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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wetter aktuell
Kaltfront in Lauerstellung
Das Hochdruckgebiet FLORIAN zieht nach Osten ab - und nimmt das
ruhige Herbstwetter mit. Was auf FLORIAN folgt, insbesondere am
kommenden Wochenende, wird im heutigen Thema des Tages beleuchtet.
Das Leben ist kein Wunschkonzert - und als Bestätigung dafür reicht
ein Blick auf die Wetterentwicklung der kommenden Tage über
Mitteleuropa. Viele hätten es sicherlich gerne gesehen, dass das
ruhige Herbstwetter, das uns Hoch FLORIAN beschert, bis zum
Wochenende anhalten würde. Aber leider beginnt das Wetter am morgigen
Freitag, beginnend im Nordwesten, mit einer markanten Umstellung.
Beim Blick auf das Satellitenbild lässt sich dies auch schon erahnen.
So ist in Abbildung 1 ein breites Wolkenband zu erkennen, das sich
von den Azoren kommend über Irland, Großbritannien und Norwegen
hinweg bis ins Nordmeer erstreckt. Es gehört zu dem am oberen
Bildrand erkennbaren Orkantief nordöstlich von Island, das sich mit
einem Kerndruck von unter 960 Hektopascal (hPa) als ordentlicher
Kaventsmann erweist. Bevor der Blick auf das Übergreifen der Front
auf Mitteleuropa am Freitag und in der Nacht zum Samstag gerichtet
werden soll, bleiben wir aber noch einen Moment bei dem sehr
eindrucksvollen Satellitenbild.
Ausgesprochen hübsch anzusehen ist dabei die westlich der Front über
weiten Teilen des Nordatlantiks einfließende labil geschichtete
Kaltluft, erkennbar an den an einen Streuselkuchen erinnernden
Cumuluswolken. Faszinierend ist aber auch die Region zwischen Litauen
im Norden und Rumänien im Süden sowie zwischen Zentralpolen im Westen
und der zentralen Ukraine im Osten. Dort umfassen bläulich wirkende,
aus Eis bestehende hohe Cirruswolken einen ovalen Kern, in dem "nur"
flache, weißlich-grün wirkende Wolken beobachtet werden können.
Geschuldet ist diese auffällige Struktur einem Höhentief, welches
dort in Richtung Süden unterwegs ist. Im Bereich des Höhentiefs hat
sich eine Inversion ausgebildet, die das Wolkenwachstum in einer Höhe
von etwa 750 hPa, also in etwa 2,5 km Höhe, begrenzt. In der
Abbildung 2, die den Verlauf von Temperatur und Feuchte mit der Höhe
über Nordostpolen zeigt (rotes Kreuz in Abbildung 1, Modell ICON-EU)
ist dies der blau markierte Höhenbereich. Dort steigt die Temperatur
mit zunehmender Höhe vorübergehend an, und folglich können die Wolken
nicht über diesen Höhenbereich hinaus anwachsen. Letztendlich lassen
sich so auch die Unterschiede in den Wolkenarten erklären.
Doch jetzt wieder zurück zur erwarteten Wetterentwicklung bei uns.
Die Abbildung 3 zeigt die erwartete Lage der Fronten sowie die
Druckverteilung am morgigen Freitag um 12 UTC (14 MESZ). An der
langgestreckten Front soll sich ein kleinräumiges Tief bilden
(IRIMA). Die Vorhersagemodelle erwarten IRIMA in den morgigen
Mittagsstunden an der Nordspitze Dänemarks, von dort soll IRIMA nach
Nordosten weiterziehen. Damit kann aber auch der sich südlich an
IRIMA anschließende Teil des langgestreckten Frontenzuges als
Kaltfront auf Mitteleuropa übergreifen.
Was die Vorhersagemodelle aktuell recht unisono vermuten ist, dass
die Front bis Samstagmorgen die Mitte erreicht und somit in der
Westhälfte Regen fällt, die Osthälfte aber noch trocken bleiben soll.
Danach beginnen die Modelle in ihren Niederschlagsverteilungen
auseinander zu driften. Denn während manche Modelle wie
beispielsweise das Modell IFS des Europäischen Zentrums für
Mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) die neuerliche Entwicklung
eines kleinräumigen Tiefs an der Front andeutet, diesmal allerdings
über Mitteldeutschland, geht unser DWD-Modell ICON einen anderen Weg.
Letzteres schiebt die Front anfangs recht "glatt" nach Südosten
durch, ohne dass über der Mitte oder dem Osten eine Intensivierung
der Niederschläge vorgesehen wäre.
Mit den Modellunterschieden geht es aber am Sonntag munter weiter.
