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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wetter aktuell


Ein besonderer Winter



Im heutigen Tagesthema geht es um den Winter 2025/26 und warum er
anders als die vergangenen Jahre etwas Besonderes ist.



Noch im Dezember sah nichts nach einem besonderen Winter aus. Der
Winter begann, wie man es gewohnt war, mit deutlich
überdurchschnittlichen Temperaturwerten. So lag das Flächenmittel
über Deutschland bei 3.1°C und damit 2.4 K über der Referenzperiode
1961 bis 1990 und immer noch 1.3 K über der Referenzperiode 1991 bis
2020. Aber schon zum Ende des Jahres 2025 erschienen in den Prognosen
immer stärkere Signale nach einer deutlichen Umstellung der
Großwetterlage hin zu winterlich kaltem Wetter. Geahnt hat aber
sicher noch niemand, dass sich die Großwetterlage als sehr beständig
zeigen würde und bis zum heutigen Tag, abgesehen von kleineren
Schwankungen, Bestand hat.

Festgefahrene Großwetterlage

In der Grafik mit der Druckanomalie erkennt man die Abweichung des
Bodenluftdrucks vom 01.01. bis 11.02.2026 über Europa. Während der
Luftdruck von Island über das Nordmeer bis nach Skandinavien in
diesem Zeitraum überdurchschnittlich hoch gewesen ist (bis 15 hPa
über dem Mittel), war die Druckanomalie von Westeuropa bis ins
östliche Mittelmeer deutlich negativ. Über der Biskaya lag der
mittlere Druck deutlich über 15 hPa unter dem vieljährigen
Mittelwert. Solche großen Druckanomalien über so einen langen
Zeitraum sprechen für eine sehr beständige Großwetterlage - und das
hat Folgen.


Blick auf Deutschland | Der Januar 2026

Widmen wir unseren ersten Blick auf Deutschland. Der Januar 2026 war
im Flächenmittel über Deutschland der erste unterdurchschnittliche
Monat seit August 2021 (also seit 53(!) Monaten) im Vergleich zur
Referenzperiode 1961 bis 1990. Aber selbst im Vergleich zur
Referenzperiode 1991 bis 2020 gab zuletzt nur noch selten
unterdurchschnittliche Monate (in den vergangen drei Jahren, waren es
gerade einmal zwei).


Blick auf Deutschland | Große regionale Unterschiede

Schaut man etwas genauer hin, dann ergeben sich aber regional große
Unterschiede, die sich in der ersten Hälfte des Februars nochmal
verstärkt haben. Um das zu verdeutlichen sieht man in der
nachfolgenden Grafik die mittlere Temperatur vom 01.01. bis zum
12.02.2026 für ein paar ausgewählte Stationen, sowie die Differenz
zum Mittelwert von 1961 bis 1990. Man erkennt ein klares
Südwest-Nordostgefälle.
So liegen die negativen Abweichungen im Nordosten und Teilen des
Ostens zum Teil bei über 3 K im Vergleich zu 1961 bis 1990. Trotz
des milden Dezembers liegt der Mittelwert für den Gesamtwinter in
Mecklenburg-Vorpommern bei +0.4°C und in Brandenburg/Berlin bei
+0.1°C. Damit könnte es dort der kälteste Winter seit 2012/2013
werden und dieser im Bereich der Klimareferenzperiode 1961 bis 1990
abschließen.
Ganz anders das Bild im Südwesten und Westen des Landes. Von der
Kälteperiode Anfangs des Jahres und temporären Schneeereignissen
abgesehen, merkt man nicht viel von einem besonderen Winter. Im
Gegenteil war die Periode 01.01-12.02.2026 vom Ober- bis zum
Niederrhein sogar wärmer, als die Referenzperiode 1991 bis 2020.


Blick auf Deutschland | Frühblüher, Eis und Überflutungen

Man kann die Unterschiede auch anders zusammenfassen: Während im
Südwesten bereits die Frühblüher zu sehen sind, türmt sich auf der
Ostsee das Eis. Die Karten zur Eisdecke vom Bundesamt für
Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) zeigen vor allem über dem
Bottnischen und Finnischen Meerbusen ausgedehnte und zunehmend dicke
Eisflächen. Aber auch an der Ostsee zwischen Usedom und Rügen bis zum
Darß hat sich mittlerweile eine geschlossene Eisfläche gebildet.
Auch im Boden steckt der Frost tief drin. So zeigen die Messwerte im
Osten und Nordosten zum Teil bis zu einer Tiefe von einem halben
Meter frostige Werte. Das hat zum Teil auch kuriose Folgen, wie eine
Meldung von gestern zeigt. Trotz des bisher sehr trockenen
Winterverlaufes gab es in Mölln östlich von Hamburg gestern
Hochwasser (https://www.nordkurier.de/regional/neubrandenburg/als-der-schnee-sch
milzt-werden-strassen-zu-sturzbaechen-keller-laufen-voll-4354056).
Grund dafür war das vorübergehende Tauwetter. So konnte das
Schmelzwasser aufgrund der gefrorenen Böden einfach nicht abfließen
und führte zu lokalen Überflutungen.


