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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wissenschaft kompakt

Genormt bis unters Dach: Die Standardatmosphäre



Eine Welt ohne Normen und Standards? Kaum vorstellbar. Da bildet
natürlich auch die Meteorologie keine Ausnahme. Im heutigen Thema des
Tages blicken wir auf die sogenannte Standardatmosphäre


Tief MARLIS über Südskandinavien beschert uns mit seiner Kaltfront am
heutigen Mittwoch einen Wetterumschwung: weg vom (sehr) milden
Frühlingswetter hin zu einer eher spätwinterlich anmutenden
Witterung. Auch in den Folgetagen wird es dem hohen Luftdruck sehr
schwerfallen, sich nachhaltig durchzusetzen. Stattdessen geben sich
die Tiefdruckgebiete regelrecht die Klinke in die Hand und lassen
immer wieder ihre Ausläufer über Deutschland hinwegziehen.


Haben Sie sich schon mal gefragt, wann man eigentlich von hohem und
wann von tiefem Luftdruck spricht? Wurde da vielleicht irgendwann mal
ein bestimmter Druckwert festgelegt? Ja, genauso ist es (wobei es
auch relative Hoch- und Tiefdruckgebiete gibt, die sich nicht an
diesen Wert "halten", aber das nur am Rande)!


Dieser Druckwert ist Teil der sogenannten Standardatmosphäre. Sie
wurde von der International Civil Aviation Organization (ICAO), zu
Deutsch Internationale Organisation für zivile Luftfahrt, ins Leben
gerufen und weltweit verbindlich festgelegt. Sie beschreibt den
mittleren Zustand unserer Erdatmosphäre in den mittleren Breiten.
Genau genommen geht es um die durchschnittliche Druck-, Temperatur-
und Dichteverteilung. Diese betragen 1013,25 hPa, 15 Grad (Celsius),
und 1,2250 kg pro Kubikmeter. Tages- und jahreszeitliche Schwankungen
werden dabei außer Acht gelassen. Dazu wird die Luft als absolut
trockenes Gas betrachtet, die relative Luftfeuchtigkeit beträgt also
0 %.


Vielleicht fragen Sie sich, wofür man denn bitte standardisierte
Werte für atmosphärische Eigenschaften braucht, die in dieser Form
über ein ganzes Jahr betrachtet wohl nur sehr selten gemeinsam
auftreten. Nun, ihren Einsatz findet die Standardatmosphäre zum
Beispiel - wie der Name ihrer Gründungsorganisation schon verrät - in
der Luftfahrt. Dort werden diese Mittelwerte unter anderem zur
Eichung von Messgeräten, wie den Höhenmessern in Flugzeugen,
herangezogen.


Und da es in der Luftfahrt auch immer hoch hinaus geht und die
Atmosphäre natürlich nicht zwei-, sondern dreidimensional ist, gibt
es nicht nur für das Bodenniveau, sondern auch für höhere
Luftschichten Standardwerte. Beim Luftdruck zählen dabei zum Beispiel
850 hPa in 1,5 km Höhe, 500 hPa in 5,6 km Höhe und 300 hPa in 9,2 km
Höhe. Am Oberrand der Troposphäre, der auf 11 km Höhe genormt wurde
und das Ende der untersten Schicht unserer Atmosphäre beschreibt,
liegt der Luftdruck nur noch bei 226,32 hPa. Die Luftdichte nimmt
ebenfalls Stück für Stück ab und wurde in 11 km Höhe auf 0,3692 kg
pro Kubikmeter festgesetzt.


Die standardisierte Temperaturabnahme mit der Höhe beträgt 0,65 K pro
100 m (entspricht 0,65 Grad Celsius pro 100 m). In der "Realität"
entspricht dieser Wert der Temperaturabnahme von gesättigter, also
feuchter Luft. Trockene Luft kühlt dagegen mit der Höhe um 1 K pro
100 m, also stärker ab. Aber zurück zum Standard. Im Druckniveau 850
hPa liegt die Temperatur damit bei 5,5 Grad, in 500 hPa bei -21,3
Grad und in 300 hPa bei -44,5 Grad. Für den Oberrand der Troposphäre
ergeben sich schließlich -56,5 Grad.


Da sich in der Troposphäre unser tägliches Wettergeschehen abspielt,
wollen wir unseren Höhenflug an dieser Stelle beenden. Weitere
Informationen zur Standardatmosphäre finden Sie zum Beispiel im
DWD-Wetterlexikon

Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.03.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wissenschaft Kompakt

Harry Houdini



Am 24. März 1874 erblickte Erik Weisz das Licht der Welt. Er wurde
bekannt als Harry Houdini - einer der berühmtesten Magier der Welt.
Auch beim Wetter gibt es "Magie".


