregen. Von Südwesten her lockert die Bewölkung
jedoch nach und nach auf, und die Sonne zeigt sich immer häufiger.
Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 6 und 14 Grad, im Nordosten
sowie an der unteren Donau zwischen 2 und 5 Grad. In der Nacht zum
Freitag nimmt die Frostgefahr vor allem in der Südosthälfte zu, da es
dort oft gering bewölkt bleibt. Stellenweise bildet sich Nebel, und
örtlich kann es durch überfrierende Nässe glatt werden. In der
Nordwesthälfte ziehen dagegen dichtere Wolken durch, die kaum
Niederschlag bringen, aber dafür sorgen, dass die Temperaturen über
dem Gefrierpunkt bleiben.

Im weiteren Verlauf der Woche zeigt sich das Wetter insgesamt eher
unauffällig. Hin und wieder fällt etwas Regen, regional ? besonders
im Süden und teilweise auch in der Mitte ? sind jedoch längere
sonnige Phasen möglich. In den Nächten steigt die Nebelgefahr.
Während in der Westhälfte zunächst kein Frost zu erwarten ist, kann
es im Osten gebietsweise frieren. Insgesamt kühlt es wieder etwas ab:
Später ist verbreitet mit Nachtfrost zu rechnen, und die
Tageshöchstwerte erreichen meist nur noch einstellige Temperaturen.
Eine erneute winterliche Wetterlage mit Schneefällen ist jedoch nicht
in Sicht. Lediglich im Glaskugelbereich, gegen Ende der nächsten
Woche, gibt es erste Hinweise auf eine Rückkehr des Winters,
zumindest mit Dauerfrost. Bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein
hinunter.


Dipl-Met. Marco Manitta

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.01.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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