Folgen der Großwetterlage in Europa

Aber nicht nur in Deutschland hat die persistente Großwetterlage
Folgen. Viele der Meldungen aus den Medien in verschiedenen Orten
Europas hängen unmittelbar damit zusammen:

In den südlichen Teilen von Finnland war es der kälteste Jahresstart
seit 39 Jahren (01.01.-12.02.) und auch in Lappland war der Januar
2026 so kalt wie seit 1987 nicht mehr. In Estland gibt es die längste
Periode mit Eistagen (Maximum < 0°C) am Stück seit 2009/2010 (derzeit
45, 2009/2010: 56).
Demgegenüber steht ein schneefreies Island. So wurde in der
Hauptstadt Reykjavík im gesamten Januar kein Schnee gemessen. Dass
der erste Monat des Jahres dort komplett schneefrei ist, gab es
zuletzt 1929 und 1940 (https://icelandmonitor.mbl.is/news/news/2026/02/03/no_snow_in_reykja
vik_in_january/). Die letzte Schneedecke wurde in Reykjavík am
16.Dezember 2025 registriert.
Auch die Extremniederschläge im Mittelmeer, sei es in Griechenland
und der Türkei oder von der Iberischen Halbinsel bis nach Frankreich,
Marokko und Algerien, sind eine direkte Folge der festgefahrenen
Großwetterlage. Überall dort führen die Flüsse zum Teil extremes
Hochwasser.


Bei der Badewanne Ostsee wurde der Stöpsel gezogen

Besonders bemerkenswert ist außerdem das Niedrigwasser der Ostsee.
Durch die festgefahrene Wetterlage mit Winden vornehmlich aus
östlicher Richtung, hat sich der Wasserstand der Ostsee massiv
reduziert. Die Ostsee wurde quasi wie eine Badewanne in Richtung
Nordsee entleert. Wie das BSH berichtet ist die Ostsee so "leer" wie
seit Jahrzehnten nicht mehr. Vergleich man den Wasserstand mit Beginn
des Jahres, so zeigt sich ein Wasserverlust von 390 Milliarden
Kubikmeter Wasser (das entspricht in etwa 156 Millionen olympischen
Schwimmbecken). Laut neuesten Auswertungen liegt der Wasserstand am
Pegel Landsort-Norra so tief wie seit Beginn der Messungen im Jahr
1886. Dabei ergeben sich große Unterschiede. Die größten
Wasserverluste gibt es in der nördlichen und östlichen Ostsee,
während die Unterschiede an der deutschen Ostseeküste eher gering
sind. Eindrücklich sind die Werte vor allem in Finnland. In Helsinki
lag der Pegelstand zeitweise über 90 cm niedriger als normal. Eine
Berechnung des Mittels aller finnischen Pegel ergab einen neuen
historischen Tiefststand seit der Aufzeichnungen 1971 (-79 cm am
06.02.).
Dieses historische Ereignis wird möglicherweise auch für die Zukunft
Folgen haben, wie das Leibniz Institut für Ostseeforschung in
Warnemünde berichtet. So ist ein Eintrag an sauerstoffhaltigem
Salzwasser aus der Nordsee zu erwarten, sobald die Winde wieder
nachhaltig auf West drehen (https://phys.org/news/2026-02-sea-baltic-reshape-physical-conditions
.html)


Dieser Winter zeigt eindrucksvoll, wie weitreichend die Folgen einer
stabilen Großwetterlage sein können - und wie eng die Wetterphänomene
in Europa miteinander verknüpft sind. Auch für die kommenden Tage und
Wochen deuten sich weitere spannende Entwicklungen an. Der besondere
Winter 2025/26 ist also noch längst nicht vorbei.


Dipl.-Met. Marcus Beyer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.02.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wissenschaft kompakt


Was haben die Herren Rosenthal und Mie mit dem 13. Februar zu tun?



Am heutigen Freitag würde Gottfried Erich Rosenthal seinen 281.
Geburtstag feiern. Daneben jährt sich heute der Todestag von Gustav
Mie zum 69. Mal. Diesen beiden Persönlichkeiten sei das heutige Thema
des Tages gewidmet.


Am heutigen Freitag feiern, wie an jedem Tag des Jahres, viele Leute
ihren Geburtstag. Naturgemäß befinden sich darunter einige namhafte
Leute. Daneben jähren sich heute, auch wie an jedem Tag des Jahres,
die Todestage vieler Leute, darunter ebenfalls einige namhafte. Ein
spezielles Augenmerk soll an dieser Stelle auf zwei gelegt werden,
die in der Meteorologie ihre Spuren hinterließen.

