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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Teil 1: Vendée Globe - mit dem Wind als Antrieb Einhand um die Welt


In wenigen Tagen werden die Teilnehmer der Regatta Vendée Globe in
den Hafen Les Sables-d?Olonne einlaufen - in aussichtsreicher
Position dabei: Boris Herrmann mit seiner Yacht SeaExplorer Yacht
Club de Monaco

Nach über 2 Monaten, nur mit ihrem Boot und auf sich allein gestellt,
nähern sich die Vendée Globe Einhandsegler dem Ziel, das am 8.
November auch der Start war: Les Sables-d'Olonne an der französischen
Biskayaküste. Ein Scherz kommt von einem Teilnehmer selbst, der
behauptet, er sei der wahre Einhandsegler: Damien Seguin mit der
Yacht Groupe APICIL, mehrfacher Paralympics- und
Weltmeisterschaftssieger. Sein Handicap: er wurde ohne linke Hand
geboren.

Die Route der Regatta führte durch den Atlantik, über das Kap der
Guten Hoffnung (Südafrika) vorbei am Cape Leeuwin (Australien), um
das Kap Hoorn (Südamerika) und wieder über den Atlantik zurück nach
Frankreich. Der Erfolg bei dieser Regatta wird im Wesentlichen durch
drei Faktoren bestimmt: Schiff, Skipper und Meteorologie. Im
Teilnehmerfeld segeln konventionelle Schiffe zusammen mit solchen,
die Flügel (sogenannte Foils) haben. Das sind Tragflächen, die bei
entsprechend günstigen Bedingungen das Schiff aus dem Wasser heben
und durch den Wegfall der Reibung zu einer erheblichen Erhöhung der
Geschwindigkeit führen. Das Problem ist, dass diese Flügel auch
abbrechen können - was in einigen Fällen auch geschehen ist und zu
zeitintensiven Reparaturen führte - natürlich nur durch den Skipper
durchgeführt mit den Hilfsmitteln, die er an Bord hat. Ein großes
Risiko bergen auch Kollisionen mit 'Treibgut' im weitesten Sinne: das
reicht von verlorenen Schiffscontainern bis zu treibenden Bojen. Nach
der Kollision mit einer Boje hatte ein Schiff ein Leck von einem
Meter im Rumpf.

Einige Yachten (auch die von Boris Herrmann) sind mit einem
Kamerasystem (Oscar) im Masttop ausgestattet, um bei Erkennen eines
Hindernisses den Autopiloten zum Ausweichen zu zwingen. Andere
Yachten haben Signalgeber im Kiel ('Pinger'), um nicht mit Walen zu
kollidieren. Havariefälle gab es unter anderem auch durch den Ausfall
der automatischen Steuerung, Mastbruch, strukturelle Schäden und
Hydraulikprobleme - von 33 gestarteten Yachten mussten 8 aufgeben.

Die Skipper sind natürlich alles professionelle Segler. Die Regatta
ist entsprechend dem Ausrichter Frankreich gerade dort ausgesprochen
populär, findet aber, genau wie die Tour de France, auch in den
überregionalen Medien eine große Resonanz. In Deutschland ist das
Medieninteresse durch den deutschen Teilnehmer Boris Herrmann mit der
Yacht SeaExplorer Club de Monaco besonders groß. Dieser hatte auch
schon ein Problem mit einem gerissenen Segel, das er zeitaufwendig
reparieren musste, hat aber andererseits noch eine Zeitgutschrift von
6 Stunden wegen einer Hilfestellung bei, die er bei einer
Rettungsaktion geleistet hat. Er liegt in aussichtsreicher Position
für einen der vorderen Plätze.

