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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wetter aktuell
Zwischen Hoch und Tief im meteorologischen Niemandsland
Deutschland liegt aktuell zwischen zwei Tiefdruckgebieten und
profitiert vorübergehend vom Einfluss eines Hochs. Ruhiges, mildes
Wetter steht im Vordergrund, bevor sich zum Wochenende eine
Umstellung andeutet.
Wettermäßig befindet sich Deutschland aktuell in einer eher
unspektakulären Lage: zwischen zwei Tiefdruckgebieten, die beide nur
am Rande Einfluss ausüben. Tief VIRGINIA liegt über dem Nordatlantik
westlich der Britischen Inseln, während sich Tief ULLA I über
Süditalien befindet. Deutschland verbleibt damit gewissermaßen in
einem ?Niemandsland? zwischen den wetterbestimmenden Systemen.
Diese Konstellation ermöglicht es Hoch STEFAN, vorübergehend die
Regie zu übernehmen. Am Mittwoch weitet das Hoch seinen Einfluss auf
weite Teile Deutschlands aus. Besonders in der Mitte und im Norden
dominiert zunächst sonniges Wetter, während sich im Südosten noch
dichtere Wolken halten. Im Laufe des Tages macht sich jedoch von
Westen her die Annäherung von Tief VIRGINIA bemerkbar, dessen
Wolkenfelder langsam ins Land ziehen. Dennoch bleibt es insgesamt
trocken. Die Temperaturen steigen mit Unterstützung der
Sonneneinstrahlung auf 16 bis 20 Grad, am Mittel- und Niederrhein
lokal bis 21 Grad. An den Küsten bleibt es aufgrund maritimer
Einflüsse etwas kühler. Der Wind ist schwach und spielt keine
wesentliche Rolle im Wettergeschehen.
In der Nacht zum Donnerstag verliert Hoch STEFAN zunehmend an
Einfluss. Gleichzeitig greifen die Ausläufer von Tief VIRGINIA auf
den Nordwesten über und bringen dort dichtere Bewölkung sowie etwas
Regen. Auch in den übrigen Regionen zeigt sich der Himmel vielfach
wolkig. Die Wolkendecke wirkt dabei wie eine isolierende Schicht,
sodass die Temperaturen nicht mehr so stark zurückgehen. Nur im Osten
kann es örtlich noch zu leichtem Frost in Bodennähe kommen, ansonsten
liegen die Tiefstwerte zwischen 9 und 4 Grad.
Am Donnerstag prägen die Reste dieser Tiefausläufer das
Wettergeschehen. Insgesamt überwiegen die Wolken, sonnige Abschnitte
bleiben selten. Im Tagesverlauf entwickeln sich einzelne Schauer,
vereinzelt auch kurze Gewitter. Mit der südwestlichen Strömung wird
mildere Luft nach Deutschland geführt, sodass die Höchsttemperaturen
trotz der dichten Bewölkung 17 bis 22 Grad erreichen. Der Wind bleibt
abseits von Schauern schwach.
In der Nacht zum Freitag verstärkt sich der Hochdruckeinfluss erneut.
Die Schauer klingen ab, und gebietsweise lockert die Bewölkung auf.
In der feuchten Luftmasse kann sich jedoch örtlich Nebel bilden.
Insgesamt bleibt es meist frostfrei.
Der Freitag zeigt sich dann überwiegend freundlich. Schauer treten
nur noch vereinzelt auf, und die Temperaturen steigen leicht an. Im
Südwesten werden bis zu 24 Grad erreicht, sonst liegen die
Höchstwerte zwischen 17 und 23 Grad. Auch der Samstag präsentiert
sich ähnlich, mit viel freundlichem Wetter und milden Temperaturen.
Lediglich im Nordwesten macht sich erneut zunehmende Bewölkung
bemerkbar, verbunden mit etwas Regen.
Am Sonntag stellt sich schließlich eine Umstellung der Wetterlage
ein. Die Wolken überwiegen, und gebietsweise fällt Regen.
Gleichzeitig geht die Temperatur zurück, mit Höchstwerten zwischen 13
und 20 Grad. Zudem frischt der Wind etwas auf und dreht auf nördliche
Richtungen.
Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wissenschaft kompakt
Hinweise auf ungewöhnlich starken El Niño im Laufe des Jahres
Die Signale für ein neues El-Niño-Ereignis im Jahr 2026 verdichten
sich. In der Fachwelt wird bereits über die Intensität diskutiert,
während die Modelle eine enorme Spannbreite an Szenarien liefern.