Da wäre zum einen Gottfried Erich Rosenthal. Er wurde am 13. Februar
1745 in Nordhausen geboren und war neben seiner Tätigkeit als
Messgerätebauer ein sogenannter herzoglicher Bergkommissarius, ein
höherer Bergbeamter im Kurfürstentum Sachsen-Gotha. Daneben war er
ein Pionier der Meteorologie, auch wenn er in diesem Fachgebiet
vielleicht nicht gerade zu den bekanntesten zählt.

Als Sohn eines Bäckermeisters interessierte er sich bereits früh für
Mathematik. Die exakte Bestimmung von Maßen und Gewichten war ihm
genauso wichtig wie Feldmessungen, bei denen er seine guten
geometrischen Kenntnisse einbringen konnte. Seine meteorologische
Forschungsarbeit begann damit, dass er zunächst ein Barometer des
Schweizer Erfinders Jean-André Deluc verbesserte. Mit diesem bestieg
er 1780 den Brocken. Dabei entdeckte er die Möglichkeit der
barometrischen Höhenmessung, womit er in der Folge Landkarten genauer
machen konnte.

Mithilfe der barometrischen Höhenmessung kann man über Messungen des
Luftdrucks in zwei verschiedenen Höhen die Höhendifferenz bestimmen.
Voraussetzung hierfür ist eine einheitliche absolute Temperatur in
der Atmosphäre. Der Zusammenhang zwischen der vertikalen Ausdehnung
einer Luftschicht und der entsprechenden Änderung des Luftdrucks
innerhalb dieser Luftschicht kann somit für eine qualitative
Höhen-Messmethode genutzt werden.

Daneben interessierte er sich für den Frühling und wie man ihn
terminieren konnte. Hierfür legte er zahlreiche Tabellen an und
veröffentlichte diese. Um seine Forschungen finanzieren zu können,
baute er meteorologische Messgeräte. Dies machte ihn sogar mit Johann
Wolfgang von Goethe bekannt, der ihn scherzhaft als "Nordhäuser
Wetterpropheten" bezeichnete.

Am 26. Mai 1813 starb er 68-jährig in Nordhausen. Als Ehrung für
seine Arbeit ist in seiner Heimatstadt eine Straße nach ihm benannt.

Eine andere Persönlichkeit des heutigen Tages ist Gustav Adolf Feodor
Wilhelm Ludwig Mie, der am 29. September 1868 in Rostock geboren
wurde. Ab 1886 studierte er Mathematik und Physik in Rostock und
Heidelberg. Daneben besuchte er auch Vorlesungen anderer Disziplinen.
1891 promovierte er mit der Schrift "Zum Fundamentalsatz über die
Existenz von Integralen partieller Differentialgleichungen". Nach
seiner Habilitation 1897 an der Technischen Hochschule Karlsruhe
hatte er in seiner wissenschaftlichen Karriere verschiedene
Positionen an unterschiedlichen Instituten inne. Ab 1924 arbeitete er
schließlich bis zu seiner Emeritierung 1935 an der Universität
Freiburg. Am 13. Februar 1957 starb er 88-jährig in Freiburg.

Bei seiner Forschungsarbeit widmete er sich unter anderem dem
Streuungsverhalten von elektromagnetischen Wellen. Nach ihm wurde
dann auch die Mie-Streuung benannt. Diese beschreibt die elastische
Streuung elektromagnetischer Wellen an sphärischen Objekten, deren
Durchmesser in etwa der Wellenlänge der Strahlung entspricht oder
größer ist als diese. Zudem müssen bei der Mie-Streuung die
Materialeigenschaften der streuenden Teilchen beachtet werden.

Als kleiner Exkurs: Bei der Rayleigh-Streuung ist dies anders.
Unabhängig von den Materialeigenschaften beschreibt diese die
elastische Streuung elektromagnetischer Wellen an kugelförmigen
Teilchen, deren Durchmesser deutlich kleiner ist als die Wellenlänge.
Ein Beispiel hierfür ist zum Beispiel die Streuung von Licht an
kleinen Molekülen. Mit dieser lässt sich unter anderem erklären,
warum der Himmel blau erscheint und warum dieser am Morgen und am
Abend in Rottönen leuchten kann
(https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/3/9.html).

Trotz unterschiedlicher Werdegänge hinterließen die Herren Rosenthal
und Mie ihre Spuren in der Meteorologie. Wie in jedem anderen Metier
auch ist es aber immer wieder spannend zu erfahren, wie persönliches
Interesse zu Entdeckungen und Erfindungen anspornen kann.


M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.02.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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