Die Regatta wird durch Hochtechnologie bestimmt, sowohl in der
Schiffsbautechnik als auch bei der Kommunikation. Die Schiffe können
mit der Formel 1 im Automobilbereich verglichen werden und sind
einzig auf Geschwindigkeit optimiert. Bei den Segeln kommen
Kevlar-Gewebe zum Einsatz, die sich durch hohe Reißfestigkeit,
geringes Gewicht und geringe Wasseraufnahme auszeichnen, was bei
ständig überkommendem Wasser in schwerer See natürlich besonders
wichtig ist. Die Schiffe sind derart leistungsoptimiert, dass die
Sicherheitsreserven nicht denen normaler Schiffe entsprechen. So ist
die Yacht PRB in grober See beim Auftreffen auf eine Welle mit einem
Knick von 90° im Rumpf auseinandergebrochen und gesunken: Der Segler
konnte gerade noch SOS senden und in die Rettungsinsel steigen. Er
wurde von Mitseglern gerettet. Die daraus entstandenen Zeitverluste
werden den Helfern nach Zieldurchgang gutgeschrieben. In Einzelfällen
summieren sich die Zeitgutschriften bereits auf bis zu 16 Stunden.
Mehrfach wurden auch schon schwere Reparaturen notwendig, sowohl an
den Flügeln als auch an den Kielen. Im Gegensatz zu normalen
Segelschiffen mit einem festen Kiel haben die Vendée Globe Yachten
meist einen hydraulisch schwenkbaren Kiel. Doch auch die Hydraulik
kann ausfallen. So musste die Seglerin Isabelle Joschke mit einem
freischwingend wackelnden Kiel bis Salvador de Bahia (Brasilien)
weitersegeln und ist damit aus dem Rennen.

Die gesamte Kommunikation wird über Iridium Satelliten abgewickelt.
Die Segler geben wiederholt Live-Interviews und kommunizieren mit
ihren Teams an Land, vor allem über Wetter, Satellitenbilder und die
Vorhersagen, um den optimalen Kurs zu finden.

Die Schiffe und die Segler werden durch Sponsoren finanziert, die im
Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Regatta natürlich
genannt werden wollen - dafür haben sie schon bei den Namen der
Yachten gesorgt. Den Namen der Yacht von Boris Herrmann 'SeaExplorer
Yacht Club de Monaco' hat sich Fürst Albert von Monaco sicher einiges
kosten lassen.

Welchen Einfluss die globale Zirkulation und das Wetter auf diese
Regatta haben, lesen Sie morgen im Thema des Tages.


Dipl.-Met. Bernd Richter/M.Sc. Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.01.2021

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Vom Winterempfinden und Stundenschnee



Im heutigen Tagesthema geht um eine verschobene Wahrnehmung, wie man
mittlerweile einen Winter wie den diesjährigen im Vergleich zu früher
einordnet.


In den vergangenen Tagen und Wochen hat es in vielen Teilen
Deutschlands zumindest vorübergehend für eine Schneedecke gereicht.
Im höheren Bergland liegt zum Teil mehr als ein halber Meter Schnee
(z.B. im Erzgebirge, Thüringer Wald oder Schwarzwald). Der ein oder
andere mag finden, dass wir in diesem Jahr endlich mal wieder richtig
Winter haben, manchen ist es gar schon zu viel.

Tatsächlich zeigt sich, dass sich durch den Klimawandel der
Blickwinkel vieler Menschen bereits deutlich verschoben hat. Vor 30
Jahren hätte man den Winter 2020/21 sicherlich nicht als sonderlich
winterlich empfunden. Aber schauen wir doch nochmal genauer drauf.

Bis vergangenes Jahr wurden die Monats- und Jahreszeitenrückblicke,
wie von der WMO empfohlen, immer mit dem vieljährigen Mittelwert von
1961 bis 1990 verglichen. Mit Ende des Jahres 2020 sind jetzt wieder
30 Jahre vergangen. Damit lassen sich aktuelle Monate mit dem neuen
vieljährigen Mittelwert von 1991 bis 2020 vergleichen.
Vergleicht man die alte und neue 30jährige Jahresmitteltemperatur für
Deutschland, kann man gut die Erwärmung der letzten Jahrzehnte
erkennen. So liegt das Deutschlandjahresmittel von 1991 bis 2020 1.1
K über dem von 1961 bis 1990. Für den Monat Januar liegt die
Abweichung sogar bei 1.4 K. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass ein
Januarmonat der damals durchschnittlich temperiert war, im Jahr 2021
als 1.4 K zu kalt in die Statistik eingehen würde. Mit Blick auf den
gesamten Winter, ist der Mittelwert im Deutschlandschnitt in den
vergangenen 30 Jahren um 1.2 K angestiegen.