Warum Prognosen zu diesem Zeitpunkt besonders schwierig sind und wie
der globale Temperaturtrend die Ergebnisse beeinflusst, zeigt unser
Blick auf die aktuellen Daten.
El-Niño wird das Auftreten ungewöhnlicher und unregelmäßig
wiederkehrender Veränderungen der Meeresströmungen im
ozeanografisch-meteorologischen System des äquatorialen Pazifiks
genannt. Das Phänomen tritt in unregelmäßigen Abständen von
durchschnittlich vier Jahren auf. Durch veränderte Zirkulationsmuster
in der Atmosphäre ändern sich auch die oberflächennahen
Meeresströmungen und es kommt großräumig zu höheren
Meeresoberflächentemperaturen als im Normalzustand. Weiterführende
Informationen zu El-Niño und seinem Gegenstück La-Niña finden Sie
unter: Klimalexikon.
In der vergangenen Woche wurde El-Niño in einigen Medien zum Thema
gemacht und tatsächlich liefern verschiedene Modelle deutliche
Hinweise auf das Auftreten dieses Phänomens im Laufe des Jahres. Bei
genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch die Komplexität der
Datenlage. In Abbildung 1 sind für den September 2026 von
verschiedenen Modellen die prognostizierten Abweichungen der
Meeresoberflächentemperatur für den relevanten Teil des Pazifiks
dargestellt. Für jedes Modell ist dann nochmal die Bandbreite
innerhalb des Modells als Farbbereich aufgetragen. Ab +0,5 Grad
Abweichung spricht man von einem El-Niño-Ereignis. Die meisten
Modellergebnisse konzentrieren sich bei Anomalien um +2 Grad. Die
Bandbreite reicht aber von -0,5 bis +4 Grad. Ab +2 Grad Abweichung
spricht man von einem sehr starken El-Niño. Das Modell des Deutschen
Wetterdienstes ist dabei ein eher "kühler" Vertreter mit Abweichungen
um +1 Grad. Das Modell des Europäischen Zentrums für
Mittelfristvorhersage (ECMWF) befindet sich mit etwa +2 Grad
Abweichung im Mittelfeld der Modelle.
Die Signale für einen El-Niño sind sehr deutlich, für einen sehr
starken El-Niño ungewöhnlich hoch. Doch wie sicher sind solche
Prognosen eigentlich? Das ECMWF hat diesbezüglich einen Artikel
veröffentlicht: ECWMF
In diesem Artikel wird auf die Unsicherheiten der Prognose
eingegangen. Unter anderem wird auf die sogenannte "spring
predictability barrier" verwiesen. Diese besagt, dass Änderungen des
Klimasystems im Frühling schwieriger vorherzusagen sind als im Rest
des Jahres. Erst ab Ende Mai oder Juni, wenn die Kopplung zwischen
Ozean und Atmosphäre (z. B. schwächer werdende Passatwinde)
deutlicher wird, steigt die Zuverlässigkeit der Prognosen.
Als eine Möglichkeit die Vorhersagekraft einzuordnen, wird der
Vergleich vergangener Prognosen mit der Wirklichkeit genannt. In
Abbildung 2 werden dazu die Prognosen vom 1. April 2023 und 2017
(rote Kurven) mit der Wirklichkeit (blaue Kurve) gegenübergestellt.
2023 lagen die Abweichungen im Herbst etwas höher als im Frühling
simuliert. 2017 kam es entgegen der Simulationen nicht zu einem
El-Niño, sondern zu einem schwachen La-Niña Ereignis.
Zusätzlich macht der voranschreitende Klimawandel die Prognosen
komplexer. Nicht alle Prozesse und Wechselwirkungen im Klimasystem
können perfekt dargestellt werden. Systematische Modellfehler könnten
nichtlinear mit dem Klimawandel interagieren. Durch den allgemeinen
Anstieg der Meerestemperaturen wird es schwieriger, einen
"Normalzustand" zu definieren und Abweichungen davon zu berechnen. Im
Hinblick auf die Auswirkungen von El-Niño könnte der Klimawandel zu
anderen oder in der Intensität anderen Auswirkungen führen.
Zusammenfassung: Ein El-Niño-Ereignis ist wahrscheinlich, die Stärke
noch sehr unsicher und der Klimawandel sorgt für zusätzliche
Unsicherheiten in der Prognose eines solchen Ereignisses und im
Hinblick auf mögliche Auswirkungen.
M.Sc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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