Den Namen Harry Houdini hat fast jeder schon einmal gehört. Manch
einer benutzt ihn oder Abwandlungen davon, um das Entkommen aus
ausweglos scheinenden Situationen zu beschreiben. Auch in die Musik
hat es Houdini geschafft. Dua Lipa und Eminem haben in den
vergangenen Jahren Songs mit dem Titel "Houdini" herausgebracht.
Harry Houdini war aber gar kein so guter Zauberer. Er war laut, seine
Shows wirkten oft uninspiriert und zogen daher nur wenig Publikum an.
Als er sich aber auf die Entfesselung konzentrierte und die Stunts
dabei immer spektakulärer wurden, gewann er an Popularität.
Neben der Entfesselung beschäftigte sich Houdini auch mit der
Wissenschaft. Er war ein entschiedener Gegner des Spiritismus und
kämpfte für die Aufklärung von als übernatürlich angesehenen
Phänomenen. Dabei machte er sich jede Menge Feinde. Er starb am
31.10.1926 in einem Krankenhaus in Detroit an einer
Bauchfellentzündung, hervorgerufen durch einen geplatzten Blinddarm.

Wenn Sie sich jetzt fragen, was Houdini mit dem Wetter zu tun hat,
dann kann ich Ihnen sagen: Nichts. Er begeisterte sich zwar im
weitesten Sinne für die Wissenschaft und war ein Fan des Fliegens,
war aber nicht näher an der Meteorologie dran.
Es gibt aber beim Wetter so etwas wie "Zauberei". Dabei muss man ganz
klar den Volksglauben und den Schamanismus von der modernen
Wetterbeeinflussung unterscheiden. Der berühmte "Regentanz"
(beschrieben in einem früheren Thema des Tages:
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2018/9/17.html) beruht
doch mehr auf dem Aberglauben. Wohingegen das Impfen der Wolken mit
Silberiodid oder anderen Stoffen einen tatsächlichen - wenn auch
umstrittenen - Einfluss hat.
Beim sogenannten "Cloud-Seeding" (zu Deutsch: Wolkensaat) werden
chemische Mittel (zumeist Silberiodid oder Trockeneis) aus Flugzeugen
heraus in die Luft gebracht. Sie sollen Wolken zur verstärkten
Konvektion und damit zum Abregnen bringen. Einerseits nutzt man diese
Prozedur für das Erzeugen von Regen in trockenen Gebieten, wie zum
Beispiel in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Andererseits
versucht man aber auch entstehende Konvektion zu beschleunigen, um
die Bildung von größerem Hagel zu verhindern und so Schäden an der
Vegetation zu minimieren. Letzteres wird auch in Deutschland noch
betrieben. In China gibt es immer wieder Versuche, durch das
frühzeitige Abregnen von Wolken an einzelnen Tagen oder zu bestimmten
Zeiten "schönes" Wetter zu haben - zum Beispiel an Feiertagen oder zu
besonderen Veranstaltungen.
Die Wetterbeeinflussung ist keine neuzeitliche Erfindung. Schon vor
Christi Geburt gab es Maßnahmen zur Abwehr von Gewittern. Damals
wurden noch aus Aberglauben heraus Gegenstände (meist Kugeln oder
Pfeile) in die Luft geschossen, um Gewitterdämonen zu töten. Der
Aberglaube wurde erst im 18. Jahrhundert vom Glauben an eine
physikalische Wirkung abgelöst. Damals nahm man an, dass hohe Gebäude
und auch Flüsse Gewitter anziehen. Und so gab es die Erlaubnis,
Kugeln in die Luft zu schießen, um so die Blitze anzuziehen und
dadurch das Gewitter vorzeitig oder andernorts zu entladen.
Auch glaubte man daran, dass mehrere Schüsse in den Himmel
verhinderten, dass die Gewitter sich nach unten - also zur Erde hin -
ausbreiteten. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kombination aus
Schall und Schwarzpulver populär - es war die Hochzeit der
Wetterkanonen. Auch heute sind noch einige dieser Exemplare im
Betrieb. Allerdings kommt kein Schießpulver mehr zum Einsatz. Die
modernen Kanonen emittieren - mit lautem Knall - ein
Propangasgemisch, die die Gewitterwolken verwirbeln sollen, um so die
Entstehung von Hagel zu reduzieren.

Wissenschaftlich beweisen konnte und kann man die Wirksamkeit der
Kanonen aber nicht. Vielmehr zweifelt die Wissenschaft daran, dass
eine Kanone mit begrenzter vertikaler Reichweite eine Gewitterwolke
mit bis zu 13 km vertikaler Ausdehnung beeinflusst.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.03.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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