Blicken wir nun nochmal auf die diesjährige Wintersaison. In den
vergangenen Jahren war es oft ziemlich mild. Gerade der Winter
2019/20 war ganze 4.2 K wärmer als nach dem Mittelwert 1961 bis 1990.
Auch nach dem neuen vieljährigen Mittel sind es noch 3 K. Dazu gab es
in vielen Regionen im Tiefland gar keinen Tag mit einer Schneedecke.
Insofern wirkt die diesjährige Saison 2020/21 bei weitem
winterlicher. Fast überall im Tiefland gab es bereits eine
Schneedecke und - so man denn darf - hat man jederzeit die
Möglichkeit im Bergland einen ordentlichen Schneespaziergang zu
machen.

Nun kommt natürlich das "Aber". Stundenschnee alleine macht noch
keinen Winter. Schauen wir also mal auf die Temperatur. Der erste
meteorologische Wintermonat Dezember war deutlich zu mild mit im
Schnitt +2.3 K über den vieljährigen Mittelwerten 1961 bis 1990 (1991
bis 2020: + 1.3 K).
Im grauen Januar hat es bisher nur selten für deftige Nachtfröste
gereicht. In vielen Metropolen hat es noch nicht einmal einen Eistag
gegeben (Tageshöchstwerte unter 0 Grad). Das gilt vor allem für die
west- und norddeutschen Großstädte. Folglich kommt der Januar mit
einer bisherigen deutschlandweiten Durchschnittstemperatur von +0,7
Grad auch nicht sonderlich kalt daher. Zieht man das neue vieljährige
Mittel heran, ist der Monat bis zum heutigen Tag mit -0.2 K derzeit
leicht unterdurchschnittlich. Vor 30 Jahren wäre der diesjährige
Januarmonat hingegen mit +1.2 K klar überdurchschnittlich. Gerade der
Januarmonat zeigt die Perspektivenverschiebung damit sehr deutlich.
Das menschliche Gedächtnis schaut gar keine 30 Jahre zurück, sondern
hat oft nur die letzten 10 Jahre in Erinnerung (man vergisst halt
sehr schnell). Das Temperaturmittel der letzten zehn Januarmonate
liegt nochmal 0.5 K höher als der 30jährige Mittelwert von 1991 bis
2020 und damit schon fast 2 Grad über dem letzten Mittel von 1961 bis
1990.

Insofern ist es verständlich, dass man diesen Winter (insbesondere
den Januar) schon als ganz ordentlich empfindet. Vergessen sind bei
vielen, vor allem jüngeren Menschen, die wirklich richtigen Winter.
Erwähnt seien zum Beispiel die Winter 1978/79, 1986/87 oder 1995/96.
Im Deutschlandschnitt waren diese im Vergleich zu 1991 bis 2020,
jeweils 3.2 K, 2.6 K und 3.5 K kälter. In im Deutschlandvergleich
milden Frankfurt gab es 1978/79 ganze 28 Eistage und die tiefste
Temperatur erreichte -17.0 Grad (1986/87: 24 Tage /-17.5 Grad,
1995/96: 21 Tag / -12.5 Grad).
Im Winter 1978/79 gab es in Frankfurt an 48 Tagen eine Schneedecke
(1986/87: 30 Tage, 1995/96: 28 Tage).
Schaut man in andere Regionen Deutschlands (z.B. in die neuen
Bundesländer), so lagen die Temperaturwerte teils noch deutlich
niedriger und der Schnee höher.

Natürlich waren die beispielhaft aufgeführten Winter auch vor 30
Jahren schon Ausnahmewinter. Das ändert aber nichts daran, dass sich
die Perspektive, mit der auf den diesjährigen Winter geschaut wird,
deutlich verschoben hat. Man kann sich schlicht einen Winter wie
damals heute gar nicht mehr vorstellen. Statt an zugefrorenen Seen
erfreut man sich mittlerweile an Stundenschnee und klar, die 17 cm in
Essen sind für Winterfans auch etwas Schönes. Was man allerdings
unter richtigem Winter versteht, gerät so langsam in Vergessenheit
... und daran wird sich bekanntlich auch zukünftig nichts ändern.

Dipl.-Met. Marcus Beyer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.01.2021

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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