Dann sind es u. a. markante Unterschiede in den Strömungsmustern in
850 hPa (etwa 1,5 km Höhe), die zu verschieden gelagerten
Niederschlagsverteilungen und Schwerpunkten führen. Ein Beispiel
gefällig: Während IFS in den 24 Stunden von Sonntagfrüh bis
Montagfrüh im Westen maximal 5 l/qm an Regen erwartet, sind es bei
ICON lokal über 30 l/qm. Letztendlich zeigt Abbildung 4 die
72-stündigen Niederschlagssummen von IFS und ICON bis zum
Montagmorgen 06 UTC (08 MESZ). Es bleibt abzuwarten, welches Modell
der Realität am Ende am nächsten ist.
Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wissenschaft kompakt
Verifikation von Wettermodellen - Teil 2
Die Wetterdienste haben den Anspruch immer bessere Wettermodellen zu
entwickeln. Dazu müssen die Vorhersagen kontinuierlich auf ihre
Richtigkeit überprüft werden. Dieser Prozess wird Verifikation
genannt. Im Thema des Tages vom 11.09.2026 wurde ein erster Einblick
gegeben, der heute weitergeführt wird.
Wettervorhersagen sind eine schwierige Kunst, zum Glück gibt es
heutzutage zahlreiche Wettermodelle, die stetig weiterentwickelt
werden. Um überprüfen zu können, wie gut ihre Vorhersagequalität ist,
gibt es die Methoden der Verifikation. Im Thema des Tages vom
11.09.26 wurden erste Aspekte näher betrachtet. Heute soll es um die
kategorischen Gütemaße gehen.
Zur Erinnerung: Um beispielsweise Temperaturvorhersagen zu
überprüfen, werden kontinuierliche Gütemaße verwendet. Geht es jedoch
zum Beispiel um die Vorhersage, ob es regnet oder nicht, so wird nur
zwischen ja oder nein unterschieden. Daraus ergibt sich eine
sogenannte Wahrheitsmatrix mit vier verschiedenen Fällen. Ist das
Ereignis eingetreten und die Vorhersage "ja", so spricht man
beispielsweise von einem Treffer oder im Englischen "Hit".
Basierend auf dieser Einteilung lassen sich verschiedene Kenngrößen
berechnen. Die "Accuracy" (Genauigkeit) ist das Verhältnis der
korrekten Vorhersagen (A+D) zu der Gesamtheit der Betrachtungen
(A+B+C+D). Auf den ersten Blick möchte man meinen, eine Trefferquote
nahe eins bedeute automatisch eine gute Vorhersagequalität. Doch wie
so oft ist es nicht ganz so einfach. Stellen wir uns ein (noch)
extrem seltenes Ereignis vor, beispielsweise ob eine Lufttemperatur
von 41°C erreicht worden ist. Nun ist ein Modell, das einfach immer
"nein" vorhersagt, offensichtlich kein Modell, das irgendeinen
Mehrwert erzeugt. Trotzdem erreicht es eine Trefferquote, die sehr
nahe am perfekten Ergebnis liegt. Aus diesem Grund sollten immer
mehrere verschiedene Gütemaße zu Rate gezogen werden.
In unserem Beispiel bietet sich die "Probability of Detection" (POD)
an. Hier werden nur die "Hits" (A) betrachtet und deren Verhältnis zu
allen positiven Beobachtungen (A+C). Da unser Modell nie "ja"
vorhersagt, ist A=0 und somit besitzt diese Art der Vorhersage
keinerlei Präzision.
Das Gegenstück zur POD ist die "False Alarm Ratio" (FAR). Sie gibt
an, wie oft man falsch gelegen hat (B), wenn "ja" vorhergesagt wurde
(A+B). Diese beiden Größen ergänzen sich so gut, weil die POD
künstlich erhöht werden kann, wenn ein Ereignis zu häufig
vorhergesagt wird, die FAR jedoch genau das bestraft. Eine kleine
Randnotiz: Eine graphische Darstellung, welche sich der POD und FAR
bedient, ist das sogenannte ROC-Diagramm (Relative Operating
Characteristic), in diesem ist die FAR auf der x-Achse und die POD
auf der y-Achse dargestellt. Mit diesem kann untersucht werden, wie
gut ein Modell zwischen "ja" und "nein" unterscheiden kann.
Nun haben wir einen kleinen Einblick bekommen, wie kategorische
Vorhersagen untersucht und bewertet werden können. Spannenderweise
kann dieses Konzept auch auf die ausgegebenen amtlichen
Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes angewandt werden. In
diesem Fall ist das betrachtete Ereignis "Wird eine bestimmt
Warnschwelle in diesem Bereich überschritten?". Im Nachgang kann dann
herausgefunden werden, wie gut oder schlecht die herausgegebene
Warnung zu den schlussendlich gemessenen Werten gepasst hat.
Doch kommen wir zurück zu Vorhersagen, so fehlt eine Art noch
gänzlich. Wie kann eine wahrscheinlichkeitsbasierte Vorhersage der
Art: "Die Regenwahrscheinlichkeit beträgt 70%" objektiv bewertet
werden? Hier können die besprochenen Methoden nicht angewandt werden
und es muss umgedacht werden. Daher widmen wir uns diesem Thema ein
andermal.
M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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